Der heutige Tag wird unsererseits traditionell für Erkundungen
auf dem Gelände außerhalb der großen
Festivalbühnen und der jährlichen Ausstellung im
Museum des Klosters verwendet, zumindest so lange bis die erste Band
das Freitagsprogramm eröffnet. Leider sind die
Öffnungszeiten wie im vorigen Jahr auf den Nachmittag verlegt.
Das passt so gar nicht zu unserem Tagesablauf der Vorjahre.
Früher haben wir schon am Vormittag das Museum besucht und
sind dann auf das Campinggelände mit den externen
Bühnen weitergezogen, um dort zu entspannen. Da man nicht
immer weiß, wieviel Zeit die Ausstellung in Anspruch nehmen
könnte, hatten wir das immer so zeitig wie möglich
erledigt. Nun ist es ein Hin und Her oder ein Her und Hin. Also erst
ins Gelände und später zur Museumsöffnung
ins Kloster. Was danach noch bleibt, ... mal sehen.
Im
Gelände der Riverside Disco
Versuchen
hier etwa irgendwelche Haie unser Festivalmaskottchen zu bedrohen? Diese
Dreiecke im Wasser erwecken zumindest den Eindruck.
Noch ist es im Gelände relativ ruhig und die Festivalbesucher
die schon da sind, müssen sich wohl noch von einer langen
Nacht erholen. An den diversen Kochstellen der Festivalgastronomie
brutzelt es aber schon und die unterschiedlichsten Gerüche
machen immer wieder Appetit, ... selbst wenn man eigentlich satt ist.
Was für den Einen erst das Frühstück ist,
ist für den Anderen schon bald das Mittagessen. Das kommt ganz
darauf an, ob man im Roots Camp, bei der Riverside Disco oder im
Dancehall Tent bis zum Ende geblieben ist oder nicht. Wie wir schon
gehört haben, war ja im Dancehall Tent wegen dem Regen der
Nacht, der größte und längste
Besucherandrang. Wir hatten zum Glück schon eher
Platz gemacht und sind in trockenen Sachen in unsere Unterkunft
gekommen.
Wir
steuern zuerst das Roots Camp an, welches wieder mit viel Liebe zum
Detail recht künstlerisch gestaltet wurde. Schon die extra
gezimmerte und geschnitzte Running Order ist eine Augenweide und ein
Kunstwerk für sich. Darüber hinaus gibt es auch ein
paar Malereien zu finden. Das gilt aber auch für das
"übrige" Festivalgelände. Überall gibt es
versteckte oder nicht versteckte Kunst zu entdecken. Ob nun zu Wasser,
zu Lande oder in den Bäumen, überall kann man
fündig werden. Das Reggae Jam hat sich im Laufe der Jahre
neben der Musik auch zu einem Kunstschauplatz entwickelt.
Also geht immer mit offenen Augen durchs Gelände und
würdigt die vielen kleinen Details, die so unendlich viel
Arbeit machen oder gemacht haben und wie die Holzbrettelkunst von Luigi
Stinga leider überwiegend zur vergänglichen Kunst
gehören. Man kann ja gar nicht alles
demontieren, einlagern und im nächsten Jahr wieder aufbauen.
Dies schon aus Kostengründen.
Schicke
Turnschuhe gefällig?
Die unterschiedlichsten Händler unter die Lupe zu nehmen, kann
auch nicht schaden. Selbst wenn der geübte Festivalbesucher
meint,
schon alles gesehen oder eingekauft zu haben, gibt es auch hier immer
wieder ein paar Neuigkeiten.
Die Holzbrettelkunst am Eingangsportal des Dancehall Tents,
müssen
wir natürlich auch noch einmal bei Tageslicht ansehen. Wie
schon
gestern berichtet, verbergen sich hinter der Sonnenbrille des
hölzernen Rastas
auch noch zwei Monitore, in denen sich die Besucher beim Eintreten
entdecken können.
Beim Heim des Schützenvereins von 1850
Bersenbrück
e.V., schauen wir auch immer ganz gerne vorbei. Ein paar
Sitzgelegenheiten, Getränke, afrikanische
Spezialitäten und anderes, findet man auch hier. Was das
leibliche Wohl betrifft, ist man aber garantiert auf dem gesamten
Festivalgelände nicht unterversorgt. Da muss jeder
selbst Vergleiche ziehen und seine Wahl treffen. Wenn wir
künftig auf das Domizil vom Da Sandwichmaker verzichten
müssen, werden sich ja viele "Heimatlose" umorientieren
müssen.
