Ein Reisebericht - Teil 10
24.09.2015 – Awash - Kulubi - Harar (13.01.2008 nach dem äthiopischen Kalender)
Heute
wollen wir das Genet Hotel von Awash
verlassen und zu der zum UNESCO-Welterbe erklärten Stadt Harar
reisen. Zuvor hat aber Henok noch eine Rechnung mit den Oryxantilopen
des Awash Nationalparks offen. Das sich ausgerechnet des Wappentier des
Parks vor uns versteckt hat, kann er keineswegs auf sich sitzen
lassen. Also geht´s früh noch einmal auf die "Jagd".
Die Ankündigung
deswegen zeitiger am Morgen abzufahren, möchte er dann aber
doch nicht umsetzen. Schade. Also sind wir letztendlich auch nicht
früher als im Durchschnitt der anderen Tage auf der Piste. Es
geht also erst gegen 7:30 Uhr auf der
Straße mit der Nummer
1. in Richtung Matahara wieder zurück, denn die Oryx des
Parks warten leider auf der anderen Seite von Awash, als unser
Tagesziel Harar. Wenn sie es denn tun. Mal sehen, ob die Oryx mit sich
reden lassen haben und Henoks Plan in Erfüllung geht.
Und tatsächlich haben wir Glück und können
drei Oryx entdecken, die offenbar den Anschluss an die
streikende Truppe verpasst haben.
Die im Awash Nationalpark lebenden Oryxantilopen werden als die
Unterart Beisa-Oryx geführt. Sie ist auch als Ostafrikanischer
Spießbock bekannt und lebt im nordöstlichen Afrika,
hauptsächlich in Äthiopien und Kenia aber auch im
Südsudan, Tansania und im südwestlichen Somalia.
Nachdem dieser Programmpunkt nun auch erfüllt ist, kehren wir
um und begeben uns auf unsere eigentliche Route nach Harar. Noch einmal
durch Awash und an unserem Genet Hotel vorbei und dann gibt es wieder
Neuland für unsere Augen.
Wir durchfahren eine recht karge Landschaft mit niedrigem Buschwerk,
vereinzelten Schirmakazien,
Feigenkakteen und immer wieder Ansammlungen von Hütten der
Holzkohlehersteller.
Bild
1.116 - 1.121:
Holzkohleherstellung und Verkauf an der Straße von Awash nach
Harar
Man kann sich kaum vorstellen, wie hier überhaupt noch
irgendein Gehölz existieren kann, bei den vielen Kohlemeilern
und dem ständigen Bedarf nach Holzkohle.
Bild
1.122 - 1.124:
Holkohle zum Verkauf am Straßenrand und Hütten der
Kohlemacher
Die Einheimischen in traditionellen Gewändern
und bunten Schmuck, die wir immer wieder am Straßenrand
begegnen, geben schöne Fotomotive ab. Allerdings ist es oft
recht schwierig und kostet viel Zeit die Leute von unserem Ansinnen zu
überzeugen. Und wenn es denn so weit ist, muss man sich
beeilen, denn es gibt immer jemand in der Ferne, den das gar nicht in
den Kram passt.
Bild
1.125 + 1.126:
Begegnung am Straßenrand
Dies ganz besonders bei den Kohlehändlern, die ihre
Säcke an der Straße aufgestellt haben. Selbst wenn
man die Säcke ohne Leute fotografiert, beginnt das ganz
große Spektakel und von allen Seiten strömen die
Protestierer heran. Das kann bis zu Stock- und Steinwürfen
führen. Also besser nicht aussteigen, ... oder doch, aber dann
viel Zeit und Geld mitnehmen. Es sollen laut Henok Vertreter der Afar
sein, die leider für ihre besondere "Freundlichkeit" bekannt
sein sollen. Aber Tagan und Henok können ganz gut die
Atmosphäre und die Risiken einschätzen, wo man besser
vorbei fährt.
Bild
1.127 - 1.130:
Dorf in der Nähe der Kohlehändler
Die Hütten mit den Zipfelmützen sehen
natürlich ein ganzes Stück besser aus, als die der
Kohlehändler. Wenn unsere heutige Fahrstrecke nicht
ungefähr 300 Kilometer lang wäre, könnte man
durchaus das eine oder andere interessante Dorf besuchen. Wie wir das
auch schon von anderen Strecken her kennen, wo eigentlich nichts weiter
geplant ist, kann man immer wieder sagen: "Die Reise ist das Ziel."
