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ETHIOPIA - GIBBI FÜR ALLE
11.10.2019 – Einweihung des Unity
Parks in Addis Ababa
(30.01.2012 nach dem äthiopischen Kalender)
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Zeitgleich
mit der Verleihung des 2019er Friedensnobelpreises an den
äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed Ali "Für seine
Bemühungen um Frieden und internationale Zusammenarbeit,
insbesondere für seine entscheidende Initiative zur
Lösung des Grenzkonfliktes mit dem benachbarten Eritrea",
so die offizielle Begründung des Nobel-Komitees, wurde ein
weiteres Projekt mit seiner Handschrift in Addis Ababa
eröffnet. Man kommt nicht gleich darauf, dass sich hinter dem
Unity Park, einer der bisher am strengsten bewachten Orte von Addis
Ababa verbirgt, der nun für alle Besucher offen steht. Ein
bisher nahezu unsichtbares Mysterium wird endlich sichtbar,
die kaiserlichen Palastanlagen auf dem Gibbi.
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Der Gibbi ist ein 2.442 m
hoher Hügel inmitten von Addis Ababa und beherbergt unter
anderem einige
Gebäude aus der Zeit von Kaiser Menelik II., das Menelik
Mausoleum welches auch als Kirche Ba´eta Le Mariam genutzt
wird, weiterhin die Kidane Miheret Church (oder Kidane Mehret
Church) und die St. Gabriel Church. Nur die drei Kirchen waren bisher
öffentlich zugänglich, wobei diese auch im
erweiterten Fokus der Bewacher standen. Außenaufnahmen waren
dort weitestgehend tabu. Wer es dennoch versucht hat, musste es schon
etwas schlau anstellen, um nicht den Verlust sämtlicher
Aufnahmen seiner Kamera zu riskieren.
Die kaiserlichen Palastanlagen auf dem Gibbi sind nahezu unbekannt.
Selbst örtliche Reiseveranstalter oder die zahlreichen
Stadt-Guides können kaum auseinander halten, was der
Nationalpalast oder die kaiserlichen Anlagen auf dem Gibbi sind. Wer
historische Fotos von den Gebäuden des Gibbi besaß,
konnte sich glücklich schätzen. Neuere Fotos gab es
einfach nicht, auch keine näheren geschichtlichen
Informationen zu den verschiedenen Objekten.
Wir haben über die Jahre oft versucht einen verbotenen Blick
zu erhaschen oder nach Einlass zu fragen, aber allein Mimik und Gestik
der Bewacher waren schon stark genug jegliches Ansinnen
diesbezüglich im Keim zu ersticken.
Am 31. Mai dieses Jahres haben wir es endlich nach langer
Vorbereitung und zahlreichen "heißen Drähten"
geschafft, mit einer Empfehlung der Deutschen Botschaft ausgestattet,
die Genehmigung des Ministerpräsidenten zu ergattern, noch vor
der offiziellen Eröffnung eine Privatführung durch
das Gelände zu bekommen. Aber erst ein paar Stunden vorher
bekamen wir bzw. unser Guide per Telefon die genauen Instruktionen vom
Büro des Ministerpräsidenten, wo und wann wir uns
einzufinden hatten. Ursprünglich hatten wir zwar den
Nationalpalast beantragt und waren dann außerordentlich
überrascht am Tor des Gibbi zu
landen. Das war natürlich eine nicht geringe Sensation
für uns und sorgte anfangs für etwas Verwirrung. Aber
die Militärposten hatten tatsächlich eine Liste mit
unseren Namen. Nach dem Sicherheitscheck des nunmehr freundlichen
Militärs und der Erfüllung deren
Anordnung zur
Zurücklassung von Kameras und Handys, durften wir
schließlich zum ersten Mal hinter die streng bewachte eiserne
Einfriedung des Gibbi mit den kaiserlichen Symbolen. Dann wurden wir
von einem Mitarbeiter des Büros des Premierministers abgeholt
und zum Startpunkt unseres Rundganges gebracht. Was wir dann vom
örtlichen Management vorgeführt bekommen haben,
überstieg jegliche Erwartungen unsererseits. Bisher kannten
wir nur
einen Teil von Meneliks hölzernen Palast mit dem Wachturm, von
einer
historischen Aufnahme. Alle anderen kaiserlichen Bauwerke waren eine
"Neuentdeckung". Wir sind gespannt auf die künftigen
Erklärungen zu
den Palastanlagen, die momentan noch etwas sparsam sind bzw. in der
Literatur noch gar nicht zu finden sind.
Alles ist liebevoll und perfekt restauriert, inklusive
umfangreicher historischer Malereien. In
Meneliks Palast sind auch die kaiserlichen Arbeitszimmer von
Menelik II.,
seiner Frau Taytu Betul, seiner ältesten Tochter Zewditu und
Haile
Selassie I. zu sehen. Etwas bedrückend
war der Besuch von Haile Selassie´s Gefangenenzimmer, in das
er nach seinem Sturz einquartiert wurde, und wo der letzte Kaiser von
Afrika und somit die salomonische
Dynastie, durch die Hand von Mengistu
Haile Mariam ein Ende gefunden haben soll.

