Israel
Vibration gehören zu den
größten Vertretern des klassischen Roots Reggae und
haben diese Musik entscheidend mit geprägt. Auch wenn sie nach
der 1997er erfolgten Trennung von Bandmitglied Apple,
nur noch zu zweit auf der Bühne stehen, geht ihre inzwischen
40 Jahre lang anhaltende Erfolgsgeschichte weiter. Cecil "Skelly"
Spence und Lascelle "Wiss" Bulgin haben am 30. März dieses
Jahres
mit "Play It Real" das 18. Studioalbum von Israel Vibration auf den
Markt gebracht. Auch wenn sie an Hits wie "Same Song", "Cool
And
Calm" oder "Get Up And Go" nicht so recht anknüpfen
können, ist die Roots-Welt begeistert, dass die 5 Jahre
andauernde
Wartezeit nach "Reggae Knights" endlich vorüber ist.
Kürzlich
war die Band
mit "Play It Real" auf großer gleichnamiger Europatournee, um
die
Fans mit ihrer Mischung der gesamten Bandbreite jamaikanischer Musik
von Roots bis
Rub a Dub, Ska, Rocksteady bis hin zu Nyahbingi, zu begeistern.
Deutschland war Dank Revelation Concerts mit
drei Stationen beteiligt.
Hier ein Auszug des Tourplanes:
09.06.2015 -
DE - Berlin - YAAM
10.06.2015 - DE - Hamburg - Fabrik
11.06.2015 - NL - Vlissingen - Arsenaltheater
12.06.2015 - DE - München - Backstage
13.06.2015 - CH - Neuchatel - Festi´Neuch
15.06.2015 - FR - Nantes - Le Ferrailleur
16.06.2015 - FR - Paris - Cabaret Sauvage
17.06.2015 - NL - Amsterdam - Paradiso Grote Zaal
18.06.2015 - NL - Dordrecht - Poppodium Bibelot
19.06.2015 - FR - Lille - L´Aeronef
23.06.2015 - FR - Clermont-Ferrand - La Cooperative de Mai
24.06.2015 - FR - Ramonville - Le Bikini
25.06.2015 - FR - Grenoble - La Belle Electrique
30.06.2015 - FR - Le Havre - Magic Mirrors
01.07.2015 - ES - Barcelona - Sala Apolo
03.07.2015 - FR - Landerneau - Le Family
04.07.2015 - BE - Brüssel - Couleur Café
07.07.2015 - FR - Antibes Juan Les Pins - La Pinede Gould
Frankreich hat dabei wieder einmal die meisten Locations auf dem Plan
gehabt.
Doch kommen wir zurück an den Anfang der Liste und
besuchen die Show im Berliner YAAM.
Bisher haben wir Israel Vibration nur auf den großen
Festivals
erleben können und freuen uns deshalb ganz besonders auf den
heutigen Abend. Hier wird ja sicherlich nichts schiefgehen, wie
dereinst beim 2007er beschaulichem Festival in Höchstenbach.
Dort
ist die Band gar nicht erst aus dem Bus ausgestiegen und ohne Auftritt
wieder abgefahren, weil der Bühnenzugang nicht geeignet war
und
der Tourbus nicht nahe genug heranfahren konnte. Das kann uns hier
zum Glück nicht passieren, denn im neuen YAAM herrschen beste
Bedingungen, die
auch Israel Vibration gerecht werden sollten.
Diese kleine Anekdote nur kurz vorab, als Hinweis an alle potentiellen
Booker, die erforderlichen Rahmenbedingungen für die
Künstler, vorher genauestens abzuklären.
Das YAAM hat sich inzwischen ganz gut gefüllt. Besonders
auffallend ist heute die höhere Anzahl von Fans mit
körperlichen Behinderungen, die sich den Auftritt von Israel
Vibration nicht entgehen lassen möchten. Für sie hat
lsrael Vibration einen besonderen Stellenwert, da auch Wiss und Skelly
körperlich behindert sind und trotzdem ihr Leben bestens meistern und
extrem erfolgreich sind.
Jetzt kommt Bewegung auf die Bühne. Als langjährige
Backing Band von Israel Vibration ist natürlich wieder die
Roots Radics Band am Start. Nach und nach kommen die einzelnen Musiker
auf die Bühne und werden jeder für sich mit Beifall
begrüßt. Errol "Flabba" Holt, einer der
legendärsten Bassisten weltweit, sticht dabei besonders hervor.