Inzwischen
rückt die Öffnungszeit des Museums im Kloster heran
und wir brechen
erst einmal unsere Geländespaziergänge ab. Alle Jahre
wieder kann das Museum inklusive der zum Festival passenden
Sonderausstellung mit einem gültigen Festivalticket, ohne
weitere Eintrittsgebühren, besucht werden. Die Ausstellung auf
dem Dachboden des Museums steht dieses Mal unter dem Titel "JAMMIN' -
30 Jahre Reggae Jam" und Graffitis des Künstlerkollektivs
"Bunte Hunde" aus Osnabrück. Das ein Graffito auch Kunst und
nicht nur eine Fassadenschmiererei sein kann, hat sicherlich schon
jeder herausgefunden, aber wer in der Szene nicht Bescheid
weiß, hat in der Ausstellung erst einmal ein
Informationsdefizit zu überwinden.
Bob Marley
von Alexander Cordes "Misakoh"
Alborosie
von Christian Aretz "Das Wort"
Marcia
Griffiths und Bernd "Sheriff" Lagemann von Christian Aretz "Das Wort"
Fitzroy
"Bunny" Simpson (Mighty Diamonds) von Christian Aretz "Das Wort"
So stehen auch wir neben einigen anderen Besuchern rätselnd
vor den Bildern und versuchen die großen Schriftzüge
zu entziffern, die oft über die Motive gelegt worden sind. Mit
der eigentlichen und in den Hintergrund gerückten Darstellung
haben sie jedenfalls nichts zu tun. Leider gibt es im Museum keinen
Einführungstext zu der Ausstellung, der sich am Eingang zur
Ausstellung
sehr gut machen würde. Erst danach erfahren wir,
dass sich die Künstler der Szene, mit diesen
Schriftzügen in erster Linie selbst präsentieren. Da
wird das eigene Logo sozusagen zur Kunst und in immer wieder neuen
Varianten dargestellt. Im Einzelnen sind das "OPTICK", "SENF",
"MIASKOH" und "DAS WORT".
Lee
"Scratch" Perry von Christian Aretz "Das Wort"
Bob Marlien
(aus Bob Marley und Alien) und Bröselfix (von Miraculix aus
der Asterix-Comic-Serie) von Max Fuhrmann "Optick"
Shwifty von
Christian Aretz "Das Wort"
Manchmal ganz witzig sind die von bekannten Personen oder Figuren
abgeleiteten Namen, aber alle können wir mangels
Erläuterung doch nicht herleiten.
Am Eingang der Ausstellung ist ein großes Bild angebracht, wo
sich jederman mit bereitgestellten Stiften um das Kunstwerk herum oder
darauf verewigen kann.
Leider verstehen das manche Besucher völlig falsch und lassen
ihre Kinder ohne Anleitung oder unbeaufsichtigt die Motive
übermalen. Muss das
denn wirklich sein?!
Die Bilder stehen übrigens überwiegend zum Verkauf.
Wir erfahren das erst, als wir an der Museumskasse im Erdgeschoss des
Klosters, über die fehlenden Ausstellungsinformationen
sprechen. Eine Mitarbeiterin holt eine Preisliste aus dem Schub und
ermöglicht uns so einen Einblick. Hier ein Auszug: Bob Marley
(1.600 EUR), Alborosie (400 EUR), Marcia Griffiths (550 EUR), Sheriff
(250 EUR), Bunny Simpson (400 EUR), Lee Perry (550 EUR), Bob Marlien
oder Reggae Alien (450 EUR), Bröselfix ohne Angabe und Shwifty
(350 EUR). Nachfragen sind unter buntehundeosnabrueck@web.de
möglich.
Das Ausstellungskonzept liegt ebenfalls in der Schublade. Wenigstens
dieses könnte man ja vergrößern und an
einem
Aufsteller der Öffentlichkeit zum Lesen anbieten. In der
Schublade sollte es jedenfalls nicht versauern. Mal sehen ob unsere
Anregungen für die Folgetage fruchten.
Nach
der Ausstellungserkundung noch einmal zurück in Richtung
Campinggelände, Da Sandwichmaker, Roots Camp usw. zu wandern,
lohnt sich jetzt
nicht mehr so recht. Wir ziehen uns erst einmal in unser Quartier
zurück und bereiten uns auf das abendliche
Bühnenprogramm vor. 18:00 Uhr soll die erste Show von Irie
Miah eröffnet werden und davor sind noch so einige andere
Dinge und Stationen "abzuarbeiten".
Bevor wir am späten Nachmittag den Festivalplatz entern,
besuchen wir noch die aktuelle
Festivalente, die dieses Mal als "Sheriff's Soundpatrol" in Sheriff's
bekannten Oldtimer daherkommt.
