ETHIOPIA - THE SOUTH
Ein Reisebericht - Teil 15 14.06.2019 – Addis Ababa - Mausoleum
Menelik II. - Freunde überraschen - Abreise (07.10.2011 nach dem äthiopischen Kalender)
Nehmen
wir nun
den leider letzten Tag unserer Reise in Angriff. Nachdem die Rundreise
schon gestern Abend zu Ende gegangen war, haben wir für heute
noch
einen Tag Freizeit eingeplant. Als Schwerpunkt haben wir
hierfür
den Besuch der Ta'eka Negest Beata Lemariam gesetzt, die auch
allgemein als Mausoleumskirche von Kaiser Menelik II. bekannt ist.
Wobei
Menelik II. nicht der einzige Kaiser in der Gruft ist.
Mastu hat sich bereit
erklärt uns noch
einen Teil des Tages zu begleiten. Wir wollen noch ein oder
zwei
Besichtigungen in Addis Ababa unternehmen, bevor wir bei einer
befreundeten Familie einen Überraschungsbesuch versuchen
wollen.
Für die Tagesziele hat Rainer die Qual der Wahl aus unseren
Empfehlungen etwas auszuwählen. Letztendlich fällt
die
Entscheidung für das Mausoleum von Kaiser Menelik II.
Mastu trifft gegen 9:00 Uhr ein und versucht als erste Amtshandlung ein
Taxi zu besorgen. Das sollte man natürlich nicht bei den
verwöhnten Fahrern vor dem Hotel erledigen, aber egal.
Für
700 Birr können wir jetzt bis 3 Stunden das Taxi in Anspruch
nehmen.
Das sollte ausreichen. Allerdings dauert es eine Weile bis der Fahrer
und Mastu gelernt haben, dass Menelik II. in der Ta'eka Negest Beata
Lemariam auf dem Gibbi liegt und nicht in Addis Alem weit
außerhalb der Stadt. Ein Glück, dass wir das den
beiden erklären konnten, sonst wären wir
sonst wo
gelandet und den ganzen Tag unterwegs gewesen.
Bevor wir zu der Kirche fahren, halten wir am Nationalpalast (Jubilee
Palace), den wir eigentlich am Tag 1 unserer Reise besuchen wollten und
letztendlich mit der Genehmigung des Büros von
Ministerpräsident Abiye Ahmed überraschender Weise
auf dem
Gibbi gelandet waren. Am Gate zu unserer seit Jahren bestehenden
Begehrlichkeit, können wir uns dieses Jahr
tatsächlich mit
freundlichen Soldaten und einem Beamten unterhalten. Lange wird unser
Empfehlungsschreiben studiert und für korrekt befunden. Nur
leider
hätte man damit noch einen Termin zur Besichtigung des
Palastes
vereinbaren müssen, was man so spontan aber nicht machen
möchte. Der Versuch war es trotzdem wert. Zumindest wissen wir
jetzt, dass es nicht unmöglich ist. Also dann bis zur
nächsten Reise. (Nachsatz:
Wer seine
E-Mails nicht im Urlaub checken will hat eben Pech. Wie Rainer nach der
Heimreise feststellt, schlummerte die Genehmigung vom Büro des
Ministerpräsidenten tatsächlich in seinem Postfach.
Höchst ärgerlich.)
Also geht es weiter bergauf in Richtung Gibbi zum Mausoleum von Menelik
II.
Bild: 1.394: Auszug Google
Map - Im Bild rechts die Ta'eka Negest Beata Lemariam
(Menelik Mausoleum) -
In der Mitte die traditionelle Rundkirche Kidane Miheret - Links die
Palastanlagen von Menelik II. auf dem Gibbi - Zur weiteren
Erkundung bitte Karte oder Link anklicken.
An der Kirche angelangt, müssen wir feststellen, dass diese
gerade einer Generalüberholung unterzogen wird und
eingerüstet ist.
Bild 1.395 -1.397: Die eingerüstete
Ta'eka Negest Beata Lemariam
Anders als früher streifen dieses Mal selbsternannte Guides
um das Objekt herum, fangen jeden Besichtigungsinteressenten ab und
wollen diesen zur Kasse bitten. Jahre zuvor haben wir noch unser Geld
in die Kollekte gesteckt und den Priester für seine Dienste
belohnt. Das ist der Nachteil der neuen Freiheit auf diesem
Gelände. Mastu ist außer sich, dass man so mit einer
Kirche umgehen kann. Wenn der wüsste, was wir am Tag 1
für die Bole Medhane Alem Cathedral bezahlt haben. Immerhin
sind es hier nur 100 Birr je Person. Ob das wirklich der Kirche zugute
kommt, da haben wir so unsere Zweifel. Denn eine Quittung sehen wir
nicht, wie das ansonsten üblich ist.
Während sich Mastu immer noch nicht beruhigen kann und sich
weiter mit diesen Guides auseinandersetzt, schauen wir uns schon einmal
weiter im Außengelände um.
Bild 1.398: Die Gibbi Kidane
Miheret westlich der Ta'eka Negest Beata Lemariam (siehe Bild 1.394)
Von hier kann man auch die Palastanlagen von Menelik II. durch die
Bäume schimmern sehen. Mit etwas Geschick könnte man
sogar
ein paar Fotos bewerkstelligen. Da man uns das aber am
Tag
1 unserer Privatbesichtigung ausdrücklich untersagt hat,
wollen
wir natürlich nichts riskieren und bleiben von der Mauer zu
der
noch verbotenen Zone weg. Man weiß ja nie wo noch jemand
sitzt
und aufpasst. Dann wäre unsere Speicherkarte verloren. Die
Wachtürme im Bereich des Gibbi sind immerhin noch
allgegenwärtig.
Aber gehen wir nun in die Ta'eka Negest Beata
Lemariam hinein und steigen in die Gruft hinab. Den interessanten
Kirchenraum dokumentieren wir heute nicht noch einmal. Da verweisen wir
ganz einfach auf unsere 2014er
Reise, wo wir das schon sehr ausführlich getan
haben. Darüber hinaus geht einfach auf den
anschließenden Rundgang per Video.
Bild 1.399: In der Gruft der Ta'eka Negest
Beata
Lemariam - In der Mitte der Sarkaophag von Emperor Menelik II.
Wie schon eingangs angedeutet, befindet sich in der Gruft nicht nur der
Sarkophag von Menelik II. Hier sind auch seine dritte Frau Taitu
(Taytu
Betul) und seine Tochter Zewditu
(auch Zawditu oder Zauditu)
beigesetzt. Beide ebenfalls jeweils Kaiserin von Äthiopien.
Die Anordnung der Sarkophage entspricht der Bilderanordnung an der Wand
dahinter.
Neben den kaiserlichen Ruhestätten finden wir auch jene von
Prinzessin Tsehai,
dritte Tochter von Emperor Haile Selassie I. und Empress Menen, die
wenige Wochen vor ihrem 23. Geburtstag an den Folgen der Geburt ihres
Kindes verstorben ist. Auch das Kind überlebte nicht.
Weiterhin wurde in der Gruft der Erzbischof Matewos (Abuna
Mattheos X)
beigesetzt, der am 01. Dezember 1926
verstarb. Von ihm wurde Menelik im Jahr 1889 zum Kaiser
gekrönt.
Dies geschah auf dem Mount Entoto in der Marienkirche (Kidist
Maryam / St. Mary´s Church), neben der
ursprünglichen
Residenz von Menelik. Über die Marienkirche und Meneliks alte
Residenz auf dem Mount Entoto, haben wir ebenfalls schon
ausführlich berichtet. Wer sich weiter informieren
möchte,
einfach hier
klicken.
Bild 1.400: Von links: Empress Taytu
Betul, Emperor Menelik II, Empress Zewditu, Empress Menen Asfaw, Emperor
Haile Selassie I
Bild 1.401: Wandschmuck mit wichtigen
Persönlichkeiten. Zur weiteren Erläuterung siehe Bild
43 im Teil 1 von "Return to Addis" aus 2014. Bild 1.402: Wandbehang mit Empress Menen
und Emperor Haile Selassie
Bild 1.403 - 1.405: Weitere Bilder und Details aus
der Gruft Bild 1.404: Emperor Menelik II und Empress
Zewditu Bild 1.405: Empress Menen Asfaw und
Emperor Haile Selassie I
Das Bauwerk wurde in der Zeit von 1917-1927 auf Veranlassung von
Empress Zewditu als Mausoleumskirche für ihren Vater Emperor
Menelik II errichtet. Dies geschah unter der Leitung des
deutschen Baumeisters Carl
Härtel, der auch noch für Haile Selassie
arbeitete und bis zu seinem Tode in Äthiopien lebte.
Bild 1.406: St. George der
Drachentöter
Bild 1.407: Die heilige Dreifaltigkeit,
dargestellt mit drei alten Männern Bild 1.408: Emperor Menelik II
Nachdem alle Eindrücke wieder etwas aufgefrischt sind, gehen
wir noch ein wenig im Außengelände spazieren.
Bild 1.409 - 1.411: An der Gibbi Kidane Miheret
Gehen wir nun in südöstliche Richtung, um der
naheliegenden St. Gabriel Church ebenfalls noch einen Besuch
abzustatten
Auf halber Strecke bergab ist heute ein Informationsstand zu den
nötigen Sanierungsarbeiten an der Ta'eka Negest Beata
Lemariam, nebst einem großen Modell der Kirche aufgebaut. Es
gibt offenbar schon viel zu tun, wenn man das Bauwerk ordentlich
erhalten möchte. Leider sind die meisten Ausführungen
in Amharisch verfasst und für Mastu zu kompliziert ins
Deutsche zu übersetzen.
Bild 1.412 - 1.415: Modell und Informationen zum
Sanierungsbedarf der Mausoleumskirche
Video: Die Mausoleumskirche Ta'eka
Negest Beata
Lemariam auf dem Gibbi
Schließlich erreichen wir die St. Gabriel Church und
können dieses Mal ganz entspannt das Gelände
erkunden, sowie Fotos schießen und Videos drehen. Beim
letzten Mal war das nur sehr eingeschränkt möglich
und an Videoaufnahmen war wegen der Nähe der anderen Bauten
auf dem Gibbi, nicht im Geringsten zu denken. Wir freuen uns darauf,
dass nun bald alles für die Öffentlichkeit
zugänglich sein wird. Im Teil 1 hatten wir
ausführlich zum gegenwärtigen Status des
Geländes berichtet.
Bild: 1.416: Auszug Google
Map - St.
Gabriel Church / St. Gibi Gebriel -
Zur weiteren
Erkundung bitte Karte oder Link anklicken.
Historisches
Gebäude der ursprünglichen Palastanlagen
von Menelik II. auf dem Grundstück der St. Gabriel
Church auf dem Gibbi
Eines der
südlichen Eingangsportale zum Kirchenbezirk
Bild 1.417 - 1.425: Die Gibbi St. Gabriel Church
von allen Seiten
Leider ergibt sich auch heute keine Möglichkeit die
Innenausstattung der Kirche in Augenschein zu nehmen.
Video: Die Gibbi St. Gabriel Church
Damit wollen wir für diese Reise unser Erkundungs- und
Besichtigungsprogramm beenden. Die restliche Zeit des Tages
möchten wir
für unseren Überraschungsbesuch bei einer
befreundeten Familie verwenden. In letzter Zeit war der digitale
Kontakt leider abgerissen und wir wollen nun einfach mal nachschauen
was da
los ist und was noch geht. Alles natürlich streng geheim,
sonst wäre es
ja keine Überraschung. Entweder es klappt, oder es klappt
nicht.
Mastu soll uns in der Nähe absetzen. Den restlichen Weg durch
die Gassen des maßgeblichen Woredas finden wir schon selbst.
Mastu ist damit allerdings nicht einverstanden und will uns sicher
"übergeben". Er greift auf eine List zurück, denkt
sich eine Geschichte aus und will anrufen. Die Handynummer die wir
haben, funktioniert noch. Am anderen Ende der Leitung erleben wir einen
misstrauischen Henok, der Mastu nach allen Regeln der Kunst ausfragt
und wissen will woher er die Nummer hat. Aber wir haben Mastu
gut präpariert und mit Informationen versorgt, die Henok die
vorgetragene Geschichte glauben lässt. Mastu will ein paar
Geschenke aus Deutschland abgeben und zählt alle Namen von
Henoks Familie auf. Mastu soll warten und Henok will ihm gleich
entgegenkommen. Von unserem Standort aus sind es höchstens
noch 200
Meter bis zu Henoks Unterkunft, und so sehen wir ihn bald die mit
großen Steinen gepflasterte Gasse des Woredas in unsere
Richtung kommen. Noch weit entfernt greift er sich mit beiden
Händen an den Kopf und ist sichtlich fassungslos was
für Geschenke Mastu da im Schlepptau hat. Die Freude ist
riesig und wird noch wachsen wenn wir erst auf den Rest der
Familie treffen.
Jetzt ist Mastu zufrieden und wir können uns verabschieden.
Mal
sehen, ob wir uns irgendwann wieder sehen. Heute Abend wird er
jedenfalls nicht mehr da sein, der Transport zum Flughafen ist aber
schon von Muluye organisiert.
Bild 1.426 + 1.427: Unsere äthiopische
Familie mit Meseret, Henok, Johanna und Makeda
Henok führt uns zu seinem Hof und vermeidet es
natürlich
auch, seine Frau Meseret vorzuwarnen. Es macht riesigen Spaß
zu
erleben wie unsere Überraschung einschlägt. Henoks
Familie
hat inzwischen Zuwachs bekommen, seit dem wir uns das letzte Mal
gesehen haben. Mit Makeda haben sie jetzt auch noch eine kleine
Königin von Saba. Für Meseret ist es
natürlich
selbstverständlich, ein kleines Festmahl auf den Tisch zu
zaubern.
Und ohne äthiopische Kaffeerunde geht es natürlich
auch
nicht. Arbeit wollten wir natürlich nicht auslösen.
Aber
abschlagen ist natürlich auch keine Option. Ja und so vergeht
der
weitere Tag in geselliger Runde, den wir so weit ausreizen wie es
irgendwie geht.
Gegen 17:00 Uhr bringt uns schließlich Henok mit dem Auto
eines
Freundes zurück zu unserem Hotel. Man weiß ja nie
wie der
Verkehr in Addis gerade ist. Nun haben wir noch zwei Stunden Zeit, um
uns zu sortieren und auf die Abreise vorzubereiten. Punkt 19:00 Uhr
schafft uns dann Muluye zum Flughafen und schenkt noch jedem eine
äthiopische Kette mit Haile Selassie oder dem Lion of Judah.
Die
Flughafenabfertigung ist schneller erledigt als gedacht und so bleibt
uns noch sehr viel Zeit im Transitbereich. Sogar auf die
Ausreisegebühr hat man dieses Mal verzichtet. In den
Flughafengeschäften müssen wir uns
erfahrungsgemäß nicht viel Zeit nehmen. Ist sowieso
alles
viel zu teuer und es gibt nichts, was wir nicht schon besser gesehen
haben. Birr will hier jetzt auch niemand mehr haben und wie gewohnt,
ist auch die Rücktauschstelle geschlossen. Macht auch nix. Mit
diesem Wissen im Kopf, haben wir sowieso schon alles
zurückgelassen und anderenorts gespendet. :-)
Morgen werden wir hoffentlich wieder wohlbehalten in Deutschland
ankommen und irgendwann an den nächsten Reiseplänen
für Äthiopien basteln. Wenn es die Umstände
erlauben, kehren wir ganz sicher wieder zurück. Es gibt noch
viel zu tun. Bis zum
nächsten Mal auf dieser Seite!
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Fotos: Marion & Peter Joachim
Text und Videos: Peter Joachim