Ein paar Kilometer südöstlich der ehemaligen
sächsischen
Kurfürstenstadt Torgau, liegt das kleine Dorf Mehderitzsch mit
reichlich 500 Seelen. Dies inmitten einer Feld- und Wiesenlandschaft
und lockeren Waldbestand der Elbaue. Einmal im Jahr wird nun schon seit
2019 die dörfliche Ruhe mit den "Colors of Beat" erheblich
aufgemischt. Die alteingesessenen und ruhebedürftigen
Dorfbewohner
werden aber kaum gestört, da sich die Festivalgemeinde im
etwas
entfernt liegenden Waldbad etabliert hat.
Dominik
Schubert erzählt, dass ihm und ein paar
Reggae-Verrückten
beim Baden im Waldbad des Jahres 2018 die Idee für das "Colors
of Beat"
kam. Danach haben sie den "Kulturfarben 2019 e.V." gegründet
und
das erste Festival organisiert. Eine gute Idee wie wir finden, denn in
dieser Region leidet man in Sachen Reggae und Verwandte sehr an
Unterbeschallung. Wer da eine Behandlung benötigte, musste bis
dahin schon eine sehr lange Wegstrecke auf sich nehmen.
Seit drei
Jahren wird das Festival mit Promotion und Manpower von den im
weitesten Sinne benachbarten "This Is Ska Festival" (Wasserburg
Roßlau) und dem "Dynamite Skafestival" (Felsenkeller Leipzig)
unterstützt, da es für kleinere Festivals immer
schwerer wird, alles alleine zu stemmen. Inzwischen hat sich aus der
Geschäftsbeziehung eine sehr gute Freundschaft entwickelt.
Auch wir verfolgen schon seit einigen Jahren die stetig wachsende und
interessante Running Order, hatten es aber bisher nie geschafft, neben
den anderen Festival- und Konzertterminen dort aufzuschlagen, obwohl es
aktuell das für uns naheliegendste Festival des Genres ist.
Mit unseren Berichten kommen wir auch schon lange nicht mehr hinterher.
Auch ein Grund.
Aber dieses Jahr soll es nun endlich soweit sein und wir haben uns
einen Tag des Festivals im Kalender reserviert. Gut gewählt
sind mit Freitag und Samstag die Festivaltage. So bleibt der Sonntag
entweder für die entspannte Heimreise oder zur Entspannung
nach dem Festival. Man braucht keinen Urlaub und kommt erholt am Montag
zur Arbeit.
Samstag
– 07.09.2024
Den Routenplaner am PC gefragt, bekommen wir eine entspannte
Fahrtstrecke von 1 Stunde und 10 Minuten präsentiert. Was
für ein Segen! Da haben wir aber die Rechnung ohne unser
anders tickenden Navis im Auto gemacht. Dieses führt uns
anders als gedacht über ein paar abenteuerliche
Nebenstraßen und nahezu Feldwege, bis wir ohne
Brücke vor der Elbe bei Belgern stehen. Das haut die
Zeitplanung natürlich gehörig durcheinander. Das Navi
hat natürlich nicht bedacht, dass man auf eine Fähre
warten muss und das Schippern über die Elbe deutlich
länger dauert als die ausgedachte Abkürzung Vorteile
bringt. Das Teil muss unbedingt zur Weiterbildung. Da wir aber zeitig
genug gestartet sind, macht uns die halbe Stunde Mehraufwand nichts aus.
Kurz nach unserer Bootsfahrt ist aber Mehderitzsch erreicht und es geht
wieder hinaus in Felder und Wiesen, um nach reichlich 1 Kilometer
außerhalb des Dorfes das Waldbad Mehderitzsch an der
Oberwalkmühle zu erreichen.
Gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite
befindet sich auf einer Wiese der Zeltplatz des Festivals. In welch
entspannte Atmosphäre wir bald darauf eintauchen macht schon
ein über die Straße schlendernder Nackedei deutlich,
der vom Waldbad kommend den Campingplatz ansteuert. Im Waldbad selbst
ist also gemischt Textil-FKK angesagt, wie wir bald darauf
feststellen.
Ein freundlicher Einweiser erklärt uns wo wir parken
können und schon sind wir in zwei Minuten auf dem Waldbad- und
Festivalgelände. Da können wir alles, was wir nicht
sofort brauchen, wieder zurück zum Auto schaffen. Das tut auch
mal gut.