Inzwischen gibt es 5 verschiedene Enten und die ersten beiden Modelle
sind tatsächlich schon ausverkauft.
Gleich am offiziellen Haupteingang des Festivals, in Gestalt eines
großen Portals, grüßt das
Festivalmaskottchen von oben herab. Es sieht so aus, als hätte
man tatsächlich ein echtes Motorrad für die Figur
verwendet. Eine tolle Idee, ... und da oben sollte es recht sicher
sein. :-)
Bis zum Bühnenprogramm sind noch ein paar Minuten Zeit. Diese
nutzen wir, um erst einmal einen Überblick vom Festivalbasar
und von eventuellen Neuerungen im Gelände zu bekommen.
Joseph
Blue
Grant aka Still Cool, finden wir alle Jahre wieder an seinem
angestammten Platze. Natürlich gibt es wie immer alle seine
Platten zu haben und zu fortgeschrittener Stunde einen
Dance vor seinem Zelt. Gerne treffen sich auch hier
verschiedene Artists zu einem Schwätzchen mit Joseph.
Im Shop von Wolfgang Weiß aus Münster, kann man ein
paar uralte literarische Kostbarkeiten im Top-Zustand ergattern. Hier
liegen tatsächlich alle Bücher der Szene herum, die
auch ich über viele Jahre in mühsamer Kleinarbeit
über eBay gesammelt habe. Bücher die es seit ewigen
Zeiten nicht mehr im Handel gibt. "Irgendwann
muss ich ja mal meine Sammlung auflösen.", sagt
Wolfgang dazu.
Am Riddim Tent
wird wieder das von den Fans geliebte "Meet &
Greet", mit den verschiedensten Künstlern stattfinden. Die
ersten Termine mit Schwarzpaul, Chi Ching Ching, Samora und Mellow Mood
sind schon angeschrieben. Wer nichts dem Zufall überlassen
will und keine anderen Gelegenheiten hat, verschiedene
Künstler des Festivals zu treffen, ist hier bestens
aufgehoben. Wer die Arbeit von Riddim unterstützen
möchte, sollte natürlich bei dieser Gelegenheit
gleich noch ein Abo abschließen. Dann ist er immer bestens
über seine Lieblingsmusik informiert.
Die One Love
Sitzstrecke.
Das
diesjährige T-Shirt Angebot vom offiziellen Reggae Jam
Merchandise. Ganz schön schwarz alles. Etwas Farbenvielfalt
wäre vielleicht nicht schlecht. Und dann gibt es immer wieder
von den Mädels Kritik, weil keine Shirts mit V-Ausschnitt zu
haben sind.
Joel "Kush" Brown
von KushArt
ist dieses Mal als Besucher beim Festival und wartet gemeinsam mit
seiner Frau und Managerin Gabi Brown auf jamaikanische
Spezialitäten.
Abdelali
Mourid (House of Riddim) am DLRG Vereinsheim und der
Löwe zwischen den Bühnen.
Wieder ein paar schöne Kunsterke von Malerei über
Schnitzerei bis zur Brettelkunst.
Das Vereinsheim des DLRG Bersenbrück e.V. neben dem
Schwimmbad, ist dieses Mal geschlossen. Hier war bisher ein beliebter
Treffpunkt im Backstage und die Künstlerversorgung
untergebracht. Das gesamte Catering ist in das Fachwerkgebäude
links neben den Bühnen umgezogen. Eine gute Wahl. Drinnen ist
deutlich mehr Platz und Gemütlichkeit als im DLRG Vereinsheim.
Für gutes Wetter gibt es davor auch noch ein paar
Plätze. Die Künstler müssen nun auch nicht
mehr durch das Gedränge am Vereinsheim laufen, welches in den
letzten Jahren deutlich zugenommen hatte. Hier ein
paar Informationen zu dem historischen Objekt: Im Innenhof des
kreiseigenen Museums im Kloster befindet sich eine Artländer
Doppeldurchfahrt-Scheune. 1814 auf dem Hof Lüßenborg
in Menslage-Wasserhausen erbaut, wurde sie 1990 durch den
Kreisheimatbund Bersenbrück unter dem Vorsitz von Benno
Lammers hierher transloziert und einer neuen Bestimmung
zugeführt. So wurde die Scheune zunächst als
öffentlich begehbare Museumsscheune zur Ausstellung
landwirtschaftlicher Großgeräte genutzt. Aufgrund
mangelnder Aufsichtsmöglichkeiten musste sie jedoch
schließlich wieder für den Publikumsverkehr
geschlossen werden. In der Folge wurde die Scheune immer mehr zum Depot
umgenutzt. Heute befinden sich in dem Gebäude die
Museumswerkstatt, Lagerräumlichkeiten und ein freigehaltener
Bereich, der gelegentlich für Veranstaltungen genutzt wird.
