|


|
LUCKY DUBE „FEEL IRIE“ - THE
RESPECT TOUR 2007
01.05.2007
- Kesselhaus Berlin
|
|
Südafrikas
Reggae
Superstar, der wohl auch der bekannteste und erfolgreichste Reggaestar
des
gesamten afrikanischen Kontinents ist, wurde am 01.05.2007 von der
Berliner
Massive begeistert in Empfang genommen. Zuvor hatte Lucky Dube bereits
eine
regelrechte rastlose Weltreise hinter sich gebracht. Schaut man sich
Luckys
Tourplan seit März dieses Jahres an, kann man wirklich nur
Respect zollen. „Respect“
ist auch der Name seines neuen Albums und auch der passende Name
für diese
gewaltige Tour. Hat er noch im März Jamaica und verschiedene
Stationen der
Karibik, sowie Brasilien im Plan gehabt, so folgte nahezu nahtlos im
April eine
ausgedehnte Europatour mit 22 Stationen in den verschiedensten
Ländern. |
Der Mai
wurde dann im Berliner Kesselhaus eingeläutet. Am Folgetag war
Brüssel an der
Reihe und wurde bis zum 05.05. von den Stationen Bremen, Darmstadt und
Zürich
gefolgt. Danach endet der Tourplan erst einmal – zumindest
bis jetzt.Eine
wohlverdiente
Ruhepause wäre ihm jedenfalls zu gönnen.
Doch betrachten wir
zuerst einmal ein paar Stationen aus Luckys Biographie.
Lucky Phillip Dube
wurde am 3. August 1964 auf einer kleinen Farm am Rande der
südafrikanischen
Stadt Ermelo geboren. Ermelo ist ein trockenes und
unspektakuläres Gebiet
ungefähr 150 Kilometer westlich von Johannesburg. Luckys
Kindheit war nicht
einfach. Seine Eltern trennten sich noch vor seiner Geburt.
Später musste seine
Mutter Sarah ihn und seine Geschwister wegen Arbeitssuche verlassen. So
kam er
mit seinen Geschwistern Thandi und Patrick zur Großmutter.
Schwere Jahre
folgten. Lucky begann selbst zu arbeiten um seine Familie zu
unterstützen, in
einem Alter, in dem die Kinder
eigentlich in die Schule gehen sollten. Er fand Arbeit in den
Gärten der weißen
Vororte der Stadt. Trotz aller schwierigen Umstände fand Lucky
später einen
Grund die Schule zu besuchen – die Musik. Lucky wurde Teil
des Chores und
übernahm später auch die Rolle des Chorleiters. Er
erreichte in dieser Zeit
eine hohe Popularität bei den Lehrern und die Schule wurde nun
ein sicherer
Hafen in seinem Leben. Eines Tages fand Lucky in der Schule
zufällig ein paar
Musikinstrumente in einem Schrank und begann mit einigen Freunden damit
zu
experimentieren. Sie trafen sich immer wieder und
„borgten“ sich die
Instrumente aus, gründeten ihre erste Band „The
Skyway Band“, bis sie leider
eines Tages beim spielen von einem Lehrer entdeckt worden. Er nahm
ihnen die
Instrumente weg und schloss sie ein. Inzwischen war Lucky 18 Jahre alt
und
immer noch in der Schule, da er so spät damit begonnen hatte.
Das Jahr 1982 war
ein sehr wichtiges Jahr für Lucky. Er schloss sich der Band
„The Love Brothers“
als Sänger an, die sein Cousin Richard Siluma
gegründet hatte. Sie begannen im
District zu touren und spielten zu diversen öffentlichen
Events und in
Schulhallen.
Die „Love Brothers“
spielten Zulu Musik, bekannt unter dem Namen Mbaqanga. Im selben Jahr
begann
die Zusammenarbeit mit der „Gallo Record Company“,
die noch heute fortgeführt
wird.
Das erste Album kam
heraus, aufgenommen mit den „Love Brothers“, aber
veröffentlicht unter dem
Namen „Lucky Dube and The Supersoul“ mit dem Titel
„Kudala
Ngikuncenga“. Richard produzierte
die Aufnahmen und Lucky
war der Sänger. Beim ersten Album hat Lucky noch nichts selbst
geschrieben.
Beim zweiten Album begann aber Lucky auch selbst zu schreiben. Es
begann der
erste bessere Verdienst und nach dem dritten Album konnte er sich
leisten,
einige Instrumente und Aufnahmetechnik zu erwerben. Dann beschloss
Lucky
Englisch zu lernen, was sehr wichtig für seine weitere
Entwicklung war. Nach
dem Erscheinen seines vierten Albums waren die Verkaufszahlen so gut,
dass
Lucky das erste Geld sparen konnte. In der Zeit seines fünften
Mbaqanga Albums traf
Lucky mit Dave Segal zusammen. Dave wurde sein Ingenieur und eine
langfristige
erfolgreiche Zusammenarbeit nahm seinen Lauf. Der Name
„Supersoul“ wurde
fallengelassen und alle weiteren Alben kamen nur noch unter dem Namen
„Lucky
Dube“ heraus. Nun begann Lucky seine ersten Ausflüge
in den Reggae. Diese Songs
waren die Highlights seiner Auftritte und Lucky und Richard
entschlossen sich
ein Reggae-Album aufzunehmen. 1984 war
es dann soweit - das erste Reggae-Mini-Album mit nur vier Tracks kam
heraus -
„Rastas Never Die“. Alle Instrumente wurden von
Lucky und Dave selbst
eingespielt. Die Plattenfirma war von diesen Reggae-Ideen nicht sehr
begeistert. Die Verkaufszahlen fielen auch eher bescheiden aus im
Verhältnis zu
früheren Erfolgen der Mbaqanga Alben. Auch den
südafrikanischen Machthabern war
das Album ein Dorn im Auge und wurde sofort verboten. Lucky
ließ sich aber
nicht entmutigen. Die Öffentlichkeit begann auch nach und nach
diese Musik mehr
und mehr mit Lucky zu verbinden und jenes Publikum das Englisch
verstand, war
in die Reggaestücke seiner Auftritte besonders vernarrt.
Schließlich kam es 1985 zur
Veröffentlichung
seines zweiten Reggae-Albums „Think About The
Children“, welches zum Durchbruch
führte. Allein in Südafrika erreichten die
Verkaufszahlen Platinstatus. Ja und
der Rest ist Geschichte. Inzwischen ist Lucky Dube bei seinem 21. Album
angelangt und hat sich mit seinem eigenen afrikanischen Reggaestil
bereits
jetzt ein Denkmal gesetzt.