Errol
"Flabba" Holt
Errol
"Flabba" Holt und Dwight Pinkney
Steve Golding
Die Roots Radics Band wurde bereits im Jahr 1978 auf Initiative von
Errol "Flabba"
Holt (Geboren: Errol Alexander Carter) und Eric "Bingi Bunny" Lamont
(Verstorben: 31.12.1993) gegründet, nachdem sich die
beiden zuvor in den frühen 1970er Jahren bei Bands
wie The Morwells und den Revolutionaries, zusammen gespielt und
kennengelernt hatten. Die ursprüngliche Besetzung der Band,
mit weiteren hervorragenden Musikern blieb leider nicht bis heute
erhalten. Hin- und wieder gab es über die Jahre verschiedene
Umbesetzungen und leider auch Todesfälle. Heute steht die Band
in folgender Besetzung auf der Bühne: Errol Alexander Carter
a.k.a. Errol "Flabba" Holt (Bass), Steve Golding (Rhythm Guitar),
Dwight Pinkney (Lead Guitar), Richard Johnson a.k.a. "T Bird" und
Horace James (beide Keyboard), Patrick Anderson (Drums), Althea
"Di Chic" Hewitt und La Venia "Bunny" Brisset (beide Background
Vocals), Christopher Daley (Engineeer) und Sydney Ritchie a.k.a.
"Buffy" (MC). Nach wie
vor präsent ist aber der beeindruckende Sound der Band, den wir
stets bei den Konzerten von Israel Vibration erleben können.
Die Roots Radics entwickelten sich zu eine der angesagtesten Live- und
Studioband Jamaikas und haben neben Israel Vibration mit
Künstlern wie Gregory Isaacs, Sugar Minott, Prince Far-I,
Bunny Wailer, Dennis Brown, den Wailing Souls, King Tubby, Barrington
Levy oder Eek-A-Mouse, nur um einige zu nennen, zusammengearbeitet.
Ebenfalls bekannt sind sie unter dem Namen The Arabs, als sie mit Prince
Far-I auf Tour waren. Neben ihrer Arbeit als Backing Band verfolgten
sie aber auch zahlreiche eigene Projekte, gingen allein auf Tour und
veröffentlichten auch reine Roots Radics Alben. Einen guten
Überblick von der Arbeit der Band kann man hier
finden.
Darüber hinaus gibt es aber auch noch
Soloveröffentlichungen einzelner Musiker der Band, unter
anderem von Errol "Flabba" Holt, der erst kürzlich im Riddim Magazin
Nr. 78 (Ausgabe März/April 2015), eine ausführliche
Würdigung bekam. Der Platz würde hier nicht
ausreichen, um auf alle Projekte der einzelnen Musiker inklusive
Backgroundsinger einzugehen.
Die Band spielt sich inzwischen ein und die Massive wird vom Moderator
und MC Buffy auf Israel Vibration eingestimmt. Die
Backgroundsängerinnen kommen auf die Bühne und
eröffnen mit einem kurzen Medley. Erst danach erscheinen Skelly und
Wiss auf der Bühne und starten mit Skellys "Livity In The
Hood".
Links:
Moderator und MC Sydney Ritchie a.k.a. Buffy
Live
Video:
Israel Vibration - 1/8 - Medley + Livity In The Hood
Cecil "Skelly"
Spence und Lascelle "Wiss" Bulgin, sowie ihr früheres
Bandmitglied Albert "Apple" Craig, lernten sich im "Mona Rehabilitation
Center" von Kingston kennen, als sie nach einer Erkrankung an
Poliomyelitis (Kinderlähmung) in den 1950er Jahren, von ihren
Eltern dorthin verbracht worden sind. In diesem Behindertenwohnheim
bekamen die Kinder ein Minimum an Bildung und wurden auf die sehr
geringen Möglichkeiten eines künftigen Berufs
vorbereitet. Skelly und Apple sind 1952 und Wiss 1955 geboren.
Live
Video:
Israel Vibration - 2/8 - Feelin´ Irie + Walla Walla
Als sie im Laufe der Zeit den Rastafari-Glauben annahmen, wurden sie
aus
dem Rehabilitation Center verwiesen. Zuerst traf es Apple und
später gingen Wiss und Skelly denselben Weg
und verloren sogar ihre Anstellungen. Während Skelly
bei einer Tante unterkam, landeten Apple und Wiss auf der
Straße. Skelly begann die ersten Songs zu schreiben und die
Drei sangen auf der Straße, um irgendwie ihren
notdürftigsten Lebensunterhalt zusammen zu bekommen.