Bild 1: Teil des
Gibbi in 2019 noch während der Umbauarbeiten - Auszug Google
Map
Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.

Bild 2: Der Unity Park nach der
Fertigstellung (Foto: Unity Park)
Nun müssen alle Reiseführer umfangreich
ergänzt werden, und vor allen Dingen zuvor viel Recherche zu
den Objekten betrieben werden. Bisher wurde alles so geheim gehalten,
dass selbst die eigene Bevölkerung vergessen hat, was sich auf
dem Gibbi alles verbirgt und was die Geschichtsbücher dazu
schreiben.
Diese Zeiten sind nun vorbei und jederman kann sich vor Ort umsehen und
informieren.

Bild 3 + 4: Logo des
Parks + Einlassbereich
mit Souvenirshop
Mit einem Gesamtbudget von zirka 160 Millionen US-Dollar, die zum Teil
aus den Arabischen Emiraten gekommen sein sollen, wurden der
Eukalyptuswald des Gibbi gelichtet, die Palastanlagen umfassend
saniert,
für Rollstuhlfahrer geeignete Wege angelegt, Pavillons und
Skulpturen errichtet, mit denen sich jede Region Äthiopiens
vorstellen kann, Zonen der Entspannung und Kinderspielplätze
eingerichtet und natürlich ein modernes
Einlassgebäude mit großem Touristenshop gebaut. Der
Haupteingang des Unity Parks befindet sich in direkter
Verlängerung der aus dem Süden kommenden Menelik II.
Avenue, also aus Richtung National Palace und Africa Hall.





Bild 5 - 9: ..., Spielplatz, Diverse
Kunstobjekte im Bereich der Pavilione der verschiedenen
äthiopischen Regionen - Dort werden die kulturellen und
historischen Besonderheiten der Regionalstaaten des Landes vorgestellt
- Es gibt Videos, Bilder, Skulpturen und andere Exponate zu sehen.
Der Unity Park soll eine Bilanz des positiven Kapitals aus der
Vergangenheit, des historischen und kulturellen Vermögens
Äthiopiens ziehen und darauf für zukünftige
Generationen aufbauen. Er soll die Fähigkeit
Äthiopiens Vielvölkerstaates symbolisieren,
für ein gemeinsames Ziel zusammenzukommen, heißt es
unter anderem sinngemäß in einer Erklärung
aus dem Büro des
Premierministers.
Allerdings gibt es selbst bei dieser guten Sache schon wieder Gegenwind
und Aufrufe zum Boykott des Parks. Dies deshalb weil einige Leute den
Park als Glorifizierung des Kaiserhauses sehen und ihn deshalb sogar
"... Menelik Park" nennen. Hätte man etwa ein anderes
Gelände für den Park wählen und die
großartige Geschichte Äthiopiens vergessen sollen?
Die Regierung des Landes und besonders Ministerpräsident Abiy
Ahmed Ali, hat es also nach wie vor nicht leicht allen gerecht zu
werden.

Bild 10: Banquet Hall - Festsaal (Foto:
Unity Park)

Bild 11: Haupteingang der Banquet Hall
oder auch Gibir Adarash genannt. Der Festsaal hat eine
Kapazität von fast 8.000 Gästen und wurde in der
Regierungszeit von Menelik II. erbaut und soll nach
Überlieferungen jede Woche genutzt worden sein. Nach
Gründung der OAU
hatte Kaiser Haile Selassie in Jahr 1963 in dieser Halle ein Fest
für die Gründerväter der Organisation
ausgestattet. Am 19. Mai 2019 fand in dieser Halle eine Spendenfeier
auf Veranlassung des Ministerpräsidenten Abiy
Ahmed Ali statt, um Geld für das Projekt
"Verschönerung von Addis Ababa" zu sammeln. Hier ein Artikel mit interessanten
Innenaufnahmen dazu.