Hallo, ... fotografiere uns doch einmal!
Von der Wiese des Waldbades aus, die mit einigen Events des Festivals
mit integriert wurde, kann man ebenfalls den kompletten Sound der
Festivalbühne genießen. Umgekehrt können
die Festivalbesucher auf kurzem Wege im See eine Erfrischung nehmen.
Obwohl es schon September ist, haben wir heute einen recht
heißen Tag erwischt und die schattigen Bereiche sind
begehrter als die sonnigen.
Dominik Schubert, als Chef des Festivals, empfängt uns im
Rollstuhl, auf den er leider schon seit seiner Jugendzeit angewiesen
ist. Respekt, sich in so einer Situation um ein Festival mit allen
seinen "Baustellen" zu kümmern. Aber der Mann ist
völlig entspannt, geradezu die Ruhe in Person und stellt uns
erst einmal das Gelände und die Räumlichkeiten vor.
Die Zeit reicht gerade noch aus, um den Start der ersten Band nicht zu
versäumen.
Nach
der eingangs vorgestellten Running Order eröffnen heute die
Dresdner Band Empty Pint & The Hot Shots.
Wir haben sie erst voriges Jahr beim Dynamite Skafestival und
kürzlich beim This Is Ska Festival in Roßlau gesehen.
Es gibt eine hörenswerte Mischung aus Ska, Rocksteady und
Reggae mit einer Prise Soul zu hören. Neben den gewohnten
Klassikern der erwähnten Genres gibt es aber auch Hits aus
anderen Bereichen, die den Stempel unserer Lieblingsmusik
aufgedrückt bekommen. Wer die Band noch nicht kennt, sollte
sie auf keinen Fall in Zukunft verpassen.
Die erst im Jahr 2021 gegründete 7-köpfige Band
besteht
aus Bernd (Gitarre), Lisa (Bass), Hoiss (Keyboard/Orgel), Resi
(Vocals),
Josch (Posaune / Backing vocal), Markus (Trompete) und Christian (Drums).
Den tollen Sound den sie auf die Bühne zaubern, vermutet man
kaum hinter dieser kurzen Bandlaufzeit, aber einige der Musiker
dürften der Szene aus anderen Projekten bekannt sein. Schwerpunkt der
Truppe ist natürlich die beeindruckende Stimme von Resi.
Die Band präsentiert auf dem heutigen Festival eine gute
Werbeidee. Bierdeckel und Platten haben ja die gleiche Form und so
dachte sich die Band ihre Singles als Bierdeckel zu drucken. Eingangs
haben wir einen davon mit dem Titel "Survivor" abgebildet.
Leider führt der darauf gedruckte QR-Code nur zum
Instagram-Profil der Band und nicht zum angeführten Song. Das
würde ich mal als Verbesserungsvorschlag einreichen. ;-)
Live Video:
Empty Pint & The Hot Shots
Danach geht es in die Umbaupause und diese wird wieder einmal von
Richie angekündigt. Nach einem Ermüdungsbruch in
seinem linken Bein, den er bei einer Tour in Spanien erlitt, steht er
heute wieder auf der Bühne. Beim Reggae Jam mussten wir leider
auf ihn verzichten. Da war der Bruch noch viel zu frisch. Seine
Pause war dennoch sehr kurz, denn der heutige Job ist nicht der erste
nach seinem Unfall.
Wir haben übrigens Empty Pint & The Hot Shots
für den 30.05.2025
in den Kulturbahnhof
nach Ortrand zu dem kleinen Event "Jamaican Style" eingeladen. Also
vormerken und besucht uns doch einmal. Wir würden uns freuen.
Die
Umbaupause nutzen wir um über's Gelände zu
schlendern und das auf der Waldbadwiese liegende COB-Zelt zu besuchen.
Dort werden gerade die anwesenden Kinder des Festivals mit leichtem
Pop-Reggae und überwiegend pädagogisch wertvollen
Texten von NIKIS Kindermusik für die künftige
Reggae-Fangemeinde beworben. ;-)
Niki kommt von Dominik Haas, den jederman als Jahcoustix
und seit vielen Jahren als gestandenen Reggae Artist
von den hiesigen Konzertbühnen kennt.
Niki spielt Gitarre und alle anderen Instrumente kommen aus der
Konserve. Aber auch diese hat er vorher selbst eingespielt. In seiner
Show lässt er eine Reihe von "Special Guests" auftreten, die
aus eigens gebastelten Figuren wie Schrubbi die Zahnbürste,
Friedemann das Camäleon und anderen bestehen.
