Bild 1:
Tourposter Germany 2010,
Bild 2:
Flyer 2009,
Bild 3:
Flyer 2008,
Bild 4:
Flyer 2006
Völlig unverständlich, dass man nicht bereit war,
für die Fahrzeuge der
Künstler und der technischen Anlage eine
Durchfahrtsgenehmigung zu erteilen. So
blieb der Veranstaltungsort „Die Röhre“
leider unerreichbar für die Artists.
Ein für den 31.08. angesetzter Nachholtermin musste auch
wieder abgesetzt
werden, da Anthony B für diesen Tag bereits Verpflichtungen in
Skandinavien
eingegangen war. Zusätzlich zu den Aufdrucken der Tourposter
gab es aber am
27.08. noch einen Auftritt beim Chiemsse Reggae Summer, dessen
Veranstalter
aber auch nicht zu beneiden waren. Dort gab es dafür Probleme
mit dem als
Headliner angesetzten Sizzla. Es gab zwar überhaupt nicht die
geringste
politische Notwendigkeit das Konzert abzusetzen, aber man
fürchtete Randale von
gewaltbereiten Gruppen und um die Sicherheit der Besucher. "Gruppierungen
aus dem linksradikalen Spektrum gefährden mit der Anmeldung
mehrerer
Demonstrationen in unmittelbarer Nähe des
Festivalgeländes die Sicherheit der
Veranstaltung.", äußerte sich der
Veranstalter unter Anderem.
Weitere Informationen,
die ich an dieser Stelle nicht kommentieren möchte, gibt es u.
A. hier. Da kommen unangenehme
Erinnerungen vom vorjährigen Berliner Debakel hoch. Wann hat
das nur endlich einmal ein Ende?
Aber zurück zu Anthony B und nach Berlin, wo es zum
Glück
keinerlei Probleme gab. Die hier eingetretene Verlegung vom
ursprünglich
angesetzten Columbia-Club ins YAAM, hatte ganz
harmlose Gründe. Man war im Columbia-Club mit einigen
planmäßigen
Renovierungsarbeiten nur nicht rechtzeitig fertig geworden.
Für diesen Gig gilt
es Revelation Concerts und Trinity Music zu danken.
Keith Blair, alias Anthony
B,
wurde am 31.03.1976 auf Jamaika geboren. Es wäre
müßig weiterhin aus seiner
Biographie vorzutragen. Seit 1996 Anthony B-s Debütalbum
„Real Revolutionary“
in der Reggaewelt wie eine Bombe einschlug sind 14 Jahre vergangen und
Anthony
B gehört inzwischen zur absoluten Spitze des Genres. Wer
dennoch etwas
Nachholebedarf hat, sollte sich auf seiner offiziellen neuen Website ein wenig
umsehen. Seit dem wegweisenden „Real Revolutionary“
hat Anthony 20 Alben und
tausende Singles veröffentlicht. Darüber hinaus ist
er auf hunderten Alben
anderer Künstler oder Compilations mit vertreten. Sein
aktuelles Album „Rise
Up“, welches bedeutend besser als sein Vorläufer
„Life Over Death“ ist, wurde schon
im vorigen Jahr bei Greensleeves veröffentlicht. Für
„Rootser“ ist es ganz
sicher das bessere Album. Eine neue Veröffentlichung
dürfte nicht mehr lange
auf sich warten lassen.

