ZIGGY MARLEY
& POSITIVE VIBRATIONS
REBELLION RISES TOUR 2018
04.07.2018 - ASTRA KULTURHAUS - BERLIN
Reggae Ikone David "Ziggy" Marley, der
älteste
Sohn von Reggae Gott Bob Marley und Rita Marley,
kam nach vielen Jahren im Rahmen seiner "Rebellion Rises Tour 2018"
wieder einmal nach Berlin. Der mehrfache Grammy-Gewinner hat erst am
18.05.2018 sein aktuelles Album "Rebellion Rises"
veröffentlicht, welches der Tour den Namen gegeben hat und
somit auch Schwerpunkt der diesjährigen Shows sein wird.
Neben Berlin wird er in Deutschland noch am 07.07. beim
Summerjam in Köln, am 16.07. beim Zeltival Sommerfestival in
Karlsruhe und am 20.07. beim Afrika & Karibik Festival in
Wassertrüdingen auftreten. Weiterhin gut für hiesige
Fans wären Termine in Österreich, Luxembourg,
in Tschechien, der Schweiz, Dänemark und andere erreichbar.
Erst am
31. Juli wird Ziggy Marley Europa verlassen und zwei Shows in Israel
präsentieren. Danach wird er seine Tour in seiner aktuellen
Heimat USA, an über 20 verschiedenen Orten
fortsetzen. Aktuell können alle seine künftigen
Shows auf seiner Website
eingesehen werden.
Wir haben das Astra Kulturhaus von Berlin ins Auge gefasst und wollen
unsere letzten Erinnerungen wieder einmal etwas auffrischen. Immerhin
ist es schon 7 Jahre her, als wir ihn zuletzt beim 2011er Summerjam in
Köln erleben durften.
Eigentlich rechnen wir mit großem Andrang wie zuletzt bei
seinem Halbbruder Damian Marley in derselben Location. Obwohl wir erst
15
Minuten nach Einlassbeginn eintreffen, ist keine Schlange vor dem Haus
in Position und vor der Bühne gibt es sogar noch
Plätze in der
ersten Reihe. Im Vorraum zur Dancehall ist der Merchandise von Ziggy
Marley aufgebaut und wartet auf Kundschaft. Stolze Preise! Unter 30,00
EUR ist kein T-Shirt zu haben. Das hält unsere Ambitionen
natürlich in Grenzen.
Ziggy Marley´s Sicherheitsdienst hat die Regeln für
heute verkündet. Fotografieren und Videos sind erlaubt, nur
nicht beständig und nicht allzu professionell. Auf Blitzlicht
soll verzichtet werden. Das klingt ja
ganz vielversprechend. Das sind wir gar nicht von Ziggy Marley
gewohnt. 2011
beim Summerjam musste noch jeder einen Vertrag unterschreiben, der die
Absicht hatte irgendein Foto zu schießen. Für das
Publikum galt das natürlich nicht, aber für alle
Leute im Fotograben.
Mal sehen was heute wird. So richtig trauen wir dem Braten noch nicht,
denn "nicht beständig" und "nicht allzu professionell" sind
sehr dehnbare Vorgaben.
21:00 Uhr soll die Show beginnen, aber da ist der Saal noch nicht so
aufgefüllt wie man es erwartet hätte. Also geht das
Warm-up vom Soundsystem noch ein wenig weiter. Hin und wieder braust im
Publikum ein Begeisterungssturm los, als hätte Ziggy gerade um
die Ecke geschaut. Das ist natürlich nicht der Fall, ... die
Massive wird nur eben etwas ungeduldig.
Gegen 22:00 Uhr wird schließlich das Soundsystem beiseite
geräumt und die ersten Musiker kommen auf die
Bühne und bereiten sich auf die Show vor. 10 Minuten
später ist es dann so weit und die ersten Takte von "I Will Be
Glad" vom neuen Album "Rebellion Rises" durchdringen uns mit
voller Soundgewalt. Vor der Bühne schnellt ein Wald von
Kameras und Handys in die Höhe, um die ersten
Eindrücke der Show festhalten zu können.
Wir halten uns lieber erst einmal zurück und beobachten die
Situation. Der Mann vom Sicherheitsdienst, bepackt mit Zubehör
wie ein Mann vom Sondereinsatzkommando, beobachtet den Saal genau und
gibt hinter vorgehaltener Hand Anweisungen in ein
Kommunikationsgerät. Bis jetzt scheint alles toleriert zu
werden und so riskieren auch wir hin und wieder ein paar Fotos.
Die Bühne ist vollgepackt mit Technik und mit einigen bunten
Teppichen abgedeckt. Darauf sind neben Ziggy Marley und den zwei
barfüßigen Backgroundsängerinnen, zwei
Gitarristen, ein Bassist, zwei Keyboarder, ein Drummer, ein
Percussionist und ein Engineer mit allerhand Computertechnik im Einsatz.
Nach dem Eröffnungssong folgen mit "See Dem Fake Leaders" und
"World Revolution" zwei weitere Songs des neuen Albums. Eindeutiger
Sieger dieser Runde ist "See Dem Fake Leaders".
Weiter geht´s mit "Love Is My Religion" von seinem
gleichnamigen 2006er Album, gefolgt von "One Love", der erste Song
seines Vaters Bob Marley. Der wird natürlich mit aufbrausendem
Jubel von
der Massive begrüßt. Also da kann jeder sagen was er
will, ... jetzt
ist der Sound um Längen besser. Die Band beherrscht
die Sache perfekt. Aber warum kann man diesen Sound nicht auch in
Ziggy´s eigene Songs transportieren? Das ist leider nicht so
oft der Fall. Vermutlich möchte das Ziggy gar nicht, denn die
Band schafft es ja.