Live Video:
Nikis Kindermusik - Schrubbi Doo + Auf der Baustelle + Müll
Wie Niki erzählt, kam ihm die Idee Musik und Videos
für Kinder zu machen, als der Corona-Lockdown im März
2020 kam. Inzwischen sind zahlreiche Songs und einige Videos
entstanden, dass es im Dezember 2022 bereits für ein eigenes
Album mit dem Titel "Hallo" reichte. Sein bisher
größter Erfolg gelang ihm in 2022, als sein
Lied "Müll" mit dem deutschen Kindermusik Preis, "Goldener
Ohrwurm", in der Kategorie "Lieder für eine bessere Welt",
ausgezeichnet wurde.
Niki gibt's auf allen digitalen Plattformen wie auf seinem YouTube
Kanal, Facebook, Instagram, Spotify usw..
Jetzt geht es aber wieder zurück, wenn wir von Tighten Up nicht
zu viel verpassen wollen.
Tighten Up
vor der Show
Tighten
Up haben wir zum ersten Mal beim 2022er This Is Ska Festival gesehen,
als die Band gerade einmal zirka 6 Monate alt war. Sie wurde von Kai
Natusch,
Sänger der in Görlitz gegründeten
Band Yellow Cap, ins Leben gerufen. Sie setzt sich aus Musikern von
Yellow Cap und der Görlitzer Band Mola zusammen. Beide Bands
kennen sich schon seit vielen Jahren, waren aber zum Teil in
verschiedenen Musikrichtungen unterwegs. Bei Yellow
Cap
stand überwiegend Ska und Reggae und bei
Mola besonders Funk und
Soul auf dem Programm.
Ziel der Neugründung war, mit Tighten Up
ausschließlich Rocksteady- und Early Reggae-Klassiker aus den
60er und 70er Jahren auf die Bühne zu bringen.
Benannt haben sie sich nach dem gleichnamigen Song von den Untouchables
& Lee "Scratch" Perry, der später auch Namensgeber
für die erfolgreiche Compilation-Serie bei Trojan Records war.
Wir werden ihn dann noch hören.
Zu Tighten Up gehören Jenny Naumann (Vocals),
Kay Natusch (Vocals),
Christoph Schulz (Rhythm Guitar & Vocals),
Konny Behrendt (Lead Guitar),
Clemens Voyé (Bass),
Samuel Maiwald-Immer (Keyboard) und
Jonas Naumann (Drums).
Live Video:
Tighten Up
Das Ziel der Bandgründung haben sie voll erreicht kann man da
nur sagen und wer sie in 2022 auf dem TIS gesehen hat muss zugeben,
dass sich die Band deutlich zum Besseren weiterentwickelt hat.
Richie, Zoe
Mazah und Jahcoustix. Und wieder einmal konnten wir uns nicht
entscheiden, welches Bild wir weglassen.
Nach der Show von Tighten Up, die zum Ende hin immer besser und mit
viel Jubel begleitet wird, gehen wir wieder auf die große
Waldbadwiese um einen Graffiiti- und Dancehallkurs zu nehmen. ;-)
Na dann hoffen wir einmal, dass die neuen kleinen Künstler
ihre erworbenen Fähigkeiten nicht an den falschen Stellen
einsetzen.
Schauen wir weiter zum Dancehallkurs, wo sich die Dresdnerin Sophia
Drechsel alle Mühe gibt, etwas Beweglichkeit in die steifen
deutschen Knochen zu bringen.
Schritt für Schritt baut Sophia den Dance mit der Schulung von
einzelnen Bewegungsabläufen auf, damit es nicht gleich am
Anfang
zu viel wird. Jede Bewegung hat einen Namen oder einen Erfinder und in
der Gesamtheit kommt dann tatsächlich etwas
Vernünftiges bei
den Probanten heraus.
Ein Teilnehmer bemerkt aus Spaß: "Wie soll man sich denn da
konzentrieren können!" und spielt auf Sophia an, die gerade vor
seiner Nase mit den besten Moves eine gute Figur macht. Ja, das ist
eben Dancehall, ... nicht nur für die Ohren, sondern auch
für's Auge. :-)
Live Video:
Ein paar Ausschnitte vom Dancehallkurs
Wer sich da weiter schulen möchte, sollte Kontakt zu Sophia
aufnehmen. Leider gibt es nur ein Profil auf Instagram.