Doch nun
zurück ins
Kesselhaus. Das Tourmanagement in Deutschland wurde von Revelation
Concerts
getragen, die sich schon mit einer Reihe von erlesenen
Künstlern wie Culture,
Lee Perry, Anthony B und vielen Anderen einen guten Namen gemacht
haben. Auch
die Gigs in ganz Europa wurden in Zusammenarbeit mit den regionalen
Partnern
von Revelation Concerts organisiert. Gesamtbegleitend auf Luckys Tour
war aber
zusätzlich sein langjähriger Partner Dave Segal, der
sich beständig um die
Details der Show kümmerte. Mit etwas Verspätung, die
mit guten Tunes aus der
Konserve von DJ Simon (Soundbless) überrückt wurde,
kam dann endlich die Band
auf die Bühne und spielte einen Mix aus diversen bekannten
Stücken an. Während
dessen kamen auch die bekannten fülligen drei
Backgroundsängerinnen unter
großem Jubel auf die Bühne getanzt, der nur noch
durch Luckys darauffolgendes
Erscheinen überboten werden konnte.

Ohne fiel Federlesens und langes Bitten des
Publikums geschah dies in der ersten Minute der Show, und Lucky begann
seinen
unermüdlichen energiegeladenen Auftritt.
Wer Lucky schon
einmal erleben durfte wird wissen, dass es kaum einen Moment der Ruhe
in seiner
Show gibt. Ohne Pause, bis auf dem Griff zum Handtuch oder zur
Wasserflasche,
war eine atemberaubende Vorstellung zu erleben. Luckys Bewegungen, die
fliegenden Dreads und seine ganze Mimik verschmolzen mit seiner
Musik.

Aber
auch seine drei Backgroundsängerinnen waren neben ihrem Gesang
auch ein visuell
unersetzlicher Teil der Show. Mit farbenfreudigem Outfit, purer
Lebensfreude
und lustigen Gesten, boten die drei Damen die andere Seite des
Auftritts. Man
konnte sich kaum entscheiden wo man denn nun hinsieht, irgendetwas
verpasste
man mit Sicherheit.

Lucky bot einen
guten Querschnitt aus diversen Alben seines bisherigen Schaffens. Sein
Megahit
„Feel Irie“ durfte dabei natürlich nicht
fehlen und wurde auch gar nicht erst
bis zum Schluss aufgespart. Das Stimmungsbarometer wurde damit gleich
zu Anfang
auf die richtige Höhe gehoben und blieb bis zum Schluss
erhalten. Wohl dosiert
verteilte Lucky einige Stücke aus seinem neuen Album
„Respect“ in seinem
Programm. Mit dabei die Stücke „Political
Games“, „Shut Up“,
„Respect“ und
Andere. Mit der Ansage von „Shut Up“ versuchte sich
Lucky mal zum Spaß mit der
deutschen Übersetzung „Halt..s
Maul“.