Schließlich
ist es 18:00 Uhr und auf die Bühne kommt Bewegung. Das
Moderatorenteam ist heute um Richie geschmälert, da sich
dieser in Spanien überraschend einen Ermüdungsbruch
am linken Bein zugezogen hat. Wie es weiter geht, ist
gegenwärtig noch nicht abschätzbar. Es kann gut sein,
dass seine eigene Show am Sonntag ebenfalls ausfallen muss.
Für seinen Moderatorenjob ist schon einmal Jabbar
eingesprungen, den jederman als MC vom Blessed Love Soundsystem kennt.
Für Richies Show findet sich garantiert auch noch jemand, wenn
es denn sein sollte. Aber lassen wir nun erst einmal die "MC Reggae
Jam"
auf den Weg bringen, wie Ganjaman so schön sagt, und
überlassen die Bühne Irie Miah & The Massive
Vibes.
Markus
Dassmann
Jörg
Meier alias Irie Miah. Das passt ja fast zum Bühnenbild. ;-)
Dirk Davids
und Markus Dassmann
Die aus Münster stammende Truppe hat sich bereits 1999
zusammengefunden, dies zumindest, wenn man von den
Gründungsmitgliedern Jörg Meier und Dirk Davids
ausgeht.
Damit wäre dieses Jahr eigentlich das 25jährige
Bühnenjubiläum zu feiern. Wo gibt es jetzt
eigentlich das Freibier? ;-)
Live Video:
Irie Miah & The Massive Vibes - So Long
Wie wir gerade gehört haben, hat sich die Band
überwiegend dem klassischen Roots Reggae verschrieben. Den
letzten Song von Irie Miah gibt es auf dem "Heathen" Riddim von Bob
Marley. Ein absolutes Highlight! Besonders das Gitarrensolo von Markus
Dassmann muss man einfach gehört haben. Spitzenklasse, ... und
das schon beim Festivalauftakt.
Wer mehr zu Irie Miah erfahren möchte, kann noch einmal in den 2022er
Festivalbericht hineinschauen.
Der
nächste Auftritt gehört der französischen
Band Mystical Faya, die ebenfalls dem klassischen Roots Reggae folgen.
Schon beim zweiten Song "Sleeping Souls", werde ich ganz stark an Black
Uhuru erinnert. So kann es von mir aus weitergehen, obwohl ich
eigentlich normaler Weise nicht dafür bin, wenn auch noch
markante stimmliche Merkmale oder Einlagen eines Sängers
für den eigenen Stil übernommen werden. Aber egal, es
passt alles sehr gut zusammen. Mystical Faya sind zum ersten Mal auf
dem Reggae Jam und für uns ist es auch die erste Live Show.
Die Band wurde schon im Jahr 2007 in Ostfrankreich, zunächst
als
"Live-Dub"-Band gegründet. Kurz danach schloss sich
Loïc Paulin als Sänger der Band an, was zum aktuellen
Bandformat führte. Das aktuelle Album von Mystical Faya ist
das in 2023
veröffentlichte "Brighter Days".
Von
Frankreich geht es nun wieder zurück nach Deutschland. Als
nächster Act steht Schwarzpaul auf der Bühne.
Unglaublich wie die Zeit vergeht, denn Schwarzpaul war zuletzt in 2018
beim Reggae Jam. Der Dortmunder Tim Schwarzpaul, war schon als
Leadsinger bei der vielversprechenden Band Bantaba zu sehen. Seit
2015 ist er nun mit neuer Band und neuen Namen unterwegs.
Mehr zu Schwarzpaul könnt ihr im 2018er Festivalbericht
nachlesen. Neu hinzugekommen ist lediglich der am 22.12.2023
veröffentlichte Longplayer
"Messer aus Holz".
Das Album enthält 7 Songs und 3 Dub-Versionen und wurde im
Dortmunder Kvantum Recording Studio aufgenommen, bevor es Umberto Echo
den letzten Schliff verpasst hat.
Tim
Schwarzpaul
Karsten
Frehe (irieites.de) und Gitarrist Markus Dassmann
Mit
dem nächsten Künstler bleiben wir weiterhin in
Deutschland. Auf der "Green Stage" hat sich Mellow Mark vorbereitet,
der
ursprünglich nur auf die Gästeliste wollte, wie er
sagt. "Nur wenn du spielst.", sagte da der Sheriff dazu. Auch eine
Lösung. Es gibt garantiert keinen Künstler der ein
solches Angebot ablehnen würde, auf dem Reggae Jam auftreten
zu dürfen. Also liebe Artists, die schon lange vergeblich auf
eine Einladung warten, versucht es doch einmal auf diesem Wege. ;-) Das
aktuelle Album von Mellow Mark, ist immer noch das 2017er "Nomade".
