THE
CONGOS & PURA VIDA & HOLLIE COOK
27.07.2019 - WASSERMUSIK - BLACK ATLANTIC - HKW BERLIN
Im Rahmen des diesjährigen Wassermusik
Festivals "Black Atlantic - Revisted", im "Haus der
Kulturen der Welt" von Berlin (kurz HKW oder im Volksmund "Schwangere
Auster"), traten einige Künstler auf, die auch für
Reggae-Liebhaber von besonderem Interesse waren. So haben auch wir uns
wieder einmal auf den Weg gemacht, diese
außergewöhnliche und unter Denkmalschutz stehende
Location zu besuchen. Neben Hollie Cook waren es natürlich die
Congos & Pura Vida, die uns am letzten Tag des
Festivals nach Berlin zogen. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne
dem am selben Tage statt findenden CSD gemacht. Die im Internet
ausgewiesene Marschroute nebst Kundgebungsgelände war
längst nicht alles.
Rein
vorsorglich hatte man über diese Bereiche hinaus,
weiträumig die Straßen abgesperrt, was unsere
gewohnte Fahrtroute mit betraf und so trotz unserer Vorrecherche im
Internet für etwas Verwirrung sorgte. Wer nur nach Kopf und
Karte und ohne Navi fährt, kann da ganz schnell im Nirgendwo
landen. Letztendlich hat uns aber dennoch unser
Richtungsgefühl an den gewünschten und einzig freien
Parkplatz geführt, den wir Dank des freundlichen Vorparkers
gleich mit Parkschein übernehmen konnten. Aus allen Richtungen
dröhnte Musik, die uns fast in die falsche Richtung hat laufen
lassen. Vorbei an zahlreichen bunt gekleideten und
überschminkten CSD Teilnehmern, bei denen man Schwierigkeiten
hat sie irgendeinem Geschlecht zuzuordnen, legen wir die letzten Meter
zu Fuß zurück. Mürrische Polizisten in
Gruppen überall.
Man traut sich kaum an denen vorbeizulaufen, da sie so auf dem
Fußweg und der Straße postiert sind, dass man denkt
dort
geht´s nicht weiter. Nur widerwillig beantworten sie meine
Frage nach dem richtigen Weg und wissen selbst nicht wo sie sich
befinden, aber da sind wir zum Glück schon fast am Ziel und
müssen uns förmlich durch die uniformierten Freunde
und Helfer drängeln. Die gehen einfach nicht zur Seite.
Doch kommen wir nun zum Event selbst. Zu Name und Inhalt der
Veranstaltungsreihe schreibt Detlef Diederichsen (Kurator im HKW /
Bereichsleiter für Musik, Tanz und Theater) in der
Festivalbroschüre wie folgt: 1993
veröffentlichte Paul Gilroy das Buch "The Black Atlantic -
Modernity and Double Consciousness". Er beschreibt darin eine
afrodiasporische "Gegenkultur der Moderne", die laut Klappentext "nicht
spezifisch afrikanisch, amerikanisch, karibisch oder
europäisch ist, sondern all dies zusammen". Musik spielt hier
eine herausragende Rolle. 2004 setzte sich das HKW zum ersten Mal mit
dem Black Atlantic auseinander. Rund 15 Jahre später (und 25
Jahre nach der Veröffentlichung) nimmt die Wassermusik Gilroys
Thesen erneut auf - mit Fokus auf dem atlantischen Süden:
Künstler*innen aus Brasilien (Gilberto Gil, Milton
Nascimento), Kolumbien (Louis Towers), Südafrika (B.C.U.C.),
Kap Verde (Mario Lucio & Simentera) und transatlantische
Musikprojekte wie die Maravillas de Mali oder Angélique
Kidjos Celia-Cruz-Programm illustrieren ihre Relevanz über die
nördliche Halbkugel hinaus. Das Filmprogramm schärft
das Bild mit Spiel- und Dokumentarfilmen über Capoeira, die
"Afrobeats of Cuba" und den antikolonialen Kampf des Dichters und
Wissenschaftlers Amilcar Cabral. Dazu kommt die vom Goethe-Institut
initiierte Konferenz "Echoes of the South Atlantic" mit Keynotes von
Achille Mbembe und Paul Gilroy persönlich.
