„Strength
For Life“ heißt das aktuelle Album von Jah Love und
kam schon letztes Jahr heraus. Das soll aber kein Hinderungsgrund sein,
erst jetzt auf die Band und ihr neues Werk aufmerksam
zu machen. Als das Album kommentarlos und unaufgefordert bei mir
landet, bin ich noch skeptisch. Bisher auch noch nie gehört
von den Jungs, muss ich mir eingestehen.
Als sich dann die Scheibe aus meinem Player zu Wort meldet, komme ich
nicht umhin, den Lautstärkeregler immer weiter nach oben zu
ziehen.
Vor dem Album kann sich manch international
bekannter Artist verstecken. Die Skip-Taste in
Vorwärtsrichtung bleibt nämlich unberührt.
Gut, besser und noch besser – Aussetzer gibt es nicht. Es ist
selten, dass man beim ersten Anhören sofort überzeugt
wird. Jah Love hat es geschafft. Maximal ein Titel der 13 Tracks
umfassenden Scheibe, ist für mich nicht ganz so einnehmend.
Modern Roots vom Feinsten, überwiegend in Englisch
vorgetragen, mit einer kraftvollen und energischen Stimme, die sich
einprägt. Nur mit „Cross Da Line“ und
„Tell DJ“ geht es etwas mehr in Richtung Dancehall.
Auch der Sound der Band ist perfekt und lässt keine
Wünsche offen. Dazu an einigen, genau den richtigen Stellen,
sparsam eingesetzter Backgroundgesang ist ein super
Ergänzungselement und unverzichtbar.
Teil des
Innencovers
von "Strength For Life"
Gastauftritte
international bekannter Artists gibt es nicht auf dem Album. Jah Love
ist allein mehr als gut genug. Der beste Track des Albums hat sich,
trotz mehrfachen Anhörens, für mich noch nicht
herauskristallisiert. Bereits das zweite Stück
„Ridin´ On“ reißt mich mit und
nahezu vom Hocker. „Strength For Life“, der
Titelsong ist nicht ganz so stark, bevor es mit „I
Swear“ richtig schön melodisch wird und mit ein
wenig Saxophone im Hintergrund verzaubert. Mit „World Sound
Clash“ gehen meine Gedanken ganz stark in Richtung Alborosie
und ein paar musikalische Stilelemente erinnern mich ein wenig an Black
Uhuru. Ganz klar ein weiteres Highlight des Albums. Es geht weiter
energisch vorwärtstreibend mit „Ganja
Pipe“ oder noch besser mit dem danach folgenden
„Stand Up And Fight“. Schwierig, schwierig sich zu
entscheiden. Jeder Titel hat seine Qualitäten. Mit
„True Love“ gibt es dann ein paar musikalische
Elemente, die sich vielleicht von Manu Chaos „King Of
Bongo“ inspiriert haben lassen könnten. Dann geht es
mit den schon oben erwähnten Stücken erst einmal in
die Dancelhallphase, bevor mit „Inna Fire“ und
„Zion Way“ ein weiterer Höhe- und leider
auch der Schlusspunkt gesetzt wird. „Zion Way“
ausgerechnet an das Ende des Albums zu setzen, macht Appetit auf mehr.
Das Finale des Albums sorgt nicht dafür, dass man wieder
„runter kommt“. Gerade hat einen der Riddim
unaufhaltsam vorwärts und nach oben gepeitscht – und
nun soll Schluss sein? Da hilft nur noch „Repeat“
drücken!
Fazit:
„Strength For Life“ von Jah Love gehört in
jede Reggae Sammlung. Der Roots bis Modern Roots Fan kann hier absolut
keinen Fehler machen.
Wer
ist Jah Love?
Die Band wurde bereits im
Jahr 2001 in Italien gegründet.
Die Gründungsmitglieder sind Fabio Cesarini (Gesang), Andrea
Mussi (Keyboards),
Francesco Maffoni (Gitarre), Giulio Gramegna (Schlagzeug) und
Michelangelo
Vercesi (Bass).
Im Folgejahr begannen sie
mit Live Shows und
veröffentlichten ihre erste EP „Kingston“.