Da wir im vorigen Jahr,
total geblendet von der
Bühnenbeleuchtung
des Summerjam, nicht viel von Anthony B sehen konnten, stand es
außer Frage für
uns, ihn auf seiner diesjährigen Tour wieder zu besuchen.
Hier ein paar
Eindrücke des Abends aus dem Berliner YAAM.
Rechtzeitig wie immer
machen wir uns auf den Weg. Kurz nach
der Auffahrt auf die Autobahn mischt sich ein ungewohnter Takt in die
Reggae-Klänge
unseres Players. Mir wird es warm, aber nicht ums Herz. Die
übernächste Abfahrt
geht es wieder runter, da die Polterei auf dem Dach nicht verstummt. Da
haben
wir den Salat. Der obere Gummi der Frontscheibe hat sich
gelöst und will
unbedingt seinen musikalischen Beitrag leisten. Dann plötzlich
riecht es auch
noch mächtig brenzlig. Eine der hinteren Bremsen ist offenbar
festgefahren und
auf der Felge könnte man Spiegeleier braten. Vielen Dank
lieber Fenstergummi!
Ohne dich wäre sicher noch Schlimmeres auf den
nächsten Kilometern passiert.
Was tun? Auto tauschen oder Werkstatt? Anthony B darf auf keinen Fall
für uns
ausfallen. Unsere Werkstatt ist nur eine Abfahrt zurück. Wir
versuchen unser
Glück, obwohl schon Feierabend ist. Es ist
tatsächlich noch jemand da, der bereit
für Überstunden ist und unser Auto sofort verarztet.
Wir sind erleichtert. Es
soll nur eine halbe Stunde dauern. Die Bremsklötzer
müssen gewechselt werden
und das gleich sicherheitshalber bei beiden Hinterrädern.
Unfassbar – ein dreijähriges
Auto! Als wir schließlich wieder in die richtige Richtung
weiterfahren können,
haben wir insgesamt eine Stunde eingebüßt. Gut, dass
wir rechtzeitig
losgefahren sind, sonst wär´s das für heute
gewesen.
Als wir kurz nach 21:00
Uhr auf dem Außengelände des YAAM
eintreffen, bietet sich uns ein ungewohntes Bild. So viel Betrieb um
diese Zeit
haben wir noch nie gesehen. Anthony B macht es offenbar
möglich. Auch drinnen
ist schon allerhand Betrieb. Sehe ich richtig? Auf der Bühne
steht Gunjah Deluxe* ohne Haare? Wie kam
es denn nur dazu? Von Anthony B und seiner Band ist zum
Glück noch nirgends etwas zu sehen. So haben wir noch
genügend Zeit uns auf den
Abend einzustimmen.
Es dauert noch bis 22:30 Uhr ehe die Band auf die Bühne
kommt. Es ist nicht die Star Trail Band mit Ras Droppa, die
man sonst in der
Regel mit Anthony B zusammen sehen kann. Heute ist es die Roots
Harmonics Band
aus Dänemark. An der Gitarre ist Bandleader und Manager Adil
Nadri, am Bass
Neville Moulton, an den Drums der fröhliche Edwin Marie und am
Keyboard Thomas
Leholt zu erleben.
Die Band spielt sich erst einmal ein paar Stücke ein, bevor
vielleicht nach ca. 15 Minuten „Equal Rights And
Justice“ aus dem Hintergrund
der Bühne ertönt. Als dann Anthony B auf die
Bühne kommt ist das „Chaos“
perfekt. Eine derartige Begrüßung habe ich noch
nicht bei Anthony B erlebt. Es
ist fast zu viel des Guten. Die Massive springt und jubelt vor der
Absperrung
und ist fast genauso groß wie Anthony B auf der
Bühne. Die Absperrung rückt
nach vorn und neigt sich bedenklich aus der Vertikalen. Und das beim
ersten
Titel, der noch nicht einmal der Höhepunkt und eher langsamer
Natur ist.

Anthony
B tritt heute wieder einmal ohne seinen gewohnten Stock auf. Jacke und
Hose
sind im hellen beige gehalten. Darunter trägt er ein
glitzerndes T-Shirt mit
einem großen Tigerkopf darauf. Der obligatorische Turban
besteht heute aus
einem braunen Tuch. Außer seiner Armbanduhr kann man bei
Anthony B keinen
Schmuck entdecken. Das ist fast immer so. Und wenn, dann gibt es
maximal einen
schlichten Armreif oder eine einfach gehaltene Halskette.

Weiter geht es mit
dem Knaller „World A Reggae Music“. Um mich herum
tobt es. Ich kann mich kaum
auf den Beinen halten, geschweige denn ein ordentliches Bild
schießen. Handtücher klatschen mir
vors Gesicht und die Linse meiner Kamera. Auf dem Rücken wird
es nass.
Hochgehaltene schwenkende Becher und Flaschen kotzen sich über
mich aus.
Anthony B legt auf dem selben Riddim noch weitere Tunes nach. Ein
Stimmungshoch, wie lange nicht erlebt, durchflutet das YAAM. Besonders
auffallend ist eine afrikanische Clique, die es aber trotzdem noch
schafft sich
in all dem Trubel mehrfach einen Joint zu drehen.
Mit Anthony
B gibt’s keine Bad Lyrics. Love and Peace, Equal Rights and
Justice, No more
War, Love urself, Free Buju und natürlich Legalize It sind
kennzeichnend für
sein Programm. Es gibt keinen Abbruch in der Stimmung.

“Life Over
Death”, …, “Waan Back”
– jetzt wird es Anthony B auch zu warm, und er beginnt
seine Jacke abzulegen. In jedem Tune bedient Anthony B die Roots und
die
Dancehall Massive gleichermaßen. Wer seinen
Bühnenstyle kennt, wird wissen,
dass es in jedem Stück eine Dancehallphase gibt. So wird es
keiner „Seite“ überdrüssig,
und es ergibt sich die perfekte Mischung.