Während diesem ungefähr 6 Jahre andauernden Zeitraum,
erwarben sie sich in der Stadt einen gewissen
Bekanntheitsgrad. Davon ermutigt zogen sie, nunmehr bereits als
Israel Vibration, in die Studios, um dort ihr Glück zu
versuchen. Aber wie es früher schon einmal Apple allein
erging, waren sie zusammen wiederum erfolglos. Als sie dann doch einmal
1975 zu Probeaufnahmen im Channel One Studio eingeladen worden sind,
waren es sie selbst, die einer Veröffentlichung der Aufnahmen
im Wege standen. Dies nur aus dem Grund, weil auf den Riddims schon
andere Sänger gesungen hatten. Das war sicherlich ein Fehler,
stört heutzutage kein Mensch mehr und ist nahezu Programm.
Die Band wollte sich aber nur auf exklusives Material einlassen.
Live
Video:
Israel Vibration - 3/8 - Far Beyond
Ein Jahr später, mit der Hilfe von "Twelve Tribes Of Israel",
kam es dann schließlich zur Aufnahme ihrer ersten Single "Why
Worry", die aus der Feder von Skelly stammt und ihr erster Erfolg
wurde. Aber erst nach einer Reihe weiterer Singles und der
Veröffentlichung von "Same Song", ebenfalls im Jahr 1976, kam
es zum großen Durchbruch. Das Stück ist bis heute
ungebrochen eine der bekanntesten Rasta-Hymnen überhaupt. 1978
folgte mit "The Same Song" ihr Debutalbum und die Erfolgsgeschichte der
Band nahm seinen Lauf. 1981 siedelte die Band nach Brooklyn, New York,
über und ging leider ein Jahr danach auseinander. Erst auf
Initiative von Dr. Dread (Gary Himelfarb), damaliger Inhaber und
Gründer von Ras Records (Real Authentic
Sound), kam die
Band 1988 wieder zusammen und veröffentlichte das Album
"Strength Of My Life". Der erste Song des Albums, "Cool And Calm",
schlug ein wie eine Bombe, und die Band war wieder da wo sie vorher
war. Weitere erfolgreiche Alben folgten, bis sich ein Riss in der Band
einschlich, dessen Ursachen bis heute niemand genau zu sagen
weiß.
Live
Video:
Israel Vibration - 4/8 - Why Worry + Never Gonna Hurt Me Again
Es war im Jahr 1997 als sich die Trennung von Apple
nach einer gerade zu Ende gegangenen Europatournee vollzog. Dr. Dread
erzählte Wiss und Skelly, dass sich Apple wegen Soloambitionen
von der Band getrennt hätte. Apple wiederum bestreitet dies
und hat wohl völlig überraschend davon
gehört, dass Israel Vibration nur noch mit Wiss und Skelly in
Deutschland auf Tour ist. Dir richtige Wahrheit scheint nur Dr. Dread
zu kennen, die wir wohl leider nie erfahren werden. Aber wie auch
immer, Israel Vibration veröffentlicht auch noch danach weitere
erfolgreiche Alben wie das 1999er "Pay The Piper" oder das 2000er
"Jericho". Die weiteren Veröffentlichungen scheinen nicht mehr
ganz den Status der Vorgänger zu erreichen, sind aber nach wie
vor äußerst beliebte Höhepunkte im Roots
Reggae.
Live
Video:
Israel Vibration - 5/8 - Irs + Survive
Wiss und Skelly wechseln sich beim Gesang in der Regel nach zwei Titeln
ab und so auch ihre Position an den weiter vorn stehenden Mikros. Auch
auf ihren Alben ist dieser gleichmäßige Wechsel
vorhanden, nur das dort schon nach jedem Titel gewechselt wird. Auch
Flabba hat frühzeitig einen Positionswechsel vorgenommen, den er leider nicht mehr rückgängig macht. Er hat
sich zwischen die Bühnenaufbauten neben die Drums
gezwängt und ist nur noch von der Seite zu sehen. Ein Glück, dass wir ihn schon am Anfang der Show
wenigstens ausreichend fotografieren konnten.
Dann steuern wir langsam auf den Höhepunkt der Show zu, wo es
einige der größten Hits der Band zu erleben gibt und
das Stimmungsbarometer der Massive weiter nach oben
ausschlägt. Wiss singt mit "What It Name" eine weiteres
Stück vom neuen Album "Play It Real", und danach reichen die
ersten drei Töne von "Cool And Calm" aus, um den Jubel im Saal
aufbrausen zu lassen. Für die Videodokumentation aus der
ersten Reihe, fällt aber jetzt auch unverhofft die Klappe.