Daraus stammt auch ihr Song
„C´è“
(vibra positiva), der auf der von Gramigna Production 2003
veröffentlichten
Reggae Compilation „Italian Reggae Summer“ zu
hören war. Im selben Jahr nahmen
sie ihre zweite EP „Soltanto Una Cosa“ auf. Beide
EP-s wurden bei Jungle Sound
Station, eines der wichtigsten Aufnahmestudios von Italien mit
internationaler
Bekanntheit, aufgenommen. 2004 konzentrierten sie sich auf ihr
Bühnenprogramm
und absolvierten die 100. Live Show der Bandkarriere. Der Name Jah Love
wurde
immer bekannter und man engagierte sie im Jahr 2005, den Soundtrack
für einen
Kurzfilm namens „Perdendo Le Ali“ zu schreiben.
Dieser Soundtrack mit dem Titel
„Good Man“ war in vielen Kinofestivals zu sehen.
2006 setzte sich ihr Erfolg
fort, und sie konnten erstmalig auf einem der wichtigsten
europäischen Reggae
Festivals, dem Rototom Sunsplash in Italien, auftreten. Des weiterem
beteiligten sie sich an einer neuen Reggae Compilation namens
„Reska
Compilation 3“, mit ihrer neuen Single „Ghetto
Youth“.
Im April 2007 kam dann
schließlich ihr erstes Album mit dem
Titel „Creation“ heraus. Das Album bekam sehr gute
Kritiken in der
Öffentlichkeit und in den Medien. Eine Menge von italienischen
und
ausländischen Radiosendern unterstützten die neue CD
und die Band wurde zu
Interviews gebeten (German Soundcontrol, French Radio Mille Pates,
Swiss Reggae
Radio Zurich, Argentinean Pelegatos u. A.).
Jah
Love´s "Creation"
Der Veröffentlichung von „Creation“ folgte
eine Promotion Tour, die viele wichtige Festivals einschloss,
einschließlich des Rototom Sunsplash. Im selben Jahr wurde
Jah Love gebeten, ihren Song „Ghetto Youth“ auch
auf der deutschen Reggae Compilation „Reggae Seven
Seals“ zu präsentieren.
Im Jahr 2008 trat Jah Love auch in einem Fernseh-Musical auf. Weiterhin
spielte und arrangierte die Band den „Natty Ride
Riddim“, produziert von „Feel Free
Production“, auf dem viele jamaikanische und nicht
jamaikanische Artists gesungen haben. Mit dabei Artists wie Lutan Fyah,
Safira, Kirk Davis, Lukie D, Laza Morgan, Yah Meek, Anthony Locks, Lion
D, Empress Robertha, Tony D u. A..
Hier ein Mix zum Reinhören:
Wer noch mehr davon hören will findet die Einzelversionen hier.
Inzwischen hat Jah Love weit über 200 Live Shows auf dem
Buckel und mit ihrem zweiten in 2010 veröffentlichten
Longplayer „Strength For Life“ wird sich die
Nachfrage garantiert noch weiter verstärken.
Ergänzend
habe ich noch ein paar Fragen an Jah Love.
Reggaestory.de:
Wie seid Ihr eigentlich auf meine Website und mich gekommen? Euer neues
Album war eine gute Überraschung und genau die richtige Musik
für mich. Jah Love:
Um ehrlich zu sein, war das ein Zufall. Wir suchten im Internet nach
Websites, die ein Review zu unserem neuen Album machen
könnten, um unsere Musik bei den Leuten bekannt zu machen. Und
wir können sagen, dass wir Glück hatten, es ist eine
sehr gute Website. Reggaestory.de:
Von woher kennt ihr euch, bevor Jah Love gegründet wurde und
wie alt wart ihr zu diesem Zeitpunkt? Jah Love /
Andrea: Jah Love wurde 2001 von einer Gruppe von Freunden
gegründet. Vier von uns waren aus dem gleichen Dorf. Unser
fünftes Mitglied, dass ist Drummer Giulio, ich kannte ihn
bereits, stimmte einem Beitritt zur Band ohne Zögern zu, als
wir ihn fragten. Wir waren damals noch ziemlich jung. Der
Jüngste war
17 und der Älteste 19 Jahre jung. Reggaestory.de:
Woher nehmt ihr die Inspiration für eure Musik? Jah Love:
In erster Linie haben wir zwei Quellen der Inspiration: Die
Reggae Musik und die Botschaft die wir verbreiten möchten, die
Botschaft von Gott und die Liebe die von ihm kommt. Es ist für
uns nicht möglich diese zwei Faktoren zu teilen. Wir
müssen im Gedächtnis behalten, dass Reggae Musik als
spirituelle Musik geboren wurde, und darum bleibt das Konzept von Gott
an der ersten Stelle.
