Harrison Stafford entdeckte
zwar schon als Kind seine Liebe
zum Reggae und unterrichtet später als einziger Professor in
den USA das
Spezialfach "History of Reggae", bekennt sich zu Rastafari, bleibt
aber nach wie vor dem Jazz verbunden. Die Musik von Groundation ist
eine
einzigartige Symbiose aus Roots-Reggae, Dub und Jazz. Heraus kommt ein
gewaltiger Sound, der vielfach von längeren Instrumentalsolis
unterbrochen
wird. Ein Style den es in dieser Form kein zweites Mal auf dieser Erde
gibt.
Hinzu kommt Harrisons markante Stimme, die sich mit bereits erfolgten
Zusammenarbeiten von Apple Gabriel und Cedric Myton Congo gut verbinden
lässt.
Groundation eint und spaltet mit ihrer Musik gleichermaßen
die Fangemeinde von
Reggae und Jazz. Man fühlt sich hin und her gerissen. Wer sich
einmal darauf
eingelassen hat, kommt so leicht nicht mehr davon los. Mehr Infos zu
Groundation gibt es unter http://www.myspace.com/groundation
und http://www.groundation.com/home.html.

Bild 1 + 2: Album-Cover
“Each
One Teach One”
(2001)
Bild 3:
Album-Cover “Hebron Gate” (2003)
Bild 4:
Album-Cover “Free Again” (2004)

Das neue
Album “Here I
Am” (2009)
Tracklist
„Here I Am“
Run
The Plan 7:20
Everyone
Could Lose 3:31
So
Blind 4:35
Time
Come 7:30
By
All Means 3:48
Blues
Away 4:54
Not
So Simple 5:56
Here
I Am 6:45
You
Can Profit 3:55
Beating
Heart 4:11
Walk
Upright 4:48
Golan To Galilee 3:21
Nachdem
wir Groundation schon beim Summerjam diesen Jahres
erleben konnten, zog es uns trotzdem noch einmal nach Berlin, um die
letzte
deutsche Station der „Here I Am“ Tour erleben zu
können.
Hier ein paar
Eindrücke des Abends.
Eigentlich hatten wir ein
nicht so zahlreiches Publikum
erwartet, da zeitgleich auf der Hoppetosse „7 Jahre
Herbclub“ gefeiert werden
sollte. Mit dabei dort unter Anderen Benjie, Vido Jelashe und Ganjaman.
Da
dürfte sich die Reggaemassive etwas verteilen. Aber es kommt
anders. Wie zuvor
erwähnt, ist bei Groundation nicht die gewohnte Reggaemassive
vertreten. Die
Spaltung der Reggaefans wird durch andere Besucher mehr als
ausgeglichen. Das
Kesselhaus ist also gut gefüllt, als im Vorprogramm das Berlin
Boom Orchestra
kurz nach 21:00 Uhr eröffnet. Sogar die Galerie ist heute
wieder einmal
zugänglich.
Das Berlin
Boom Orchestra ist, wie der Name schon sagt, in
Berlin zuhause. Die Band wurde 2006
gegründet
und besteht aus 9 Mitgliedern. Ska, Reggae und Dancehall
haben sie sich auf die Fahne geschrieben. Im Jahr 2008 kam ihr
erstes Studioalbum „Kaboom“ bei MKZWO heraus. Mit
"Live in Kreuzberg"
wurde im Mai 2009 die nächste Scheibe veröffentlicht.
Diese Live-Aufnahmen
wurden vom allseits bekannten Multitalent Ganjaman abgemischt und mit
einer
Release Party, im Club Maria am Ostbahnhof, der Öffentlichkeit
präsentiert.
Ein besonderer Meilenstein in der noch jungen Bandgeschichte
ist die Teilnahme am „European Reggae Contest
2009“, den sie in Deutschland für
sich entscheiden konnten. Wie das zu werten ist, sei dahingestellt. Wie
schon
früher beim „1. German Reggae Grammy“ im
Jahr 2005, gab es dazu unterschiedliche
Presse. Denn die teilnehmenden
Artists oder Bands, konnten bei Weitem
nicht das
hiesige Reggae-Potential präsentierten.
Viele gute Leute waren nicht dabei. Als ich mir im Zuge des Votings
auch die
Musik vom Berlin Boom Orchestra anhörte, hätte ich
noch nicht mit dem später
eintreffenden Ergebnis gerechnet. So sind meine Erwartungen an das
Vorprogramm
eher verhalten.

