ROOTZ
UNDERGROUND
Modern Roots Reggae - Live and direct from Jamaica
09.03.2011 - YAAM Berlin
Rootz Underground,
eine Modern Roots Reggae Band aus Jamaika, obwohl sie das selbst nicht
ganz so sehen (siehe Riddim 54 - März/April 2011), hat seit
Juli 2010 ihr aktuelles Album „Gravity“ auf dem
Markt. Sie wollen sich aber mit ihrem Sound nicht nur auf ein Genre
festlegen lassen. Viele Einflüsse stehen hinter ihrem
„Rootz“. So hört man auf ihren Alben eben
nicht nur reinen Reggae, sondern auch rockige wie auch sehr ruhige
Passagen mit vielen anderen Musikrichtungen. Sogar Streicher kann man
hören, die sich aber wunderschön und perfekt in den
Roots Sound einfügen (z. B. bei „Power To The People“). Aber wer kann schon eine Band oder einen
Künstler allein an seinen Alben messen oder festlegen.
Ganz besonders kann die Band mit ihren
beeindruckenden Live Auftritten punkten, wo sie gemeinsam mit ihrem
charismatischen Frontmann Stephen Newland zur Höchstform
auflaufen. Und ob sie wollen oder nicht – Reggae und Jah
Rastafari sind dabei die tragende Säule –
schnittiger, rauer und natürlicher Roots Reggae.
Rootz Underground besteht aus 6 Stammmitgliedern. Das sind Stephen
Newland (Lead Singer),
Charles Lazarus (Lead Guitar), Jeffrey Moss-Solomon (Rhythm Guitar,
Vocals), Colin Young (Bass),
Paul Smith (Keyboard, Vocals) und Leon Campbell (Drums). In den letzten
10 Jahren haben sie sich von unzähligen Shows in kleinen
Untergrund-Clubs von Kingston, wie dem „Village
Café „ und dem „Red Bones“ bis
auf die großen nationalen Festivals wie „Reggae
Sunsplash“, „Rebel Salute“,
„Welcome To Jamrock“,
„Reggaelution“, „Reggae
Sumfest“ und dem „Air Jamaica Jazz &
Blues“ emporgearbeitet. Im Jahr 2005 begannen sie mit ersten
Aufnahmen für ihr Debutalbum. Es sollte aber noch bis
März 2008 dauern, bis ihr erstes Studioalbum
„Movement“ herauskam. Im Jahr 2008 tourten sie auch
ausgedehnt durch Amerika. Unglaubliche 37 Shows spielten sie dort in
nur 49 Tagen. Sie hatten Auftritte unter Anderem mit Gregory Isaacs,
Israel Vibration, Wailing Souls, Dean Fraser, Anthony B und Tarrus
Riley. Sie spielten auf dem „Raggamuffins Festival“
und dem „Sierra Nevada World Music Festival“ in
Kalifornien. Als Ergebnis ihrer „Reggae Train (Amerika)
Tour“ brachten sie im Herbst 2008 noch zusätzlich
ihr Live Album „Alive“ heraus. Im Juli 2010 folgte
dann, wie schon eingangs erwähnt, ihr zweites Album
„Gravity“. Im Sommer 2010 traten sie auch auf dem
Summerjam in Köln auf. Leider half ihnen das nicht besonders
viel hierzulande mehr Bekanntheit zu erlangen. Ihre frühe
Startposition am zweiten Festivaltag hatte leider zur Folge, dass noch
nicht alle Fans richtig ausgeschlafen und zur Show angetreten waren. Im
Januar dieses Jahres kam die EP „Internet Citizen“
heraus, ein Projekt bei dem Keyborder Paul „SCUBI“
Smith eine tragende Rolle spielt.
Bild 1: Album Cover
„Movement“ - März 2008 (19 Tracks)
Bild 2: Album Cover
„Alive“ – September 2008 (12 Tracks)
Bild 3: Album Cover
“Gravity” - Juli 2010 (15 Tracks)
Bild 4: EP Cover: “Internet
Citizen” - Januar 2011 (5 Tracks feat. S.C.U.B.I. und Capital
D)
Kürzlich stand vom 08.-12.03.2011 auch eine Club Tour in
Deutschland auf dem Programm. Beteiligt waren die Fabrik in Hamburg,
das Berliner YAAM, das Universum in Stuttgart, das Backstage in
München und das FZW in Dortmund.Für das
Tourmanagement in Deutschland stand Revelation Concerts
der Band zur Seite.
Nun ein paar Eindrücke des Abends aus dem YAAM
in
Berlin.
Für 21:00 Uhr war die Show ursprünglich angesetzt.
Später wurde sie dann auf 21:30 Uhr verschoben.
Als wir eintreffen haben wir schon wieder ein Parkplatzproblem. Die
„O2-World“ ist hell erleuchtet. Dort wird es heute
offenbar ein Sauerstoffproblem geben. Alle Plätze an den
Resten der Berliner Mauer und im näheren Umfeld sind vergeben.