Mellow Mark spielt eine Mischung aus Reggae, HipHop, eine Prise
Afrobeat und ein paar meinerseits nicht definierbare Stile. Ein paar
Acoustic
Einlagen dürfen natürlich
auch nicht fehlen. Eine bunte Mischung also insgesamt. Als Backingband
ist
Boomrush Backup angetreten. Die Band
steht schon seit 2006 auf der Bühne und hat mit
Künstlern wie Louie Culture, Mr. Peppa, Ganjaman, Martin Zobel
und vielen anderen zusammengearbeitet.
Wer mehr Informationen zu Mellow Mark sucht, kann in dem 2017er Festivalbericht
nachlesen.
Mit der Musik vom Mellow Mark im Background, schauen wir nun auch
einmal nach, was im Backstage so los ist. Nach der neuen Trennung der
Areas und der Abwahl des DLRG-Vereinsheimes, scheint es nach unserem
Dafürhalten in allen Bereichen des Backstage viel entspannter
zuzugehen.
Dirk Davids
(Keyboard). Jörg Meier (Vocal) und Markus Dassmann (Guitar)
von Irie Miah
Samora im
geschmackvollen Outfit und Natty King, freuen sich schon auf ihren
Auftritt.
Bis
dahin ist es allerdings noch etwas Zeit
und wir bewegen uns nun über den Atlantik zu Chi Ching Ching
nach Jamaica.
Jetzt ist erst einmal Schluss mit Roots Reggae, denn Chi Ching Ching
hat sich zum Ziel gesetzt, ein paar Moves des Dancehall an die Massive
zu vermitteln. Bei uns steifen Mitteleuropäern ist da
vermutlich
überwiegend "Hopfen und Malz verloren". Bei allen anderen und
besonders bei der Jugend, ist es aber bestimmt noch nicht zu
spät.
Radion
Tashaman Beckford alias Chi
Ching Ching, wurde am 19.09.1982 in St. Mary von Jamaica geboren.
Aufgewachsen ist er in New Kingston, wo er auch zur Schule ging.
Nach der Schule ergab er sich seiner Leidenschaft Musik im Radio zu
hören. Künstler wie Buju Banton, Bounty Killer und
Beenie Man, gehörten dabei zu seinen Vorlieben. Im Jahr 2003
zog die Familie schließlich nach Golden Spring in
den Saint Andrew Parish. Dort begann Chi Ching Ching verstärkt
an seiner Leidenschaft zu basteln und wurde bald ein viel beachteter
Street-Dancer. Chi Ching Ching entwickelte sich weiter zum gefragten
Dancehall-Entertainer und die Hauptattraktion der Street Dances. Ja und
der Rest ist Geschichte und heute sehen wir ihn zum ersten Mal auf dem
Reggae Jam.
Live Video:
Chi Ching Ching
Nunja ..., also ich schaue lieber zu. Da kann Chi Ching Ching so lange
wiederholen wie er will, dass das "easy" ist. Überlassen wir
das
lieber den Mädels und Leuten wie Chi Ching Ching.
Die
nächste Künstlerin auf der Green Stage ist Samora
Souprayen oder kurz Samora. Geboren 1991 in Paramaribo, Suriname, kam
sie über die Niederlande in die Schweiz. Auf ihrer Website
beschreibt sie sich als "...
eine frische, echte, rohe, energiegeladene und aufregende
Reggae-Pop-Sängerin, eine Afrobeat-Queen und eine echte
Dancehall-Diva." Das kann man unterschreiben. Leider sind
unsere Eindrücke im Fotograben recht kurz. Es heißt
nur drei Songs und dann müssen alle raus. Aber auch dazu kommt
es
nicht, denn schon im zweiten Song wird der Fotograben
geräumt.
Live Video:
Samora - 1/2 - My Way + Precious + Home Again + "Old School Medley“
So richtig verstehen wir die Aktion nicht. Offenbar haben sich wieder
viel zu viele Fans in den Graben geschmuggelt, die gar keinen Fotopass
haben. Immer wieder legen Fans mit ihrem Smartphone einen Dance im
Fotograben hin oder stehen mit dem Bier im Wege herum, und
die
akkreditierten Fotografen kommen nicht zum Zuge. Bevor mit Nachfragen
Zeit verloren geht, muss ich mir eben eine andere Position suchen,
um mehr recht als schlecht, noch ein paar Aufnahmen
hinzubekommen.