„Reggae Gone
Pon Top“ und andere Sachen folgen. Dann
„… U
Are Warrior …“, wenn das so richtig ist? Den Titel
kenne ich noch nicht. Wieder
Klasse! Anthony B ist völlig durch. Dem Tigerkopf tropfen die
Zähne. Anthony
verlässt die Bühne und kommt im frischen blauen Shirt
mit der weißen Aufschrift
„Afreeca“ zurück. Aber auch das neue Shirt
hat Anthonys Körpereinsatz auf der
Bühne nichts entgegen zu setzen und dunkelt zusehends nach. Da
helfen auch
keine ruhigeren Stücke wie „Raid Di Barn“
mit Publikumsbeteiligung. „Yagga
yagga yoh … yaggediyaggediyaggediyooh
…..“ und alle geben ihr Bestes
zurück.

Die afrikanische Clique
hat inzwischen aufgegeben. Einer von den … Joints war
wohl „schlecht“ gewesen. Mir soll´s recht
sein. Ich bin von den Handtüchern
schon genügend durchmassiert und neu frisiert. Anthony
fühlt sich auch bemüßigt
den Dancehall ins rechte Licht zu rücken. Zuviel wird
darüber hergezogen.
„Dancehall is a jamaican beat!“, beton er in erster
Linie. Und da hat er Recht.
Nicht alles ist Gewalt, obwohl Dancehall überwiegend dazu
missbraucht wird, Bad
Lyrics unter die Leute zu bringen. „This ist the dancehall
segment“ macht
Anthony B im Programm weiter. „Tease Her“ und
andere Tunes folgen.


Dann kommt
auch noch die Polizei – ich meine natürlich den Tune
„Police“ und die Massive
grölt aus vollem Halse zurück. Mit
„Striving“ wird es dann richtig schön
melodisch und kuschelig. Die Massive schunkelt und Anthony B
schüttelt die
Hände die er erreichen kann. Der Titel dürfte nicht
enden. Für alle die das
ebenso sehen, sei die One Riddim CD „Rub-A-Dub“ aus
der Serie “Riddim Driven“ empfohlen.
Auf dem selben Riddim leitet dann Anthony B noch zu
„It´s Only One Spliff“ über.
Immer wieder mischt Anthony B Riddims und Tunes zu neuen Variationen,
die
bisher so nicht auf den offiziellen Alben zu hören sind.

Ganz am Ende gibt es
mit „Crazy Life“, jedoch in der Variante
„Love Urself“, einen wunderschön
gesungenen Abschluss. Liebe dich selbst und glaube an dich, nur so
kannst du
was bewirken und andere lieben. Er steigt auf die Boxen, damit er auch
den
hintersten Reihen zuwinken kann, bevor er wieder völlig
durchgeweicht die Bühne
verlässt. Die Band spielt noch etwas nach und beendet diese
grandiose Hymne
mehr als würdig. Edwin Marie setzt mit einem freudigen Lachen,
welches ihn fast
die ganze Show nicht verlassen hat, den Schlusspunkt an den Drums. Die
Massive
ist begeistert und zufrieden. Inzwischen ist es 0:30 Uhr geworden. Ein
zweistündiges perfektes Konzert ist zu Ende gegangen.

Backstage ist Anthony B
wie gewohnt sehr aufmerksam. Die
Wartenden müssen ihn in der Regel gar nicht erst ansprechen.
Bei Anthony B
läuft das umgekehrt. Er oder ein Mitglied seines Teams stellen
von selbst den
Kontakt zu den Gästen her. Respekt! Mit viel Geduld und in
aller Ruhe werden
alle Anliegen abgearbeitet.

Bild 4:
Adil
Nadri und Neville Moulton von der Roots Harmonics Band
Heute hat ihn die Show
aber doch etwas mitgenommen.
„Ich bin ein wenig krank.“, bekennt er mit etwas
angerauter Stimme. Gute
Besserung Anthony und viel Erfolg auf der weiteren Tour! Immerhin
liegen auch noch
einige Termine vor ihm.
Copyright: Text und Fotos
by Reggaestory
Mein
besonderer Dank geht an Lena und das YAAM Team, Susa
von Trinity Music, Tourmanager Christoph von Revelation Concerts und
natürlich
Anthony B und die Roots Harmonics Band mit deren Manager Adil Nadri.
Wer eines der genannten
Alben benötigt, sollte sich auf die
Suche bei Irie Records begeben bzw. dort
anfragen. |