Zum Glück gibt es noch einen nur teilweise besetzten
Baustellenbereich, der mit sehr
„windabhängigen“ Verbotsschildern
gekennzeichnet ist. Das Risiko gehen wir ein. Das umher schleichende
Ordnungsamt, sogar mit eigens gekennzeichneten PKW, ignoriert uns. Die
haben es offenbar auf andere „Sünder“
abgesehen. Zumindest ist uns das Schema der Abstrafungen sehr unklar.
Parkverbote sind nicht umfassend interessant. Bei einer Reihe von
Sündern bekommt nur der ohne grüne Umweltplakette
eine „Auszeichnung“ unter den Scheibenwischer. Die
haben wir zum Glück. Also genug der Beobachtungen und
Zaudereien und ab in Richtung YAAM.
Dort sieht es noch sehr menschenleer aus. Wir sind gespannt, wie sich
die Sache entwickeln wird.
Rootz Underground ist ja noch nicht so sehr bekannt. Wenn ich an die
geringe Besucherzahl, letzte Woche bei Turbulence und Warrior King
denke, die sehr viel bekannter sind, wird man zufrieden sein
können diese Zahlen zu erreichen.
Inzwischen ist es 21:30 Uhr geworden, aber die Band ist immer noch
nicht eingetroffen. Vielleicht gibt´s ja einen
heißen Draht, der besagt: „Es lohnt sich noch
nicht!“ Gegen 22:00 Uhr fährt dann
schließlich der kleine Bus mit der Band auf´s
Gelände. Obwohl es heute eigentlich mit ca. 10°C sehr
warm ist, sehen einige Mitglieder der Band aus, als würden sie
von einer Polarexpedition kommen.
Erst mal rein in den Backstage zum Aufwärmen. Drummer Leon
Campbell schein der Wärmebedürftigste der Band zu
sein. Selbst drinnen, legt der bis zur Unkenntlichkeit eingemummelte
Musiker, nichts von seinen Hüllen ab. Auch Frontmann Stephen
Newland hat zwei paar Handschuhe übergezogen, die zwar sehr
zweckmäßig zu sein scheinen, aber aussehen als
wären sie von einem nordischen Flohmarkt oder von meiner Uroma
gestrickt.
Bild 1 - 4: Backstage bei Rootz Underground Bild 2: Stephen Newland und Leon
Campbell Bild 3: Stephen Newland, Leon
Campbell, Colin Young, Charles Lazarus
Die Show wird nun gegen 22:00 Uhr beginnen. Bis dahin ist noch ein
wenig Zeit. Da kommt der Wunsch von
„ReggaeInBerlin“ für ein kurzes Interview
gerade recht und wird sehr gern erfüllt. Wir erleben sehr
freundliche, besonders aufmerksame und sehr zuvorkommende Artists.
Keine Starallüren oder irgendwelche anderen unpassenden
Launen. Durchweg sehr sympathische Jungs. Im Saal sieht es immer noch
recht übersichtlich aus, als schließlich die Band
ihre Instrumente in Beschlag nimmt. Schätzungsweise nur 150
Leute – leider.
Bild 1: Paul Smith Bild 2: Colin Young Bild 3: Charles Lazarus, Stephen
Newland, Leon
Campbell, Colin Young
Mit „Rastaman Experience“ (Gravity) spielt sich die
Band erst einmal ein, und die „Masssive“ schaut
noch relativ regungslos zu. Aber mit dem nachfolgenden
„Unknown Soldier“ und
„Searching“ (beide von Gravity) wird´s
schon deutlich besser und vor allen Dingen rootsiger. Als es mit
„Herb Fields“ (Movement) weiter geht, kommt
deutlich Bewegung in die Fans. Jetzt kommt Stimmung auf.
"Herb Fields"
„Farming“ (Movement) und „Power To The
People“ (Gravity) schließen auf dem gleichen Level
an. Einfach nur Klasse. Stephen hat jetzt alle auf seiner Seite.
"Power To
The People"
Dann gibt es einen fliegenden Wechsel an den Instrumenten. Keyborder
Paul Smith stellt die neue Single „Internet
Citizen“ vor. Stephen übernimmt inzwischen die Keys.
Die Gitarre ist ihm aber offenbar lieber, und so tauscht er noch
einmal. Jetzt mit Jeffrey an der Rhythm Guitar.
„SCUBI“, wie auch Keyborder Paul Smith genannt
wird, legt mit „History“ (Gravity) noch einen nach.
Sein Style ist völlig anders als der von Stephen, geht mehr in
Richtung Dancehall und erinnert mich musikalisch ein wenig an Damian
Marley.
Bild 4: Colin Young und Jeffrey
Moss-Solomon
Es folgen „Love
Again“ „20 Centuries“
(Movement), wiederum mit Frontmann Stephen. Die Stimmung im Saal wird
immer besser. Jetzt wird es richtig schön. „Soul
Shakedown Party“ ist an der Reihe.
“Soul
Shakedown Party”
Stephen der sowieso schon manchmal sehr verblüffend an eine
Reinkarnation von Bob Marley erinnert, macht die Illusion nun perfekt.