Live Video:
Samora - 2/2 - Me Na Fallin - "Dancehall Medley" - Rise -
Keep My Fire Lit - You Give Me Love (with Natty King).
Irgendwann habe ich mich durchs Publikum gemogelt und stehe wieder vor
der Bühne. Nur noch der Fotograben dazwischen, in den es
inzwischen auch
wieder einige Fotografen und andere geschafft haben.
Samora hat 2019 ihr Debutalbum "Moengo" veröffentlicht. Ihr
aktuelles Album ist das 2022er "Chameleon". Und nachdem dieses in
2022 auch für eine Grammy-Nominierung in Betracht gezogen
wurde,
krönte sie ihre Karriere mit dem Gewinn des Caribbean Music
Award als "Best New Artist Reggae" 2023 in New York. Ihr Song
"You Give Me Love" mit Natty King, erreichte Platz 13 der US iTunes
Charts. Natty King kommt als Überraschungsgast auf die
Bühne und beide präsentieren den entsprechenden Award
dem Publikum. Den Song gibt es natürlich auch noch als
krönenden Abschluss der Show.
Natty King und Samora haben wohl denselben Schneider. Sein Schal
trägt das gleiche Muster wie Samora's Kleidung. Auch die Band
hat sich Gedanken gemacht und ihre Anzugsordnung dem Style von Samora
angepasst. Alle Bandmitglieder tragen bunte Muster, die auf der
Kleidung nur halbseitig
ausgeprägt sind. Wirklich schön gemacht. So ein
schönes Bühnenoutfit, auch bei einer Band, sieht man leider nur
selten.
Die
nächste Band nimmt uns mit nach Italien. Dies in Person der
Zwillinge Jacob und Lorenzo, die sich schon im Jahr 2005 in Pordenone,
Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im nordöstlichsten
Italien, als Mellow Mood gegründet haben. Zuletzt und
gleichzeitig zum ersten Mal standen sie vor zwei Jahren beim
Reggae Jam auf der Bühne. Die Band hat seit ihrem 2008er
Debutalbum "Move", sieben weitere Alben veröffentlicht. Ihre
aktuelle Platte ist eine von Paolo Baldini in 2023 produzierte
Dubversion ihres 2022er Albums "Manana".
Von den ursprünglichen Bandmitgliedern ist nur noch Giulio
"Jules
I" Frausin in Amt und Würden und spielt nach wie
vor den
Bass. Jacob und Lorenzo sind leider bei ihrer Entscheidung
geblieben, nicht mehr Gitarre zu spielen. Sehr schade, dass sie das
klassische Bandformat aufgegeben haben und beide nur noch als
Sänger auf der Bühne agieren.
Live Video:
Mellow Mood
Nach
unserem Ausflug in den italienischen Reggae, kommen wir nun zu dem
Jamaikaner Natty King, der schon bei Samora eine kurze Einlage
abgeliefert hat. Unterstützt wird Natty King von der
österreichischen Reggae-Institution House of Riddim, die auch
sein
2022er Album "Rebellution" produziert haben. House of Riddim stand
schon mit einer nahezu endlosen Anzahl von Künstlern auf der
Bühne und im Studio. Vermutlich gibt es keine Band, die das
toppen kann. Natty King sang zwar erst
im vorigen Jahr auf dieser Bühne, aber bei ihm macht uns das
überhaupt nichts aus.
Natty King tritt wie im vorigen Jahr, ganz in weiß auf. Dazu
am Anfang ein graues Sakko mit golden glitzernden Revers. Als weiteren
Kontrast trägt er eine Stoffmütze in den Farben rot,
gelb und
grün und der Aufschrift Jamaica - One Love. Als besonderes
Schmuckstück fällt uns ein Ring auf, der den
Schriftzug "King" trägt.
Natty King scheint im ersten Teil der Show mit dem Publikum nicht ganz
zufrieden zu sein. Auf einen etwas spärlich ausfallenden
Applaus sagt er auf Deutsch "Dankeschön". Das Feedback dazu
ist nicht in seinem Sinne. Also wiederholt er dringlicher: "I said
"Dankeschön", you no heard that? You want that I say
"Scheiße?" Darauf folgen die Tröten aus der Massive.
"Okay.", sagt der King und weiter geht's mit "The Real Herbalist",
einer der schönsten Songs von Natty King. "Das war der erste
Song, den ich mit House of Riddim aufgenommen habe.", erzählt
Natty King während einer Unterbrechung des Songs. Zu
finden auf dem von House of Riddim produzierten Album "Born To Be Free"
aus dem Jahr 2010.