Der Inhalt des heutigen Tages mit einer Legende wie den Congos und
damit einer der wichtigsten Punkte des Festivals, findet sich darin
zwar nicht wieder, aber das es ihn gibt, ist die Hauptsache. Und wie
sagt man so schön? Das Beste kommt zum Schluss!
Soweit zur Einleitung. Steigen wir nun live in das Festival ein.
Bei schönem Wetter soll das Konzert auf der Dachterrasse und
nicht in einem der Konzertsäle stattfinden. Das ist sehr gut,
denn heute haben wir bestes Wetter. So kann sich das Publikum gut
verteilen, ganz entspannt nebenbei an den
Getränkeständen
bedienen oder sich am Merchandise umsehen. Das Bühnengeschehen
kann ohne Gedränge aus jeder gewünschten Entfernung
eingesehen werden.
Für
19:00 Uhr ist Hollie Cook angekündigt. Sie kommt damit erst
zum zweiten Mal nach Berlin. Das erste Mal war sie im Cassiopiea in
2015 und trat dort mit General Roots als Backing Band auf. Wir
hatten darüber ausführlich berichtet.
Zweiter Programmpunkt waren damals die Skints. Ja und einer davon steht
heute mit auf der Bühne und unterstützt Hollie Cook
als Soundsystem. Es ist Joshua "Josh" Waters Rudge, der bei den Skints
als Sänger und Gitarrist mit seiner markanten Stimme bei
jederman Erinnerungen weckt. Da bekommt man glatt wieder Lust auf die
Skints.
Auch wenn sein T-Shirt von Dodgers nichts mit seinem Namen zu tun hat,
weckt es doch gewisse Assoziationen in dieser Richtung. Zumindest kann
ich mich dadurch gleich viel schneller an diesen erinnern. Und wenn wir
schon einmal ein Bandmitglied der Skints in der Mache haben,
müssen wir natürlich auch an deren aktuelles Album "Swimming
Lessons" erinnern, welches erst am 10. Mai erschienen ist.
Nachdem sich Josh eine Zeit lang im Vorspiel mit seiner Technik
vertraut gemacht hat, kann schließlich Hollie Cook auf die
Bühne gerufen werden.
Als die britische Sängerin schließlich erscheint,
sind wir ein wenig überrascht. Auf der Straße
hätten wir sie wahrscheinlich nicht erkannt. Es ist nichts
mehr zu
sehen von ihrer einstigen Lockenfülle. Stattdessen hat sich
offenbar jemand viel Arbeit gemacht und die Haare zu kleinen Gnubbeln
verarbeitet, die mich irgendwie an Lockenwickler erinnern. Man sagt ja
immer "eine schöne Frau entstellt nichts", aber irgendwie muss
ich mir den Spruch in diesem Fall wohl noch einmal überdenken.
;-)
Live
Video:
Hollie Cook - 1/3 - Desdemona (Vom Album "Twice")
Die inzwischen 9 Jahre lang auf Solopfaden wandelnde Sängerin,
hat
schon drei Studioalben, sowie ein Dub und ein Live Album vorgelegt und
beeindruckt mit einer ganz eigenen
Version von Reggae, die sie als Tropical-Pop bezeichnet und in
Fortsetzung der Tradition des
britischen Lovers Rock sieht. Ihr aktuelles 2018er Album "Vessel
Of Love", ist wie seine Vorgänger bei den Fans sehr gut
angekommen
und hat es bei den Global
Reggae Charts im März und April 2018 immerhin bis
auf Platz 6 der TOP 20 - Album Charts geschafft. Ich glaube
das sagt genug.
Live
Video:
Hollie Cook - 2/3 - Survive + Turn It Around (Beide vom Album "Vessel
Of Love")
Auch wenn ihr vorjähriges Album "Vessel
Of Love" verständlicher Weise ein wenig den Vorzug
in der Show genießt, wirkt das keineswegs so, als
müsse man unbedingt einige Songs promoten und live austesten.
Auch ihr neues Album ist durchweg einfach nur schön und
entspannt anzuhören, ... mal ganz einfach ausgedrückt
ohne in für die Allgemeinheit unverständliches
Fachchinesisch abzudriften. Das Programm ist ausgewogen und
stößt mit vielen eingängigen Songs auf ein
Echo in der Massive. Und wer sich noch nicht näher mit Hollie
Cook befasst hat und heute dennoch vor Ort ist, wird sich bestimmt
über das eine oder andere Album näher informieren.