Bild
1.131 + 1.132:
Nur eine Minute weiter
Ein Wasserloch am Straßenrand lässt hier irgendwann
alle Weidetiere der Gegend ihre Wege kreuzen, denn allzu viele gibt es
davon nicht.
Bild
1.133 - 1.135:
Ortschaft zwischen Awash und Asebe Teferi
Es ist immer wieder beeindruckend wie groß die
Gegensätze zwischen Stadt und Land sind, oder die
unterschiedlichsten Lebensweisen auf engsten Raum nebeneinander
vorzufinden sind. Die Eindrücke können von einem
Kilometer auf den anderen in das ganze Gegenteil umschlagen.
Bild
1.136 - 1.138:
Asebe Teferi - Kebsh International Lodge
Nach über zweieinhalb Stunden Fahrt, treffen wir
schließlich in Asbe Teferi ein und machen eine kleine
Erfrischungspause. Da die Location im Stadtplan von Google aktuell noch
fälschlicher Weise als Kebeshe
Lodge vermerkt ist, hier auch noch der offizielle Kontakt,
wie ihn uns der Eigentümer Habtamu nennt:
Ethiopia OROMIA western harerege, Chiro or Asebe
Teferi, Ethiopia
Telefon: 0911238024 / 0915321450; E-Mail: habtamu_e@yahoo.ca
Asebe Teferi oder auch Ciroo Golaa oder einfach Chiro wurde um 1924 von
Tekle
Hawariat Tekle Mariyam
auf dem Gelände eines Dorfes namens Chiro gegründet.
Es war
die Hauptstadt der ehemaligen "Musterprovinz" Chercher, die im Rahmen
der Modernisierungskampagne von Ras Tafari Makonnen, dem späteren Kaiser Haile Selassie, in den 1930er
Jahren gegründet wurde. Das ist vielleicht ganz interessant zu
wissen, wenn man hier eine Pause einlegt.
Aber nun kann sich Tagan mit frischer Energie versorgt wieder
hinter´s Steuer schwingen.
Bild
1.139 - 1.143:
Landschaften nach Asebe Teferi in Richtung Kulubi
Die Natur ist wieder deutlich grüner geworden und die
Landwirtschaft ist stark ausgeprägt. Kein Vergleich mehr zu
der
kargen Vegetation bei Awash. Allerdings liegen wir hier auch deutlich
höher. Lag Awash noch bei 936 m, liegt Asebe Teferi
schon bei
1.826 m über dem Meeresspiegel. Es geht natürlich
immer
wieder durch unterschiedliche Höhenlagen. Nichts ist von langer
Dauer. Von
daher ist ein Höhenmesser recht interessant.
Neben dem in Äthiopien besonders beliebten Teff, trifft man
auch auf die weit verbreitete Sorghumhirse. Auch dafür sollte
man sich einmal Zeit nehmen, die Pflanzen aus der Nähe zu
betrachten. Wer oberflächlich in die Landschaft schaut, glaubt
vielleicht an Maisfelder. Vielfach steht dieser zwar gemischt mit
Sorghum auf einer Fläche, aber man kann doch sehr deutlich den
Unterschied erkennen. Schwieriger wird es schon wenn man die zirka 30
bekanntesten Sorghumarten auseinander halten will. Man findet zwar
nicht
alle in Äthiopien, dennoch ist uns das dann doch zu viel der
Mühe. Das überlassen wir ganz einfach euch und warten
auf die richtigen Hinweise. ;-)
Inzwischen sind schon wieder über zweieinhalb Stunden seit
unserer Kaffeepause in Asebe Teferi vergangen und wir erreichen das
Gebiet um Chelenqo, Chalenko oder Chelenko.
Hier tobte am 6. Januar 1887 zwischen der Armee von Shewa unter Negus
Menelik II und dem Emir 'Abd Allah II ibn' Ali 'Abd ash-Shakur von
Harar, die Schlacht um Harar (Battle
of Chelenqo). Ein zuvor von Menelik unterbreitetes
Autonomieangebot, wie es bis dahin Abba Jifar II. vom
Königreich Jimma genoss, lehnte der Emir von Harar ab. Im
Ergebnis wurde der Emir von Menelik besiegt und die Stadt von Meneliks
Truppen besetzt.
