Nach
dem Emancipation Day vom 01.08., steht heute mit dem Independence Day
der nächste jamaikanische Feiertag auf dem Programm. Jamaica
erlangte am 06. August 1962 seine Unabhängigkeit vom
Vereinigten Königreich und das wird heute auch am Strand
ausgiebig gefeiert. Heute erkennt man auch ohne Grundbuchkenntnisse
welche Strandabschnitte noch nicht in den Händen der Hotels
sind.
Obwohl es in den
Touristenhotels und auf den dazugehörigen Stränden
gerade
etwas ruhiger zugeht, halten sich trotzdem die einheimischen
Strandbesucher nur in den hotelfreien Zonen auf. Im Merril´s
ist es nahezu wie ausgestorben. Man könnte glatt annehmen, die
Touristen meiden die Zeit um den Emancipation und Independence
Day herum. Gut
für uns!
Das fast
menschenleere Merril´s. Das gelbe Gebäude ist der
Gastronomiebereich mit der Bar.
Am Strand wird es heute richtig interessant. Außer uns sind
so gut wie alle Bleichgesichter verschwunden und die Jamaikaner bleiben
nahezu unter sich. So wird das ansonsten eintönige
Strandgeschehen
endlich einmal richtig aufgemischt.
Da heute Feiertag ist, beginnt der Trubel natürlich schon am
frühen Vormittag. Alles was man so für einen langen
Strandtag braucht, wird herangetragen und unter umgedrehte Boote
eingelagert. Auch der "Schreihals" vom Glass Bottom Boat, ist heute
außer Dienst. Es würde ihm heute sowieso niemand
zuhören, wenn er denn überhaupt eine Chance
hätte, sich gegen die zahlreichen Ghetto Blaster
durchzusetzen.
Außerdem werden die Boote heute sowieso von den Einheimischen
als Badeinseln in Beschlag genommen.
Bei diesem Treiben kommt keine Langeweile auf. So lasse ich mir das
Strandleben gefallen. Meine Urlaubslektüre kann ich heute
getrost zur Seite legen, denn das jamaikanische "Fernsehen" am Strand
bietet genug Unterhaltung. Am besten man setzt sich mitten in das
Geschehen hinein. So kann man in aller Ruhe die besten
Eindrücke sammeln.
Aus Richtung Negril dröhnt es noch etwas lauter. Dort hat man
offenbar gerade die riesigen Boxenwände angeworfen, die schon
seit ein paar Tagen in Strandnähe aufgebaut worden sind.
Das müssen wir uns natürlich auch noch
einmal ansehen und unternehmen eine letzte Strandwanderung in
Richtung Craft Market.
Das südliche Strandende kurz vor dem Craft Market und
dem Negril
River, ist offenbar der offizielle Festplatz von Negril. Hier ist der
Trubel noch etwas dichter als vor "unserer Haustür". Neben dem
allgemeinen Badebetrieb, der Gastronomie und Musik, gibt es allerhand
Beschäftigungsmöglichkeiten, wie sie eben auf einem
Volksfest üblich sind.
Hier könnte ich natürlich gleich wieder Wurzeln
schlagen, aber dazu ist auf dem Rückweg oder später
immer noch Zeit.
Zuerst steht erst einmal die allerletzte Inspektion des Craft Marktes
auf dem Programm. Das ist immer ein wenig anstrengend. Am besten man
trägt gleich alles mit sich herum, was man in den Tagen und
Wochen zuvor schon eingekauft hat, um sich entschuldigen zu
können, wenn man heute mal nix kaufen möchte. Das
geht ja nicht ständig.
Nachdem jeder Handwerkerplatz, jeder Stand und jede Hütte noch
einmal von uns inspiziert worden ist und sich leider nichts Neues
ergeben hat, treten wir wieder den Rückweg an.
Heute steht hier noch die Wahl der Dancehall Queen auf dem Programm.
Das
will ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Marion und
Madlen sind von dieser Idee aber nicht so sehr begeistert, und so
bringe ich die beiden erst einmal zum Hotel zurück, bevor ich
erneut zum Festplatz zurückkehre. Ein paar Kilometer mehr
Bewegung sind ja nicht zum Schaden.
Der Dancehall Queen Contest hat bereits begonnen. Leider entpuppt sich
der Wettbewerb eher als Dancehall Princess Contest. Die vielen
potentiellen Queens zieren sich offenbar und schicken lieber ihre
Töchter auf die Bretter. Aber deswegen ist das Ganze trotzdem
nicht uninteressant. Schier unglaublich was die Kleinsten schon
leisten. Entschieden wird nach der Lautstärke des Jubels,
wer weiter kommt oder nicht. Dabei wird vom Moderator auch
fleißig Geld von den Umstehenden eingesammelt und auf dem
Dach neben der Bühne gebunkert. Letztendlich ergibt sich
daraus das Preisgeld für die Siegerin.
Letztendlich kassiert die Jüngste von allen die
Siegerprämie ein. Maßgeblich zur Entscheidung des
Publikums hat offenbar das geringe Alter und nicht das Können
der Princess 2008 beigetragen. Denn im Vorfeld des Endausscheids waren
durchaus bessere Leistungen auf der Bühne zu sehen.
Live
Video:
Dancehall Queen Contest - Negril 2008
Damit ist die Party auf dem Platze aber noch nicht zu Ende.
Erfahrungsgemäß wird sich das noch bis weit
in die Nacht hinziehen und auch kilometerweit zu hören sein.
Ich glaube ich bin der einzige "Whitie" weit und breit, wie die
Jamaikaner gerne zu sagen pflegen. Bisher hat man mich zwar
weitestgehend ignoriert, werde mich aber trotzdem langsam auf dem
Rückweg begeben, bevor es dunkel wird. Immerhin schickt sich
die Sonne schon langsam an im Wasser zu verschwinden und die
ersten
Lampen gehen in Betrieb. Ein paar Kilometer sind auch noch durch den
Sand zu
stapfen, und in Äquatornähe wird es immer sehr
schnell
finster.
Nach dem Abendbuffet gibt´s am Hotelstrand auch noch ein
wenig Unterhaltung für die letzten übrig gebliebenen
Touris. Es
steht Limbo auf dem Programm. Leider ist es so finster, dass
man rein gar nichts sieht. Und das ist vielleicht auch gut so.
;-)