Aber wer in der Nähe von Dresden wohnt und Interesse hat, wird
sich schon zu helfen wissen.
Die
nächste Show auf der Festivalbühne gehört
Zoe Mazah. Vor dem Festival haben wir uns noch gefragt, ob denn Zoe
Mazah vielleicht jene Zoe ist, die wir zuletzt vor 19 Jahren beim
sogenannten German Reggae Grammy in der Neuen Flora von Hamburg gesehen
haben. Damals erhielt sie einen Award in Kategorie "Reggae Queens" und
einen in der Kategorie "Reggae Vids". Und tatsächlich, sie ist
es. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, dass wir
ihr Comeback als Zoe Mazah mit ihrer 2020er EP "On Repeat", nach einer
längeren Pause gar nicht mitbekommen haben.
Wir freuen uns also ganz besonders auf ein Wiedersehen mit Zoe heute
hier auf der Bühne des Colors of Beat Festival in Mehderitzsch.
Live Video:
Zoe Mazah - 1/2
Zoe wurde am 22. Januar 1975 in Bong Town, Liberia, geboren. Ihre
Mutter stammt aus Liberia und ihr Vater ist Deutscher. Kurz danach zog
die junge Familie nach Prenzberg bei München. Obwohl Zoe
später Jazz-Gesang und Komposition studierte, zog es sie
danach
zum Glück in Richtung Reggae. Ihre erste Single "Love can
change so much" aus dem Jahr 2001, ist die Titelmusik zum Filmdrama
"Julietta – Es ist nicht wie du denkst", ist aber weder Jazz
noch Reggae, sondern ein gefühlvoller Popsong. Die ersten
beiden Reggae-Alben
"Zociety" und "Exile African" erschienen in den Jahren 2003 und 2004.
Wir erinnern uns noch sehr gut an Hits wie "Could It Be You" feat.
Ky-Mani Marley (Zoeciety 2003), "Uptown Top
Ranking" (No Pop No Style) feat. Prezident Brown (Zoeciety 2003), "Is
Dis Love" feat. Alborosie (Exile African 2004), "Rock Steady" (Exile
African 2004), "Liberia" feat. Chuck Fender (Exile African 2004) und
andere (Mehr zu Zoe im Interview weiter unten).
Selbstverständlich lassen sich diese Hits auch bei der
heutigen Show nicht vermeiden. Darüber hinaus
natürlich auch weitere Songs aus den nachfolgenden
Veröffentlichungen wie "Golden Rebellion" (2007), "On Repeat"
(2020) oder "Higher Vibration" (2023). Ihre Backingband, die sie immer
stolz als
"meine Band" bezeichnet, kommt erstaunlicher Weise aus dem recht fernen
Portugal.
Live Video:
Zoe Mazah - 2/2 - Liberia + Could It Be You + Rocksteady
Ein tolles Konzert! Schön, dass wir Zoe wieder einmal sehen
konnten. Vielleicht animiert es ja andere Veranstalter die
Sängerin wieder einmal einzuladen. Richie verabschiedet die
Fans in die Umbaupause und kündigt für die
nächste Show einen Sänger aus Münster an,
auf den er sich ganz besonders freut. Na, wer das wohl sein wird? ;-)
Nach
der Umbaupause ist es natürlich der Doktor selbst, der auf die
Bühne kommt und bleibt. Vernünftiger Weise hat er
sich selbst eine Sitzgelegenheit verordnet. Er sollte ja auch nicht zu
viel Bewegung mit seiner Beinorthese riskieren. Zumal dies sicher
sowieso viel zu beschwerlich ist mit der Orthese ständig hin
und her zu schreiten. Es fällt eigentlich auch gar nicht
besonders auf, dass Richie während seiner Show nur auf dem
Hocker sitzt und nicht über die
Bühnenbretter "tobt". Das kann er getrost Anthony B oder
anderen überlassen. Alles wirkt als müsste
es immer so sein.
Live Video:
Dr. Ring Ding - 1/2
Das Set von Richie zieht sich quer durch die Geschichte seines
langjährigen Schaffens und gefällt uns heute ganz
besonders gut. So könnte es noch stundenlang weitergehen.