In der Nähe von Chelenqo steht nun ein Denkmal zu diesem
historischen Hintergrund, dessen Bau vor zirka 7 Jahren erfolgte.
Allerdings wurde es wohl als Denkmal der
Märtyrer im Sinne der Oromo errichtet, die im Kampf gegen
Menelik ihr Leben gelassen haben. Andere wiederum meinen, es habe keine
separate Schlacht gegen die Oromo gegeben, diese habe sich allein gegen
den Emir von Harar gerichtet. Die Beteiligung der damals hier
ansässigen Oromoführer auf Seiten des Emirs, die ihr
Gebiet um
Chelenqo bedroht sahen, wäre wohl gar nicht nötig
gewesen. Diese Positionen geben bis heute immer wieder Anlass zu
Spannungen, was auch zur Folge hat, dass der Besuch des Denkmals ein
sensibles Thema und für uns gerade nicht möglich ist.
Das
hätte man vorher planen und bei der Lokalverwaltung anmelden
müssen. So viel erfahren wir schon einmal von den
Einheimischen, die das Eingangstor bewachen. Von Henok gibt´s
kein Kommentar. Dieser darf allein nach dem Vorweisen einiger Papiere
das Tor passieren, um sich näher am Denkmal umsehen zu
können.
Bild
1.148 - 1.150:Google
Map - Chelenqo
Monument und Eingangstor. Einfach Link oder Karte anklicken und ihr
könnt die Lage per Satellit oder Karte sondieren.
Vom Tor bis zum Denkmal sind es ungefähr 300 m. Fast
könnten wir das Schild des Reiterdenkmals entziffern, aber da
ist dann doch unser Zoom ein wenig zu schwach.
Bild
1.151:
Chelenqo Monument - Reiterstandbild von Seenaa Bakar Waaree oder Bakar
Ware - Örtlicher Oromo Führer in der Chelenqo Schlacht
Den Namen des Reiters finden wir erst später heraus. Henok ist
uns dabei leider keine Hilfe. Er wirkt schwer betroffen als er
wieder bei uns ist und steigt wortlos ins Auto ein. Er möchte
zu dem Thema offenbar nicht reden. Ohne unser Gespräch mit den
Einheimischen und dem Schild am Eingangstor, würden wir nichts
wissen. Was es mit diesen riesigen Insekten auf sich hat und wie sich
allgemein der Entwurf des Architekten erklären lässt,
hätte uns schon noch interessiert.
Von hier fahren wir noch zirka 20 Minuten bevor wir Kulubi erreichen.
Dort werden wir die St. Gabriel Church besuchen. Sie liegt etwas
verdeckt auf einem Hügel, südlich der Ortsdurchfahrt
(A 10) und ist von dieser nicht zu sehen.
Bild
1.152:
Straßenszene in Kulubi
Also müssen wir rechtzeitig nach rechts abbiegen und erreichen
nach zirka 2.000 Metern Fahrt den kleinen Hügel mit der
Kirche. Der gesamte Hügel ist mit einer Mauer umgeben und
besitzt zwei Aufgänge zu der Kirche. Wir parken auf dem
östlich gelegenen großen Vorplatz mit dem Schild der
10 Gebote und nehmen den kürzeren Aufweg.
Bild
1.153:
Auszug Google
Map - Anklicken und Lage näher erkunden Bild
1.154:
Kreuz mit den 1o Geboten auf dem östlichen Vorplatz Bild
1.155 - 1.158:
Östlicher Eingang mit Aufweg zur St. Gabriel Church
Kulubi ist eine Kleinstadt mit zirka 5.000 Einwohnern, liegt in etwa
2.130 Meter über dem Meeresspiegel und ist besonders
für diese Kirche bekannt. Hierher werden am 26. Juli und 28.
