Völlig überraschend ist doch
kürzlich ein rabenartiger Vogel in Frauenkleidern, mit dickem
menschlichen Bauch und Kopfhörern auf dem Kopf, in meinem
Briefkasten gelandet. Was sich dieser Rabe so anhört, weckt
natürlich auch mein Interesse.
Also her mit den Kopfhörern und die CD des Raben in den
Player. Die Scheibe ist der
Hit, die kriegt er garantiert nicht wieder.
Doch Spaß bei Seite, aber so
in etwa könnte man das Cover von Dub Divisions
Debutalbum "Shalom" beschreiben.
Inzwischen habe ich die Scheibe schon
unzählige Male abgespielt und werde ihrer nicht
überdrüssig. Sie trifft voll meinen Nerv.
Konsequenter Roots Reggae Sound mit afrikanischem Touch und
ein unverkennbarer Leadsänger Karl-Emmanuel Musoke, lassen der
Skip-Taste keine Chance. Leider ist das Meisterwerk mit 10 Tracks viel
zu kurz und verlangt nach einer baldigen Fortsetzung.
Bereits seit 15.10.2012 kann das Album über die Website von Dub Division
bestellt werden. Bei allen Roots Reggae Liebhabern darf das Album auf
keinen Fall in der Sammlung fehlen.
Wer ist Dub
Division?
Dub Division wurde 1988 von Karl-Emmanuel Musoke (Lead Voc.), Thorsten
“Toots” van der Lubbe (Bass) und Heiko Senger
(Percussion) ins Leben gerufen.
In den ersten Jahren folgten regelmäßige Konzerte
durch Deutschland, in denen Dub Division schon die ersten Fans gewann
und seinen unverkennbaren Roots Reggae Sound etablierte. In den ersten
vier Jahren entstanden schon Klassiker von Dub Division, wie
„Interior Of Africa“, „Call Your Children
Home“, „Marcus Garvey“ und „I
and I“, von denen die letzteren Beiden auch auf dem
Debütalbum „Shalom“ zu hören
sind.
Bild 1 + 2: Dub Division bei Probeaufnahmen
In den Neunzigern wuchs in Hamburg eine feste Reggae Szene, mit vielen
Bands, Sound Systems und entsprechenden Veranstaltungen, in der sich
alle gegenseitig unterstützten.
Ende der Neunzigerjahre kooperierte Dub Division für zwei
Jahre mit dem Projekt Yard Riddim, wobei Dub Division die Backing Band
stellte und mit Karl-Emmanuel Musoke ihr Roots Reggae Programm weiter
führte, sowie mit Kathrin „Fanta“ Fofana
ein
Dub Poetry Set hinzufügte.
2005 und 2007 veröffentlichte Karl-Emmanuel Musoke mit dem
Produzenten IRE HI-FIs zwei Tunes, um Dub Division zu promoten.
Seit
1997 wurde Dub Division von dem erfahrenen Drummer Admiral Ali
bereichert, 2008 von dem Gitarristen Micky Dread und 2009 von dem
Bassisten Dennis Dubwise, welche mit Karl-Emmanuel Musoke die
Stützpfeiler der Band seit her bilden.
Ergänzt wird Dub Division von weiteren Weggefährten
für entsprechende Anlässe (Konzerte, Aufnahmen,
usw.), wie Rudy Valentino, Piet Adele und andere.
Live
Video:
"Shalom" - 22.04.2011
Live
Video: "Man
In The Wind" - 11.12.2009
Am 15.10.2012, nach sage und schreibe 24-jähriger
Bandgeschichte, veröffentlicht Dub Division nun endlich ihr
selbst produziertes Album „Shalom“
, mit einer Auswahl von 10 Titeln ihres
umfangreichen Programmes.
Gehen wir ein wenig auf die Musiker der Band ein, die mit Wurzeln aus
Uganda, Tunesien, Indonesien und Deutschland, für eine
besondere kulturelle Vielfalt sorgen.
Karl-Emmanuel
Musoke (Vocal)
Geboren im süddeutschen Saulgau, wuchs Karl-Emmanuel Musoke ab
dem dritten Lebensjahr in der Heimat seiner Eltern, Uganda, auf.
In Uganda begann Emmanuel schon mit 8 Jahren im Chor zu singen, was er
ab 1980 zurück im deutschen Freiburg fortführte.
In Freiburg begann Emmanuel auch seine ersten Banderfahrungen in einer
Soul-Blues Band.
