Es wäre aber
müßig noch einmal länger darauf einzugehen.
Ich
denke, dass dazu von allen Seiten genügend Kommentare
vorliegen.
Buju Banton, der
eigentlich Mark Anthony Myrie heißt und
auch Gargamel genannt wird, ist eine der gewaltigsten und
unverwechselbarsten Stimmen
im Reggae. Unvergesslich sind die mitreißenden
Bühnenauftritte, bei der Buju
kaum Ruhe findet und nahezu alles aus sich herausholt.
Gegenwärtig
ist Buju wieder auf Tour in Europa um sein neues
Album „Rasta Got Soul“ zu promoten.
Zum Glück
seiner Roots-Fans, bewegt sich Buju nach seinem
Kurzausflug in die Dancehall, was er mit seinem 2006-er Album
„Too Bad“ belegt
hat, damit wieder zurück in die Roots-Reggae-Liga.
Im hiesigen Lande
hält man sich aber offenbar weitestgehend zurück
ein richtiges Tourprogramm zu organisieren und beschränkt sich
auf wenige,
zeitlich weit auseinander liegende Einzelauftritte, wie am 10. Juli im
Münchener Backstage, am 04. Juli beim Summerjam
und eben am 07. Juni im
Columbia Club in Berlin. Hoch anzurechnen ist das Engagement von Fire
Feste / Blazin
Fire Sound
,
der sich trotz Allem Buju angenommen und keine Mühen und
Risiken gescheut
hat, den Berliner Termin zu ermöglichen. Also fahren wir recht
frühzeitig mit hohen Erwartungen zum Columbia
Club, der sich in unmittelbarer Nähe des
kürzlich still gelegten
Flughafens Berlin-Tempelhof befindet. Wir möchten den ganzen
Ablauf des Gigs
inkl. Soundcheck verfolgen und schon da sein, wenn der Tourbus
eintrifft. Mit
etwas Überraschung stellen wir fest, dass nicht ein einziges
Poster von Buju
auf die heutige Veranstaltung hinweist, obwohl unendlich viel Werbung
für
andere Anlässe im Außenbereich von Columbia Club und
Columbiahalle vorzufinden
ist. Will man vielleicht nicht unnötig Aufmerksamkeit hier
erregen? Wir treffen
Jabbar von Fire Feste, der alle Fäden in der Hand
hält und sichtlich viel zu regeln
hat. Trotz Organisationsstress hat er immer noch ein Ohr frei
für alle
möglichen Anfragen, wird zusätzlich noch
ständig per Handy angeklingelt und
strahlt immer noch Ruhe und Besonnenheit aus. Die Veranstaltung
dürfte also in
guten Händen sein.
Support Act Twenty
Trees
aus Bayern ist bereits dabei die
Bühne einzurichten und sich mit der Technik abzustimmen. Es
gibt noch viel zu
tun und alle reden von Zeitverzug, obwohl es erst 16:00 Uhr ist. Die
Ankunft
von Bujus Tourbus soll sich zum allgemeinen Ungemach auch noch
verzögern. Es
ist die Rede von 18:00 Uhr oder gar später. Aber die Sorge war
umsonst, denn
halb 5 rollt der Bus in den Hof und das Equipment der Shiloh Band wird
in den
Saal getragen. Twenty Trees muss ihren Soundcheck nun unterbrechen und
macht
für die Shiloh Band den Weg frei. Diese proben nach der
Ansicht von Twenty
Trees entschieden zu lange, besonders am Schlagzeug. Man nimmt..s aber
mit Humor
und meint: „Wenn es bei denen richtig gut klingt, ist es bei
uns dann ebenso.“
Etwas später
dann öffnet sich das Tor zum Innenhof des
Columbia erneut und ein nicht enden wollender grüner
Fahrzeugkonvoi rollt auf
das Gelände. Schon ein wenig unfassbar – 9
große Polizeitransporter versammeln
sich nun im Innenhof, die schätzungsweise eine knappe
Hundertschaft von
Polizisten mit sich bringen. Kennzeichnend offen tragende Bewaffnung
und im Innern
der Transporter Schutzhelme und die volle Kampfausrüstung.
Unbehagen macht sich
breit. Was geht hier eigentlich ab? Eine Hundertschaft zur
Überwachung eines
Sängers? Insider reden sogar von zwei Hundertschaften die in
Bereitschaft
seien, sowie zusätzlichem Zivilpersonal auf dem Saal inklusive
Dolmetscher, die
Bujus Aussagen überwachen sollen. „Ein falsches Wort
und der Saal wird
geräumt!“, hören wir – so ist die
Devise. Was denken sich die Verantwortlichen
eigentlich, wie ein Reggaekonzert abläuft? Ob sich denn schon
jemand die Mühe
gemacht hat, sich über Bujus vorangegangene Konzerte zu
informieren oder sich eines
anzusehen? Die hiesigen Reggaefans dürften die friedlichsten
Konzertbesucher
überhaupt sein, zumindest im Vergleich zu Rock und Pop und
ähnlichen
Musikrichtungen. Es dürfte kein Reggaekonzert in Deutschland
bekannt geworden
sein, wo es zu Ausschreitungen von Fans oder Künstlern
gekommen ist.