Auch der Backgroundgesang der Band liegt sehr nahe an der
ursprünglichen Originalversion.
Der Höhepunkt der Show ist erreicht, als auch mein
persönlicher Favorit „Marching On“
(Gravity) angestimmt wird. Die Massive ist mit jedem Track deutlich
begeisterter geworden. Nahtlos geht es über zu
„Victims
Of The System“ und mit dem nachfolgenden
„Equal Rights“ (Alive), gibt’s an den
Gitarren auch die rockige Seite der Band zu hören. Ja und dann
ist erst einmal Pause, und die Massive zollt Respekt als wären
doppelt so viele Leute da.
“Marching
On” + “Victims Of The System”- YAAM Berlin - Live Mitschnitt
“Victims
Of The System”
Rootz Underground lässt sich nicht lange bitten und macht
weiter. Dann ein paar geniale Klänge und zurück auf
Start. „Do u like Bob Marley?“, ruft Stephen
lachend der Massive zu. Na selbstverständlich was für
eine Frage. Jeder hat längst erkannt was kommt und klatscht.
„Trenchtown“ beglückt die Marley Fans.
Dann geht es noch weiter mit gewaltigem Sound in „Midnight
Ravers“ (Alive). Es möge bitte nur noch nicht gleich
aufhören.
Es folgt noch „Top Ranking“ und „How Much
Longer“ (Movement), bevor Stephen mit einigen imitierten
Dschungelgeräuschen das Finale mit „In The
Jungle“ einläutet. Dann ist schließlich
das unvermeidliche Ende der Show da. Es ist 0:30 Uhr! Zwei Stunden hat
die Band durchgezogen. Respekt! Wie benebelt lassen wir noch
ungläubig das eben Erlebte nachwirken.
Fazit:
Die Wiedergeburt des jamaikanischen Roots – Rock –
Reggae Bandformats, wie zu den Glanzzeiten von Black Uhuru, nur mit
moderem Touch und neuen musikalischen Elementen. Ihr da
draußen, die leider nicht da waren – ihr habt
eindeutig
was verpasst!!
Wo waren eigentlich all die Berliner Reggae Artists und Soundboys, die
sich sonst auf jedem Gig im YAAM die Ehre geben? Mehr ist nicht zu
sagen. Beim nächsten Mal wird der Saal ganz sicher voll. Rootz
Underground ist angesagt, dass wird sich rum sprechen. Ein Garant
für ein außergewöhnliches Live Erlebnis, an
dem der charismatische Lead Singer Stephen Newland allerdings den
maßgeblichen Anteil hat.
Draußen ist großes
Händeschütteln, Autogramme geben und Fotoposing
angesagt. Alle Bandmitglieder sind noch da und befassen sich ausgiebig
mit den Fans. Sieht man äußerst selten. Erst als
nahezu der Letzte Fan den Hof befriedigt verlassen hat, begibt sich die
Band nach Backstage.
Bild 1 + 2: Stephen Newland und
Charles Lazarus beim Poster signieren Bild 3: Stephen und Marion Bild 4: Colin Young
Drummer Leon hat schon wieder seine Polarkluft angelegt. Auch Gitarrist
Jeffrey erkenne ich nicht mehr, als ich meine Bandautogramme
zusammensammle. Bassist Colin schaut auf meine Vorlage, wer noch fehlt
und geht sehr hilfsbereit mit mir auf die Suche. „Wann war
eigentlich euer Gründungsdatum? In eurer Biographie kann ich
kein Datum entdecken.“, frage ich ihn nebenbei. „Da
gibt es keines. Uns gab es schon immer! Wir waren schon als Kinder
zusammen.“, sagt er darauf. „Aber es muss doch
irgend einen Zeitraum geben, als ihr begonnen habt als „Rootz
Underground“ zusammen zu spielen und aufzutreten?“,
lasse ich nicht locker. Colin schmunzelt: „Ja ich denke das
war im Sommer 2000, irgendwann im Juni.“ Okay, jetzt bin ich
zufrieden. Das ist ein Wort.
Bild 1: Jeffrey Moss-Solomon
Bild 2: Colin Young und Stephen Newland
Später möchte ich von Stephen noch ein Autogramm in
der aktuellen Riddim haben. Immerhin ist dort ein Beitrag über
sie enthalten. Das ist für die Band die Überraschung
des Abends. Großes „Hallo“ im Backstage.
Davon haben sie noch gar nichts gewusst.
Bild 1: Colin Young, Leon Campbell,
Peter und Stephen Newland
Dann wird es aber langsam Zeit für uns und wir machen uns auf
den Weg. Auch Colin geht nach draußen, um noch eine Zigarette
zu rauchen. Das erleben wir auch zum ersten Mal, dass ein Artist zum
Rauchen vor die Türe geht. Die Jungs von Rootz Underground
fallen eben in vielen Dingen positiv auf.
Copyright: Text und Fotos
by Reggaestory
Mein besonderer Dank geht an Lena und das YAAM Team, Tourmanager
Christoph von Revelation Concerts und natürlich die Artists
des Abends und das Management von Riverstone Records.