BURNING SPEAR
& THE BURNING BAND
THE FAN APPRECIATION TOUR
17.08.2022 - ASTRA KULTURHAUS - BERLIN
Zum Glück war die Sensation des Jahres
zur Rückkehr des Brennenden Speeres auf die Bühnen
dieser Welt auch in Deutschland zu erleben. Dank der Teamwork von
Revelation Concerts und Topline Events fand der einzige Auftritt von
Burning Spear in Deutschland im Astra Kulturhaus von Berlin statt. Bei
einem derartigen Ereignis waren natürlich alle 1.500
Karten ausverkauft und wer nicht zu den Glücklichen
zählte,
blieb nur noch der weite Weg in andere Ländereien.
Burning Spear hatte sich schon vor über 10 Jahren aus der
Szene verabschiedet und stand zuletzt am 07.07.2012 in Deutschland auf
der Red Stage beim Summerjam in Köln. Schon damals
hatte sich angedeutet, dass er nicht mehr wollte.
Immerhin
hatte er schon 2008 seinen Ruhestand angekündigt und ist
danach nur noch vereinzelt aufgetreten. Seine 2012er Show beim
Summerjam war für die hiesige Fangemeinde also schon ein
besonderer Glücksfall und das Highlight des Festivals.
Fast 10
Jahre davor hatten wir schon einmal das Glück Burning
Spear beim 2003er Splash in Chemnitz zu erleben. Dies sogar vor einem
ungewöhnlich kleinen Publikum, da beim Splash der Schwerpunkt
bei HipHop lag und demzufolge die Reggae-Bühne mit weniger
Raum auskam. Hoffen wir noch auf ein weiteres Mal, eine der
größten lebenden Legenden erleben zu
dürfen, ... aber bitte nicht mehr in diesen
Abständen! Zumindest macht die Aussage von Burning Spear
Hoffnung, dass er sich nicht übernehmen wolle, damit die
Menschen noch möglichst lange Gelegenheit haben ihn live zu
erleben. Da kann man davon ausgehen, dass die 2022er Tour keine
"Eintagsfliege" bleiben wird.
Was Burning Spear überhaupt dazu bewogen hat nun endlich sein
Mikro zu unser aller Freude wieder in die Hand zu nehmen und seinen
Ruhestand vorläufig an den Nagel zu
hängen, kann man in einem ausführlichen
Artikel von John Masouri im Riddim Magazin mit der Nummer
109 nachempfinden. Das Cover der Ausgabe bilden wir hier
lieber nicht ab, da die größte noch lebende Legende
des Reggae, darauf nur um das Vielfache kleiner als Protoje zu sehen
ist. Das wäre an dieser Stelle etwas unpassend. Wir
wollen ja Burning Spear nicht verärgern, wo er doch gerade
wieder auf die Bühne zurückgefunden hat. ;-)
Hier nun der Tourplan, der "Fan Appreciation Tour", die am 22. Juli in
San Francisco begann und am 25. August im Central Park von New York ihr
Ende fand. Einige Webflyer oder Poster dieser 22 Events sind in der
linken Randspalte zu sehen. Mehr konnten wir leider nicht auftreiben.
Falls ihr das eine oder andere Poster noch beisteuern
könnt, bauen wir das gerne noch ein.
The Fan
Appreciation Tour vom 22.07. - 25.08.2022 + Welcome To Jamrock Reggae
Cruises vom
07.-12.12.2022 (Großformat über Grafikanzeige lesbar)
Begeben wir uns nun in das Astra Kulturhaus von Berlin und lassen
einige Eindrücke Revue passieren.
Unsere Erwartungen haben wir nicht besonders hochgeschraubt, denn im
Vorfeld des heutigen Abends haben wir uns schon mit einigen
Videoaufnahmen im Internet auseinander gesetzt, wo ganze
Konzertmitschnitte aus verschiedenen Location zu sehen sind, z. B. aus
dem Roseland Theater (Portland / Oregon / USA) und andere. Da fehlen
nach unserem Geschmack zu viele grandiose Stücke aus Burning
Spears Hitkatalog. Viele Songs werden in Überlänge
präsentiert, was die Setlist zusammenschrumpfen lässt
bzw. anderen Hits den Raum nimmt. Das war auch unsere Erinnerung an das
Summerjam 2012, zumindest was die damalige Titelauswahl betraf.
Immerhin weichen die zuvor gesichteten Shows bezüglich ihres
Inhaltes voneinander ab, was noch hoffen lässt. Aber immerhin
wissen wir durch diese Aufnahmen schon, dass es bezüglich
Fotos und Videos keine Probleme geben wird.