1986 kam Karl-Emmanuel Musoke nach Hamburg und entdeckte dort seine
Vorliebe für Reggae. Bis 1988 entwickelte er seinen
einzigartigen souligen afrikanisch angehauchten rootsigen
Gesangs-Style.
1988 gründete er dann die Roots Reggae Band Dub Division.
In den folgenden 4 Jahren ging es mit Dub Division durch Deutschland.
Danach begann Karl-Emmanuel neben Dub Division weitere Reggae Projekte
in Angriff zu nehmen, um seine Erfahrungen zu erweitern.
1992 rief Emmanuel die Band Natty Rebels ins Leben, bei denen er seinen
Rockers lastigen Reggae auslebte.
Da sich in den Neunzigern in Hamburg eine vielseitige Reggae Szene mit
diversen Bands und Sound Systems bildete, war Karl-Emmanuel Musoke
öfters als Gastsänger der damaligen Backing Band Di
Irie’s (3 veröffentlichte Albem) dabei. Hier konnte
er seinen Style zu Dub Roots Riddims und rootsigen Dance Hall Tunes
ausleben und mit ihnen auch auf Tour durch Deutschland und Mitteleuropa
gehen.
Seit Ende der Neunziger konzentrierte sich Emmanuel wieder
ausschließlich auf Dub Division.
2005 veröffentlichte er die Single „Live
Together“ für den Produzenten Ire Hi-Fi’s.
Um Dub Division zu promoten legte Emmanuel 2007 eine Steppas Version
von „Interior Of Africa“ als
Eröffnungsstück des Ire Hi-Fi Samplers nach.
2012 veröffentlicht nun Karl-Emmanuel Musoke mit Dub Division
das Album „Shalom“!
Reggaestory.de:
Warum hat es eigentlich 24 Jahre gedauert, bis ihr ein Debutalbum
veröffentlicht habt? Karl-Emmanuel:
Gute Dinge brauchen Zeit. Jetzt habe ich die richtigen Leute gefunden,
mit denen ich diesen Schritt gehen kann. Reggaestory.de:Wie ist das Bild auf dem
Albumcover zu interpretieren? Was wollt ihr damit zum Ausdruck bringen
und welche Rolle spielt dieser Rabe? Karl
Emmanuel:Der Rabe ist ein
internationales Tier. Mystisch, klug und ein
Überlebenskünstler. Die Farbe, die den Raben
bekleidet, hat in vielen Kulturen die Bedeutung, dass sie schlechte
Energien schluckt und unschädlich macht.
In dem Bauch des Rabens sind die Lieder über die Jahre
gereift. Unter seinen Flügeln fühlen wir uns sicher.
Rejected is wanted! Reggaestory.de:
Wie kam es, dass du erst von Deutschland nach Uganda und
später wieder zurückgekommen bist? Karl
Emmanuel:Das ist Schicksal. Reggaestory.de:
Gibt es in Uganda eine Reggae-Szene? Karl
Emmanuel:Ja gibt es. Dort sind auch Leute,
die sich im Reggae austoben.
Ali
Toukabri
alias Admiral Ali (Drums)
Ali, geboren in Tunesien, kam mit 12 Jahren nach Deutschland.
Schon als Kind fühlte er sich zum Reggae Drummer berufen.
Nach einer Lehre als Seemann, welche Ali den Beinamen „The
Admiral“ eingebracht hat, begann (von nun an) Admiral Ali mit
22 Jahren Schlagzeug für Reggae Bands zu spielen. Anfang der
Neunziger rief Admiral Ali in Hamburg mit dem Frontmann „Paps
Natty General“ die Roots Reggae Band The Lions ins Leben.
Als Drummer und Komponist veröffentlichte er 3 Alben mit den
Lions.
Es folgten mehrere Tourneen durch Deutschland und Europa.
Nebenbei widmete sich Admiral Ali Dub Poetry Projekten.
Mit den erlangten Erfahrungen wurde Admiral Ali seit 1997 ein fester
Bestandteil der Roots Reggae Band Dub Division.
Nach regelmäßigen Live Aktivitäten mit Dub
Division, wird nun 2012 das Album „Shalom“
veröffentlicht.
Reggaestory.de:
Mit 12 Jahren sein gewohntes Umfeld und das Land zu verlassen ist dir
sicher schwer gefallen? Wie kam es dazu? Ali:Ich
bin mit meiner Mutter zu meinem Vater gezogen, der schon Jahre vorher
hier gewohnt hat. Reggaestory.de:
Tunesien und Reggae - gibt es da auch Möglichkeiten? Ali:Es
gibt sehr große Möglichkeiten. Fast jeder
Jugendliche kennt Reggae. Zwar gibt es nicht viel aus Jamaica,
dafür haben wir viel Reggae aus Afrika. Lucky Dube, Alpha
Blondy und andere spielen sie auch inna di dance. Reggaestory.de:
Fährst du manchmal noch zur See oder ist das Geschichte? Ali:Nein,
ich segele nur noch auf den Wellen des Dubs und Roots Reggae.