Unterstützt wird Dr. Ring Ding heute von Martin Musch am
Schlagzeug, Markus Dassmann an der Gitarre, Konya Schmechel am
Keyboard, Marcus "Skacus" Diekmann am Bass und Annika Ernst am Saxophon.
Sein aktuelles Album ist leider nach wie vor das 2020er "The Remedy".
So langsam wäre mal ein neuer Impfstoff nötig. Neue
Songs haben wir ja schon einige im Web gehört.
Live Video:
Dr. Ring Ding - 2/2
Sehr schade ist, dass die Besucheranzahl noch gehörig Luft
nach oben
hat. Allerdings sind noch viele Fans verstreut im Gelände und
hören sich die
Show aus der Ferne an. Auch die anderen Künstler, die vor
Richie an der
Reihe waren, sahen sich damit konfrontiert.
Und
wieder geht es in die Umbaupause, um die Bühne für
Inti vorzubereiten. In den letzten Jahren konnte man ja Inti nahezu auf
der Running Order von jedem hiesigen Festival lesen. Ob nun mit
Memoria, als Inti & Chaski oder Inti & The Reggae
Rockers, auf den nach dem Sonnengott der Inkas benannten Inti musste
man zwangsläufig irgendwo treffen.
Auf der heutigen Running Order ist nur Inti angekündigt, aber
wie wir sehen, ist auch Chaski im Gelände. Für das
Backing von Inti & Chaski bereiten sich heute Musiker von
Gentleman's Evolution Band vor.
Wir nutzen die Umbaupause um mit Zoe ein kleines Schwätzchen
abzuhalten. Mit dabei haben wir die 9. Ausgabe des nicht mehr
existenten ReggaeNewsMagazine von März 2006, wo es eines
unserer Fotos mit Zoe auf das Cover geschafft hat. Für Zoe zur
Erinnerung natürlich auch noch ein Fotoabzug im
Großformat. Kleine Geschenke sind immer ein guter Einstand
für ein Treffen oder Gespräch.
Ganz wie wir sie in Erinnerung haben, ist sie stets guter Laune und
erzählt so viel, dass wir uns gar nicht alles merken und hier
aufschreiben können. Hier ein Auszug. reggaestory.de:
Schön, dass du dir etwas Zeit für uns nimmst. Wir
haben dich ja seit ewigen Zeiten nicht mehr gesehen. Es war
tatsächlich 2005, als wir uns zuletzt getroffen
und dich auf der Bühne gesehen haben.
Erzähle doch einmal wie es dir seit dieser Zeit so ergangen
ist. Zoe Mazah:
... Nun ja, da habt ihr mich wohl einfach verpasst, denn ich habe viel
gespielt und veröffentlicht bis ich mich 2009 zurückgezogen habe um mich um mein Baby zu kümmern. Inzwischen sind
es 2 Kinder und sie sind alt genug das ich wieder viel arbeiten kann
und mich nicht zwischen Mutter sein und meiner Berufung als Musikerin
zerreißen muss. reggaestory.de:
Wie kann es eigentlich sein, dass wir dich seit deinem Neustart mit der
2020er EP "On Repeat" als Zoe Mazah, auf den hiesigen Bühnen
noch nicht gesehen und auch sonst nichts von dir gelesen
haben? Zoe Mazah:
... Meine musikalische Reise hat meistens ins ferne und nahe Ausland
geführt. Seit ich 2019 meine erste Veröffentlichung
gemacht habe, war ich in Kalifornien, Frankreich, Österreich,
der Schweiz und in Portugal und leider in Deutschland fast gar nicht
unterwegs. Das soll und wird sich ändern. 2025 here I come. reggastory.de:
Das werden wir nun mit unserem Festivalbericht hoffentlich ein wenig
unterstützen.
Aber erzähle doch einmal, wie man zu einer Band aus Portugal
kommt, zumal es bestimmt hier auch eine große Anzahl Musiker
gibt, die sicher auch mit dir spielen würden. Zoe Mazah:
Das ist eine lange Geschichte. Ich versuche das mal kurz zusammen zu
fassen. Mich schrieb ein junger Musiker aus Portugal an und fragte ob
ich Lust hätte auf einem seiner Riddims etwas zu singen. Ich
war beeindruckt von seinem Sound und nach einigem hin und her bin ich
dann einfach nach Porto geflogen. Wir haben uns auf Anhieb sehr gut
verstanden und direkt mehrere Tunes aufgenommen und beschlossen mehr
zusammen zu arbeiten. Inzwischen sind einige Singles, eine EP die im
Reggaeville Voting sogar auf den besten Platz des Jahres
gewählt wurde, und in Zusammenarbeit mit einem schwedischen
Produzenten ein ganzes Album entstanden. Um unser gemeinsames Schaffen
haben wir die Band geformt und ich liebe meine Crew sehr.
