COLORS
OF BEAT SPECIAL
27.09.2025 - SANSSOUCI TORGAU
FESTIVALERINNERUNGEN
Das Colors Of Beat Festival wollte sich dieses Jahr nicht mehr
"Festival" nennen, da sie ihren traditionellen Standort am Waldbad
Mehderitzsch nicht mehr bekommen und das Künstleraufgebot auf
einen Tag zusammengestrichen hat. Wir treffen auf einen
enttäuschten Veranstalter Dominik Schubert, der sich
gezwungenermaßen nach einer neuen Location umsehen musste.
Der
Termin hat sich dadurch auch nach hinten verschoben und
für die Camper hat sich eine recht sportliche Jahreszeit
ergeben. Immerhin ist der 27. September schon fast Oktober, was die
Zahl der mit Zelt Anreisenden natürlich erheblich schrumpfen
lässt.
Dementsprechend
war die Wahl für das Sanssouci Torgau recht passend.
Das Objekt wurde im 19. Jahrhundert als Ausflugslokal und
sogenanntes "Etablissement Sanssouci" gegründet.
Im Jahr 1890 wurde der große Tanz- und Festsaal angebaut, in
dem zu Spitzenzeiten bis zu 1000 Besucher Platz fanden. In der DDR-Zeit
wurde das Objekt staatlich als Kulturobjekt bewirtschaftet. Nach der
politischen Wende drohte dem Objekt, wie so vielen anderen
Großgaststätten und Kulturobjekten der Verfall.
Glücklicher Weise gelang dann doch noch die Transformation des
historischen Komplexes zu einem modernen Sport- und Freizeitzentrum.
Eine moderne Bowling- und Kegelbahn wurde integriert und die
geschichtsträchtigen Räume haben sich als Event- und
Party-Club im Torgauer Nachtleben etabliert.
Im
Hintergrund der Festsaalanbau und im Vordergrund das
Ursprungsgebäude mit interessanter Fenstergestaltung
Im Außenbereich ist heute etwas mobile Gastronomie aufgebaut
und innen ist bereits das Rootboy Soundsystem dabei ihren gewohnten
Sound zu präsentieren. Noch sieht es recht
überschaubar aus, was sich hoffentlich noch etwas
ändern wird.
Natürlich gibt es auch ein Merchandise, an dem sich neben
dem gewohnten Angebot eines Ska- und Reggae-Festivals, die Angebote der
heute anwesenden Künstler finden lassen. Der rechte Teil des
großen Raumes ist mit einer mobilen Trennwand versehen,
hinter dem sich der Backstagebereich mit eigenem
Außengelände anschließt.
Leckeren Kuchen gibt es wie bei Oma. Großes Lob an die
Bäckerin oder den Bäcker!
Im Backstage basteln die Blue Tone Stompers an ihrer Setlist. Ich bin
mächtig gespannt auf diese Band, da ich sie bisher noch nicht
gesehen habe.
Im extra abgegrenzten Außenbereich sind die Sick Boys im
Gespräch mit Dominik und stellen sich schon einmal
für ein Foto auf. Da diese Band, bestehend aus Jens, Olli,
Master und Stev ein Torgauer Original sind, lassen sie es sich
natürlich nicht nehmen, die heutige Veranstaltung zu
eröffnen. Ska, Reggae und Verwandte, kann man zwar nicht von
ihnen hören, aber da müssen wir dann durch. ;-)
Schließlich ist es dann so weit, und aus dem Festsaal
ertönen die ersten punkigen Töne der Sick Boys.
Die
Sick Boys, die auch als Sick Boys Torgau bekannt sind, beschreiben ihre
Musik als Punk'n'Roll. Die Band wurde schon im Jahr 2011
gegründet und ging aus der "Torgauer
Brückenkopf-Clique" hervor. Zu ihrer aktuellen Musik kann man
sich auf ihrer Bandcamp-Seite
oder auf Facebook informieren. Rechts das Cover ihrer am 29. Dezember
2023 veröffentlichten Single "My Paradies" oder "Blue
Bird" vom 28. August 2023. Am Cover ist kein Unterschied zu
erkennen. Zumindest habe ich noch keinen gefunden, wenn das ein
Suchbild sein soll. ;-)
Die Besucherschar ist noch überschaubar und hält sich
erwartungsvoll zurück. Aber das sollte eine
Eröffnungsband gewohnt sein, zumal sich der musikalische Stil
der Sick Boys
vom Schwerpunkt der Running Order, schon etwas abhebt.
