Im Rahmen des Karnevals der Kulturen, gab es
mit der diesjährigen „Caribbean Invasion“,
im Berliner YAAM, wieder die offizielle Abschlussparty des Tages.
Den einen oder anderen Artist konnte man schon beim Karnevalsumzug
entdecken, sofern einem die Gesichter geläufig waren. So
konnte man Da´Ville, von den übrigen Gästen
weitestgehend unerkannt, schon auf dem YAAM Truck entdecken.
Bild: Da´Ville (violette
Kleidung) auf dem YAAM Truck beim Karneval der Kulturen 2012
Der nachfolgende Bericht soll auch hauptsächlich Da´Ville gewidmet
werden, obwohl mit Bunji Garlin und Faye Ann Lyons, noch weitere
hochkarätige Artists auf dem Programm standen.
Orville Thomas, alias Da´Ville, wurde am 24. Januar 1982 in
Kingston, Jamaika, geboren.
Es gibt auch Quellen, die von 1978 sprechen. Er ist das erste von
sieben Kindern seiner Familie.
Da´Ville wuchs überwiegend bei seiner
Großmutter auf, die großen Wert auf Bildung und
Religion legte. Sein Vater, Jah Thomas,
wurde in den 70-er Jahren als Sänger bekannt, und hat sich bis
heute eine ansehnliche Discography erarbeitet. Beste Voraussetzungen
also für Da´Villes musikalische Zukunft.
Bild 1: Jah Thomas – Dance
On The Corner (1979 / 2006) Bild 2: Jah Thomas – Nah
Fight Over Woman (1980) Bild 3: Jah Thomas – Dance
Hall Stylee (1982) Bild 4: Jah Thomas – Dance
Hall Connection (1983 / 2005) Bild 5: Jah Thomas – Meets
The Roots Radics – Dubbing (1999)
Wie bei den meisten jamaikanischen Künstlern wurde auch bei
Da´Ville der Grundstein im Kirchen- und Schulchor gelegt. Er
setzte all seine Kraft in die Entwicklung seiner Fähigkeiten,
in der Hoffnung, dass sich sein Traum, ein guter Entertainer zu werden,
erfüllen würde.
Mit 16 Jahren schrieb er mit Unterstützung seines Vaters
seinen ersten Song.
Seine Ambitionen auf eine musikalische Laufbahn waren aber vorerst
nicht von Erfolg gekrönt.
Nach seinem Abschluss an der High School arbeitete er deshalb zuerst in
verschiedenen Jobs als Fabrik- oder Lagerarbeiter.
Später bekam er Kontakt zu einer Band namens APR (A
Raw
Perspective) und wurde sogar Leadsänger der
fünfköpfigen Gruppe. Erste Erfolge stellten sich ein,
und gemeinsame Stücke mit Beenie Man und Shaggy erschienen auf
deren Alben.
Im Jahr 2001 entschied sich Da´Ville für die
Solokarriere und schloss einen Vertrag mit Penthouse Records ab. Das
Ergebnis davon waren einige Hits wie „Love Will Show Me The
Way“, „My Ego“, „All My
Life“ oder „Cruzin“. Mit Marcia Griffith
nahm er das Stück „All My Life“,
später noch einmal auf, wodurch ihm eine Nominierung beim
REGGAESOCA Music Awards 2001 gelang.
Weitere Hit-Singles folgten, und 2003 trat er vor tausenden Fans beim
Sting auf. In den Folgejahren kamen weitere Festivalauftritte und
Tourneen in der Karibik, sowie den USA und Japan hinzu.
Da´Villes Bekanntheitsgrad im In- und Ausland wuchs stetig
an. Inzwischen war er ein routinierter Songschreiber, Komponist und
Produzent geworden, der in der Regel keine fremde
Unterstützung mehr nötig hatte. Nach ein paar Jahren
trennte sich Da´Ville von Penthosue Records.
Er arbeitete danach mit verschiedenen Produzenten zusammen, drehte
Musikvideos und trat in unterschiedlichen Werbespots auf. Mit dabei
unter anderem Marken wie Nike, Nesta und Mizchif Clothing (Japan),
Cooyah Clothing (USA) oder Spring Water aus Jamaika.
Mit seiner Single „In Heaven“ kam
schließlich sein bis dahin erfolgreichster Hit unter die
Leute, dem im August 2005 das gleichnamige Debutalbum folgte.
Produziert wurde es für sein eigenes Label Fashozy Records
und in Japan von der Avex Entertainment Group
veröffentlicht. Im Jahr 2005 war es in Japan das
meistverkaufte Reggae Album. Mit Avex brachte er in drei Jahren drei
erfolgreiche Alben heraus. Neben dem Debutalbum „In
Heaven“ waren das „Can´t Get Over
You“ (2006 – CD+DVD) und „On My
Mind“ (2007).