reggaestory.de:
Warum hast du eigentlich deinen Künstlernamen von Zoe auf
deinen vollständigen bürgerlichen Namen Zoe
Mazah geändert? Ich musste erst einmal recherchieren, ob du
das auch wirklich bist, bevor wir zum COB-Festival gekommen sind. Zoe Mazah: Oh,
das ist eine leichte Frage. Ich hatte einfach das
Bedürfnis meinen vollen Namen zu verwenden. Ein klares Zeichen
für mich und meinen Neuanfang, unabhängig
von großen Labels etc. Das bin ich, Zoe Mazah. Zum Glück habe
ich unglaublich treue und liebe Fans die mich total
unterstützt und ermutigt haben. Es gibt mir unfassbar viel
Energie, wenn ich an die Liebe denke, die nur durch Musik da ist. Danke
an euch alle da draußen. Ich liebe euch sehr. reggaestory.de:
Wie sieht es mit neuen Projekten bei dir aus? Bei uns stehen ja leider
nur "Zociety" und "Exile African" im Regal. Zoe Mazah: Da
müsst ihr direkt nachlegen. Mein Album "Golden
Rebellion" gibt es noch als CD und mein letztes Album "Higher
Vibration"
sogar als Vinyl. Einige meiner neu veröffentlichten Singles
gibt es auch als Vinyl. AM 25. Oktober veröffentliche
ich eine Single mit dem Titel "A Better Place" als
Vorgeschmack
von weiteren Songs, denn am 8. November erscheint mein
fünftes Studio Album. Es
heißt "TILL THEN". reggaestory.de:
Da freuen wir uns für dich. Schicke es uns
rechtzeitig rüber, dann packen wir die
Ankündigung gerne auf unsere Seite.
Viel Erfolg weiterhin und danke noch einmal für das nette
Gespräch!
Live Video:
Zoe Mazah - Jingle for reggaestory.de
Inzwischen ist der Bühnenumbau abgeschlossen und Inti
& Chaski nebst The Evolution Band sind bereit für die
Show. Noch schnell ein Foto und ein Spruch von Sophia Drechsel, die mit
der Situation etwas überfordert ist. So etwas hat noch niemand
von ihr gewollt. Nach etwas Bedenkzeit wird es dann aber doch noch. :-)
Mit Sophia Drechsel aus der Nähe und völlig ohne
Moves,
erinnern wir damit noch einmal an den Dancehallkurs, über den
wir vorhin berichtet haben.
Die Brüder Inti & Chaski sind inzwischen mitten in
ihrem Element und heizen der Massive kräftig ein. Obwohl die
beiden Mitbegründer der Band Memoria sich jeweils auf
Solopfaden bewegen und auch als Duo unterwegs sind, soll es wohl mit Memoria
auch noch weitergehen. Man darf gespannt sein, wie sich die Projekte
noch entwickeln werden. Heute gibt es jedenfalls altbekannte Songs der
beiden, die man durchaus schon als Hits bezeichnen kann. Ob nun Reggae,
Dancehall oder Ska, die beiden liefern heute in jedem Genre richtig ab.
Respekt!
Ein Lob übrigens an die Technik! Die Bühne
präsentiert einen sehr gut ausgewogenen Sound, und dies
gleichmäßig über alle bisher gesehenen
Shows hinweg. Schön laut und klar, aber nicht zu laut und kein
einziges Instrument übersteuert. So kann man die Musik richtig
genießen und muss keinen Gehörschutz
bemühen, um damit die halbe Klangbreite abzumurksen.
Live Video:
Inti & Chaski
Und weiter geht es in die vorletzte Umbaupause des Festivals, die
dieses Mal eigentlich mit wenig Aufwand verbunden ist. Dies deshalb,
weil das Backing für die nachfolgende Treesha von denselben
Musikern gespielt wird.
Inzwischen sind auch Meta Dia & The Cornerstones eingetroffen.
Wir werden versuchen mit Meta Dia kurz ins Gespräch zu kommen.