Unverhofft deshalb, weil die Drehgenehmigung vorliegt, aber wohl leider
nicht bei allen Beteiligten angekommen ist. Erklärungen helfen
nix - "Stop right now!!" Da kann man nichts machen.
Live
Video:
Israel Vibration - 6/8 - What It Name + Cool And Calm
Während sich Skelly mit der Ska-Nummer
"Exploitation" auf der Bühne verausgabt, begebe ich
mich nach Backstage zu einem Klärungsversuch. Das
Gespräch verläuft leider ergebnislos, und ich
verpasse mit "Pay The Piper" die nächste Ska-Nummer von
Skelly. Jetzt soll ich noch einmal direkt Wiss und Skelly fragen, die
gerade zu einer Pause von der Bühne hereinkommen. Das
fällt natürlich aus. Man kann doch nicht die
Künstler während der Show mit so etwas
belasten. Lassen wir es einfach sein und ziehen uns auf die
Tribüne im hinteren Saalbereich zurück, um von dort
die Abschlussstimmung einzufangen. Während Israel Vibration
wieder auf die Bühne gehen und mit "Get Up And Go" den
Zugabenblock starten, suche ich mir einen Weg durch die Massen in
Richtung Tribüne und hoffe auf einen geeigneten Standort.
"Schön" warm ist es hier oben, aber es gibt eine gute Aussicht
auf die Bühne.
Live
Video:
Israel Vibration - 7/8 - Ganja
Nach "Ganja", auch vom neuen Album "Play It Real", geht es
schließlich mit "Same Song" und "Red Eyes / Roots, Rock,
Reggae"
in das Finale der Show. Mitsingen ist jetzt angesagt und bei "Red Eyes"
steigt ein Mädel unter dem Jubel des Publikums auf die
Bühne,
um Skelly zu umarmen. Alles schön "Cool And Calm", um mit den
Worten von Israel Vibration zu sprechen, damit auch nichts
missverstanden wird. Ein wirklich schöner Abschluss.
Live
Video:
Israel Vibration - 8/8 - Same Song + Red Eyes / Roots, Rock, Reggae
Nach der Show besuchen wird die Künstler noch einmal im
Backstage. MC Buffy zieht als wandelnder Merchandise mit einem vollen
Beutel "Play It Real" durch die Räume des YAAM und
hält nach Käufern Ausschau. Das wird nur leider nicht
jederman mitbekommen haben, sonst wäre der Beutel nicht mehr
so prall gefüllt. Ein fester Stand wäre besser
gewesen. Die meisten Musiker von den Roots Radics haben
inzwischen das YAAM verlassen. Israel Vibration und Errol
"Flabba" Holt müssen aber noch einige Gäste
abarbeiten, sich den Fotowünschen stellen, sowie Alben und
Fotos signieren.
Israel
Vibration Backstage
Für alles ist Israel Vibration zu haben, aber eines geht gar
nicht, ... ein Foto mit dem Riddim Magazin. Wir haben die
Nummer 54 (Ausgabe März / April 2011) dabei, die leider bisher
die einzige Ausgabe ist, in der ein Bericht zu Israel Vibration
enthalten ist. Und dann ausgerechnet auch noch "Apples
Version". Wiss wirkt verärgert, blockt ab und möchte
das Magazin
nicht einmal anfassen. Es fällt zu Boden. Skelly sieht das
nicht ganz so verbissen und
nimmt´s mit Humor, aber wenn Wiss nicht möchte,
fällt das Riddim-Foto natürlich aus.
Das zeigt deutlich
wie tief die Wunden der Trennung noch sitzen und macht wenig Hoffnung
auf eine Reunion oder einmal einen gemeinsamen Auftritt in alter Besetzung.
Dafür ist Flabba umso mehr erfreut als er die Riddim mit der
Nummer 78 (Ausgabe März / April 2015) in die Hände
bekommt, in der ein ausführlicher Bericht über ihn
enthalten ist.
Errol
"Flabba" Holt mit Israel Vibration
Verabschieden wir uns für heute aus dem YAAM und hoffen, dass
die nächste Album Release Tour von Israel Vibration nicht
wieder 5 Jahre auf sich warten lässt.
Copyright:
www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim
Mein Dank geht an Christoph von Revelation Concerts, Frank von Topline
Events, das YAAM Team und natürlich ganz besonders an die
Künstler des Abends.