Dann gibt es mit "Circle Of Peace" wieder ein Track vom neuen Album,
gefolgt von dem wunderschönen "True To Myself" vom 2003er
Album "Dragon Fly". Der "Special Agent" schaut derweil noch sehr
freundlich, obwohl man sich ständig von ihm überwacht
fühlt. Aber dann lässt er den ersten Kameras Einhalt
gebieten. Aber das war eigentlich klar, denn wer mit einem
über 30 cm langen Objektiv aufschlägt, fällt
natürlich eindeutig in die Kategorie "zu professionell". Davon
sind wir allerdings weit entfernt und haben offensichtlich noch
Glück.
Insgesamt präsentiert Ziggy 6 Songs vom neuen Album "Rebellion
Rises". Neben "See Dem Fake Leaders" prägt sich
dabei noch "Circle Of Peace" und "High On Life" besonders ein.
Weiterhin "Your Pain Is Mine", ist aber heute leider nicht mit
dabei.
Dann ist schließlich auch für uns die Knipserei
vorbei. Selbst unsere kleine Kompaktkamera wird jetzt als Profitechnik
eingeschätzt. Also packen wir die Apparate weg und
konzentrieren uns ausschließlich auf den Musikgenuss.
Dieser wird dann mit Bob Marley´s "Coming In From The Cold"
voll befriedigt. Schon die ersten Töne schlagen im Saal ein
wie eine
Bombe. Es ist einfach nur unglaublich und immer wieder
beeindruckend, was diese alten Hits heute immer noch auslösen.
Präsentiert von Ziggy Marley ist das natürlich noch
ein besonderes Erlebnis, auch wenn er den Titel nicht mehr
originalgetreu spielt und eine eigene Version daraus gebastelt hat.
Zwei Songs später ist dann erst einmal der Abgang von der
Bühne angesagt. Wir rechnen natürlich ganz stark mit
einer Zugabe, denn es ist ja kaum eine Stunde vorüber.
Nehmen wir davon wenigstens noch ein Video von der letzten Reihe aus
auf, um ein Stück Atmosphäre der Show einzufangen.
Live
Video:
Ziggy Marley & Positive Vibrations - Justice
Nun geht es mit "Justice" von Ziggy Marley´s 1989er "One
Bright Day" Album in die nächste Runde. Wieder ein Titel der nach
unseren
Geschmack zu den besten der Show gehört. Der komplette Song wird uns aber nicht gegönnt.
Freundlich aber bestimmt trifft ein Gesandter des Special Agents ein
und deckt mir mit einem Lächeln die Linse ab. Den ganzen Abend
hatte ich erst gar kein Video versucht, obwohl überall im Saal
gefilmt wird. Selbst eine kleine Handkamera aus der letzten Reihe wird
also nicht geduldet und als Profigerät eingestuft. Da kann man
nix machen. Werde mir wohl auch ein iPhone mit der allerbesten Video-
und Fotofunktion zulegen müssen. ;-)
Eigentlich konnte ich hier hinten gar nicht auffallen, aber als ich
mich umdrehe, sehe ich eine Kamera am Saalende, die offensichtlich
für
unseren Special Agent auf der Bühne, auch noch die toten
Winkel
überwacht hat.
Nach einem weiteren Bühnenabgang und einer allerletzten Zugabe
ist die Show dann schließlich vorüber und der Geist
von Bob Marley davon geweht. Aber eigentlich kann man ja von Zugabe
nicht so recht sprechen, denn bis jetzt sind noch nicht einmal ganz die
90
Minuten Konzertlänge erreicht.
Recht schnell hat sich der Saal geleert, der heute nicht ganz
ausgelastet war. Für das Konzert war das natürlich
super, da absolut kein Gedränge herrschte.
Ein paar hartgesottene Fans stehen noch mit Platten und Fotos vor dem
Eingang zum Backstage und hoffen auf ein Autogramm.
Die Hoffnungen der Anwesenden schwinden aber recht schnell.
"Es wird keine Interviews, keine Autogramme und kein Garnix geben.", so
die Aussage der Security. Hier stehen maximal 10 Leute, das
wäre eigentlich ziemlich schnell erledigt.
Enttäuschung macht sich breit. Andere schimpfen: "Singt von
Liebe ist meine Religion und dann so´n Scheiß hier!
Seine Fans sind ihm völlig egal." Ja Ziggy, so kann man sich
selbst oder seine Fangemeinde ganz gut demontieren. Beim
nächsten Mal werden es wohl 10 Fans weniger sein.
Ein abseits stehender bekannter Reggae-Artist meint dazu:
"Ärgere dich nicht. Das ist eben Ziggy Marley. Nicht einmal
ich durfte beim 2011er Summerjam zu ihm, obwohl ich einen Backstagepass
hatte und schon vor seiner Tür stand."
Also macht euch frei von euren Illusionen. Einige Künstler
leben was sie singen - andere eben leider nicht. Ziggy Marley
gehört wohl auch zu der letzteren Gruppe. Aber es ist ja noch
nicht aller
Tage Abend. ;-)
Copyright:
www.reggaestory.de
Text + Videokamera: Peter Joachim
Fotos: Marion + Peter Joachim