Bild 12: Throne House oder Throne Hall
(Foto: Unity Park)

Bild 13 + 14: Wachsfigur von Haile Selassie
I. im Throne House. Sogar die bekannte Fußbank darf nicht
fehlen, da Thron- und Körpergröße des
Kaisers nicht konform gingen.
Im Throne House oder auch der Throne Hall trafen sich die Monarchen
Äthiopiens mit den regionalen Fürsten, um lokale
Themen zu erörtern und diese zu entscheiden. Zu besonderen
Anlässen wurden auch hier die ausländischen
Würdenträger begrüßt. Unter
anderem waren das in der Regierungszeit von Haile Selassie I.,
Königin Elizabeth II. von Großbritannien, Charles De
Gaulle von Frankreich und Josip Broz Tito aus dem ehemaligen
Jugoslawien. Während der Derg-Zeit tagte hier das
Zentralkomitee und fällte zu Beginn ihrer Regierung die
bekannte Landenteignungserklärung der Fürsten und
traf die Entscheidung zahlreiche hohe Beamte und Familienmitglieder des
Kaisers Haile Selassie I. zu töten. Der Thronsaal ist
dekoriert mit wertvollen Stuckarbeiten an Wänden und Decke. Er
hat seinen Namen von dem großen goldenen Thron in der Mitte.
Dieser ist umrahmt von Säulen und einem Baldachin mit der
Krone des Herrscherhauses. Die Säulensockel und ein tiefblauer
Teppich auf dem der Thron steht, tragen den Davidstern, dem Symbol der
Salomonischen Dynastie. Derzeit befindet sich im Thronsaal
auch die Hauptausstellung des Unity Park Museums über
Geschichte und Kultur des Landes.


Bild 15 - 17: Mauer mit Mosaikarbeiten, die
führende Persönlichkeiten der
äthiopischen Geschichte darstellen.
Von
links nach rechts:
Kaiser Menelik II., Iyasu V. (Enkel von Menelik
II. und ungekrönter Kaiser), Kaiserin Zauditu oder Zewditu
(älteste Tochter von Menelik II.), Kaiser Haile Selassie I.,
Staatsoberhaupt Mengistu Haile Mariam, Präsident Meles Zenawi
und Ministerpräsident Hailemariam Desalegn Bosche.

Bild 18: Südlicher Teil des
Palastkomplexes von Menelik II. - Leider können noch nicht
alle
Objekte umfassend erklärt werden



Bild 19 - 21: Palastkomplex von Menlik II
mit dem Wachturm
Bild 21:
Foto: Unity Park
Im
Palastkomplex hatte
das Kaiserpaar jweils getrennte Schlafbereiche. Wie man uns
versicherte,
waren es es traditionelle und religiöse Gründe, dass
der Kaiser
nur zum Zwecke der Zeugung eines Nachkommen bei der Kaiserin liegen
durfte.
Weiterhin finden wir in dem Komplex unter anderem einen Gebetsraum von
Menelik II., Büros von Menelik und seiner Frau Taytu Betul,
ein Zimmer für den Ministerrat und einen kleinen
Bankettsaal, ein Wartezimmer für den Kriegsminister und Haile
Selassie´s Arbeits- und letztes Aufenthaltszimmer. Der
markanteste
Bereich ist der Wachturm des Kaisers mit seinen
Verbindungsgängen zu den anderen Palastbereichen. In diesem
Palastkomplex wurde auch auf Veranlassung von Menelik II. das erste
Telefon Äthiopiens in Betrieb genommen. Den Originalanschluss
kann man noch sehen.
Bilder vom Festakt der Einweihung des Parks, vom 11.10.2019, sind auf
dem
Facebook
des Premierministers unter diesem Link
zu finden.
Ab 14.10.2019 kann das Gelände mit allen seinen Ausstellungen
und Museen dann auch von der Bevölkerung und den Touristen
besucht werden. Der Park ist täglich von 9:00-17:00
Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 200 Birr. Das sind aktuell
rund 6 EUR. Weitere Informationen bezüglich Unity Park gibt es
immer aktuell auf dem Facebook
und der offiziellen Website
des Parks.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Muluye Tsegaw @ Zagol
Ethiopia Tours und Unity Park
Text: Peter Joachim
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