Mitten in der Show kam es auf einmal zum Entern
der Bühne durch einen Rollstuhlfahrer, der eigentlich seine
Beine nicht mehr
richtig zum Einsatz bringen konnte. Es war nahezu unglaublich wie er,
von der
Begeisterung übermannt, sich aus dem Rollstuhl auf die
Bühne zog. Einmal mit
Lucky Dube auf der Bühne zu stehen, war offenbar sein einziger
Wille. Anfangs
wollte der Sicherheitsdienst die Situation beenden, aber letztendlich
ließ man
ihn gewähren und Lucky Dube meisterte die Situation. Erst als
der Mann
versuchte Lucky in seinem Auftritt zu behindern, sah Lucky etwas
hilfesuchend
nach seinem Manager. Letztlich bewegte sich der Mann aber wieder
freiwillig von
der Bühne, was sicher eine Erleichterung für alle
Beteiligten war. Denn all zu
schnell können solche Situationen auch außer
Kontrolle geraten und unschön
enden. Luckys Show ging währenddessen aber unvermindert weiter.
Konsequenter
Roots-Reggae stand auf seinem Programm. Von aktuellen Dancehallsachen
lässt er
sich nicht beeinflussen und mag dessen überwiegende Themen
auch nicht
besonders. Lucky bleibt seiner Linie treu. Eigentlich hat Lucky Dube
nahezu
einen eigenen Reggaestyle geschaffen. Weite Strecken seiner
Stücke erinnern,
wie allgemein bekannt, sehr an Peter Tosh, der neben Bob Marley sein
großes
Vorbild ist. Die Beimischung afrikanischer Klänge ergibt dann
den
unverwechselbaren Style von Lucky Dube.

Mit „Passa Passa“
ging die Show dann mehr in die afrikanische Richtung und war
für die Freunde
der afrikanischen Klänge ein besonderer Happen.
Nach knapp zwei
Stunden unermüdlicher Performance war dann aber erst einmal
eine Pause
angesagt.

Natürlich gab das
Publikum nicht gleich auf und verlangte nach einer Zugabe, die auch
nicht lange
auf sich warten ließ. Lucky Dube erschien im frischen Bob
Marley T-Shirt und
ein letztes sehr langes Stück wurde dargeboten. Nun gab es
auch ein paar
vertauschte Rollen. Lucky war mal am Keyboard und der Keyboarder als
Sänger zu
erleben. Auch die Sängerinnen verließen Ihre
Formation und trieben ein paar
Späße auf der Bühne oder versuchten sich
ebenfalls an den Instrumenten.

Letztendlich kam
aber wie immer das unvermeidliche Ende. Die Massive des Kesselhauses
dürfte
aber voll und ganz auf ihre Kosten gekommen sein. Es war ein mehr als
gelungener Abend.
Nach der Show
erleben wir Backstage einen völlig anderen Lucky Dube. Es
erschien als habe man
ihn ausgewechselt. Manager Dave hatte das Treffen so organisiert, dass
im
Backstageraum absolute Ruhe herrschte. Alle Bandmitglieder hatten
inzwischen
das Feld geräumt. Lucky hatte leider inzwischen seine
schönen Dreads unter einer
Mütze verstaut und saß still und sehr
zurückhaltend auf dem Sofa.

Unser Wortwechsel
war daher auch sehr behutsam, aber trotzdem sehr freundlich.
Lucky ist der
absolut perfekte Performer auf der Bühne und bringt dort die
Leute in Stimmung,
aber privat ist das anders, da ist er geradezu schüchtern und
der Gast ist
gefordert. Dave ist dabei ein guter Freund und Manager, der in solchen
Dingen
Lucky angemessen zur Seite steht und etwas zur Auflockerung
beiträt.
Lucky signierte dann
noch unsere mitgebrachten Covers und erlaubte ein paar Fotos. Wir
bedankten uns
für das super Konzert und unseren Empfang und
wünschten Dave und Lucky eine
weitere gute Tour. So ging wieder einmal ein toller Abend im Kesselhaus
zu
Ende.

Die Tänzerinnen mit Marion kurz vor der
Abfahrt
Das neue Album.

RESPECT
Released:
2006
Record Company: Gallo Record Company (South Africa)
- Shut
Up
- Political
Games
- Changing
World
- Shembe
Is The Way
- Monster
- Celebrate
Life
- The
One
- Choose
Your
Friends
- Never
Leave You
- Mask
- Touch
Your Dreams
Nach
Information seines Managements wird das Album
„Respect“ auch in
den Record-Shops von Deutschland in den nächsten Wochen
erhältlich sein.
Copyright:
Text und Fotos by Reggaestory
Mein
besonderer Dank
geht an das Berliner Kesselhaus, Revelation Concerts, Manager Dave
Segal und
natürlich an Lucky Dube selbst.
|
Zurück
|
|
|