Dennis
Dubwise
(Bass)
Dennis Dubwise wurde in der Nähe von Bremen geboren. 1999 kam
er vom Punkrock zum Reggae.
Von 2001 bis 2010 moderierte er alle zwei Wochen die Reggae Radio Show
"Chill’In - Uplifting Broadcasting", ein
zweistündiges
Musikmagazin beim Bürgerfunk "Bremer Umland 92,5".
Mit Freunden gründete er die Reggae Band Deljooka, die von
2000 bis 2004 aktiv war.
Im Sommer 2004 kam er nach Hamburg und war als Bassmann unter anderem
für Karamala tätig. Bei einer Session mit ihnen
lernte er Micky Dread kennen, der ihn 2009 zu Dub Division brachte.
Seit dem spielt Dennis Dubwise den Bass für Dub Division.
Bis 2012 bereitete er die Veröffentlichung des
Debütalbums „Shalom“ mit vor und leistete
den Großteil der Produktionsarbeit in Dub Divisions Studio.
Reggaestory.de:
Da du den Großteil der Produktionsarbeit für das
Debutalbum geleistet hast, wirst du dich sicher an die schwierigen und
auch schönsten Momente der Arbeit besonders erinnern
können. Was kannst du darüber berichten? Dennis:Die
schwierigsten Momente gab es tatsächlich beim Mischen. Wir
wollten Roots in ein neues Gewand bringen. Dazu haben wir einen Mixer
Man gefunden, der seinen moderen Stil mit uns neu entdeckt hat.
Der schönste Moment waren die Gesangsaufnahmen mit Emmanuel.
Er konnte in nur zwei Stunden alles einsingen, weil er 24 Jahre Zeit
hatte sich darauf vorzubereiten. Reggaestory.de:
Am 30.11.2012 habt ihr eure Album Relase Party im Hamburger Indra. Wird
es daran anschließend auch eine Deutschlandtour durch die
gängigen Clubs geben? Dennis:Dafür
haben wir die CD gemacht. Wir
wollen sie gerne live präsentieren. Reggaetory.de:
Wann werdet ihr an neue Produktionen denken? Ich gehe davon aus, dass
"Shalom" ein Erfolg wird. Dennis:Die
bisher veröffentlichten Songs
sind nur der Anfang. Es gibt noch viele mehr, die darauf warten
aufgenommen zu werden.
Micky
Dread
(Gitarre)
Micky Dread wurde in Sumatra, Indonesien geboren.
Seit 1994 verschrieb er sich der Reggae Musik.
Seine erste Reggae Gruppe war GAM (Generation after Marley), mit denen
er im Dschungel Indonesiens spielte.
1996 kam Micky Dread nach Hamburg.
Seit 2008 spielt er für Dub Division die Rhythmus Gitarre
(like a lion scratch) und arrangiert die Songs mit.
Reggaestory.de:
Wie kommt man als Indonesier auf die Idee nach Deutschland auszuwandern? Micky
Dread: Die Erde ist groß und mein Weg hat mich
hierher getragen. Reggaestory.de:
Was die meisten Leute nicht wissen ist, dass
es auch in Indonesien eine richtige Reggae Szene gibt. Mbah Surip, der
leider 2009 verstorben ist und mit seinem "Tak Gendong" wohl
eher die Spaßfraktion bedient hat, Joni Agung (Bali) oder
Steven & The Coconut Treez, um nur ein paar Beispiele zu
nennen. Deine frühere Band GAM ist also keine Ausnahme. Wen
siehst du in Indonesien als bekanntesten oder für dich
persönlich als besten Reggae Künstler? Micky
Dread: Steven & The Coconut Tree favorit
artist from Indonsia. Big Up Lombok Island! Reggaestory.de:
Indonesien ist meines Wissens das größte muslimische
Land der Welt und Drogenbesitz wie Cannabis steht unter schwerer
Strafe, was unter Umständen bis zur Todesstrafe
führen kann. Leider werden ja fast überall auf der
Welt Reggae und die Rastafarben mit Cannabis in einem Zuge genannt. Wie
kommt die Szene in Indonesien damit zurecht? Micky
Dread:Es ist sehr
gefährlich und illegal. Jeder, der was damit zu tun hat, weiss
es auf seine Art zu handhaben. Reggaestory.de:
Ich war erst kürzlich in Indonesien und habe von einer Insel
gehört, auf der es nur Rastas, keine Autos und jede Menge
heiliges Kraut geben soll. Eigenartiger Weise wohl auch mit Wissen der
Behörden, was der üblichen Praxis widerspricht. Hast
du davon schon etwas gehört? Micky
Dread:Davon habe ich noch nicht
gehört, und ich kann es mir kaum vorstellen?!