Bild 1: Da´Ville –
In Heaven (2005) Bild 2: Da´Ville –
Can´t Get Over You (2006) Bild 3: Da´Ville –
On My Mind (2007)
Da´Ville ist dadurch einer der berühmtesten
Reggae-Artists in Japan geworden. Aber auch außerhalb von
Japan, in Jamaika und international stürmte seine Musik die
Charts. Seine Mischung aus Dancehall und Lovers Rock kommt inzwischen
weltweit sehr gut an. Die Single „On My Mind“ lag
in mehreren internationalen Charts von Amerika, Europa und Afrika auf
Platz 1. In Jamaika hielt sie sich 5 Wochen und in New York 3 Wochen
lang an der Spitze. Im Dezember 2006 wurde er mit Stone Loves
„Singer Of The Year“ ausgezeichnet und gewann von
mehreren Nominierungen bei den „26th International Reggae
& World Music Awards“, in der Kategorie
„Most Improved Entertainer“, für das Jahr
2006.
Im Jahr 2009 folgte sein viertes Album „Ichiban“,
wiederum produziert für Fashozy Records und bei Avex
veröffentlicht. „Missing You Right Now“
ist der bekannteste und erfolgreichste Titel des Albums. Seit Mai 2012
liegt nun mit „Vitamin D – The Mix Tape“
das bisher aktuellste Werk in den Playern. Die Single Auskopplung
„You Got Di Ting“, eine Dancehall Nummer, sorgt
schon eine Weile für Wellen in den Radiosendern. Aber
Da´Ville bleibt seiner Mischung treu. Eingängige
Lovers Rock Nummern wie „Putting Up Resistance“
oder „When I´m With You“ befriedigen auch
weiterhin die Schmusefraktion.
Bild 1: Da´Ville –
Ichiban (2009) Bild 2 + 3: Da´Ville –
Vitamin D – The Mix Tape (Mai 2012)
Hier ein paar
Eindrücke aus dem Berliner YAAM.
Es ist ein ganzes Stück nach 22:00 Uhr. Der YAAM Truck ist
inzwischen vom Umzug sicher zurückgekehrt. Teile der
Dekoration haben Federn lassen müssen. Beim Umzug blieben so
einige Aufbauten in den Bäumen hängen, konnten aber
weitestgehend von den Wageninsassen aufgefangen und gesichert werden.
Am Einlass bildet sich eine nicht abreißende Warteschlange
– über Stunden.
Es dauert so einige Zeit, bis sich die Partygäste aus dem
Karnevalgelände vom Blücherplatz und der
Umzugsstrecke, gelöst und hier her gefunden haben.
Das Gelände füllt sich aber zusehends. Auch drinnen
wird es immer dichter und karibisch warm.
Als weit nach Mitternacht das Live Programm mit den Soca Twins in die
Gänge kommt, ist aber an der Kasse immer noch kein Ende
abzusehen. Die Veranstalter können sich glücklich
schätzen. Nach vorsichtigen Schätzungen ist die
vierstellige Marke sicher schon überschritten
sein. Wer seinen Platz noch nicht eingenommen hat, dürfte
schlechte Karten haben. Ein Durchkommen wird immer schwieriger.
Dann erscheint DJ
Splackavelli auf der Bühne und beendet erst
einmal die Soca Phase des Abends. Reggae Klassiker von Bob Marley
verdeutlichen lautstark, wer trotz aller genialen
Nachwuchsgrößen immer noch der King ist. Immer
wieder von neuem beeindruckend wie diese Musik klingt und
einschlägt. Splackavelli ebnet damit den musikalischen
Einstieg für Da´Ville, der bald darauf auf die
Bühne kommt.
Nach dessen Einleitung mit einem kurzen Querschnitt durch diverse Hits
geht es mit „Fling It Up Pon Me“ (Shanty Town
Riddim) und dem gewaltigen „High Grade“ (Welcome To
Jamrock Riddim) schon richtig zur Sache. Splackavelli und
Da´Ville fechten den Kampf um die beste Seite aus, der ganz
klar von Da´Ville und einer lautstarken Sängerin in
der ersten Reihe, mit „Welcome To Berlin“ gewonnen
wird.
Sehr schade nur, dass das Ganze überwiegend auf einer
mächtig finsteren Bühne abläuft.
Wären da nicht der eine oder andere Videofilmer mit externer
Beleuchtung drauf, würde man fast gar nichts erkennen. Leider
ist das die gesamte Show so. Die wenigen Lichteffekte, die von der
Beleuchtungsanlage kommen, kann man fast vernachlässigen und
sind nicht ausreichend.
Live
Video:
Fling It Up Pon Me und High Grade
Danach folgen natürlich auch die ganzen Ohrwürmer wie
„In Heaven“, „Always In My
Mind“ und andere, die für lautstarken Gesang bei der
Massive sorgen.