Der günstige
Nebeneffekt – unser Auto im Hof ist so gut
bewacht wie nie zuvor. Die Polizei kontrolliert den Club, dessen
Räume und
Türen. Schlösser werden geprüft. Der
Sicherheitsdienst bekommt zusätzliche verschärfte
Instruktionen. Trotz gültigem Backstagepass werden wir
aufgefordert in den Saal
zu gehen. Die Pässe werden sondiert nach Künstlern
und deren Crew und den
anderen Leuten. Man will offenbar keine Presseleute hier haben und das
Polizeiaufgebot ein wenig verdeckt halten. Wir erledigen also noch
schnell ein
paar Fotos, zu denen wir uns mit den Twenty Trees bereits abgesprochen
hatten,
bevor sich die Tür für uns schließt.
Inzwischen hat der
Einlass für die Konzertbesucher begonnen,
die mit ungewohnter Akribie gefilzt und abgetastet werden, wie man es
selten
sieht. Die meisten können darüber nur schmunzeln oder
schütteln mit dem Kopf.
Es sollte mich wundern, wenn man da außer ein wenig Gras
vielleicht etwas
Gefährliches gefunden haben sollte. Im Saal bauen inzwischen
zwei von Bujus
Leuten einen kleinen Shop auf, wo es T-Shirts und Tourposter zu kaufen
geben
soll. Plötzlich kommt ein Polizist im übertriebenen
Sturmschritt angestürzt als
sei Gefahr in Verzug, um den Stand unter die Lupe zu nehmen. Sie suchen
nach
Tonträgern, die das böse Lied „Boom Bye
Bye“ aus dem Jahre 1992 (!) enthalten.
Buju hat allerdings nicht einen einzigen Tonträger dabei und
diesen schon gar
nicht. Buju verzichtet sogar selbst darauf, die Alben die dieses
Stück
enthalten, auf seiner Website mit anzuführen. Die Annahme, er
würde sie hier
anbieten wollen, ist geradezu albern.
Mit solchen Aktionen erweckt man erst die Neugier von bisher
Unwissenden. Der Vollständigkeit halber muss
natürlich nun auch angeführt
werden, dass es sich um die Alben “Various Songs“
und „Best Of The Early Years
1990-95“ handelt. Die Shopbetreuer schauen nur
ungläubig und können gar nicht
nachvollziehen, was man von ihnen will. Offensichtlich eine
überaus abwegige
Unterstellung.
Ich kann mich nicht
entsinnen auf einem anderen Konzert
bewaffnete Polizisten über den Saal laufen gesehen zu haben.
Zum Glück
spielen inzwischen die Sounds auf und bringen uns
auf andere Gedanken, bevor wir unsere Nerven noch weiter in dieser
Sache
aufreiben. Daddy Bantam bringt mit den richtigen Tracks die Massive in
Stimmung, die schon äußerst zahlreich vertreten ist.
Mit dem
anschließenden Auftritt von Twenty Trees beginnt
dann das Live-Programm des Abends.
Twenty Trees, die seit
ewigen Zeiten nicht mehr in Berlin
waren, präsentieren dank ihrer zahlreichen Besetzung einen
klasse Sound, an dem
es nichts auszusetzen gibt.
Nun wird die Shiloh
Band angekündigt, die sich aber kurz
darauf noch einmal für 5 Minuten entschuldigt, bevor sie mit
zwei Vorsängern
das weitere Programm eröffnet.
Buju zieht durch ohne
Pause und das fast zwei Stunden lang.
Zwischendurch nur ab und zu ein etwas ruhiger Titel, der vielleicht
für etwas
Erholung sorgt. Sein blaues Hemd hat zum Ende der Show komplett den
Farbton
gewechselt und besitzt keine trockene Stelle mehr.
Die Inhaber der
Backstagepässe dürfen nun auch wieder in
Richtung Hof passieren, wo die grüne Farbe inzwischen wieder
deutlich abgenommen
hat. Es stürzt zwar noch einmal ein sichtlich erregter
Polizist mit
einschüchternder Miene an uns vorbei in den Saal, was uns nun
aber völlig egal
ist. Was er nur hat? Die werden sich doch nicht etwa ärgern,
dass sie hier
völlig überflüssig waren?
Vielleicht denkt man ja
nun anders über Bujus Konzerte und
Reggae-Events im Allgemeinen, wenn man die ausgelassene und friedliche
Stimmung
des Abends und Bujus beeindruckende Performance gesehen hat. Wir hoffen
es
zumindest. Noch mehr amtliche Zeugen wie an diesem Abend kann es ja
kaum geben.
Mein besonderer Dank geht an Jabbar von Fire Feste
/ Blazin Fire Sound und natürlich an die Akteure
des Abends selbst |