Irgendwie finden wir aber keinen richtigen Ansatz in der zur
Verfügung stehenden Pause, da Meta Dia nicht enden wollende
Telefonate führt. Wir legen ihm also einfach ein paar Fotos
bei ihm auf den Tisch und setzen uns dann woanders hin. Das war die
perfekte Ablenkung. Während Meta weiter telefoniert, muss er
immer wieder auf die Fotos schauen und freut sich sichtlich
darüber.
Im Anschluss kommt er zu uns und wir können uns ein wenig
unterhalten. Unter anderem erfahren wir, dass sein neues Album kurz vor dem
Abschluss steht und im Frühjahr veröffentlicht werden
soll. Er würde sich freuen, wenn wir wieder dazu einen Beitrag
auf unserer Website veröffentlichen könnten, wie das
seinerzeit bei "Dia"
geschehen war. Wir werden das bei Werner Zips anbringen und hoffen,
dass er sich wieder dazu bereit erklärt.
Darüber hinaus soll es im Frühjahr eine Album Release
Tour geben, zu der auch Deutschland einbezogen werden soll.
Hierfür werden noch Partner gesucht, bringt Meta's Managerin
Celine Diels aus den Niederlanden an. Auch das werden wir an die uns
bekannten Partner weiterleiten. Wenn sich eine Location
unabhängig davon für Meta Dia interessiert, kann sie
sich gerne bei uns melden.
Live Video:
Meta Dia - Jingle for reggaestory.de
Weiter
geht es mit Patricia Wambui Mwaura, alias Treesha, eine
Sängerin die aus Kenia stammt und im Jahr 2012 als
Backgroundsängerin in das Team von Gentleman stieß.
Wem
sie dort noch nicht aufgefallen war, sollte aber
spätestens seit ihrem 2015er Debutalbum "Listen" etwas von ihr
gehört haben. Das Album wurde zunächst in Frankreich
veröffentlicht und kam erst 2016 über Skycap nach
Deutschland. Seit diesem Jahr gibt es mit "Love, Scars N'Attitude" nun
ihren zweiten Longplayer mit 13 Songs. Songs wie "Got Da Juice", "Chat
Box" feat. Tanya Stephens, "Don't Waste My Time" oder "Positive
Thoughts" feat. Gentleman, stechen darauf besonders hervor, zumindest
was unseren Geschmack betrifft.
Live Video:
Treesha - 1/2
Da
sich Treesha von zahlreichen Musikstilen wie Reggae, Dancehall, HipHop,
Pop oder Afrobeat beeinflusst sieht, ist ihre Show entsprechend
vielseitig aufgestellt.
Manche Songs sind mir dabei zu weit weg vom Thema, aber das ist wie
immer Geschmackssache und es ist von allem genügend
dabei.
Während ich die Show verfolge, habe ich leider bisher
die beiden Feuerspucker im Fotograben übersehen. Diese sind
zwar mit Warnband umklebt aber dennoch frei zugänglich. Man
könnte sich also durchaus auch daran anlehnen. Zum
Glück kommt niemand auf diese Idee. Dennoch bekomme ich den
Schreck meines Lebens als einen knappen Meter vor mir eine
Feuerfontäne aufsteigt und mir gehörig einheizt. So
könnte man auch ganz plötzlich und ungewollt zu einer
Kräuselfrisur oder einer Platte kommen. ;-)
Ich werde mich hüten noch einmal in die Nähe dieser
Gerätschaften zu kommen.
Dann ertönt die markante Textzeile "Wake the town and
tell the people
..." aus den Boxen und jederman weiß auch ohne Riddim sofort,
was nun zu erwarten ist. Aber Treesha ist noch nicht so weit und
unterbricht erst einmal. Sie ruft Zoe auf die Bühne und dann
geht es gemeinsam mit Dawn Penn's "No No No" zu einem
Höhepunkt der Show.
Live Video:
Treesha - 2/2 - No No No feat Zoe Mazah + ...
Schließlich geht es in die letzte Umbaupause des Abends
für den Headliner des zweiten Festivaltages. Noch sitzt er im
Backstage und führt entspannte Unterhaltungen. So lange Meta
Dia noch hier ist wissen wir, dass wir noch Zeit haben und
können ebenfalls entspannen.
Meta Dia im
Gespräch mit Chaski
Schließlich
ist es dann soweit und Meta Dia verlässt den Raum, was auch
für uns das Signal ist den Platz vor der Bühne
einzunehmen. Genießen wir den Festivalabschluss mit Meta Dia
& The Cornerstones.
