PROTOJE
MEETS TIPPY I - IN SEARCH OF ZION - A DUB EXPERIENCE
25.03.2025 - MAAYA - BERLIN
Reichlich ein Jahr, fast auf die Woche genau,
ist es her, als Laurent "Tippy I" Alfred mit seiner Live Dub Session in
Berlin für Begeisterung sorgte. Damals noch in der relativ
kleinen aber schmucken Location Badehaus, zusammen mit Samory I und
Mortimer. Dieses Mal kehrte er mit Protoje zurück und eine
größere Location war gefragt. Man hat sich
für das MAAYA entschieden, welches in unwesentlicher
Entfernung des Badehauses liegt. Allerdings ist dort reichlich mehr
Raum, um die bei Protoje zu erwartende Fangemeinde unterzubringen. Auch
für uns war dieser Termin eine Pflichtveranstaltung, da wir
Protoje sage und schreibe vor 11 Jahren zuletzt vor der Linse
hatten. Damals noch im Berliner YAAM.
Nach der
Berliner Show gab es nur zwei weitere Stationen der beiden
Künstler in deutschen
Landen. Ein Tag später in der Hamburger Fabrik und einen
weiteren Tag danach in der Kölner Kantine. Die weiteren und
gegenwärtig schon im Gespräch und zum Teil
feststehenden Termine, könnt ihr
dem nachfolgenden Flyer und der nebenstehenden Aufstellung entnehmen.
25.07. -
Uppsala Reggae Festival (SWE)
26.07. - Monegros Desert Festival (ESP)
01.08. - Reggae Geel Festival (BE)
09.08. - One Love Reggae Festival (AUT)
10.08. - No Logo BZH Festival (FR)
20.11. - Paradiso, Amsterdam (NL)
21.11. - Rote Fabrick, Zürich (CH)
27.11. - Théatre Lino Ventura, Nice (FR)
29.11. - La Cigale, Paris (FR)
Die links angeführten Termine gehören nicht zur "Dub
Experience"
Tour und sind mit voller Bandbesetzung angedacht.
Berlin ist für uns die naheliegendste Station von Protoje's
aktueller Europa Tour, die wir erreichen können. Wir begeben
uns rechtzeitig auf die Piste und suchen uns in Berlin ein sicheres
Parkhaus. Ein Parkplatz in den naheliegenden Straßen von
MAAYA, Astra, Badehaus, Cassiopeia und Co zu finden, haben wir seit
Jahren aufgegeben. Es ist ganz einfach zu schwierig, zu unsicher, und
die Knöllchenpiraten finden immer einen Grund einen zu
erleichtern. Da nehmen wir lieber eine längere Wegstrecke in
Kauf.
Wir haben schon unzählige Veranstaltungen in Berlin besucht,
aber das MAAYA haben
wir bisher nur von außen
gesehen. Wir sind gespannt,
was uns erwartet. Das vielfältige Gelände des MAAYA
erstreckt sich über 5.000 m² und beinhaltet einen
großen Pool von 240 m² Wasserfläche, eine
Galerie, einen Biergarten, mehrere Bars und vieles mehr. Also viel
Platz
für die unterschiedlichsten Events.
Das MAAYA war in der Berliner Clubszene zirka 10 Jahre als
Haubentaucher bekannt und
wurde im Mai 2024 von dem gebürtigen Berliner Aziz Sarr
(bekannt als DJ Mista
Wallizz) und seinem Partner Jens "Sterntänzer"
übernommen. Den Innenbereich des Clubs gab es zu Zeiten des
Haubentauchers so noch nicht. Jens sagt dazu: "Da habe ich das
komplette Licht, Ton, Multimedia- und Technikkonzept entwickelt und
designed und in 2 Monaten Arbeit alles eingebaut." Das Ergebnis kann
sich sehen lassen. Seit Juli 2024 wird der Club unter anderem vom
afrikanischen DJ-Kollektiv Freak de l'Afrique
bespielt, zu dem auch Aziz Sarr gehört.
Auf der Website des Clubs heißt es: "Willkommen im MAAYA, Berlins
neuem Kulturzentrum für afrikanische und afrodiasporische
Kunst und Kultur. Geleitet von einem vielfältigen BIPOC-Team
ist MAAYA ein Ort der Inklusivität und Kreativität
und bietet einen dynamischen Raum für Künstler,
Kollektive und Kulturbegeisterte."
Der heutige Veranstaltungsbereich ist die Gallery, am anderen Ende
hinter dem Pool.
Uns begrüßen zahlreiche LED-Monitore, die uns auf
Schritt und Tritt im Gebäude begleiten und mit Bildmaterial
des heutigen Hauptacts versorgen. Rechter Hand befindet sich die
Garderobe und der Sanitärbereich. Es gibt ein Merchandise von
Protoje und Tippy I bzw. von Zion I Kings und einen Informationsstand
von Help Jamaica
e.V..
Linker Hand sind zwei Bars zu finden und verschiedene Ebenen
für die DJ's und das Publikum. Ja und wo Help Jamaica e.V.
ist, kann natürlich Hille vom Sound Quake Soundsystem auch
nicht weit sein, der schon für das passende Warm-up der stetig
anwachsenden Besucherschar sorgt.