Schade nur, dass am Merchandise weder von Hollie Cook noch von den
Congos oder von Pura Vida irgendeine Scheibe erhältlich ist.
Live
Video:
Hollie Cook - 3/3 - Angel Fire + Stay Alive (Beide vom Album "Vessel Of
LOve")
Mehr zu Hollie Cook inklusive weiterer Videos, sowie ihrer Biografie,
die wir an dieser Stelle nicht noch einmal aufwärmen
möchten, findet ihr im Concert Review vom 04.04.2015
auf dieser Seite.
Zeit ein warmes Bier zu holen, ... um die nachfolgende Umbaupause etwas
zu überbrücken. ;-)
Der
nächste Act wird von Puraman und seinen Mannen bestritten, die
sich Pura Vida
nennen. Bregt "Braitthe"
De Boever, alias Puraman,
Multiinstrumentalist
und
Produzent, ist der Gründer der Band und dem dahinter stehendem
Lost
Ark Studio. Das Ergebnis ist konsequenter Roots Reggae und
Dub, im Stil der 70er Jahre, teilweise beeinflusst von Blues,
Ska und Soul. 2010 ruft Puraman zusammen mit seinem Bruder Maarten
"Rosa"
De Boever das Label "Lost Ark Music" ins Leben. Nachfolgende
Veröffentlichungen mit den Congos, Lee Perry oder Jah9 suchen
seinesgleichen.
Wer den Sound von Lee Perry´s "Black Ark" kennt und sich dann
diverse Aufnahmen von Pura Vida anhört, wird sofort erkennen,
warum Puraman sein Studio "Lost Ark" genannt hat. Es ist einfach
unglaublich wie es Puraman und Pura Vida schaffen, diesen Sound
nachzuempfinden. Dies natürlich auch bei vielen ihrer eigenen
Aufnahmen und nicht nur bei denen mit Congo Ashanti Roy, den gesamten
Congos und natürlich mit Lee Perry. Seit Lee "Scratch" Perry
das Lost Ark Studio betreten hat, nennen Pura Vida ihr
Studio nunmehr "Last Ark". "The ark that was lost is found,
since Perry was in the studio.", sagen sie dazu. Wer die Geschichte mit
Lee Perry kennt, weiß dass sein Black Ark Studio in Jamaica
schon 1979 abgebrannt ist und darüber hinaus vermutet wird, er
habe selbst das Feuer gelegt.
Nach der Eröffnung von Pura Vida und zwei Songs die von
Puraman präsentiert werden, ist schließlich die Zeit
der Congos gekommen, die zum "Congoman" einer nach dem anderen auf die
Bühne kommen.
Live
Video: The
Congos & Pura Vida - 1/7 - Congoman
Das neueste Album der Congos ist vom vorigen Jahr, heißt
"Morning Star" und ist eine Zusammenarbeit mit Pura Vida. Ganz klar,
dass es dann auch auf Lost Ark Music veröffentlicht worden
ist. Das Cover wurde, wie von vielen Pura Vida Alben gewohnt, von
Puraman gemalt, der neben seinen musikalischen Talenten auch noch ein
guter Maler ist. Das Album ist mit 10 Songs bestückt, in denen
sowohl die Congos als auch Puraman zu Wort kommen. Bemerkenswert ist
immer wieder wie gut sich die Stimme von Puraman in das Gesamtkonzept
einfügt, so dass man es manchmal gar nicht merkt, wer
eigentlich singt.
Live
Video: The
Congos & Pura Vida - 2/7 - Ten Million Chariots
Das Cover von "Morning Star" stand auch Pate für das
diesjährige Tourposter. Sehr schade, dass darauf keines der
hiesigen Reggae Festivals zu finden ist. Wir finden Pura Vida wird
hierzulande ein wenig vernachlässigt, was umso
unverständlicher ist, weil die Band von Belgien kommt und die
Congos nebst Lee Perry und vielen anderen im Last Ark Studio nahezu
jährlich ein- und ausgehen. Wenigstens hat es dieses Jahr nach
dem Ostroda Reggae Festival in Polen geklappt.