Teil des
Innencovers von "Srenght For Life"
Sobald der Inhalt der Botschaft klar ist, denken wir über den
Sound des Songs nach.
In Bezug auf die Musik, in diesem letzten Album, waren verschiedene
Arten von Inspirationen maßgebend. Wie auch immer, besonders
haben wir versucht den Sound der 70-er und 80-er Jahre zu
reproduzieren. Eine lange Arbeit des Hörens und Testens hat
uns dann in die Lage versetzt die perfekte Verbindung von Musik und
Botschaft zu kreieren. Reggaestory.de:
Hat Jah Love einen
Lieblings-Reggae-Sänger oder eine –Band? Jah Love:
Natürlich, aber nicht nur Einen. Wir
schätzen sehr die Klassik Rockers wie Burning Spear, Max
Romeo, Black Uhuru, Sly & Robbie, Early B (the Doctor), Cutty
Ranks, Burro Banton etc., und die modernen wie Capleton, Sizzla,
Gentleman, Buju Banton, Alborosie etc. Reggaestory.de:
Das Stück „World Sound
Clash“, von „Strength For Life“, erinnert
mich an Alborosie und ein wenig an Black Uhuru – ist das
Zufall? Jah Love:
Ja, es ist wie du sagst, der Charakter von „World
Sound Clash“ basiert genau auf diesem Style. Das war unsere
Absicht. Die letzte Minute des Songs, wo kein Gesang ist, ist ein
Tribut an Black Uhuru´s „Guess Who´s
Coming To Dinner“. Reggaestory.de:
Und in „True Love“ glaube ich ein
paar Elemente von Manu Chaos „King Of Bongo“ zu
hören? Jah Love:
Um ehrlich zu sein, nicht ganz, auch wenn wir Manu Chao als
einen großen Künstler schätzen.
„True Love“ bezieht sich nicht auf diese Art von
Sound, aber stattdessen auf Garnett Silk´s „Oh Me,
Oh My“. Reggaestory.de:
Okay, rein akustisch wäre ich da nicht
draufgekommen, aber wenn ihr das sagt.
So viel sehr gute Musik und ich habe euer Album noch nirgendwo in
Deutschland gesehen. Habt ihr schon versucht es in Deutschland zu
verkaufen? Habt ihr zum Beispiel schon einmal bei Irie Records oder
anderen Shops nachgefragt? Jah Love:
Bis jetzt haben wir das noch nicht getan, aber wir sind sehr
interessiert daran neue Punkte zu finden, wo wir unser Musik verkaufen
können, und Irie Records könnte sicher eine gute Wahl
für Deutschland sein. Gegenwärtig haben wir unser
Augenmerk auf den Online Verkauf gelegt, das ist ein sehr komfortabler
und einfacher Weg um andere Leute zu erreichen. Reggaestory.de:
Wann
können wir euch in Deutschland sehen? Oder habe ich da schon
etwas verpasst? Jah Love:
Wir haben schon viele Angebote aus einigen Teilen von Europa
bekommen, zum Beispiel von Spanien, Slowenien, der Schweiz und aus der
Türkei, aber noch niemals hat uns jemand für eine
Live Show in Deutschland kontaktiert. Natürlich
würden wir sehr gerne in Deutschland auf Tour gehen. Es ist
ohne Zweifel eines unserer Ziele. Wenn jemand das liest und
interessiert ist, wie sind bereit dafür. Reggaestory.de:
Was ist euer Wunsch
für die Zukunft? Jah Love:
Nach unserer langen Zeit in den Aufnahmestudios
möchten wir rund um Italien und außerhalb davon,
unsere Musik verbreiten und live unsere neuen Songs spielen. In der
weiteren Zukunft werden wir beginnen den Grundstein zu unserem
nächsten Album zu legen. Reggaestory.de:
Habt ihr noch eine
Botschaft für die Leser dieser Vorstellung? Jah Love:
Unterstützt neu aufkommende Bands, Sänger
und Soundsystems und hört jede Menge gute Musik um ein
besseres Leben zu leben! Wir hoffen euch in Deutschland zu erreichen.
Stay tuned! Reggaestory.de:
Ich danke für eure Zeit und wünsche
viel Erfolg bei eurer weiteren musikalischen Laufbahn. Vielleicht haben
wir mit diesem Beitrag nun auch das Interesse in Deutschland geweckt.
Copyright: Text by Reggaestory
Fotos mit Genehmigung von Jah Love