Die Technik sorgt wieder einmal für den perfekten Sound, der
nicht
besser auf die Location abgestimmt sein könnte. Dass sich das
Publikum so weit von
der Bühne entfernt positioniert hat, liegt keineswegs an den
Soundeinstellungen. Noch ist eben viel Platz im Saal und aus der Ferne
hört man ja immer den besten Klang.
Momentan kann noch die Gastronomie im Außenbereich mit der
Bühne konkurrieren, aber das wird sich vermutlich bei den
nächsten Bands noch ändern. Das hoffen wir
zumindest
einmal für die Künstler. Ich gehöre ja auch
nicht gerade
zur Riege der Punk-Fans und verfolge auch nicht die gesamte Show der
Sick Boys.
Nach
der Umbaupause und mit dem Auftritt der Blue Tone Stompers, wird es
deutlich interessanter für mich. Die Band mit dem
blaubärtigen Sänger kommt aus Frankreich, genauer
gesagt aus Besançon. Sie haben sich dem jamaikanischen
Rhythm 'n' Blues, Ska und Rocksteady verschrieben. Als der
Sänger seine ersten Vocals zum Besten gibt, bin ich erst einmal
so richtig geflasht. Mit seiner Stimme könnte er glatt das
Repertoire von Louis Armstrong nachsingen, und der
Fake würde vermutlich nicht jederman
auffallen.
Die
Gründung
der Blue Tone Stompers fällt in das Jahr 2019. Die Musiker
sind aus verschiedenen Genres wie Punk, Jazz
und Latino gekommen, aber alle teilen die Liebe zu den alten
jamaikanischen Platten
von Ska und Rocksteady. Die Kernbesetzung der Blue Tone Stompers
besteht aus Rudy Delage (Lead Vocals / Guitar), Claudio Ibarra
(Double Bass / Background Vocal), Victor Prost (Drums /
Background Vocals) und Corentin Lallouët (Altsaxophon /
Sopransaxophon / Background Vocals).
Ihr Debutalbum "Blue Tone Stompers" erschien 2013 bei Productions
Impossible Records / Liquidator Music) und ihr aktuelles Album "Look
up! ist noch warm, weil es erst in diesem Monat veröffentlicht
wurde. Es liegt auch am Merchandise als CD und in Vinyl. Da nehmen wir
natürlich eine Scheibe mit.
Live Video:
Blue Tone Stompers - Granada
+ Cool Him Down
+ Captain Hook
+ Arte Bella + When I'm Out
Nach diesem beeindruckenden Auftritt stehen noch ein Bandfoto und ein
Jingle auf der Agenda. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, wenn
denn die Musiker einmal verstreut im Gelände sind. Einer sucht
den anderen und dann fehlt immer wieder ein anderes Bandmitglied.
Saxophonist Corentin ist seit gestern "unsichtbar", wie mir Rudy
erzählt, denn ihm hat man leider das Smartphone geklaut. Das
ist sehr ärgerlich. Drummer Victor hat ein ganz anderes
Problem. Als er endlich da ist, müssen wir noch warten, denn
seine langen Haare haben sich mit dem Haargummi verfitzt und jede
kleine Haarsträhne ist heilig und darf nicht abgeschnitten
werden. Aber dann kommt schließlich doch noch alles
ins Lot.
Live Video:
Rudy Delage (Blue Tone Stompers - Wonderful World
Danach
geht es mit Les Calcatoggios in die nächste Runde. Zuletzt
habe ich die Band mit den zwei Frontfrauen in 2024 beim Dynamite
Skafestival gesehen. Ich führe deshalb zwei Frontfrauen an,
weil nicht nur die Sängerin Sandra, sondern auch die
Saxophonistin für einen besonders herausstechenden Anteil an
der Show sorgt. Neben den zwei Mädels sind noch 6 Jungs mit im
Boot, die sich in die übrigen Instrumente teilen. Die in 1998
im korsischen Ort Calcatoggio gegründete Band kommt allerdings
aus Berlin.
Die Musik der Band lässt sich vielleicht am besten mit
energiegeladener Ska-Crossover oder Ska-Punk beschreiben, wobei sich
der Punk für meinen Geschmack bei den Les Calcatoggios sehr
gut verkraften lässt. "Verkraften" deshalb, weil ich
persönlich nicht so sehr der Punk-Fan bin. ;-)
Ihre aktuelle Platte heißt
"Indestructible" und wurde 2024 bei "Smith & Miller
Records" veröffentlicht. Mit "RebellUnion" haben sie in diesem
Monat eine neue Single veröffentlicht.