Besonders hervorheben möchten wir auch seine 2022er Single
"When Jah Come", die er zusammen mit Sam Gilly als Tribute an die
Upsetters (Lee "Scratch" Perry) veröffentlicht hat. Es folgt
sein Megahit "No Guns
To Town" von seinem gleichnamigen 2005er Album. Er steigt in den
Fotograben und sammelt alle Flaggen ein, die er bekommen kann. Die
Jamaica-Flagge die er noch haben möchte, muss erst von weiter
hinten herangebracht werden. Mit allen Flaggen in einer Hand, singt er
dann mit dem Publikum zusammen weiter. Das wäre ein gutes
Finale gewesen, aber es geht zum Glück noch etwas
weiter.
Seinen letzten Song "Trodding", vom gleichnamigen 2009er Album, singt
er "for my people in Africa". Währenddessen bedankt sich Natty
King
bei Sheriff der dieses Festival möglich macht und schon so
viele Jahre am Leben erhält. Dann verkündet Natty
King auch noch, dass Sheriff das Reggae Jam nach Jamaica
bringen will. Wenn das nur nicht zu viel wird?
Wenn es weiterhin auch hierbleibt, haben wir nichts dagegen. ;-)
Zum Abschied steigt Natty King noch einmal in den Fotograben und
schüttelt die Hände vieler Fans. Ein wunderbares
Roots Reggae Konzert und ein Highlight des Tages ist zu Ende gegangen.
Hier noch ein paar Ausschnitte in bewegten Bildern dazu.
Live Video:
Natty King & House of Riddim
So
sollte es eigentlich mit Luciano aus Jamaica weitergehen. Im Backstage
hatte sich
unter den Artists aber schon längst verbreitet, dass daraus
nichts wird.
Sheriff hat nun die bittere Aufgabe, dies offiziell zu
verkünden. Ganjaman und D-Flame sind zur
Unterstützung
bei ihm. Wie wir hören müssen, ist Luciano wohl in
Deutschland angekommen, wird aber von der Bundespolizei auf dem
Düsseldorfer Flughafen festgehalten. Er kommt aus dem
Transitbereich nicht heraus und wird nach London wieder
zurückgeschickt. Nur seine Band ist auf dem
Festivalgelände eingetroffen.
Dies alles nur wegen einem falsch eingetragenen Datum auf dem Visum.
Anstelle des heutigen Datums wurde der 30.07. eingetragen. Luciano ist
also ein paar Tage zu früh, zumindest nach dem Visum. Wie
Sheriff
erklärt, habe man alles Mögliche versucht, um bei
allen
greifbaren Behörden, selbst beim Ministerium und dem
Bundeskanzleramt, eine Ausnahmegenehmigung zu erbitten, aber es hat
leider nicht geklappt. Was die Festivalbesucher von der Bundespolizei
und den zuständigen Behörden halten, kann man
deutlich
vernehmen. Wie wir meinen, hat man hier gehörig auf Seiten der
Staatsmacht überzogen. Der Mann ist ein international
bekannter Künstler, hat
einen Ausweis, eine Arbeitserlaubnis, einen Künstlervertrag
und
sogar ein Visum und damit auch eine Einreisegenehmigung. Und in
Deutschland
bleiben will er garantiert nicht. Man weiß eigentlich gar
nicht,
wie man sich in der gegenwärtigen Zeit dazu
ausdrücken soll,
ohne gleich anzuecken oder falsch verstanden zu werden. Man
könnte aber ganz gut sagen, er wäre ohne Papiere
vielleicht
besser gekommen, wenn man vergleichsweise sieht, was an unseren Grenzen
seit vielen Jahren passiert oder passiert ist. ;-)
Leute, Leute, ... da habt ihr euch glatt den falschen Mann ausgesucht,
um euer Amt zu erfüllen! Aber genug gewettert, denn das
Festival
muss weitergehen.
Einen
Ersatz gibt es auf die Schnelle natürlich nicht, obwohl
D-Flame
einen Special Guest ankündigt den niemand sieht. Ein klein
wenig
herrscht Verwirrung und Spannung zugleich, aber nach dem Intro der Band,
hört man schon die für Busy Signal typischen
Wortfetzen im
Hintergrund. So kommt der letzte Künstler zu einem nahezu
pünktlichen Beginn seiner Show. Der Ausfall von Luciano hat
also
keinen Einfluss auf das Musikangebot. Entsprechend mehr haben die
anderen Künstler geboten. Anders kann es ja auch nicht sein,
da es
keine Pause zwischen den Shows gab und das Festival pünktlich
begonnen hat. Ein Ersatz ist also gar nicht nötig.