Heiko
Senger
alias Highko Dread (Perkussion, und Promotion für
Dub Division)
In Hamburg geboren, verfiel Highko Dread 1983 durch die „Mama
Africa“ Tour von Peter Tosh dem Reggae.
Mitte der Achtziger widmete sich Highko Dread dem Perkussion spielen,
um Reggae intensiver ausleben zu können.
1988 gründete er die Roots Reggae Band Dub Division mit.
1991 gründete er die Backing Band Di Irie’s mit.
1992 gründete er die Natty Rebels mit.
Mitte bis Ende der Neunziger spielte er öfters für
die Reggae Band One Drop Posse und Dub Mi Ruff, und zelebrierte
regelmäßig Nyabinghy Session mit den Lions.
Ab Ende der Neunziger war Highko Dread nur noch für Dub
Divison tätig.
2007 gründete er das Label Planet Dread Records und
veröffentlicht sein erstes Album „Play De
Music“ (PDR 001) für Ire Hi-Fi, sowie 2008 die
Single „Run From Di Thunder“ (PDR 701) mit Mighty
Howard.
2012 hat Highko Dread Perkussion für Dub Divisions Album
„Shalom“ eingespielt und es auf seinem Label Planet
Dread Records in Kooperation mit Karl-Emmanuel Musoke
veröffentlicht.
Mit Planet Dread Records übernahm Highko Dread die Labelarbeit
für Dub Division und spielt nur noch gelegentlich Perkussion.
Reggaestory.de:
Das Wort "gegründet" spielt in deinen biografischen Daten eine
recht häufige Rolle. Bist du jetzt angekommen? Highko:Ja,
das bin ich. In den Neunzigern hat Hamburg für Reggae viele
Möglichkeiten geboten, die ich einfach nutzen musste, um
meinen Teil dazu beizutragen und meine Erfahrungen zu machen. Jetzt bin
ich da angekommen, wo ich begonnen habe, und da gehöre ich hin! Reggaestory.de:
Für dein Label "Planet Dread Records"
schwirren im Internet auch einige Weblinks herum, deren Verbindungen
aber niemals funktionieren. Wird es die Website
www.planetdreadrecords.com noch einmal geben oder läuft das
jetzt mit Dub Division zusammen? Highko:Planet
Dread Records gibt es nicht mehr als Einmann-Unternehmen, wie damals.
Die Webseite wird es also nicht mehr geben. Das Know-How von damals
stelle ich jetzt Dub Division zur Verfügung, damit wir
unabhängig sein können. Reggaestory.de:
Nur noch "gelegentlich" Perkussion spielen. Geht das denn? Kann man
denn überhaupt loslassen, auch wenn es die andere Arbeit
vielleicht erzwingt? Highko:Ja,
für mich geht das. Für mich ist das eine Frage der
Priorität. Meine Hauptaufgabe sehe ich derzeit in der
Labelarbeit für Dub Division. Erfordert die Aufgabe nicht mehr
meine volle Aufmerksamkeit, spiele ich auch wieder mehr Perkussion.
Alles zu seiner Zeit und dann aber richtig!
Regelmäßige Gastmusiker von Dub Division sind:
Rudy
Valentino (Lead Guitar) und Piet
Adele (Keyboard)
Bild 1: Rudy Valentino Bild 2: Piet Adele
Rudy war langjähriger Gitarrist bei Toots Hibbert bei Studio
Arbeiten
und Sly & Robbie. Er spielt auch für Samy Deluxe, die
Tsunami Band und Ray Darwin.
Piet spielte und spielt auch bei Uprising, The Lions, The
Mass, Herbman Band, Ray Darwin und andere. Er produziert auch selber.
Wir wünschen Dub Division viel Erfolg für die Zukunft
und uns, dass es bis zum nächsten Album
nicht wieder so lange dauert!
Copyright: Reggaestory
Text mit Unterstützung von Dub Division
Fotos mit Genehmigung von Dub Division