Wir sprechen weiter mit Jens, der sich wie bereits angeführt,
auch um die Technik
kümmert
und uns
ein paar Einblicke in die Anlage des Clubs gewährt. "Wir haben
zwei Pults. Hier unten steht das Lichtpult, das zusätzlich mit
einem Medienrechner verbunden ist, worüber ich dann auch die
LED
Wände und die 4 Lasersysteme steuern kann. Oben steht das
Ton-Pult, was in diesem Fall per Wifi mit einem I-PAD verbunden ist und
unser Ton-Techniker von unten das Ton-Pult remote steuern und
den
Sound mischen kann.
Bei der LED Wall haben wir eine Main Led Wand auf der Bühne
und 6
zusätzliche 4 Meter hohe Reihen drum herum gebaut, um diese in
einem
immersiven Halbkreis anzuordnen und so einen multimedialen Raum zu
schaffen. Zudem haben wir in der Location 25 einzelne Screens verbaut,
wo wir im Rahmen von Kunstaustellungen passend zu den
Künstlern
Content präsentieren können, um auch hier im Club
generell
die Musik mit visuellen Eindrücken zu verbinden." Wir sind
echt
beeindruckt.
Inzwischen ist das Maaya an seine Kapazitätsgrenzen
gestoßen und ausverkauft. Der Main Floor der MAAYA Gallery,
wo
die Dub Session stattfindet, kann leider nur 400 Personen aufnehmen.
Vor dem Club wartet noch eine lange Schlange, die auf
Einlass hofft. Leider ist das nicht mehr möglich und
bedauerlicher Weise müssen viele Fans ohne den erhofften
Konzertgenuss wieder gehen.
Schließlich
ist die Showtime herangerückt. Tippy I
erscheint am Mischpult und trifft seine letzten Absprachen mit
Jens, der auch heute mit einem weiteren Techniker an den richtigen
Knöpfen zu drehen hat. Tippy I kämpft sich
anschließend durch die Massive zu seinem Arbeitsplatz,
der mitten im Raum auf einer etwas höheren Ebene liegt.
Dahinter befindet sich noch ein abgetrennter Bereich, der auch langsam
vom Publikum in Besitz genommen wird. Auch ein schöner Platz.
Allerdings wird sich Tippy I bei einer Live Dub Session nicht umdrehen
können.
Eine Live Dub Session ist kaum mit einer normalen Soundsystemshow zu
vergleichen.
Als die ersten Töne von Tippy I durch den Dubwolf gedreht
werden, bin ich wie elektrisiert. Diese Klanggemälde sind
einfach nur unglaublich, gehen durch Mark und Bein und lassen die
Körperbehaarung aufstehen.
Die an sich schon für sich sprechenden Tracks wie "Same I Ah
One" von Midnite, "Jah Love" von Samory I, "Strength And Resilience"
von Lutan Fyah, "Lion Is A Lion" von Pressure Busspipe, "You And Me"
von Mortimer oder "Too Late To Lie" von Lila Iké, nur um
einige zu nennen, werden von Tippy I noch einmal auf ein
völlig anderes Level gehoben.
Auf der größten LED-Wand hinter Tippy I erscheint
das Logo von Tippy I Grade, welches sich hin und wieder in ein
Farbenspiel verwandelt und erst ganz langsam zu dem Logo
materialisiert. Diese wabernden Farben passen bestens zum Charakter
dieser Musik.
Tippy I spielt zirka 40 Minuten, bevor plötzlich Protoje
hinter
ihm steht und sich langsam in das Programm einfügt.
Für Tippy I's Arbeit und an der Musik ändert sich
dadurch natürlich nichts, nur dass eben nun der Songkatalog
von Protoje bearbeitet wird.
Wer sich zu Tippy I noch näher informieren möchte,
kann sich gerne den Konzertbericht
aus 2024 noch einmal anschauen, wo noch ein paar biografische Daten zu
finden sind.
Live Video:
Tippy I - Live Dub - Maaya Berlin - 25.03.2025
Seit
vielen Jahren und einigen neuen Alben, ist es nun endlich soweit, dass
wir Protoje wieder einmal live erleben können. Dass heute
keine Band dabei ist, stört uns nicht im Geringsten. Die
Kombination mit Tippy I, im Rahmen einer Live Dub Session, ist etwas
ganz
Besonderes. Das muss man einfach einmal erlebt haben. Wer lieber
Protoje nur mit Band sehen und hören möchte, muss
nach der aktuellen Tourplanung noch bis Juli und auf das Uppsala Reggae
Festival in Schweden warten. Zumindest was Europa betrifft. Ob
sich davor noch etwas ergibt, ist aktuell noch nicht bekannt.