Live
Video: In
Heaven
Live
Video:
Always On My Mind
Zum Ende der Show hievt Da´Ville die Sängerin von
„Welcome To Berlin“ über die Absperrung,
trägt sie auf die Bühne und präsentiert mit
ihr gemeinsam die aktuelle Single „You Got Di
Thing“.
Dabei gibt es Dancehall in allen Positionen. Kurz
danach stößt noch eine weitere Tänzerin zur
Verstärkung hinzu. Ein Klaps von Da´Ville auf das
Hinterteil für die Neue, und noch einmal beginnt das Ganze von
vorne.
Live
Video: You
Got Di Ting (Ausschnitt)
Da´Villes Abschied von der Bühne ist auch
für mich das Signal zum Aufbruch. Den weiteren Verlauf des
Abends bzw. des Morgens überlasse ich anderen
Berichterstattern und räume das Feld.
Nach Da´Villes und Splackavellis Show ergibt sich aber noch
die Gelegenheit für ein paar Fotos und eines kurzen
Interviews.
Reggaestory.de:
Hallo Da´Ville! Vielen Dank für diese
großartige Show hier im YAAM. Hast du ein wenig Zeit
für ein paar Fragen? D´Ville:
Ja sicher. Reggaestory.de:
Ist das dein erstes Mal in Berlin, und wie war der Karnevalumzug? Ich
bin mir sicher dich auf dem YAAM Truck gesehen zu haben. Da´Ville:
Nun, ja es ist mein erstes Mal hier in Berlin und Deutschland. Der
Karneval war großartig. Ich wusste nicht, dass die Leute das
hier so feiern. Aber ich denke, jetzt weiß ich es,
… und ... (lacht) ... ja ich war auch auf dem YAAM Truck,
der voll
von großartigen Vibes und Energy war. Wirklich aufregend die
ganze Sache und eine tolle Erfahrung für mich. Reggaestory.de:
Wie lang wird dein Aufenthalt in Berlin sein und was hast du noch auf
dem Plan hier? Da´Ville:
Ich bin nur für ein paar Tage hier. Ich habe Shows in ganz
Europa und meine Anwesenheit in Berlin ist nur ein Stop
während meiner Tour. Reggaestory.de:
Ist dein Album „Vitamin D – The Mixtape“
nur für die Werbung oder ist das schon dein wirkliches neues
Album mit allen neuen Songs? Da´Ville:
Die „Vitamin D Mix CD“ ist nur eine Werbeaktion,
welches mein Team und ich, als Geschenk und Unterstützung
für meine Fans zusammengestellt haben
Reggaestory.de:
Wann war dein Geburtsdatum? Die Quellen sagen Unterschiedliches. 1978,
1982 oder ein anderes Jahr? Da´Ville:
19… und etwas glaube ich … (lacht) …
ja ich weiß, ich bin sehr jung oder? Reggaestory.de:
Was bedeutet dein Künstlername Da´Ville für
dich? Da´Ville:
Der Name Da´Ville ist ein Name, den ich mir selbst gegeben
habe. Es hat auch eine Bedeutung in Französisch und bedeutet
die Villa oder das Dorf. Für mich bedeutet es alles, es
repräsentiert den Mann und die Musik, verstehst du? Reggaestory.de:
Bist du verheiratet und hast du Kinder? Da´Ville:
…(schweigt) ... Gehen wir zur nächsten Frage. Reggaestory.de:
Was machst du in deiner Freizeit, wenn du nicht an deiner Musik
arbeitest?
Da´Ville:
Naja, wenn ich keine Musik mache, verwende ich normaler Weise meine
freie Zeit, um sie mit der Familie und Freunden zu verbringen. Ich
reise auch gerne und genieße es Sport zu treiben wie
Fußball
oder Basketball. Es gibt da weiterhin noch ein paar Charity Events, die
einen Teil meiner Freizeit ausfüllen. Reggaestory.de:
Was ist dein Wunsch für die Zukunft? Da´Ville:
Weltfrieden, Einheit und Liebe für die gesamte Menschheit, und
ich möchte eine sehr glückliche und produktive
Zukunft haben. Ich wünsche mir eine gute Familie und Freunde
und für sie das Beste was das Leben zu bieten hat. Reggaestory.de:
Möchtest du selber ein paar Worte an die Leser
dieser Story und des Interviews sagen? Da´Ville:
Sicher …ich möchte nur vielen Dank sagen,
für die Zeit um mich und meine Musik kennen zu lernen. Und sie
werden mich kennenlernen. Mein neues Album, von Fashozy Records
produziert, wird Mitte Juni in den Geschäften und online zu
bekommen sein.
Folgt mir auf Twitter
und besucht mich auch auf Facebook.
Reggaestory.de:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview.
Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für die
Zukunft! Da´Ville:
No problem, thanks for the energy.
Copyright: Text und Fotos by Reggaestory
Mein besonderer Dank geht an Lena und das YAAM Team, SuperLock Shows
und natürlich an die Artists des Abends.