Allerdings bin ich dann sehr überrascht vom Sound der Band,
die bedeutend besser klingt, als das was ich bisher von ihnen auf deren
Website
gehört habe. Das Berlin Boom Orchestra ist eine echte
Bereicherung für die
deutsche Reggaelandschaft. „Habt ihr Bock auf
Groundation?!“, ruft Sänger Bruno
in die Massen, kurz vor Ende des knapp einstündigen Programms
und es kommt
zurück: „Jaaaaaa - und auf euch auch!“ Dem
kann man sich anschließen und gibt
die überwiegende Meinung der Massive wieder. Eine Zugabe wird
noch gespielt und
dann geht es in die Pause.

Jetzt ist die Technik gefragt. Der doppelte Bühnenaufbau muss
zurückgebaut werden und die Instrumente von Groundation werden
zurechtgerückt
und eingestimmt. Gegen 22:30 Uhr ist dann alles so wie es sein soll und
die
Techniker verlassen die Bühne.

Harrison Stafford, Marcus Urani und all die anderen
Bandmitglieder kommen kurz darauf unter großem Jubel auf die
Bühne. Analog wie
das Berlin Boom Orchestra ist man heute mit 9 Leuten am Start.
Backgroundsängerin
Kim Pommel und …… „Wer ist denn
das?“, frage ich mich. Stephanie Wallace ist
kaum wieder zu erkennen, wenn man nicht die Gesichtszüge und
deren Bewegungen
gespeichert hat. Beim diesjährigen Summerjam noch mit
schönen langen Haaren,
tritt sie heute mit afrikanischer Kurzhaarfrisur auf.

Nachfolgend: Stephanie im Vergleich
zum Summerjam 2009

Weitere Überraschungen gibt es nicht. Alle anderen
Bandmitglieder sind noch die Selben und nehmen in der gewohnten
Aufstellung die
Bühne ein. Harrison anfangs noch in dicker grüner
Jacke und hochgeschlossenem
Kragen ist bald aufgewärmt und legt diese ab. Die Massive ist
von Anfang an in
hervorragender Stimmung und feiert eine Band, die in der
Kreativität jedes
einzelnen Mitgliedes keine Grenzen kennt. Groundation spielt sich quer
durch ihr
Repertoire und stellt natürlich eine Reihe von Titeln des
neuen Albums mit vor.
Immerhin heißt die Tour „Here I Am“.

Zwischendurch immer wieder ausgeprägte Instrumentalsolis,
die von der Massive ausgiebig gefeiert werden, besonders das vom Mann
an den
Percussions. Obwohl das Programm äußerst vielseitig
ist und für mächtige
Stimmung sorgt, vermisse ich ein paar Highlights vom Kaliber eines
„Freedom
Taking Over“, „Undivided“
oder „Picture
On The Wall“. Kim und Stephanie berauschen mit ihrem Tanz,
perfekt abgestimmt
mit Mimik und Gestik auf jeden Ton der Musik, können wegen den
fehlenden
Knallern aber nicht alles zeigen. Zwischendurch reißt auch
noch bei Harrison
eine Gitarrensaite, was aber der musikalischen Klangfülle
keinen Abbruch tut. Dann
denke ich mich tritt ein Pferd, im wahrsten Sinne des Wortes. Eine mir
schon
länger auffallende Fotografin, die nicht den geringsten Draht
zur Musik zu
haben scheint, benimmt sich schlimmer als ein Paparazzi der
Sensationspresse.
In der ersten Hälfte der Show verschießt sie
gefühlte mehrere Tausend Bilder
und verschafft sich mit Ellenbogen und Fußtritten den
gewünschten Freiraum an
der Bühnenkante.

Bild rechts: Die
aggressive „Paparazzi“
Jetzt hat sie es
ausgerechnet auch noch auf meinen Standpunkt
abgesehen und schiebt mit Nachdruck ihren Fuß von der Seite
her zwischen meine
Beine, um mich so von der Bühnenkante weghebeln zu
können. Als das keinen
Erfolg hat und meinen Widerspruch provoziert, kommt dann auch noch ihr
Ellenbogen schmerzhaft zum Einsatz. „Such dir einen anderen
Platz, ich muss
hier arbeiten!“, pöbelt sie mich an und fuchtelt mir
ununterbrochen mit ihrer
Kamera vor dem Gesicht herum. Unfassbar, so etwas ist mir noch nie
untergekommen und schon gar nicht unter Reggae-Fotografen, die sich
immer
kollegial zueinander verhalten. Peinlich, peinlich.
Zum Glück ist sie dann irgendwann verschwunden und der
Frieden kehrt wieder zurück.