Auf der großen LED-Wand erscheinen nun Animationen mit
Protoje und die Laser werden eingeschalten, um die Lichtshow noch
einmal auf ein höheres Level zu heben. Je nachdem, ob man
diese von unten oder von oben sieht, ergeben sich völlig
unterschiedliche Eindrücke. Wir hatten zum
Glück die Möglichkeit bekommen, diese
Situation auch von oben festzuhalten. In der ersten Hälfte
seines Sets, hören wir Songs wie "Incient Stepping", "Weed And
Ting", "Jah Deliver Me" und andere.
Live Video:
Protoje meets Tippy I - Live Dub - 1/2 - Maaya Berlin - 25.03.2025
Viele Fotos planen wir heute nicht und konzentrieren uns lieber auf die
Videoaufnahmen. Dies auch deshalb, weil jede Aufnahme ein Unikat ist.
Live Dub ist immer wieder anders. Jeden Song hat man so noch nie
gehört und wird ihn auch nie wieder so hören. Es sei
denn, es
hat ihn jemand während der Show aufgenommen.
Zur zweiten Programmhälfte gehören Songs wie das
wunderschöne "Rasta Love" mit Ky-mani Marley, "Kingston Be
Wise",
"Who Knows" feat. Chronixx und andere. Die Massive ist in totaler
Feierlaune
und kommt bei vielen Songs immer wieder textsicher zu Wort. Mit "Who
Knows" geht schließlich die heutige Dub Session mit Tippy I
und
Protoje zu Ende. Wir sind schon jetzt gespannt, mit welchem Artist uns
Tippy I beim nächsten Mal in die Klangwelten des Dub
entführen wird. Hoffentlich bald!
Live Video:
Protoje meets Tippy I - Live Dub - 2/2 - Maaya Berlin - 25.03.2025
Tippy's Laptop ist nun zu. Das war seine erste Amtshandlung, als die
letzten Töne seines Sets verklungen waren. Ein Raum
für Zugabe
ist heute offenbar nicht
eingeplant, denn Hille von Sound Quake hat recht schnell im Anschluss
die musikalischen Fäden wieder in die Hand genommen. Die
ersten
Selfies mit Protoje und Tippy I werden noch am Bühnenrand
geschossen,
Autogramme werden geschrieben, und wer möchte, kann
natürlich am Merchandise noch
ein paar Platten
oder Shirts einkaufen.
Zum Merchandise ist kaum ein Durchkommen, da die Garderobenschlange
alles überdeckt. Und wir hatten diese anfangs verkannt und
für eine Schlange vom Merchandise gehalten.
Immer wieder werden Platten vom Tourmanager Yello zwischen Backstage
und Merchandise
hin- und hergetragen, damit die Käufer auch die passenden
Autogramme der Künstler gleich mitnehmen
können.
Seit unserem letzten Treffen mit Protoje in 2014, hat sich viel in
seiner Karriere getan und beim Riddim Magazin hat er es inzwischen auf
drei weitere Titelbilder geschafft (4 insgesamt). Da hält nur
noch
Buju Banton, mit ebenfalls 4 Titel-, und Gentleman sogar mit 5
Titelbildern mit. Das kann sich aber schnell ändern, denn mit
drei Titeln sind ihnen so einige Künstler wie Alborosie,
Tarrus Riley, Chronixx und andere auf den Fersen.
Von links
nach rechts: Riddim Mag #78 (02/15), #102 (04/20), #109 (03/22)
Laurent "Tippy I" Alfred ist zwar noch nicht auf dem Cover gelandet,
aber in der aktuellen Riddim #120 (02/25) ist ein langer Beitrag von
Simon Arnold über ihn enthalten. Tippy I hat die Ausgabe noch
gar
nicht gesehen und freut sich, dass wir das Magazin mitgebracht haben.
Er würde sich wünschen, dass es die Riddim auch in
Englisch geben würde. Der Versuch wurde ja schon einmal
vor Jahren gestartet, aber das Projekt konnte leider aus verschiedenen
Aufwandsgründen
nicht fortgesetzt werden. Wir haben zwar keine Glaskugel, glauben aber
nicht daran, dass es einen zweiten Versuch geben wird. Das
wird wohl nur digital auf verschiedenen Medien mit
Einzelbeiträgen umgesetzt werden können.
Tippy I mit
Riddim Mag #120 (02/25) > Hier bestellbar
Schau mal,
... der ist immer noch nicht angezündet.
Da wünschen wir den beiden noch eine schöne Tour und
verabschieden uns.
Die Garderobenschlange ist inzwischen verschwunden und der Andrang am
Merchandise ist auch vorüber. So haben wir freie Bahn unsere
relativ einsamen Jacken abzuholen.
Soweit ein paar Eindrücke von "Protoje meets Tippy I - A Dub
Experience" aus dem Maaya von Berlin.
Da Protoje schon einen Tag vor der Show in Berlin eingetroffen war,
gibt es auch ein paar Video-Eindrücke von seiner Sightseeing
Tour auf seinem Instagram
Profil, auf die wir zum Schluss noch hinweisen möchten.
Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal!
Copyright:
www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim
Mein Dank geht an Christoph von Revelation
Concerts, Frank von Toplin Events, das Team vom MAAYA und
natürlich ganz besonders
an
die
Künstler des Abends.