Schöne T-Shirts übrigens, die das Festival
ausgereicht hat. Zu sehen bei Cedric Myton und Xanjah dem Drummer.
Live
Video: The
Congos & Pura Vida - 3/7 - Teach Dem
Die Tage dazwischen und um die Tour herum, hat man fleißig im
Last Ark Studio gearbeitet und bereits einige neue Songs im Kasten,
die nach aktueller Planung von Lost Ark Music in nächster Zeit
auf einer neuen gemeinsamen Platte von The Congos & Pura Vida
veröffentlicht werden sollen. Darüber hinaus wird es
in 2020 wieder eine Neuauflage der Tour mit den Congos geben. Also
liebe Veranstalter, dies ist die Gelegenheit schon jetzt euer Interesse
anzumelden! Ganz besonders freut uns auch, dass mit dem
unermüdlichen Altmeister Lee "Scratch" Perry ebenfalls ein
neues Album in der Planung ist. Wenn alles klappt und Lee Perry
weiterhin bei guter Verfassung bleibt, er wird nächstes Jahr
immerhin schon 84 Jahre, werden Pura Vida auch mit ihm auf Tour gehen.
Am Ende dieses Jahres steht auch noch ein Projekt mit der
brasilianischen
Sängerin Alessandra de Queiroz im Kalender der Band.
Live
Video: The
Congos & Pura Vida - 4/7 - Open The Gate + La La Bam Bam
Wie eben gehört, kommt heute jeder auch einzeln zu Wort, auch
mit
Soloaufnahmen wie Watty Burnett mit seiner Single "Open The Gate", die
er schon 1977 mit Lee Perry bei Black Ark veröffentlicht
hatte.
Selbstverständlich dürfen auch Stücke nicht
fehlen, die
zusammen mit Pura Vida entstanden sind. Das sind zum Beispiel Songs wie
"Teach Dem" von "Morning Star" oder "We Nah Give Up" vom ersten
gemeinsamen und gleichnamigen Album aus dem Jahr 2011. Cedric Myton und
Ashanti Roy mit den ansonsten meistgehörten Solos sowieso.
Insgesamt ein schöner Mix aus der Schatulle von den Congos und
Pura Vida, der wenn es nach den Fans gehen würde, noch
erheblich
ausgebaut werden könnte. Aber wer so lange wie die Congos in
ihrer
Bandgeschichte schon auf der Bühne stehen, kann eben nicht
alle
Wünsche in einer Show erfüllen.
Live
Video: The
Congos & Pura Vida - 5/7 - Ark Of The Covenant
Die Wurzeln der Congos sind auf eine Idee von Lee "Scratch" Perry
zurückzuführen.
Dieser wollte nämlich in 1975 ein Roots Reggae Album
aufnehmen, auf dem gleichzeitig Falsett-, Tenor- und
Baritonstimmen zu hören sind. Mit Cedric "Congo" Myton und
Roydel
"Ashanti" Johnson a.k.a. Ashanti Roy, die zuvor bei der 1967
gegründeten Rocksteady Gruppe "The
Tartans" und anderen mit ihrem Harmonie-Gesang im Einsatz
waren, hatte er schon einmal Falsett und Tenor gefunden. Watty
"King" Burnett,
der schon längere Zeit in Lee Perry´s "Black Ark
Studio"
war, machte schließlich das Trio mit seinem Bariton komplett.
Das war die eigentliche Geburtsstunde der Congos.
1977 produzierten sie schließlich unter der Regie von Lee
Perry und dem Einsatz von
erlesenen
Musikern wie Sly Dunbar, Geoffrey Chung, Robert Johnson, Boris
Gardiner, Ernest Ranglin, Winston Wright, Keith Stewart und anderen,
das legendäre Debutalbum "Heart Of The Congos". Es wurde ein
Meisterstück
und gilt als eine der besten Roots Reggae Produktionen von Lee Perry,
mit dem unverwechselbaren Sound seines Black Ark Studios. Diesen Sound
hat sich auch Pura Vida mit ihrem Lost oder Last Ark Studio auf die
Fahne geschrieben, was logischer Weise auch die beständige
Zusammenarbeit mit Lee Perry und den Congos erklärt.
Aber setzen wir die bekannte Biografie der Congos an dieser
Stelle
erst einmal fort.