Dezember zwei große Wallfahrten im Jahr unternommen, um den
Heiligen Gabriel in einem farbenfrohen Fest zu feiern,
Gelübde abgegeben oder erfüllt,
Gefälligkeiten erbeten oder für erfüllte
gedankt und mehr. Dabei füllen mehrere Zehntausend orthodoxe
Pilger die Kirche und das umliegende Gelände. In einigen
Quellen wird von über 100.000 Besuchern gesprochen, die aus
allen Landesteilen Äthiopiens anreisen. Einige Pilger tragen
dabei auf den letzten Kilometern schwere Steine auf dem
Rücken. Das Bewegen von schweren Steinen spielt vielerorts in
Äthiopien eine Rolle bei der Buße. Babys, die Dank
früherer Gebete an Gabriel, zur Welt gekommen sind, werden zur
Kirche getragen, getauft und nicht selten nach Gabriel benannt. Man
spricht von zirka 1.000 Babys je Festival. Während wir durchs
Tor treten und den Weg nach oben gehen,
stellen wir uns das bildlich vor und wären gerne einmal dabei.
Es wäre sicher ein unvergessliches Erlebnis.
Bild
1.159 - 1.165:
St. Gabriel Church Kulubi Bild 1.163:
Kuppelkreuz Bild
1.164: Und
wer mit der Heiligen Dreifaltigkeit was zu klären hat, spendet
besser gleich in alle drei Schlitze der großen Spendenbox. ;-)
Dahinter ist die Gedenktafel angebracht, auf der an die Errichtung der
Kirche durch Haile Selassie erinnert wird.
Die Wurzeln der Kirche gehen auf das letzte Jahrzehnt des 19.
Jahrhunderts zurück. Ras Makonnen, Vater von Haile Selassie,
erwarb sich in der siegreichen Schlacht von Adwa (Adua) am
01.03.1896, unter Kaiser Menelik II, gegen die Italiener besondere
Verdienste. Der Heilige Gabriel galt als Beschützer von Ras
Makonnen und bei diesem wollte sich Ras Makonnen mit dem ersten
Kirchenbau in Kulubi bedanken. Ras Makonnen starb
leider schon am
21.03.1906 in Kulubi, während einer Reise nach Addis Ababa, an
Typhus und wurde in Harar bestattet. Der heutige Kirchenbau geht auf
Haile Selassie zurück und wurde 1962 errichtet.
Bild
1.166 - 1.168:
St. Gabriel Church - Westfassade - Natürlich mit St. Gabriel
und der Mutter Gottes. Der Heilige Gabriel wird in Äthiopien
in der Regel mit dem Feuer zu Füßen und den drei
Kindern darin dargestellt.
Der unmittelbare Kirchenplatz ist wiederum mit einer Mauer eingefasst,
die in großen Teilen mit einem Vordach ausgestattet ist,
unter dem Sitzbänke aufgestellt sind. Andere Teile sind
durch Zweckbauten oder Grabstätten aufgelockert. Die
Wände sind mit zahlreichen Bibelzitaten bunt beschriftet,
wobei auf einer Kirchenseite das Alte und auf der anderen das Neue
Testament bedient wird. Auf der großen Wiese vor der Kirche
ist das Bildnis des 2012 verstorbenen Oberhauptes der Ethiopian
Orthodox Church, Abune
Paulos (Gebre Igziabiher Wolde Yohannes) aufgestellt.
Bild
1.169 - 1.172:
St. Gabriel Church - Bibelzitate an der Nordmauer
Wer sich in die Beschreibung noch einbringen möchte, ist
herzlich willkommen entsprechende Übersetzungen oder Hinweise
zu liefern. ;-)
Bild
1.173: St.
Gabriel Church - Abune
Paulos Bild
1.174 - 1.177:
Bibelzitate an der Südmauer
Aber genug in den heiligen Schriften geblättert. Auch wenn die
meisten unter uns nichts davon lesen können, ist die
äthiopische Schrift immer wieder schön
anzusehen.
Vollenden wir nun unsere Runde in Richtung Aus- oder Eingang der
Ostseite, wo noch ein paar andere Zweckbauten in die quadratische
Umfassungsmauer integriert sind.
Bild
1.178 - 1.181:
St. Gabriel Church - Südöstlicher Bereich
des Kirchenhofs Bild
1.181: Die
gehören hier natürlich nicht hin. ;-)
Bild
1.182:
Osttor des inneren Kirchenhofs - Gegenrichtung von Bild 1.158
Bild
1.183:
Sitzecke links des Osttores von Bild 1.182
Bild
1.184: Noch
einmal ein Blick zurück, und dann geht´s wieder nach
unten.
Bild
1.185:
Wieder ganz unten, wo wir begonnen haben
Das waren doch gut investierte 30 Minuten und ein sehr interessanter
Rundgang. Dabei haben wir noch nicht einmal das Kircheninnere
angesehen. Sicherlich hätten wir auch dafür den
Schlüssel bekommen, denn der Chef des Hauses war recht gut
gelaunt und hat uns sogar gebeten seine Stühle auszutesten.
Ich hoffe unsere Anregung veranlasst den einen oder anderen Reisenden
auf
dem Weg nach Harar hier eine kurze Pause einzulegen oder gar eines der
beiden Kirchenfeste zu besuchen. Und wem die Fülle der Fotos
noch nicht genug sind, kann sich auch gerne noch das nachfolgende Video
ansehen.
Video:
St. Gabriel Church - Kulubi
Weiter geht es in Richtung Harar. Nach zirka 45 Minuten Fahrzeit
macht unsere A 10 einen Knick nach Süden. An dieser Stelle
liegt
auch die Abzweigung nach Dire Dawa. Gern hätten wir dorthin
einen
Abstecher gemacht, denn da gibt es auch einen großen Palast von
Kaiser Haile Selassie. Der Palast ist aber leider noch nicht
für
die Öffentlichkeit zugänglich und man muss sich sehr
gut
auskennen, um einen Platz mit guter Sicht auf das Bauwerk zu
finden.
Wenn man vom Wachpersonal entdeckt wird, gibt es
erfahrungsgemäß Probleme. Deshalb findet man zu dem Objekt
kaum Informationen und schon gar keine
Bilder. Was soll nur diese Geheimniskrämerei? Hoffen wir auf
Besserung in der Zukunft, falls es und noch einmal in diesen Teil
Äthiopiens verschlägt.
Bild
1.186:
Dengego Moschee
Am Abzweig befindet sich ein kleines Örtchen mit dem Namen
Dengego. Außer einer kleinen Moschee gibt´s aber
hier nichts Aufregendes zu sehen. Selbst wenn wir genug Zeit
hätten, würde es wohl heute wenig Sinn machen von
hier einen Abstecher nach Dire Dawa zu unternehmen. Also geht es weiter
in Richtung in Harar.
Unsere nächste kurze Pause machen wir aber dafür nur
ein paar Minuten südlich von Dengego am Lake Adeyle oder
Adeyle Hayk. Nur um einmal kurz die Natur zu genießen und
nach ein paar Wasservögeln Ausschau zu halten.
Bild
1.187:
Adeyle Hayk (Google
Map) - Karte
oder Link für weitere Erkundungen anklicken
Auf der Karte ist der See nicht leicht zu finden und wird erst bei
größeren Maßstäben sichtbar.
Bild
1.188 - 1.193:
Adeyle Hayk oder Lake Adeyle Bild
1.191:
Pelikane und Blesshühner Bild
1.192:Stelzenläufer / Black-winged
Stilt Bild
1.193:
Flamingos
Jetzt trennen uns nur noch zirka 40 Minuten Fahrzeit von der
sagenumwobenen und heiligen Stadt Harar, die eine eigene
Verwaltungsregion von Äthiopien bildet. Die Gründung
der Stadt geht bis in das 8. Jahrhundert zurück und war eine
der ersten muslimischen Siedlungen außerhalb von Arabien und
Wirkungsstätte vieler muslimischer Heiliger. Sie gilt deshalb
auch als viertheiligste Stadt des Islam. Die mit einer noch
vollständigen Mauer umgebene Altstadt wurde 2006 zum
UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Die höchst interessante Stadt
liegt leider etwas abseits von den üblichen Touristenrouten.
"Leider" für das Geschäft und die Einnahmen der
Stadt, aber zum Glück für diejenigen die dennoch
hierher kommen und so von den Touristenschwärmen etwas
verschont bleiben.
Bild
1.194:
Willkommen in Harar - Noch außerhalb der Altstadt
Zunächst kehren wir in das Harar Ras Hotel ein, welches auch
über einen öffentlichen Gaststättenbereich
verfügt. Endlich Zeit für unsere Begleiter
nach der langen Strecke etwas Ordentliches zu essen. Das
schlägt besonders bei unserem Freund Henok mächtig
auf´s Gemüt, wenn es mal kein Lunch zur rechten Zeit
gibt, ... und dann auch noch die Sache mit dem Denkmal. Das wird
jetzt hoffentlich wieder besser. ;-)
Bild
1.195 - 1.197:
Harar Ras Hotel Bild 1.197:
Henok, Hailu und Tagan
Hier treffen wir auch unseren zusätzlichen örtlichen
Führer Hailu, der zum Glück noch unverbraucht und
guter Dinge ist. ;-)
Nach dem Essen geht es zunächst in unser Quartier in der
Altstadt. Mit dem Auto können wir nicht vorfahren. Unser
Gepäck wird von Trägern durch bevölkerte und
urtümliche Gassen bis zu unserem Rawda Waber Harari Cultural
Guest House getragen. Wir sind überwältigt von dieser
historischen Unterkunft. Dieser Baustil nebst Innenraumgestaltung ist
typisch für die Altstadt von Harar, die heute auch als
Harar Jugol bezeichnet wird. Wir haben die Wahl hier zu bleiben oder
uns ein weiteres Haus anzusehen. Natürlich bleiben wir hier,
aber ansehen könnten wir uns schon noch das eine oder andere
Haus, wenn überhaupt neben der unzähligen anderen
Sehenswürdigkeiten der Stadt dafür Zeit bleibt.
Bild
1.198:
Auszug Google
Map - Lage des Rawda Waber Culturla Guest House. Karte oder
Link für weitere Erkundungen anklicken.
Video:
Rawda Waber Harari Cultural Guest House - Harar
Vorgestellt von Hailu
Gashaw - Telefon: +251913072931 - E-Mail:
hailu_harar@yahoo.com
Bei gewünschten Führungen
durch die Stadt und Ausflügen in der Umgebung, könnt
ihr ihn gerne kontaktieren. Er freut
sich darauf.
Bild
1.199:
Visitenkarte der Unterkunft - Im Teil 11 dann noch mehr Details
Aber nun müssen wir noch schnell das restliche Tageslicht
nutzen und einen Spaziergang durch die Altstadt in nächster
Nähe unternehmen. Zunächst gehen wir die Ugga Street
in Richtung Stadtmauer und durchqueren das Shoa Tor, auch Asmaddin Bari
(Bari = Tor) genannt. Weiterhin auch als Asmae Diin Bari oder Asmaddin
Beri in der Literatur zu finden. Am Tor selbst ist aktuell eine Tafel
mit dem Schriftzug Asmae Diin Bari zu sehen, was dann wohl die korrekte Bezeichnung ist. Daneben sind noch 5
weitere Tore in der Mauer zu entdecken, wenn man diese umrunden
würde. Wobei das Harar oder Duke Gate nicht zu den
historischen Toren zählt. Letztendlich verbleiben nur noch 5,
die die 5 Säulen des Islam und die 5 Tagesgebete symbolisieren
sollen. Früher besaß die Mauer noch 24
Türme. Heute gibt es leider nur noch einen Turm in der
Nähe des Badro Bari auf der Südseite der Stadt.
Hinter dem Shoa Tor befindet sich ein kleiner
Markt,
der schon weitestgehend zu Ende geht. Hier gibt es besonders Obst,
Gemüse und natürlich auch Kat, aber auch Waren des
sonstigen
täglichen Bedarfs. Viele Stände sind aber schon
geschlossen.
Bild
1.200 - 1.207:
Von der Ugga Street kommend durch das Shoa Tor über den Markt
Wenn noch alle Stände geöffnet wären,
könnte man sich, wie auf jedem anderen äthiopischen
Markt auch, lange beschäftigen und viele Impressionen
einfangen. Leider sind schon viele Dinge in Säcken verpackt,
mit Planen abgedeckt oder hinter Bretterverschlägen verborgen.
Kinder umschwirren und verfolgen uns und möchten unbedingt
auf´s Bild. Bei den Erwachsenen ist das natürlich
nicht so einfach und man muss sondieren wer möchte und wer
nicht. Das ist aber nichts Neues und sollte von jederman und allerorts
beachtet werden.
Bild
1.208 - 1.213:
Markttreiben am Shoa Tor oder Asmae Diin Bari
Wir steuern in Richtung Reiterstandbild von Ras Makonnen, welches von
hier über die Sheikh Abu Beker Street oder über die
Charleville Ave erreichbar wäre. Da es aber langsam dunkel
wird, heben wir uns das Standbild lieber für den
nächsten Tag auf und gehen durch das Harar Gate die 1st Street
in Richtung Feres Megala (Pferdemarkt) und der Kirche Medhane Alem
hinunter.
Bild
1.2014 - 1.2020:
Das Harar oder Duke Gate mit den daran befestigten Tafeln
Das Harar Gate trägt neben den Plaketten des
UNESCO-Weltkulturerbetitels für Harar Jugol, auch das Bildnis
des letzten Emirs von Harar, Abd
Allah II ibn 'Ali 'Abd ash-Shakur, der noch heute verehrt
wird.
Das Tor wurde erst im Jahr 1926, auf Veranlassung von Kronprinz Ras
Tafari Makonnen, dem späteren Haile Selassie, errichtet. In
den Jahren 1933 und 34 gab es
Erweiterungs- und Umbauarbeiten daran. Im Vergleich zu den anderen
Toren, konnte dieses nie verschlossen werden und gehört auch
nicht zu den ursprünglichen Toren von Harar Jugol.
Bild
1.221 + 1.222:
Harar - 1st Street - Alter Peugeot
Auf unserem Weg in Richtung Feres Megala, bricht schließlich
die Dunkelheit über uns herein. In der Stadt wetteifern die
Muezzine und die orthodoxen Priester mit ihren Gesängen und
Predigten. Auf dem Gelände der Medhane Alem predigt ein
Priester auf einer kleinen Bühne vor der Kirche. Ansonsten
hören und sehen wir ja diese Zeremonien sehr gerne in
Äthiopien, aber diese Predigt ist
furchteinflößend, extrem laut und
äußerst gewöhnungsbedürftig. Man
könnte ja fast denken, der Mann will eine Revolution
anzetteln. Das hat bestimmt nichts mit einem normalen Gottesdienst zu
tun. Hier können wir nicht länger zusehen
und dies unserem Trommelfell auch nicht länger zumuten.
Ein Stück daneben befindet sich das Nagayo Caffe. Im
Erdgeschoss stehen große Metallpfannen auf mit
glühender Holzkohle gefüllten Metallfässern.
Hier wird ein typisches Gericht von Harar zubereitet. Die
Nachfrage ist groß, wie man an den wartenden Leuten sieht.
Der Name der Köstlichkeit ist Fetira.
Das Gericht besteht in der Regel aus einem dünnen und offen
gebackenen Filoteig,
mit gekochtem Ei und Honig. Darüber
hinaus hat aber jedes Restaurant seine eigenen abgewandelten Rezepte.
So kommen auch gebratene Zwiebeln mit Tomate und Rührei als
Füllung in Frage oder gleich mit in den Teig hinein. Also
keine Angst und einfach einmal ausprobieren. Das schmeckt zu
jeder Tageszeit und ist auch ein beliebtes Frühstück.
Bild
1.223:
Kleines traditionelles Restaurant auf der 1st Street
Bild
1.224 - 1.226:
Awel im Nagayo Caffe bei der Herstellung von Fetira - Am Feres Megala
Nächster Programmpunkt war eigentlich eine
Hyänenfütterung zu besuchen. Harar ist für
seine Hyänenmänner weltbekannt und überhaupt
die besondere Beziehung der Hyänen zu der Bevölkerung
von Harar. In der Stadtmauer gibt es sogar extra Durchlässe
für die Hyänen, die dann in der Nacht hereinkommen
und die Straßen und Gassen von Unrat befreien. Keiner tut dem
anderen etwas. Vor vielen hundert Jahren war das noch nicht so, und die
Hyänen waren eine Gefahr für Leib und Leben.
Irgendwann kam dann jemand auf die Idee die Hyänen zu
füttern und so zu befrieden. Das hat sich bis heute erhalten
und weiterentwickelt. Jetzt ist es sogar eine beliebte
Touristenattraktion geworden, währenddessen man sogar direkten
Haut- und Fellkontakt mit den Hyänen haben kann. Es soll noch
nie etwas passiert sein, obwohl es tatsächlich wilde
Hyänen sind.
Für uns fällt das Spektakel aber leider aus. Ein
muslimischer Feiertag hat uns ein Strich durch die Rechnung gemacht.
Gestern war Eid al-Adha Holiday (auch Arefa Holiday) in
Äthiopien. Eid al-Adha ist ein islamisches Fest zum Gedenken
an die Bereitschaft von Ibrahim (im alten Testament bekannt als
Abraham), dem Gebot Allahs (Gottes) zu folgen, seinen Sohn Isaak zu
opfern. Abraham gilt gleichermaßen als Stammvater im Juden-,
Christentum und im Islam. Von Abrahams Sohn Ismael soll Mohammed der
Prophet des Islam abstammen. Zu diesem Fest wurden zahlreiche
Rinder und Schafe geschlachtet und
konsumiert. Ja und nebenbei haben sich die Hyänen von den
Resten
so die Bäuche vollgeschlagen, dass sich
erfahrungsgemäß die nächsten Tage keine
mehr in der Stadt blicken lassen wird.
Wenn die Hyänen nicht zu uns kommen, müssen wir eben
zu den Hyänen fahren. Bis es soweit ist warten wir in der
oberen Etage eines Restaurants und beobachten das Treiben auf dem Feres
Megala. Schließlich trifft Tagan ein und wir können
ins Gelände vor die Stadt fahren.
Es ist recht leicht in der Finsternis ein Hyänenrudel zu
finden. Da sind doch jede Menge Autoscheinwerfer in der Ferne!?
Natürlich nicht, ... es sind Hyänen ganz in der
Nähe, deren Augen im Scheinwerferlicht aus der Finsternis
leuchten. Als sie sich in Bewegung setzen, hüpfen die Lichter
auf und ab.
Ein gespenstischer Anblick. Sie kommen direkt auf uns zu, denn am Rande
der
Piste liegt eine halb zerlegte Kuh, von der sie sich wegen dem
Lärm unseres Autos
vermutlich nur kurz zurückgezogen hatten. Es kichert und heult
ringsherum in den Büschen. Wir steigen aus und
schauen was passiert. Die Hyänen laufen an uns vorbei oder gar
zwischen uns hindurch, ohne uns wirklich zu beachten. Frauen und Kinder
laufen in der Dunkelheit direkt am Kadaver entlang, ohne irgendeine
Notiz von
den Hyänen zu nehmen. Ganz so mutig sind wir
allerdings nicht,
ein paar Meter Abstand halten wir dann doch für
gesünder.
;-)
Bild
1.227 - 1.230:
Hyänen bei Harar
Leider trübt uns Tagan das Erlebnis ein wenig. Schon seit
Tagen gibt es Probleme mit der Autobatterie. Sie ist offenbar schon so
schwach auf der Brust, dass sich Tagan nicht traut den Motor
abzustellen. Das stört natürlich gewaltig, wenn man
die Naturgeräusche, das Knacken der Knochen und die
"Unterhaltung" der Hyänen richtig hören
möchte. Aber hier in der Nacht zwischen den Hyänen
stehen zu bleiben, ist natürlich auch nicht "das Gelbe vom
Ei".
;-)
Video:
Hyänen in der Nacht
Nach dieser ganz privaten Hyänenvorstellung geht´s
wieder zurück zu unserem Quartier. Unser Abendessen lassen wir
heute einmal aus, .. es hat ja gerade erst "Mittagessen" gegeben. Also
verabschieden wir uns und ziehen uns in unser spannendes Guest House
mit Familienanschluss zurück. Auch ein schönes
Erlebnis!
Wir sehen uns dann morgen an dieser Stelle wieder und werden den ganzen
Tag Harar zu
Fuß erkunden. Es stehen viele interessante Dinge auf dem
Plan. Tagan hat morgen frei und wird
sich hoffentlich auch um das Wohlergehen des Autos kümmern.
Unsere schöne Unterkunft wird uns noch
eine weitere Nacht erhalten bleiben.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text + Videos: Peter Joachim