Live Video:
Les Calcatoggios
Nach diesen Eindrücken und Ausschnitten von der Show
verabschieden wir uns in die nächste Umbaupause.
Der
nächste Künstler ist David Andrew Ferri, a.k.a. Lion
D. Obwohl seine letzte Platte "Heartical Soul", erschienen in
2015 beim italienischen Label Bizzarri Records, nun schon 10 Jahre lang
bei uns im Regal steht, ist es heute tatsächlich das erste
Mal, dass ich ihn live auf der Bühne sehen kann. Lion D's
Musikstil ist recht vielseitig. Er bewegt sich dabei von Roots-Reggae
über Dancehall bis HipHop. Lion D kommt aus Italien, wurde
aber 1982 in London zu einer italienischen Mutter und einem
nigerianischen Vater geboren.
Live Video:
Lion D & Modern Roots Collective - 1/3
System Failure + Alert + Laba Laba + Strength Of A Champion
Das aktuelle Projekt, mit dem die heutige Bühnenbesetzung auf
Tour ist, nennt sich Lion D & Modern Roots Collective. Neben
Lion D haben auch die Backgroundsinger Grace "Gracy" Ingrad Kpessou
a.k.a Blacky Grace & Marco "Prince" Pregnolato ihren eigenen
Auftritt.
Hier eine Kostprobe von den beiden Sängern.
Live Video:
Lion D & Modern Roots Collective - 2/3
When You're In Love (Gracy) + The Harder They Come (Prince)
+ Born A Rebel (Lion D)
Obwohl Lion D in London geboren wurde, zog seine Mutter noch im selben
Jahr mit ihm zurück nach Italien. Aufgewachsen und in die
Schule gegangen ist er in der Stadt Pesaro, wo er auch seine
Leidenschaft für die Musik entdeckte. Inspiriert wurde er
dabei von Bob Marley, Peter Tosh und Dennis Brown. In seinen
frühen zwanziger Jahren begann er schließlich eigene
Songs zu schreiben, die er im jamaikanischen Patois sang.
Im Jahr 2007 folgten schließlich seine ersten Singles beim
Label Bizzarri Records. Im selben Jahr begann er auch intensiv zu
touren
und machte sich einen Namen in der italienischen Reggae-Szene. Im
September 2009 folgte dann sein Debutalbum "The Burnin' Melody",
ebenfalls bei Bizzarri Redords.
Ein großer Schritt für seine Karriere war das Jahr
2014, als er nach Jamaika reiste, um in den Shengen Studios von
Reggae-Star Alborosie aufzunehmen. Das Resultat war das von Alborosie
in 2015 produzierte und gefeierte Album "Heartical Soul".
Ja und der Rest ist Geschichte, die an dieser Stelle nicht weiter
fortgesetzt werden soll.
Ich möchten nur noch erwähnen, dass für Juni
2026 mit "Rebel With A Vibe" eine neue EP von Lion D in der
Planung ist.
Hier noch die Zugabe zum Abschluss, die ich mir allerdings
etwas mitreißender vorgestellt hatte. Und wem der Drummer
bekannt vorkommt, ... schaut mal bei The Magnetics vorbei.
Live Video:
Lion D & Modern Roots Collective - 3/3
Boomerang + Blaze Up
Nach
diesem Roots Reggae Part des COB Specials geht es wieder in die
Umbaupause, und für mich an den Tresen für eine
letzte Erfrischung. Währenddessen bereitet sich Richie's
katalanische Band auf den Auftritt mit Dr. Ring Ding vor. Aber nicht
alle Musiker kommen aus Spanien, denn da steht auch noch Gitarrist
Markus Dassmann aus den hiesigen Landen auf der Bühne und der
Trompeter kommt aus Kuba. Auch
wenn wir Dr. Ring Ding und seine Musik besonders schätzen,
werden wir uns an dieser Stelle etwas kurz mit dem Text halten, denn
Richie war schon so oft auf dieser Seite zu Gast, dass uns nicht
wirklich etwas Neues einfallen mag.
Außerdem
wird es wohl kaum einen Fan in der Szene geben, der ihn nicht kennt
oder schon alles was verfügbar ist, über ihn gelesen
hat. Wenn doch, dann schlagt nach bei Dr. Ring
Ding auf dieser Seite und arbeitet euch durch die Vielzahl
der dort angegebenen Berichte durch.