Während drinnen das Blessed Love
Soundsystem für das Warmup mit einer deliziösen
Musikauswahl sorgt, genießen andere noch die abendliche Sonne
bei einem Getränk an der frischen Luft.
Auf der Bühne steht alles an seinem Platze und der Soundcheck
ist natürlich längst Geschichte. Alle Aufregungen
davor sind allerdings für die Gäste
unsichtbar. So berichtet zum Beispiel Frank von Topline Events, dass
die Abholung von Burning Spear reichlich Nerven gekostet hat. Durch
einen Verkehrsunfall waren alle Flugplatzzufahrten dicht. "Ich bin erst
50 Minuten nach der Landung des Fliegers angekommen. In den
über 30 Jahren, wo ich schon Eventplanung mache, ist
mir das noch nie passiert. Ich war immer pünktlich und
ausgerechnet bei Burning Spear muss es dazu gekommen. Durch
Passkontrolle und Gepäckabfertigung ist zwar meine
Verspätung auf 20 Minuten geschrumpft, aber das war mir
dennoch unendlich peinlich. Ich habe mich fünfzig Mal
entschuldigt,
aber Burning Spear war absolut cool drauf und hat nur gelacht." Das
klingt doch sehr gut und macht Hoffnung auf einen schönen
Abend.
Beim Soundcheck dann die nächste Aufregung, da Burning Spear
unbedingt sein eigenes Mikro verwenden wollte, welches ihn in der Regel
bei allen zurückliegenden Konzerten über die Jahre
begleitet
hat. Leider gab es da
Kompatibilitätsprobleme zwischen der vorhandenen und
der amerikanischen
Technik. Da halfen alle Experimente nichts und ein neues Mikro musste
beschafft werden. Das liest sich jetzt zwar relativ kurz, aber wenn man
unter Zeitdruck steht, zählt jede Minute.
Aber nun ist alles geregelt und es stehen hoffentlich keine neuen
Aufreger, außer positive, mehr bevor. Nicht ganz, wie wir im
Anschluss merken, denn noch
sind die Randbedingungen für den Fotograben
ungeklärt. Von Burning Spear oder dessen extra mitreisenden
persönlichen Anwalt, sind noch keine konkreten Vorgaben
durchgesickert. Selbst die Hinweise des Veranstalters kommen bei der
Security falsch an oder werden von jedem anders ausgelegt. Das ist uns
natürlich alles zu unsicher, denn die Zeit bis zum Showbeginn
schreitet voran. Wenn man sich jetzt keinen guten Platz in der ersten
Reihe sichert, ist das später nicht mehr möglich.
Dies
schon gar nicht wenn man vielleicht nach drei Songs aus dem Fotograben
fliegt. Also verzichten wir lieber auf die zwei ruhigen
Meter vor der Bühne und nehmen das Bad in der Menge. Es werden
uns schon
auch von dort ein paar brauchbare Aufnahmen gelingen.
Dann ist es endlich so weit und auf die Bühne kommt Bewegung.
Allerdings noch nicht mit der Burning Band und Burning Spear, sondern
mit Vido
Jelashe, der noch etwas Zeit überbrücken
muss.
Live Video:
Vido Jelashe - Babylon A Take Control
Vido würde ja noch gerne etwas weiter machen, aber zumindest
nach seiner Handyuhr muss er nach wenigen Songs die Bühne
wieder
verlassen. Nach einiger Zeit reift aber die Erkenntnis, dass er
durchaus für ein paar Songs mehr, ausreichend Zeit gehabt
hätte. Aber diese ist dann schließlich auch vorbei
und im
Astra Kulturhaus beginnt die legend time.
Die Burning Band macht kein langes "Federlesen" mit ihrem
Vorspiel und Burning Spear steht kurz darauf ebenfalls umjubelt auf der
Bühne. Er sieht gut aus. Nach unserem Dafürhalten hat
er sich nur wenig im Vergleich zu 2012 verändert. Wir sehen
zwar
nicht die Dreads, aber es ist nichts Neues, das Burning Spear mit
einer Kopfbedeckung wie heute auf der Bühne steht.
Im Fotograben und im Publikum ist natürlich jetzt alles weit
oben,
was eine Fotolinse und einen Speicherplatz hat. Wir lassen die ersten
beiden Songs erst einmal verstreichen und schauen wie sich die Lage
entwickelt, bevor wir unsere Videokamera auspacken. Wie es jetzt
aussieht und wie wir eigentlich auch gehofft hatten, gibt es von
Burning Spear oder seinem Management keinerlei Signale, irgendein
Aufnahmegerät auszuschließen.