Er eröffnet mit "Hira", dem Titelsong seines 2017er und
gegenwärtig vorletzten Albums. Sein aktueller Longplayer ist
"DIA" aus dem Jahr 2021. Dazu findet ihr einen
ausführlichen zweisprachigen Artikel von Werner Zips auf
dieser Seite: Meta
Dia - Globaler Nomade mit universeller Botschaft. Und wie wir
von Meta vorhin gehört haben, können wir uns in 2025
auf sein nächstes Album freuen.
The Cornerstones werden heute von folgenden Musikern
ausgefüllt: Drums - Simon Roger,
Bass - Rupert McKenzie,
Keys - Daniel Adelaide & Fayce Belmokadem
und Guitar - Alexandre Tilly. Außer Rupert Mckenzie, alias
Jah Roops, aus Jamaica, haben wir es heute also wieder einmal mit
veränderten Ecksteinen zu tun.
Wir sehen Meta Dia heute zwar erst zum dritten Male, aber immer waren
die Cornerstones anders zusammengesetzt.
Live Video:
Meta Dia & The Cornerstones - 1/2
Lat Dior Ngone Latir Diop, alias Meta Dia, ist in Dakar, der Hauptstadt
Senegals geboren und
aufgewachsen. Als 14-jähriger hat er bereits begonnen auf den
Straßen seiner Heimatstadt Musik zu spielen. Im Jahr 2000
gründete er mit YALLA SUUREN (God Bless), seine erste Band,
die noch im selben Jahr vom French Cultural Center Dakar zur besten
HipHop und Reggae Group nominiert wurde. Innerhalb von zwei Jahren
wurde Meta eine der führenden Stimmen im HipHop von
Westafrika. Im Jahr 2002 wanderte er in die USA aus und
gründete in New York seine neue Band Meta & The
Cornerstones.
Im Jahr 2008 präsentierten sie ihr Debutalbum "Forward Music".
Am 30. April 2013 veröffentlichten sie mit "Ancient Power" bei
VP Records ihr zweites Album. Meta Dia ist damit der erste afrikanische
Künstler bei VP Records. Aufgenommen wurde das Album im
Kingstoner Tuff Gong Studio und enthält Gastauftritte von
Capleton, Damian Marley und dem legendären U-Roy.
"Hira" und "Dia" folgen in den Jahren 2016 und 2021.
Meta Dia & The Cornerstones liefern eine mitreißende
Show ab. Songs wie "Hira", "Tijahni", "Cornerstone" und viele andere,
sorgen für eine ausgelassene Stimmung bei den Fans. Meta Dia
kann aber auch ruhige und gefühlvolle Töne
anschlagen wie er mit "By Your Side" beweist. Managerin Celine Diels
hängt mit einem völlig entrückten
Gesichtsausdruck förmlich an seinen Lippen. Es ist aber
wirklich eine tolle Facette die Meta Dia hier zeigt.
Als besondere Einlage gibt es dann auch einen gemeinsamen Auftritt mit
Treesha und Inti & Chaski, bevor es mit "Struggle And Strife"
(Senegal) ins Finale geht.
Live Video:
Meta Dia & The Cornerstones - 2/2
Somit sind wir am Ende der diesjährigen Colors of Beta
Festivals und auch am Ende von Meta Dia's "Boomerang Love Tour"
angelangt.
Die Boxen werden nun wieder von den Soundsystems übernommen
und sorgen für den entspannten Ausklang des Festivals. Im
Backstage werden derweil noch ein paar Foto-Sessions abgehalten, an der
wir natürlich keinesfalls vorbeigehen möchten.
Treesha und
Managerin Celine Diels mit Meta Dia
Für uns bleibt jetzt nur noch der Nachhauseweg, dieses Mal
aber ohne Elbfähre, denn die fährt in der Nacht
sowieso nicht, ... und
für die Festivalorganisatoren bleibt irgendwann den "Kehraus"
anzusagen und die Aufräumarbeiten in den nächsten Tagen.
Vielen
Dank an alle Künstler, sowie an das Festivalteam vor und
hinter den Kulissen, die dieses Festival ermöglicht haben.
Wenn wir es einrichten können, werden wir in 2025 wieder
berichten. Wir freuen uns darauf!
Copyright:
www.reggaestory.de
Text und Videos: Peter Joachim
Fotos: Marion und Peter Joachim