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THE CONGOS & THE GLADIATORS
08.06.2024 - LIDO - BERLIN

The Gladiators & The Congos
Kürzlich hatten sich die legendären Congos im Rahmen einer umfangreichen Europatour mit den Gladiators zusammengetan und dabei 45 Shows, im Zeitraum 30. April bis 22. Juni, auf die Bühne gebracht. Die Tour begann und endete in Frankreich. Dazwischen ging es nach Spanien, Portugal, die Schweiz, Belgien, in die Niederlande, Österreich, Tschechien und für 3 Stationen auch nach Deutschland. Während bei den Gladiators mit Alan "Al" Griffiths schon die zweite Generation am Mikro steht, sind bei den Congos die Reihen des Gesangs-Quartetts zum Glück noch in alter Besetzung geschlossen. Aufgrund des hohen Alters der Truppe, sollte man sich nach Möglichkeit keine erreichbare Show entgehen lassen.
The Gladiators & The Congos - European Tour 2024

So entwickelte sich dann auch am Berliner Lido eine lange Schlange, bevor sich die Türen für die Fans öffneten.

Lido - Berlin

Lido - Berlin

Lido - Berlin

Lido - Berlin

Die nachfolgenden Eindrücke hat Rainer Bratfisch für uns zu "Papier" gebracht und Jimmy Imuze hat für das Bild- und Videomaterial gesorgt.

The Gladiators und The Congos: Botschafter inna rub-a-dub style

Nach dem Tod von Mastermind Albert Griffith im Dezember 2020 – zwei Wochen vor seinem 75. Geburtstag – schien das Ende der Gladiators als Band besiegelt zu sein, obwohl er seine Söhne Alan und Anthony Griffiths schon 2004 auf dem Album „Father and Sons“ entsprechend Raum zur Präsentation ihrer musikalischen Ideen eingeräumt hatte. Aber welcher Sohn will schon ständig an seinem Vater bzw. Übervater gemessen werden? Alan „Al“ Griffith hat es geschafft: Seine Vocals im aktuellen Gladiators-Line-up überzeugen vom ersten bis zum letzten Ton.

Al Griffiths - Lido Berlin

Al Griffiths - Lido Berlin

Al Griffiths - Lido Berlin



Live Video: The Gladiators - 2/7

Seine Dreadlocks sind inzwischen länger als die seines Vaters, und seine Reputation in der Community wächst. Sein Bruder Anthony sitzt am Schlagzeug. Das Repertoire besteht zum Teil aus Songs aus der über fünfzigjährigen Gladiatoren-Geschichte. Zu den Musikern gehörten damals unter anderem Sly Dunbar am Schlagzeug, Lloyd Parks am Bass, Uziah „Sticky“ Thompson als Perkussionist, Ansel Collins an den Keyboards und Earl „Wire“ Lindo am Synthi. Und jeder wusste: Die Gladiators geben immer und an jedem Ort der Welt alles, egal, ob sie für 30.000 Festivalbesucher oder in einem Club vor 300 Fans spielen. So auch im Lido in Berlin-Kreuzberg, der vorletzten Station ihrer Deutschland-Kurztournee. The Gladiators sind auf der Bühne hyperpräsent, und der Sänger schmettert seine Suggestivfrage „Are you ready?“ auch beim 98. Mal mit solcher Inbrunst ins Publikum, dass selbst die Hardcore-Fans des guten alten Reggae bereitwillig immer wieder antworten.

The Gladiators - Lido Berlin

The Gladiators - Lido Berlin

The Gladiators - Lido Berlin

The Gladiators - Lido Berlin



Live Video: The Gladiators - 6/7



Live Video: The Gladiators - 7/7

In einem finale furioso demonstriert Alan Griffith noch einmal seinen Stimmumfang, der dem seines Vaters in nichts nachsteht. „A True Rastaman“ heißt ein Album der Gladiators. Die Old School des Reggae wird nicht verschwinden. „Stand up for your rights“ – wenn The Gladiators diese Aufforderung artikulieren, wird deutlich, dass die Trennung in Gut Böse, in Oben und Unten, in Arm und Reich noch längst nicht ausdiskutiert und schon gar nicht akzeptiert ist.

Weitere Videoausschnitte von The Gladiators aus dem Lido Berlin: 1/7 - 3/7 - 4/7 - 5/7

Nach einer kurzen Umbaupause kommen die legendären Congos auf die Lido-Bühne. Cedric „Congo“ Myton, der Lead-Sänger mit der markanten Falsett-Stimme, „Ashanti“ Roy Johnson (Tenor) und Watty Burnett (Bariton) sind seit dem ersten Album „Heart of the Congos“ dabei, produziert 1977 von Lee „Scratch“ Perry und nicht nur für Reggae-Auskenner Steve Barrow das „durchweg brillanteste Album in Scratchs ganzer Karriere“.