Live Video:
Burning Spear - 1/7 - The Youth + Man In The Hills
Burning Spear tritt im gewohnt schlichten Outfit auf. Kein Bling Bling,
nichts, nicht einmal eine einfache Armbanduhr. Lediglich seine schon
lange bekannten
Goldzähne blinken hin und wieder im Scheinwerferlicht. Als
Schmuck dient ihm nur eine schlichte Perlenkette aus
verschiedenen Mineralien und am linken Armgelenk ein paar
Armbänder aus verschiedenen Kunststoffperlen und anderen
einfachen Materialien. Dazu ein
T-Shirt mit dem Burning Spear Logo, sowie eine karierte leichte
Stoffweste mit einem Aufnäher "Lion Of Judah" und einem
anderen mit
"Jamaica" und der jeweils zugehörigen Flagge. Eine Jeans mit
zahlreichen ausgefransten Löchern und abgerissenen
Hosenbeinen, die durch einen typisch
jamaikanischen Strickgürtel in den Farben der UNIA
(rot-schwarz-grün) gehalten wird, darf natürlich auch
nicht fehlen.
Live Video:
Burning Spear - 2/7 - Rocking Time
Live Video:
Burning Spear - 3/7 - Nyah Keith
Ja mit den Überlängen wird es wohl heute so
weitergehen. Da hat doch der Meister aus 5:12 Minuten "Rocking Time"
glatt 10:35 Minuten gemacht. Dazu braucht es nur einige
Einlagen an seinen Percussion, ein paar zusätzliche
Bläsersätze, Tanzeinlagen und natürlich sein
"Talk to me people!". Nichts gegen diesen wunderschönen Titel,
aber es ist abzusehen, dass die Setlist nicht sehr lang sein wird, wenn
die meisten Titel in doppelter Länge präsentiert
werden. Aber was soll's, der Sound stimmt, die Band spielt perfekt und
Burning Spear ist guter Laune, und nicht zu vergessen das Publikum,
welches lautstark allen Aufforderungen folgt. Aber auch schon ohne
"Talk to me!", gibt es an der grandiosen Stimmung des Publikums nichts
zu meckern.
Live Video:
Burning Spear - 4/7 - Marcus Garvey + Old Marcus Garvey
Live Video:
Burning Spear - 5/7 - Jah Is My Driver
Nach dem hervorragenden "Jah Is My Driver" gehen Burning Spear und
seine
Burning Band in eine kurze Pause. Davor fragt Burning
Spear was das
Publikum noch hören möchte. Aus dem allgemeinen und
lautstarken Jubel der Massive ist aber
kein einziger Songwunsch herauszuhören. Schade, da fallen mir
noch so
einige Wünsche ein. "The Fittest Is The Fittest", "Columbus",
"Cry Blood Africans", "Hail H.I.M." und viele andere, um nur einige zu
nennen. Das ist ärgerlich, wenn man diese nicht an den Mann
oder an
den Speer bringen kann. Das nächste Mal wird ein Transparent
mit allen
Wünschen beschriftet, welches dann nicht zu
"überhören" ist. Ob das natürlich an der
Setlist noch zu Ergänzungen geführt hätte,
wenn denn ein Wunsch zu Burning Spear durchgedrungen wäre,
bleibt natürlich ungeklärt.
Dr. Ring
Ding - So kann man natürlich auch zu einem Bild mit Burning
Spear kommen, wenn sich sonst nichts einrichten lässt. :-)
Live Video:
Burning Spear - 6/7 - Red, Gold & Green
Auch wenn man zu einer Legende wie Burning Spear kaum noch biografische
Daten vermittel kann, die eh schon jeder weiß, sollten wir
uns doch an
dieser Stelle an einige Eckdaten kurz erinnern.
Winston Rodney,
alias Burning Spear, ist am 01.03.1945 in Saint Anns Bay, im Norden
Jamaikas, zur Welt gekommen. Seine ersten Aufnahmen gehen bis in das
Jahr 1969 zurück. Sein erstes Album "Studio One Presents
Burning Spear"
folgte 1972 bei Coxsone Records. 1974 folgte "Rocking Time" und im Jahr
darauf das legendäre "Marcus Garvey" welches ihn zu
internationaler
Bekanntheit und Erfolg führte. Ja und der Rest ist Geschichte.
Burning
Spear veröffentlichte bis 2002 über 20 weitere
erfolgreiche Alben bei
verschiedenen Produzenten, bevor er 2002 seine eigenes Label "Burning
Music" gründete. Es folgten weitere Alben, darunter sein
2008er "Jah Is
Real", welches ihm 2009 seinen zweiten Grammy für das
beste
Reggae Album
einbrachte. Seinen ersten Grammy erhielt er für das 1999er
"Calling
Rastafari" im Jahr 2000. Ja und wenn es am schönsten ist, soll
man wohl
aufhören, denn nach "Jah Is Real" ist bisher kein weiterer
Longplayer
mit neuem Material von ihm veröffentlicht worden. Aber nun
stehen die
Sterne günstig und aktuell ist zumindest von einem neuen
Dubalbum
"Living Dub Volume 7" die Rede. Wann es kommt ist aber noch ungewiss.