Natürlich darf auch heute nicht seine spezielle Art von Humor
fehlen: "Ich kann euch nicht sehen aber ich kann euch hören,
das ist gut ... wow wow, ... ooh jetzt rieche ich euch sogar ..."
Offenbar fühlt sich Richie etwas zu sehr geblendet, ... aber
die
Luft ist so schlecht nun auch wieder nicht.
Live Video:
Dr. Ring Ding
Big Man
+ One Scotch, One Burbon, One Beer
+ Latin Go Ska
Rudeboy Style
Mit diesen über 22 Minuten langen Konzertausschnitt,
möchte ich die heutigen Eindrücke von Dr. Ring Ding
und seinen Musikern aus Katalonien, Kuba und Deutschland, vom Colors of
Beat
Special 2025 abschließen.
Bevor die letzte Band des COB Specials ihren Auftritt hat, versuche ich
noch Lion D im Backstage zu erwischen. Unser altes Plattencover muss ja
auch noch eine Aufwertung von ihm bekommen. Mit Fotos sieht es gerade
schlecht aus. Irgendetwas streikt und der Blitz liefert nur
weiße Bilder. Mh, woran liegt das nur wieder? Welcher
Fotograf kann da helfen? Heute sind wir nur drei und keiner ist
hier. Zum Glück hat man ja aber noch zur Not ein
Smartphone in der Tasche.
Für
den Abschluss des heutigen Abends sorgt Sentilo Sono, eine normaler
Weise achtköpfige Band aus München, die sich Ska,
Punkrock und Reggae bzw. eine Mischung daraus auf die Fahne geschrieben
haben. Sie selbst bezeichnen dies als "Guerilla Offbeat".
Gegründet hat sich die Band im Jahr 2010, mit dem Konzept
Musik außerhalb des Mainstreams zu machen. Ihr erstes Werk
"Inicio", eine EP mit 4 Titel, veröffentlichten sie bereits am
23. Dezember 2011 bei Mindcontrol
Productions in München.
Am 21 Juni 2013, folgte dann ihr erster Longplayer "Prost!" mit 12
Titeln, ebenfalls bei Mindcontrol Productions. Es folgten noch zwei
weitere EPs, wobei das abgebildete "Dann Halt Mich!", die bisher letzte
Scheibe aus dem Jahr 2018, mit 6 Titeln ist. Neuere
Veröffentlichungen sind bisher nur noch als Singles angelegt.
Besonders in den Anfangsjahren zeichnete sich ihr Stil dadurch aus,
dass sie sich nicht auf Englisch oder nur eine Sprache festlegten,
sondern auf Deutsch, Spanisch, Französisch und Italienisch
sangen.
Und damit möchten wir unseren kleinen Einblick in das Colors
Of Beat Special 2025 im Torgauer Sanssouci, auch schon
abschließen.
Im nächsten Jahr wird es auch kein mehrtägiges
Festival, wie zuletzt in 2024 geben, auch ein Special mit
ähnlichem Umfang wie heute, soll in 2026 nicht mehr oder
vorerst nicht mehr folgen.
Ganz ohne Ska oder Reggae, will man das Jahr aber nicht in Torgau
verstreichen
lassen und so wird ein kleines Colors Of Beat X-Mas Special mit den
Upsessions in der Torgauer Kulturbastion geplant. Bei dieser
Gelegenheit wird auch der 30ste Geburtstag des Rudeboy Soundsystems
ausgiebig gefeiert.
Hoffen wir, dass Dominik und seine Mitstreiter für 2027, die
Serie der Colors Of Beat Festivals wieder fortsetzen können.
Viel Erfolg dabei!
So
langsam bereite ich mich nun auf die Abreise vor und werde dabei von
einem
wackeligen Sick Boy interviewt, der unbedingt wissen möchte,
wie gut er heute war. Nun ja, da kann man nix machen. Ich bin der
falsche
Mann, dies beurteilen zu können. Aber eines ist gewiss, ein
Katerfrühstück braucht er garantiert. Er gibt mir
sogar recht, mit den Getränken etwas übertrieben zu
haben. Das ist dann aber doch erstaunlich. So sick ist er also heute
noch
nicht. ;-)
Vielen
Dank an alle Künstler, sowie an das Festivalteam vor und
hinter den Kulissen, die dieses Festival ermöglicht haben.
Copyright:
www.reggaestory.de
Text, Videos und Fotos: Peter Joachim