Die zweite Hälfte der Show kann ich so ungestört
genießen,
bis dann kurz nach Mitternacht mit Bob Marleys
„Exodus“ der letzte Titel
angestimmt wird. Der Titel wird zur Bandvorstellung mit extralangen
Instrumentalsolis genutzt. Kim und Stephanie sind natürlich
mit einer Solo-Gesangseinlage
dabei. „This is Groundation!“, Harrison bedankt
sich vielfach bei der Massive
und Groundation verlässt winkend die Bühne. Das geht
natürlich auf keinen Fall.
Das Kesselhaus tobt und jubelt so lange, bis die Band wieder auf der
Bühne
steht.

Es gibt noch einen Titel als Zugabe und dann ist wirklich
Schluss. Und wieder kein „Freedom Taking Over“!?
Das kann doch nicht wahr sein.
Nach anfänglichen weiteren Zugaberufen wird es langsam
ruhiger, die Massive bröckelt langsam auseinander und die
ersten Leute
verlassen den Saal. Dann kommt aber noch einmal die Wende. Ein
einzelner Fan
schwingt sich auf die Bühnenkante, gibt dem Publikum zugewandt
Ton und Takt an
und der Beifall kehrt wieder zurück. Es nimmt einfach kein
Ende. Und dann ist
es tatsächlich geschafft – Groundation kehrt noch
einmal zurück. Die Band
strahlt und Stephanie wischt sich die Tränen aus den Augen.
Harrison stimmt an:
„Beautiful Berlin ….“, die Massive
erkennt den abgewandelten Knaller „One More
Day“ und bricht in unbeschreiblichen Jubel aus. Einfach toll
– wenigstens noch
einer meiner ganz großen Lieblingstitel.

Bild links: Ihm ist
die letzte Zugabe zu verdanken!
Nach zwei Stunden, mit
Berlin Boom Orchestra sogar drei,
geht wieder eine super Veranstaltung zu Ende. Die
Bühnenbeleuchtung ließ jedoch
über weite Strecken, mit wenigen Ausnahmen, etwas zu
wünschen übrig. Sie ließ
die Akteure überwiegend ganz einfach im Dunkeln stehen. Trotz
modernster
Bühnentechnik, die erst in diesem Jahr mit einer
schönen Feier eingeweiht wurden
ist, ist das ein wenig unverständlich.
Im Anschluss besuchen wir
noch einmal die Band. Harrison ist
schon angekleidet und möchte ins Hotel zurück. Die
nächste Tourstation ist TBA
Chambéry in Frankreich, und das schon morgen. Eine weite
Strecke. Da tut vorab
ein wenig Erholung noch gut. Harrison erkennt uns sofort von unserem
letzten
Treffen und umarmt uns herzlich. Während wir noch miteinander
reden, winkt uns
auch noch Marcus vom anderen Ende des Tisches zu. Jetzt nimmt sich
Harrison
doch noch ein wenig Zeit und sieht sich mit uns gemeinsam ein paar
Bilder vom
Summerjam an.

Harrison Stafford, Marcus Urani und
Peter beim
Summerjam 2009
Die
anderen Bandmitglieder sitzen gemütlich in angeregter
Diskussion am Tisch und sehen aus, als könnten sie gleich
weiter machen.
Harrison allerdings hat sich wie immer am meisten verausgabt und hat
zum Ende
der Show sicher wieder einiges an Gewicht verloren. „Ich
werde mich bei dir
demnächst melden.“, verspricht Harrison, winkt noch
einmal und verlässt das
Kesselhaus. Wir haben noch ein wenig Zeit und können ein paar
Backstage-Fotos
machen, bevor wir uns auch verabschieden und auf die
mehrstündige Heimreise
begeben.

Bild 1:
Stephanie
Wallace
Bild 2: Kim
Pommel
Bild 3:
Stephanie und
Peter
Bild 4:
Stephanies
Dank
Ein nächstes Mal
gibt es ganz bestimmt! „We see us in the
future!“, wie Harrison immer so schön sagt.
Ich denke ein wenig beschämt an die Zeit zurück, als
ich vor
vielen Jahren das Potential von Groundation noch nicht erkannte und die
Gelegenheit eines Konzertgenusses nicht wahrnahm. Damals wäre
mir nicht im
Traum eingefallen, einmal zu den Fans von Groundation zu
gehören.
Copyright: Text und Fotos
by Reggaestory
Mein
besonderer Dank geht an das Berliner Kesselhaus, Oliver
und Henning von der F-Cat
Productions GmbH und
natürlich an Groundation selbst.
Wer eines der genannten Alben benötigt, sollte sich auf die
Suche bei www.irie-records.de
begeben bzw. dort
anfragen. |