Auf seiner Website verkündet er auch schon einmal, dass ein
neues Album
bald kommt. Ob es nun das zuvor angesprochene Dubalbum ist oder
ein Album mit völlig
neuen Songs wird, bleibt dabei noch sein Geheimnis.
Live Video:
Burning Spear - 7/7 - Slavery Days
Mit "African Postman" geht es dann schließlich in die
Endrunde des Abends und Burning Spear vergisst nicht am Ende des Songs
sich auch bei dem hervorragenden Publikum und allen anderen Beteiligten
zu bedanken. Eine schöne Dankesrede, von der wir leider nicht
alles erwischt haben. Das war auch nicht der Plan aber letztendlich
auch ganz schön, solche Worte mit zu konservieren, ... dachte
ich mir leider ein wenig zu spät.
Live Video:
Burning Spear - Final words after the show
Dann verlässt die Legende die Bühne des Astra Berlin
und die Band spielt noch ein längeres Outro. Im Einzelnen
haben wir den genialen Sound folgenden Mitwirkenden zu verdanken:
Emcee: ZAZAN ZAZAN, Bass: David Reichley, Drums: Jeremy Clemons, Lead
Guitar: Cecil Ordonez, Rhythm Guitar: Justin Martin, Trumpet: James
Smith, Trombone: Micah Robinson, Saxaphone: Clyde Cummings, Keyboard:
Vincent Hamilton, Engineer: Benedetto Caccavale.
Zuletzt bekommen
wir endlich auch einmal die Bläser deutlich zu Gesicht, die
während der ganzen Show leider äußerst
selten im Licht standen, oder besser gesagt fast nie, wenn sie
nicht gerade ein kurzer Lichtstrahl der wohl statisch programmierten
Lichtshow traf. Viel zu kurz um irgendein Foto im Bühnennebel
hinzubekommen. Das war
sehr schade um die Artists. Da muss das Astra oder wer auch immer,
wirklich noch an seinem
Beleuchtungs- und Nebelkonzept arbeiten.
Während
die Musiker noch auf der Bühne stehen, ist
Burning Spear schon längst in das mit laufenden Motor
wartende Auto (so war die Vorgabe) gestiegen
und Richtung Hotel verschwunden. Keine Chance für die vielen
Gäste im Backstage ein paar gemeinsame Fotos und Autogramme zu
erhaschen. Aber ehrlich gesagt hätte das heute kein Ende mehr
genommen. Es sind einfach viel zu viele Fans mit Begehrlichkeiten, ...
auch im Backstage. Burning Spear hat mit dieser Aktion nur die
Wartenden vor Stress bewahrt. Sehen wir das einmal so.
Nur zwei People hatten den richtigen Riecher für den passenden
Moment
und das waren Vido Jelashe und Hilmar Keding von Help Jamaica e.V.,
...
und das ist gut so und niemand muss sich ärgern.
Die
mit einigen Fehlern behaftete Original-Setlist des Abends.
Burning
Spear &
Hilmar Keding - Das von Burning Spear signierte T-Shirt wird zu Gunsten
von Help Jamaica e.V. versteigert. Versucht euer Glück und
fragt
bei Help Jamaica nach, wann und wo die Versteigerung
durchgeführt
wird.
Rechts:
Vido
Jelashe & Burning Spear.
Fazit:
Ein geniales Konzert! Besser als alle anderen von 2022, die wir
vorher im Web mit Burning Spear gesehen haben. Aber live ist eben live.
Und wir, ... sind
natürlich auch zufrieden, obwohl durchaus ein paar Titel mehr
auf
die Liste gehört hätten. Es hätte das
Megakonzert des Jahres werden können.
Unsere Auswahl an Albumcovern nehmen wir ein weiteres Mal
unsigniert wieder mit nach Hause. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.
Auch wenn die Fan Appreciation Tour inzwischen zu Ende gegangen ist,
wird es Burning Spear am Tag 3 der diesjährigen Welcome To
JamRock Reggae Cruises noch einmal geben.
Wer das Umfeld eines
Kreuzfahrtschiffes mag, kann dort sein Glück versuchen. Neben
Burning Spear sind natürlich noch zahlreiche andere Artists am
Start und mit Sizzla Kalonji auch noch ein weiteres hierzulande lang
vermisstes oder "verhindertes" Highlight an Bord.
Bis zum nächsten Mal!
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Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim