ETHIOPIA - THE NEW FACE OF ADDIS
Ein Reisebericht - Teil 1 17.02.2025 - Addis Ababa
Debre Sina
Egziabher Ab Church - Menibere Nigist Kuskuam Saint Maryam -
Tsriha Tsion Hawaryat Ena Gola Saint Michael - La Gare Railway Station (10.06.2017 nach dem äthiopischen Kalender)
Nach
unglaublichen 6 Jahren Abstinenz von Äthiopien, an der neben
Corona auch die verschiedenen Unruhen und kriegerischen
Auseinandersetzungen im Lande eine Mitschuld tragen, sind wir nun
endlich
für drei Tage wieder im Lande.
Wir sind auf der Durchreise nach den Seychellen, wozu wir
später noch eine kleine Story an dieser Stelle
präsentieren werden. Unseren neuen Reisebericht nennen wir
"The New Face Of Addis", denn nach unserer Landung sind viele Dinge
nicht mehr wiederzuerkennen.
Als Startbild haben wir eine
Kühlerfigur aus Haile Selassies Fahrzeugpark gewählt.
Das ist zwar nichts Neues, aber frisch aufpoliert und seit Ende
Dezember 2024 erstmalig der Öffentlichkeit
zugänglich. Auch das gehört zum neuen Gesicht von
Addis Ababa, dass man nun den ehemaligen Jubilee Palace von Haile
Selassie und Empress Menen in Teilen betreten darf. Wir werden uns im
Teil 3 dieses Reiseberichtes noch ausgiebig damit befassen.
Bild 001: Rückseite Boarding
Pass
Aber kommen wir erst einmal zum heutigen Tage. Wir sind seit gestern
unterwegs und haben den Nachtflug von Frankfurt am Main ab 21:35 Uhr
mit der Ethiopian Airlines gewählt. Wir hatten einen sehr
ruhigen Flug in einer nicht ganz ausgelasteten Maschine, wodurch einige
Sitzreihen als Schlafplätze genutzt werden konnten. Unsere
Ankunftszeit ist früher als erwartet. Nach unserem Flugplan
wären wir noch längst nicht da und dies obwohl die
aktuelle Zeitverschiebung sogar +2 und nicht nur +1 ist, wie sie unsere
Reisebestätigung ausweist.
Bild 002: Historisches
Flugzeug der
von Haile Selassie gegründeten Ethiopian Airlines vor dem Bole
International
Airport - Diese Douglas
DC-3, bekannt als Douglas Dakota, war ein
revolutionäres probellergetriebenes Verkehrs- und
Transportflugzeug der 1930er und 1940er Jahre. Sie war in der Lage auf
kurzen Start- und Landebahnen zu operieren.
Der Flughafen ist deutlich größer und moderner
geworden, als wir ihn aus früheren Jahren kennen. Die
Baugrenzen von alt nach neu können wir kaum erkennen. Die
Abfertigung der Passagiere geht dank der vielen Schalter zügig
voran und am Gepäckband gibt es so gut wie keine Wartezeit,
bevor uns der erste Koffer aus deutschen Landen zu Gesicht kommt. Da
kann sich unser BER durchaus eine Scheibe abschneiden auf dem wir erst
kürzlich zirka eine Stunde gewartet haben, bevor das
Gepäckband in Bewegung kam.
Dafür müssen wir nun auf dem Parkplatz vor dem
Flughafen etwas länger warten, da unser Hoteltransfer
natürlich noch nichts davon mitbekommen hat, dass wir
früher da sind als erwartet. Zahlreiche Kleintransporter der
verschiedensten Hotels und Taxen stehen bereit und warten auf ihre
Gäste. Ein Mann hat das ganze Geschehen vorbildlich im Griff
und dirigiert die Ankommenden zu ihrem jeweiligen Abholer. Er ruft
sogar unser Hotel an, weil von dort noch niemand eingetroffen ist.
Wir haben uns das Soramba
Hotel mit einem unschlagbaren Sonderangebot über
Google Maps und Expedia ausgesucht.
Für knapp 42 EUR das Doppelzimmer je Nacht, inklusive
Frühstück, Flughafentransfer für An- und
Abreise und kostenloses abendliches Unterhaltungsprogramm, ist man
wirklich mehr als gut versorgt. Unser örtlicher Freund und
Führer Henok wollte uns zwar
davon abraten, weil es
vielleicht nicht unseren Ansprüchen Genüge tun
würde, aber nach den Informationen auf deren Website, gab es
eigentlich überhaupt nichts zu meckern. Da haben wir wirklich
schon ganz anders
übernachtet und mehr als das brauchen wir ja für die
drei Tage auch nicht. Wir sind ja eh nur unterwegs. Zudem liegt das
Hotel
ganz in der Nähe unserer wichtigsten Ziele und unweit der
Bleibe
unseres Freundes.
Bild 003: Satellitenbild - Soramba Hotel
- Google
Maps Zur
Umfelderkundung Link oder Bild anklicken.
Unser Transfer klappt dann schließlich auch problemlos,
obwohl die Kommunikation per E-Mail vor der Reise überhaupt
nicht funktioniert hat. Unser Freund Henok musste erst ein paar Tage
vor unserer Anreise persönlich dort vorsprechen und Expedia
wollte sich auch schon einschalten. Wie wir dann noch vor Ort erleben,
lag das wohl daran, dass das Personal, welches für die
Computerfütterung zuständig ist, einfach nichts mit
Englisch anfangen kann. Zum Glück gibt es ja noch den
freundlichen Kofferträger, der mehr als die IT-Crew auf den
Kasten hat. Dieser hat uns dann auch den fehlenden Zimmertresor
montieren lassen, nachdem sich die gut geschminkt und lackierten Damen
am Empfang mehrfach fragend angesehen und immer wieder meine
Frage "Do you have a safe?" wiederholt haben. Das war schon echt
lustig. Vielen Dank an den Kofferträger!
Bild 004 + 005: Soramba Hotel Folder in
Englisch
Eigentlich haben wir ja gar keine Zeit, aber gezwungener
Maße
müssen wir erst den Abschluss der Safe-Montage abwarten, bevor
wir
Henok aktivieren und uns abholen lassen. Also gehen wir erst einmal auf
Hotelexkursion. An der Rezeption hängt eine Infotafel in
welcher
Etage was zu finden ist. Gut informiert, so glauben wir,
drücken
wir die entsprechenden Knöpfe im Aufzug und finden nach dem
Ausstieg einfach nicht was wir möchten. Nach der
Unterstützung zweier junger äthiopischer Frauen, die
für
uns später mit den Rezeptionsdamen diskutieren, da
sie uns
auch nicht weiterhelfen können, ergibt sich
schließlich,
dass die Infotafel für das zweite Haus des Hotelkomplexes
gilt.
Offensichtlich hat man diesen Hinweis nicht für wichtig
gehalten.
Also falls ihr einmal dort hinkommen solltet, erst durch die hauseigene
Garage laufen und die Treppe neben dem Cultural Restaurant benutzen.
Einen Aufzug gibt es natürlich auch, aber wir wollen ja die
Hotelangebote von jeder Etage besichtigen und beginnen ganz unten mit
dem zu dieser Zeit noch einsamen Cultural Restaurant. Dafür
sind
ganz oben im Schwimmbad unter dem Dach schon einige Hotelgäste
mit
Schwimmen beschäftigt. Das sind aber längst nicht
alle
Angebote. Für weitere Informationen einfach den Folder
durchlesen.
Bild 006.1 + 006.2: Blick aus dem Hotelfenster +
Google Maps Und schon
wieder eine neue Kirche im Bau mit abenteuerlichen Gerüsten,
wie wir sie kennen.
St. Mary Church im Kirchenkomplex von St. John the Gospel oder auch Kidist
Maryam Church im Komplex der St. Yohannes (Wolde Negodguad)
Church
Gegen 9:00 Uhr örtlicher Zeit sind wir dann
schließlich
abholbereit und rufen Henok an, der schon wenige Minuten
später freudestrahlend eintrifft. Henok wollte uns ja
eigentlich erst einmal
chillen lassen und uns gegen Mittag abholen, aber dafür ist
uns
die Zeit zu kostbar. Schlafen können wir in der Nacht und so
kräftezehrend ist der Flug von Frankfurt nach Addis Ababa nun
wirklich nicht.
Einen richtigen Plan haben wir noch nicht, hatten aber eine lange
Wunschliste vor unserer Reise übermittelt, die nun als Basis
einer Auswahl herhalten kann. Unsere wichtigsten Ziele sind
natürlich der neu eröffnete Nationalpalast und die
kaiserlichen Paläste auf dem Gibbi, die unter der Bezeichnung
"Unity Park" zu finden sind. Am heutigen Montag sind beide Ziele nicht
zugänglich. Wir werden diese in aller Ruhe und ausgeruht am
Dienstag und Mittwoch erkunden, wobei der Nationalpalast in dieser
Woche
erst ab Mittwoch betreten werden darf. Darüber hinaus tagt die
Afrikanische Union vom 15.-16. Februar in Addis Ababa. Wir vermuten,
dass die hochehrwürdigen Gäste
dieser 38. Versammlung, sich diese Highlights auch nicht entgehen
lassen und eine Staatsführung von Ministerpräsident
Abiy Ahmed bekommen werden. Aber wir wollen ja am Anreisetag
sowieso nur kleinere Brötchen backen. Wir werden deshalb nur
ein paar Kirchen besuchen und den Rest des Tages mit der Familie
verbringen.
Wir fahren zunächst in Richtung Mount Entoto und
diskutieren unsere Optionen. Währenddessen erscheint die
Silhouette einer interessanten Kirche im Sichtfeld, die wir schon
einige
Male in der Ferne gesehen, aber noch nie besucht haben. Es gab immer
wichtigere Ziele. Heute fahren wir diese ganz spontan an, nachdem Henok
die richtige Zufahrt erfragt hat.
Bild 007: Satellitenbild
- Debre Sina Egziabher Ab Church
- Google
Maps Zur
Umfelderkundung Link oder Bild anklicken.
Im Verlauf der Jahre und unserer Äthiopienreisen haben wir
schon viele Kirchen besucht und jedes Mal entdecken wir Neues
und bereuen keinen einzigen Besuch. Inzwischen ist das fast zu einer
Sammelleidenschaft geworden. Jede Kirche möchten wir
natürlich mit Fotos und einem Video dokumentieren. Das ist
allerdings nicht immer so einfach wie gedacht. Das Okay vom
Boss des Geländes ist dafür in der Regel
unerlässlich. Henok ist da sehr gewissenhaft, zumal er selbst
aus einer Priesterfamilie stammt. Manchmal wären wir ohne
dieses Prozedere längst mit unseren Aufnahmen fertig, bevor
ein Verbot oder eine Erlaubnis ausgesprochen wird. Manchmal
öffnen sich aber auch ungeahnte Türen.
Bild 008 - 010: Debre Sina Egziabher Ab Church
Zum Glück habe ich schon mit meinen Aufnahmen begonnen, als
Henok vom Abba der Kirche zurückkommt und ein Verbot
verkündet. Es sei denn wir beschleunigen den weiteren
Kirchenbau mit umgerechnet 12 EUR. Wenn wir den wenigstens
dafür die Kirche auch von innen ansehen dürften,
könnte man ja noch zustimmen, aber für unsere
kostenlose Werbung für dieses Objekt, zudem nur von
außen, möchten wir dann doch nicht so viel zahlen.
Merkwürdiger Weise wären aber Aufnahmen mit dem
Smartphone erlaubt. Inzwischen ist diese Kirche schon über 10
Jahre im Bau und noch immer nicht fertiggestellt. Gottesdienste werden
aber schon seit Jahren regelmäßig abgehalten.
Bild 011 - 013: Debre Sina Egziabher Ab Church
Ein sehr interessantes Bauwerk mit einer Mischung
aus unterschiedlichsten Baustilen und welchen die noch keinen
Namen haben. Vielleicht starten wir in ein paar Jahren einen neuen
Versuch und
kommen dann auch einmal hinein.
Bild 014: Debre Sina Egziabher Ab Church
- Eingangsportal zum Kirchengelände
Hier noch unser Kurzvideo, welches leider nicht länger
ausfallen
durfte.
Video: Debre Sina Egziabher Ab Church
- Addis Ababa
Wir fahren weiter auf den Mount Entoto hinauf, vorbei an uns schon
bekannten Highlights wie der Entoto St. Raguel Church, sowie der Entoto
St. Maryam Church mit den hinterliegenden historischen Palastanlagen
von Menelik und Taitu (siehe Reisebericht "Return To Addis - Teil 2"),
bevor der Eingangsbereich des neu angelegten Entoto Parks in Sicht
kommt. Henoks Frage, ob wir den Park besichtigen möchten,
lehnen wir dankend ab. An der Begutachtung der Kommerzialisierung der
"Grünen Lunge von Addis Ababa" sind wir nicht interessiert. In
der riesigen Landschaft des Gipfels hat man zahlreiche
Freizeiteinrichtungen wie Sportzentren, Restaurants, einen
künstlichen See, ein Kino, Aussichtspunkte und vieles mehr aus
dem Boden gestampft. An einer Stelle hat man sogar die "Pilze"
(Supertrees) von Singapur in einer Miniausgabe nachempfunden. Das ist
nicht gerade das, was uns an Äthiopien interessiert.
Also geht es wieder bergab zum Besuch einer weiteren Kirche, bevor wir
bei Henoks Familie zum Lunch einkehren und unser Wiedersehen ein wenig
feiern können.
Bild 015: Menibere Nigist Kuskuam Saint
Maryam Church - Google
Maps Zur
Umfelderkundung Link oder Bild anklicken.
Unmittelbar am Fuße des Berges und des Beginns der ersten
Bebauung von Addis, steht die kleine Menibere Nigist Kuskuam St.
Maryam. Diese Kirche stammt aus dem Jahr 1933. Der Torbogen, der den
Beginn des Kirchenbezirkes markiert besitzt eine Kuriosität,
da
er zwei Namen trägt. Je nachdem, ob man kommt oder geht,
heißt es "Haile Selassie" oder "Zewditu" (Letzte Kaiserin vor
Haile Selassie von 1916
bis 1930). Hinter dem Torbogen empfängt uns zunächst
ein kleiner Schrein und das Gegurre von zahlreichen Tauben, die hier
ein
Zuhause haben.
Bild 016 - 021: Menibere Nigist Kuskuam Saint
Maryam Church
Die Tauben im Kirchenkomplex sind ein Symbol des Friedens und des
Neuanfangs (ursprünglich der Liebe) und sollen an Noah
erinnern, der nach einem Raben eine Taube ausschickte, um zu erfahren,
ob das Wasser abfließt und schon Land in Sicht sei.
Sie fand aber noch keines und kehrte deshalb zu Noah zurück.
Es geht noch ein paar Stufen nach oben, vorbei am separat stehenden
Glockenturm, bevor wir direkt vor der Kirche stehen. Hin und wieder
streichelt ein leichter Luftzug die tausenden an den Dachkanten
hängenden Glöckchen, was ein angenehmes
Klimpern erzeugt. Diese Kirchengrundstücke sind immer ein
Plätzchen der Ruhe und des Friedens, fernab von der Hektik und
dem Getöse der Großstadt, selbst wenn sie mitten in
Addis liegen mögen.
Übersetzung
der Tafel in Englisch: His Imperial Majesty Haile Silassie I King
& kings of Ethiopia on the third year of his coronation built
the Monastery of Qusquam Mariam 1925EC (1933GC)
Bild 022 - 028: Menibere Nigist Kuskuam Saint
Maryam Church
Nachdem wir Ruhe und Frieden ausgiebig genossen und die Kirche von
allen Seiten dokumentiert haben, wird es Zeit an die Weiterfahrt zu
denken. Der Innenraum der Kirche steht uns leider nicht zur
Verfügung. Henok schickt schon einmal eine Vorwarnung an seine
Frau, dass wir nun bald eintrudeln werden.
Video: Menibere Nigist Kuskuam Saint
Maryam Church
Wenig später empfängt uns wie immer Henoks Frau
Meseret mit einer warmherzigen Begrüßung und wir
können unser erstes äthiopisches Bier "verdunsten"
lassen. Es gibt viel zu erzählen, was sich in den letzten
Jahren in Addis verändert hat. Ganze Stadtteile wurden platt
gewalzt, um für eine großzügige und moderne
Bebauung Platz zu machen. Auch Henoks Familie ist betroffen. Das
gewohnte Umfeld mit Haus von Meserets Eltern gibt es nicht mehr. Sie
bekommen dafür eine kleine Wohnung im Randbereich von Addis,
in dem die Infrastruktur noch gar nicht fertiggestellt ist. Aktuell
haben Henok und Meseret viel zu tun, um diese Wohnung vorzurichten. Bis
alles fertig ist, wohnen Meserets Eltern im Schlafzimmer von Meseret
& Henok. Der Innenhof und jede geeignete Ecke in den
Räumlichkeiten, ist mit abgedeckten Möbeln und
Hausrat vollgestellt.
Das neue Gesicht von Addis eben hat nicht nur gute Seiten. Aber erst
einmal
zurück zur Familie.
Meseret hat wieder ordentlich gekocht und Henok steht ihr hilfreich zur
Seite, wie man das nicht immer von afrikanischen Familien kennt. Es
schmeckt gewohnt vorzüglich und Meseret hat extra wegen uns
ihre scharfen Gewürze im "Waffenschrank" gelassen. Henok kennt
kein Erbarmen und füllt unsere Teller immer wieder nach, bis
wir kaum noch nach Luft schnappen können. Man soll ja
eigentlich auch
nicht aufessen, so heißt es zumindest in Äthiopien,
um zu signalisieren, dass man satt ist. Aber man ist eben
gewöhnt den Teller abzuräumen. Essen, essen und noch
mehr essen, ... es wird um jeden Bissen mit Henok gefeilscht wie auf
dem orientalischen Basar. Irgendwann schaffen wir es ihn zu
überzeugen, dass wirklich nichts mehr geht. Ich glaube, wir
können jetzt drei Tage lang nichts mehr essen. Aber eines
fehlt noch, natürlich die Kaffeezeremonie ... und man ahnt es
schon, wenigstens ein halber Eierplins muss auch noch rein. Nebenbei
werden unsere Geschenke natürlich von der Frau des Hauses
ausgepackt und erst einmal in Sicherheit gebracht, sofern sie
für die Kinder gedacht sind. Die Zuteilung wird
später erfolgen.
Nun kommen auch die beiden Prinzessinnen der Familie, Johanna und
Makeda, aus der Schule zurück und begrüßen
uns mit einem Küsschen. Mannomann, sind die groß
geworden und kaum wiederzuerkennen! Mit Johanna können wir uns
sogar schon in Englisch unterhalten. In dem Alter wurde bei uns noch
gar kein Englisch unterrichtet. In Äthiopien oder hier in
Addis gilt das ab der ersten Klasse. Die Kinder sind hier deutlich
weiter als bei uns, ... und zwar in allen Lehrfächern. Wir
hatten darüber schon einmal berichtet.
Ehe wir uns versehen, ist der Tag fast vorüber, und wir
müssen uns nun sputen, um wenigstens noch eine Besichtigung
vor dem Sonnenuntergang zu schaffen. Also geht es zirka 17:00
Uhr durch die engen Gassen der Siedlung zurück zu
Henoks Auto und wir begeben uns wieder in den Trubel des
Straßenverkehrs von Addis. Wir sehen zahlreiche uns
unbekannte neue Gebäude und fühlen uns an Frankfurt
am Main erinnert. Großzügige Straßen mit
enorm vielen und interessanten Straßenlampen, die
übrigens für ganz Addis einheitlich
installiert worden, säumen unseren Weg. LED-Tafeln mit
wechselnden Bildern ersetzen
unschöne Werbeplakate. Sogar Reggae Artist Alborosie
grüßt uns mehrfach während der Fahrt von
diesen Leuchttafeln. Er muss kürzlich hier gewesen sein, ...
oder kommt er noch? Auf die Schnelle können wir das leider
nicht
herausfinden oder im Web ergründen.
Wir fahren auch in der Nähe des Ras Makonnen Brunnens und der
historischen langen Treppe vorbei. Ringsherum ist alles platt gemacht.
Die alte Ras Makonnen Brücke existiert nicht mehr. Diese ging
wohl nicht in das großzügige neue
Straßenkonzept zu integrieren. Den Brunnen und die
Treppenanlage "Sebba Dereja" hat man aber verschont. Diese Relikte
werden überleben und in die neue Gestaltung
einfließen. Wie es werden wird, kann man aber noch nicht
erkennen. Momentan ist ringsherum noch Baustellenwüste.
Ausführliche Informationen zum Ras Makonnen Brunnen und der
Sebba Dereja findet ihr hier
in einem früheren Reisebericht ab Bild 58.
Bild 029: Ena Gola Saint Michael Church
- Google
Maps Zur
Umfelderkundung Link oder Bild anklicken.
Südwestlich des Emperor Tewodros II Square (Kaiser Theodor II)
mit der bekannten Nachbildung seiner Kanone Sebastopol
(auch Sewastopol - wir haben hier
darüber berichtet - ab Bild 1.914), befindet sich eine kleine
Kirche, die wir noch nicht in unserer Sammlung haben.
Auch hier heißt es zunächst, dass generell keine
Foto- und Videoaufnahmen mit Kameras erlaubt sind, aber dann ist man
doch noch
gnädig. Vermutlich ist es auch schon bis zu den Priestern
vorgedrungen, dass Aufnahmen mit dem Smartphone unter normalen
Lichtverhältnissen auch nicht unbedingt schlechter sein
können.
Bild 030 - 033: Tsriha Tsion Hawaryat Ena Gola
Saint Michael Church
Das Kirchengrundstück kann durch drei verschiedene
Torbögen betreten oder auch befahren werden. Wenn es machbar
ist fährt Henok hindurch, da vor den Toren vielfach
die Bedürftigen oder Bettler lagern. Hinter den Toren ist das
nicht gestattet. Auf dem Hof empfängt uns wieder einmal
schöne Kirchenmusik, die für die passende
Besichtigungsatmosphäre sorgt. Erst wenn wir diese Musik
hören, fühlen wir uns so richtig in
Äthiopien angekommen. Wir lieben diese Musik und
haben schon einige CDs zuhause. In der Regel gibt es vor den Kirchen
kleine Shops, die eine nahezu endlose Auswahl an CDs anbieten. Wie bei
jeder Musik gibt es aber auch hier für jeden Hörer
Favoriten. Also immer reinhören oder noch besser ein
Hörbeispiel bei der Hand haben, denn es liegt in der Natur der
Sache, dass nicht jede Musik gleich klingt.
Bild 034 - 037: Tsriha Tsion Hawaryat Ena Gola
Saint Michael Church
Bild 037:
Übersetzung der Tafel in Englisch:
The Lion Of Judah We Haile Silassie I
King & Kings of Ethiopia Assigned by God
Built this Tsirha Tsion Hawaryat & Arcangle Michael church with
money donated by W/ro Bekelech Gizaw in memory of herself and her
father on SENE 21, 1934 EC (June 30, 1942GC); and we also built the
foundation stone of this modern church in 1962EC (1970GC)
Video: Tsriha Tsion Hawaryat Ena Gola
Saint Michael Church
Bis zum Sonnenuntergang ist noch etwas Zeit und so fahren wir noch zum
historischen Bahnhof nach Djibouti. Zuletzt waren wir vor 10 Jahren
dort, und da hat man noch argwöhnisch aufgepasst, wo man
hintritt
und es waren nicht von überall Fotos erlaubt.
Bild 038:
Bahnhof nach Djibouti / La Gare Railway Station - Google
Maps Zur
Umfelderkundung Link oder Bild anklicken
Bild 039: Bahnhof nach Djibouti / La
Gare Railway Station - Eingangsansicht
Heute ist alles
anders. Inzwischen ist in den Bahnhof der bekannte Kaffeeproduzent
Tomoca mit interessanten Ambiente eingezogen (Tomoca Coffee La
Gare).
Auf dem restlichen Bahngleis sind ein paar alte Loks und Waggons zum
letzten Mal eingefahren und können angesehen werden. Es sind
noch
immer nicht alle Bereiche zugänglich aber man kann
schön auf
dem Bahnsteig auf originellen Möbeln, die aus alten
Wasserleitungen zusammengeschraubt worden sind, sitzen und sich das
vielfältige Angebot von Tomoca zu Gemüte ziehen.
Natürlich sorgt auch ein Shop dafür, dass sich jeder
Besucher den passenden Kaffee oder ein Souvenir mitnehmen kann.
Für die Kaffeeliebhaber unter den Eisenbahnfans ist die La
Gare
Railway Station sicher einen Besuch wert.