Busy
Signal stand zuletzt in 2019
auf der Bühne des Reggae Jam. Damals konnten wir uns nur kurz
mit ihm befassen, da uns andere wichtige Dinge davon abgehalten hatten,
seine Show komplett anzusehen. Seine damals noch in den
Startlöchern befindliche neue Scheibe "Puzzle Of The Time"
wurde inzwischen am 04.10.2019 veröffentlicht. Ein Nachfolger
gibt es bisher nicht. Über alle anderen Stationen seines
umfassenden musikalischen Schaffens, hatten wir bereits in
früheren Beiträgen berichtet. Also einfach noch
einmal zurückschauen.
Du hast das
Preisschild vergessen. ;-)
Heute ist es aber an der Zeit, die Show von Busy Signal wieder
einmal komplett anzusehen. Wie bekannt, bedient Busy Signal sowohl die
Fans von Dancehall, als auch jene des Reggae. Letztere sollten deshalb
nicht zu früh aufgeben, da Busy in der Regel mit einem
längeren Dancehallblock beginnt. Nach zirka 20 Minuten ist es
dann
so weit, als es (endlich) heißt "Reggae Music Again". Auch
wenn
"endlich" nur für die Reggae Fans gilt, hört man doch
recht
deutlich, dass die Mehrheit des Publikums zum zweiten Fanblock
gehört. Es folgt ein Knaller nach dem anderen. "Reggae Music
Again", "One More Night", "Sweet Love (Night Shift)", "Come Over
(Missing You), "Lady In Red" (Chris de Burgh) und andere. Einfach nur
wunderschön. Was Busy unter "Missing You" versteht bzw. am
meisten
vermisst, zeigt er relativ deutlich, in dem er immer wieder sein bestes
Stück massiert. Nach reichlich 30 Minuten ist dann aber erst
einmal Schluss damit, natürlich nicht mit dem besten
Stück, sondern mit "Reggae Music Again".
Live Video:
Busy Signal - 1/2
Busy ruft nun den Special Guest Bling Dawg auf die Bühne, den
D-Flame schon zu Beginn der Show angekündigt hatte. Nach einem
gemeinsamen Song mit Busy, geht es dann wieder mit Dancehall in die
nächste Runde und Busy "test the crowd", wie er sagt.
Nach dieser Testphase nimmt Busy am Bühnenrand Platz und die
ersten Töne von "Jamaica Love" erklingen. Gänsehaut
pur. Die Version von Busy zu Alphaville's 1984er "Forever Young" ist
ein Genuss. Das war es aber auch schon bei Alphaville, muss man
gerechter Weise sagen. Busy fordert die Menge auf, alle
Handylichter hochzuhalten und ein Lichtermeer ist die Folge.
Vermutlich wäre das bei diesem Song auch ohne Aufforderung passiert.
Live Video:
Busy Signal - 2/2 - Jamaica Love
Das war bestimmt als Abschlusssong gedacht, aber Busy ist gerade so
richtig in Form und fragt: "Can I do one song more?" Na klar
er darf, und es folgt sein diesjähriger "Happy Birthday" Song
für alle Geburtstagskinder weltweit, was natürlich
auch für das Reggae Jam gilt.
Das ist dann aber wirklich das Finale. Was für eine Show!
Zirka anderthalb Stunden Musik von Busy Signal haben für einen
würdigen Abschluss dieses Festivaltages gesorgt. Jetzt folgt
nur noch die Abschiedsrede des Moderatorenteams und dann muss jederman
für sich die Entscheidung treffen, ob er im Dancehall Tent, im
Roots Camp oder bei der Riverside Disco weiterfeiern oder
sich lieber bis zum nächsten Bühnenprogramm
etwas erholen möchte. Wir drehen allerdings nur noch eine
kurze Runde durch den Backstage und
verabschieden uns für heute Nacht vom Festivalgelände.
Ganz schnell ein Foto von "The King and the Queen", wie Natty King
so schön sagt, muss natürlich noch sein, und dann
verstauen
wir endgültig unsere Kamera und treten den
Heimweg an.
Queen Ifrica steht für Samstag auf der
Running Order, ist aber schon eine Weile da, wie jederman bei
der Show von Busy Signal bemerkt haben dürfte.
Wir sehen uns dann hoffentlich im Teil 3 des Festivalberichts
an dieser Stelle
wieder.
Copyright:
www.reggaestory.de
Text und Videos: Peter Joachim
Fotos: Marion und Peter Joachim
>>
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3 - Sonnabend - 27.07.2024 >>
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4 - Sonntag - 28.07.2024