Ursprünglich sollte das Album bei Island Records
veröffentlicht werden, wo auch schon Lee Perry´s
Produktionen mit Max Romeo ("War Ina Babylon" - 1976) und Junior Murvin
("Police & Thieves" - 1977) zum Erfolg wurden. Leider hatte Lee
Perry gerade ein paar Auseinandersetzungen mit "Island Records", was
ihn veranlasste "Heart Of The Congos" auf seinem eigenen Black Ark
Label zu veröffentlichen. In der Folge blieben die
Verkaufszahlen
weit unter den Erwartungen zurück, was wiederum zum Streit
zwischen der Band und Lee Perry führte. Sie
verließen
das Black Ark Studio, gingen eigene Wege und veröffentlichten
unter anderem 1980 das Album noch einmal beim englischen Label "Go-Feet
Records". Bald darauf löste sich die Band leider auf, nachdem
Watty
Burnett zuerst die Gruppe verließ und Roydel Johnson als
Ashanti
Roy eine Solokarriere verfolgte. Cedric trat noch einige Jahre unter
dem Namen Cedric Myton & The Congos mit den verschiedensten
Musikern in
Erscheinung und nahm weiterhin Songs auf.
1996
kam es schließlich zur Wiedervereinigung der Band. Seitdem
haben
sie eine Reihe von weiteren Alben aufgenommen und gehen nach
wie vor auf Tour. Unter
anderem arbeiteten sie auch gemeinsam mit Don
Carlos an Groundations 2002er beeindruckenden Album "Hebron
Gate" mit.
Im Jahr 2006 veröffentlichte das britische Label "Blood
& Fire" das Doppelalbum "The
Congos & Friends -
Fisherman Style" mit einer Remixed-Version des Klassikers
"Fisherman"
von "Heart Of The Congos", sowie Versionen von Legenden wie Horace
Andy, Big Youth, Dillinger, Prince Jazzbo, Luciano, Freddie McGregor,
Gregory Isaacs, Max Romeo, Mykal Rose, Dean Fraser, Sugar Minott, U-Roy
und anderen. Mit dabei auch wieder Musiker der ersten Stunde wie
Geoffrey Chung, Robert Johnson, Winston Wright und natürlich
Lee Perry. Die Berliner Soundtüftler von "Rhythm &
Sound" (See
Mi Yah) hatten ebenfalls ihre Finger mit im Spiel und waren
für Mixing und Mastering verantwortlich.
2006 war auch das Jahr als die Congos zu ihrer vierten Stimme kamen.
Kenroy "Talash" Fyffe kam von Cornel Campbell & The
Eternals zu den Congos und macht seitdem das Trio zum Quartett. Er ist
der Vater von Janice
Fyffe a.k.a. Lady
G.
Weiterhin besonders herausragend ist das 2009er Album "Back
In
The Black Ark". Trotz seines Titels und der Mitwirkung von
Lee Perry,
wurde das Album aber in Cedric Myton´s Studio in Portmore und
im Mixing Lab Studio von Kingston aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war
ja das originale Kingstoner Black Ark Studio auch längst
abgebrannt.
Und so kommen wir schließlich bei Pura Vida an, die mit den
Congos im Jahr 2011 das beeindruckende Album "We
Nah Give Up", in ihrem "Lost Ark Studio"
aufgenommen haben. Und ganz nebenbei hat Ashanti Roy noch
einige Soloprojekte mit Pura Vida am Start, wie das 2012er "Hard
Road" und das 2014er "Step
By Step". 2018 folgte schließlich der zweite
Longplayer von The Congos & Pura Vida mit dem Titel "Morning
Star". Und wie weiter oben schon angekündigt, ist
die dritte gemeinsame Scheibe schon in Arbeit.