Bild 040 - 047: Bahnhof nach Djibouti
/ La
Gare Railway Station - Bahnsteig und Kaffeebereich
Weiterhin findet man unter anderem das neue Eagle Hills Sales Center in
dem
Gebäude und wer gleich hier bleiben möchte, kann
sogar eine Gästewohnung mieten. Zu finden unter Laga Harree.
An der
Pflege des Bahnhofsgeländes, besonders an den
öffentlichen Toilettenanlagen am Ende des Bahnsteiges,
müsste man aber noch
etwas trainieren.
Zirka 200 m vor dem Bahnhof steht das bekannte Denkmal mit dem Lion of
Judah (siehe hier).
Wer das bei der Anfahrt übersehen hat, sollte noch einmal die
paar
Schritte zurückgehen. Wie sich das Umfeld in den
nächsten
Jahren gestalten wird, kann man noch nicht erahnen. Auch hier wurde
vieles von der alten Bebauung platt gemacht und überall sind
Bauzäune aufgestellt.
Nach dem Genuss unseres Spezialkaffees fahren wir wieder
zurück zu unserem Hotel. Henoks Einladung zum Dinner schlagen
wir für heute dankend aus. Nach dem opulenten Lunch,
können wir noch immer nicht ans Essen denken. Wir haben die
nächsten Tage noch genügend Zeit dafür.
Während der Heimfahrt queren wir den naheliegenden Meskel
Square, der in der Geschichte von Addis Ababa eine
große Rolle spielt. Unzählige
Monumentalveranstaltungen wurden und werden
hier durchgeführt. Das bekannteste Event ist das
jährliche Meskel Fest. Wir hatten darüber schon
ausführlich berichtet.
Auch dieser Platz hat ein neues Gesicht erhalten. Auf den ersten Blick
und beim Vorbeifahren ist das eher nicht auffällig, aber wie
wir erfahren, war der ganze Platz weggebaggert und es wurde darunter
eine moderne Tiefgarage installiert. Die Beleuchtungsanlagen und die
aufsteigenden Ränge für das Publikum wurden
völlig neugestaltet. Die ursprüngliche rote
Sandfärbung ist einem satten Grün gewichen. Ob sich
das Gras in allen Bereichen lange halten lässt, bleibt
abzuwarten.
Bild 048: Der aktuelle Wechselkurs: 1
EUR = 128,33 Birr
Da wir in unserem Hotel ein Cultural Restaurant haben, ist heute
für uns die einzige Möglichkeit, eine Weile dem
für Hotelgäste kostenlosen Kulturprogramm
beizuwohnen. Die nächsten zwei Tage wird sich das nicht mehr
ergeben. Essen wollen wir natürlich auch hier nichts mehr,
aber für ein oder zwei Bierchen haben wir noch etwas Zeit und
Platz. Bei anderen Cultural Restaurants, die wir schon in der
Vergangenheit kennengelernt haben, ist das eher unüblich und
der Besuch in der Regel mit einem großen Abendessen in
Buffetform verbunden. Während man sich in den bekannten
Restaurants um die Plätze schon vorher bemühen muss,
herrscht hier nahezu gähnende Leere, was für
die Künstler und die Atmosphäre nicht gerade
prickelnd ist. Die wenigen Gäste schaffen es
natürlich, nicht deren Trinkgeldkörbchen
angemessen zu befüllen.
Live
Video:
Soramba Cultural Restaurant - 1/2
Live
Video:
Soramba Cultural Restaurant - 2/2
Aber nun wird es für heute Zeit an die Nachtruhe zu
denken, zumal uns der immer wieder neu verbreitete künstliche
Rauch arg zu schaffen
macht. Schade für die Band, denn nun wird sie für
noch
weniger Gäste weiterspielen müssen.
Den morgigen Tag haben wir für den Gibbi von Addis Ababa
reserviert. Dort werden wir in aller Ruhe die kaiserlichen Anlagen und
Paläste von Menelik II und Haile Selassie I unter die Lupe
nehmen und was es sonst noch zu sehen gibt. Der Standort nennt sich
heute "Unity Park". Wir hatten schon einmal vor 6 Jahren mit
Genehmigung des Premierministers vor der offiziellen Eröffnung
für ein paar Stunden reinschnuppern
dürfen. Morgen nun in aller Ruhe und im vollen Umfang.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text und Videos: Peter Joachim
Englische Übersetzungen: Henok Tsegaye