Live Video Snippet: The Congos - 1/2

The Congos - Lido Berlin

The Congos - Lido Berlin

The Congos - Lido Berlin

The Congos - Lido Berlin

The Congos - Lido Berlin

Der „Rolling Stone“ wählte ihren „Fisher Man“ zu einem der besten zehn Reggae-Titel aller Zeiten, und das Label „Blood and Fire“ veröffentlichte 2006 ein One Riddim Album mit 24 Versionen ihres „Fisherman Style“. Frank Stephan von Topline Events, die via Revelation Concerts die „Roots Reggae Legends“ nach Berlin holten, bittet um Verständnis, dass drei der Musiker weit über 70 sind, in einem Alter also, in dem sie in Interviews nichts wesentlich Neues mehr zu sagen hätten. Trotzdem: Cedric Myton ist schließlich bereit, mir backstage zumindest die Setlist aufzuschreiben – mangels Papier nicht hundertprozentig Rasta-like auf einer Wurstpappe (siehe Foto am Ende). Da liegen hinter den Congos fast zwei Stunden volle Power. Zuletzt waren sie 2019 in Berlin zu hören, in der Reihe „Black Atlantic“, im Haus der Kulturen. „Neuling“ Kenroy „Talash“ Fyffe ist inzwischen integraler Teil des Quartetts und senkt das Durchschnittsalter beträchtlich. Natürlich sind fast 50 Jahre Bandgeschichte eine Basis, auf der nichts mehr schiefgehen kann. Trotzdem: Routine ist nicht ihr Ding, jeder Song klingt wie frisch ins Programm genommen. Natürlich sind die evergreenen Hits der Congos dabei: „Fisher Man“, „La La Bam-Bam“, „Ark Of Convenient“, „Food For The Rainy Day“ … Ein neues Album ist in Arbeit. Wann es erscheint? „Soon comes.“ Die Themen sind die nach wie vor aktuellen: „Babylon Control“, „Revelation“, das Leben der „Natural Heroes“, abseits des Babylon Systems, abseits des von den Menschen produzierten und provozierten „Sodom & Gomorrow“. Cedric Myton & Co. halten ihrer „Solid Foundation“ die Treue. Ihre Utopien funktionieren auch an diesem Abend als potenzielle Alternative zum Versagen der Institutionen, als möglicher Ausweg aus der fortschreitenden Klimakrise, oder sei es auch nur als Soundtrack eines schönen Abends.

The Congos - Lido Berlin

The Congos - Lido Berlin

The Congos - Lido Berlin

The Congos - Lido Berlin

The Congos - Lido Berlin



Live Video: The Congos - 2/2

Spirituelle Erweckung durch Musik, auch „inna rub-a-dub style“, ist Teil der Utopie, die Erweckung (awakening) kann jeden Tag, in jedem Moment passieren. Cedric Myton empfiehlt deshalb mit einem Augenzwinkern, nicht zu viel zu schlafen. Zuhause in Jamaica steht er jeden Morgen um vier Uhr auf, trinkt eine Tasse Kaffee, macht ein paar Übungen, schwimmt ein Stück, trinkt noch einen Kaffee, isst etwas Rawfish. In Kreuzberg warten vor dem Lido zwei Kleinbusse auf die Musiker. Das Konzert sollte lt. Ticket um 23:59 Uhr MESZ zu Ende sein, aber es wurde dann doch etwas früher. Altersbedingt? Noch ein Konzert im Dortmunder Junkyard am nächsten Abend, dann geht’s weiter nach Tschechien.

The Congos - Setlist - Lido Berlin Cedric - Backstage - Lido Berlin

Cedric Myton backstage

Ob The Gladiators und The Congos einige neue „Freedom Fighters“ für eine imaginäre „Rasta government“ rekrutiert haben, von der sie immer wieder singen, ist irrelevant. Musik ist für die Rastas der „communicator number one“ und eine der hauptsächlichen „transitions“. Als Botschafter sind sie nach wie vor eine erstklassige Besetzung.

Copyright: www.reggaestory.de
Text: Rainer Bratfisch
Einleitung: Peter Joachim
Fotos + Videos: Jimmy Imuze

Unser Dank geht weiterhin an Christoph von Revelation Concerts, Frank von Toplin Events und natürlich ganz besonders an die Künstler des Abends.

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