Live
Video: The
Congos & Pura Vida - 6/7 - Lost Sheep
Mit "Lost Sheep" vom 2006er "Swinging Bridge" Album, nähern
wir uns schon dem Ende der heutigen Show. Ein geniales Stück
und außerordentlich perfekt von Pura Vida eingespielt, spannt
den Bogen weiter in Richtung "Fisherman", der
selbstverständlich bei keinem Auftritt der Congos fehlen darf
und sicher neue und
nachwachsende Fans abfischen dürfte. 42 Jahre ist nun dieser
Song schon alt und begeistert nach wie vor die Fans rund um den
rot-gelb-grünen Planeten. Mit den Pull-ups sollte man aber
trotzdem nicht übertreiben. Einmal ist natürlich gut
und wäre auch ausreichend. Dann lieber die Zeit für
weitere Songs nutzen, ... und die gibt es zur Genüge. ;-)
Live
Video: The
Congos & Pura Vida - 7/7 - Fisherman + Rivers Of Babylon +
Swinging Bridge
Leider ist nun schon die Setlist inklusive Zugaben abgearbeitet und
Künstler wie die Congos sollte man in ihrem Alter ja auch
nicht überstrapazieren. Trotzdem gibt das Publikum
natürlich keine Ruhe und zollt der Band lang anhaltenden
Respekt. Das wäre eigentlich die Gelegenheit noch ein paar
Songs von Pura Vida nachzuschieben, damit sie nicht nur als Backing
Band wahrgenommen werden. Da fallen mir geniale Songs wie "Life Can Be
Hard" von "Morning Star", "Jah Make Yah" von "Red Hot" oder
natürlich "Jah Nah Sleep" von "Seasons Of Life" ein. Ein
striktes Curfew vom Veranstalter wird ja hoffentlich nicht vorgegeben
sein.
Immerhin ist vom CSD auch noch genug Lärm zu vernehmen.
Aber das hätte sich dann mit dem nachfolgenden
Filmstart des 2007er "Made in Jamaica" überschnitten, was man
vermutlich vermeiden wollte.
Made in
Jamaica - Film - USA / Frankreich 2007 - Zwei verschiedene DVD-Cover
Wir haben allerdings noch eine Verabredung mit den Congos &
Pura Vida im Backstage, in dem nach und nach alle Künstler
eintrudeln. Auf dem Weg dorthin ist natürlich der eine oder
andere ungeplante Fotostopp angesagt.
Die Setlist
des Abends weicht ein wenig vom tatsächlichen Verlauf ab. Also
nicht wundern, die Reihenfolge der Videos im Review ist korrekt. Wir
haben nur
nicht alles aufgenommen.
Im Backstage müssen wir noch ein wenig warten, bis die Band
für uns Zeit hat. Allerdings haben wir die Rechnung ohne den
übereifrigen Moderator der Show gemacht, der uns trotz der
Einladung der Band aus dem Backstage wirft. Er hat auch keine Lust die
Sache zu überprüfen und verbietet schon im Voraus die
mit der Band geplanten Fotos. "Im
Backstage sind generell keine Fotos
erlaubt. Da könnt ihr sonstwo mit der Band hingehen
aber hier geht das nicht. Es sei denn ihr habt eine
Genehmigung von der Pressestelle des Hauses.", so seine
Ansage. Na so etwas, da haben wir aber schon viele verbotene Fotos von
früheren Veranstaltungen. ;-) Also
warten wir erst einmal draußen. Wer beantragt schon eine
zweite Genehmigung wenn er schon die von den Künstlern
und vom Label hat? Das wäre ja "Gürtel mit
Hosenträgern"! Aber was will man da schon machen. Also schauen
wir
während wir warten den Film an, der auch im Foyer vor dem
Backstage läuft. Allerdings haben wir von dort die Situation
nicht mehr im Blick und Xanjah der Tourmanager kann auch nicht allein
alle Künstler zusammenhalten und schon gar nicht zu einem
Fototermin nach draußen bringen. Irgendwann ist zum
Glück unsere Terminbremse aus dem Backstage verschwunden und
Xanjah bringt uns wieder nach drinnen. Leider kann er Ashanti Roy und
Puraman trotz aller Mühen nicht mehr finden. Sie sind
inzwischen ins Hotel gegangen. Also nicht wundern wenn zwei der
Hauptdarsteller auf dem Foto fehlen.
Hoffen wir, dass beim nächsten Mal alle Künstler auf
dem Bild sind und nicht wieder irgendjemand dazwischen funkt. ;-)
Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal auf dieser Seite.
Copyright:
www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim
Mein Dank geht an Maarten De Boever, Tourmanager Xan "Xanjah" Albrecht
und
natürlich ganz besonders an die Künstler des Abends.