Die kalifornische Band Groundation,
hat ihren Namen von den „Grounations“ der
Rastafari-Bewegung abgeleitet. Die in den so genannten Treffen der
Rastafarians entstehenden positiven Energien, durch gemeinsames Beten
und Musizieren, sind der Grund dafür. Genau das ist es, was
Groundation auf ihren Konzerten auch erreichen wollen.
Die international gefeierte Band mischt Roots-Reggae, Dub, Funk und
Jazz zu einem Klangerlebnis, wie man es sonst nirgendwo findet. Mit
dieser Symbiose spaltet Groundation teilweise die Reggae-Szene,
führt aber gleichzeitig andere Fangemeinden an den Reggae
heran,
die aus dem Jazzbereich kommen. Seit 1998 ist das nun schon so, und
Groundation hat inzwischen mit „Building An Ark“
das siebente Studioalbum am 20.März 2012, via M’A
Publishing/Soulbeats Records auf den Markt gebracht.
Auf dem neuen Album entwickelt
Leadsänger Harrison Stafford seine Vision, eine Arche zu
schaffen, um Wissen und positives Bewusstsein zu bewahren.
01
– Building An Ark
02 – Humility
03 – Be That Way
04 – Payaka Way
05 – Merry-Go-Round
06 – The Dreamer
07 – Who Is Gonna
08 – Keep It Up
09 – Daniel
10 – Sunlight Reflections
Nach
einer ausgedehnten Februartour (Bob Marley Tour) in den USA und einer
Australien-Tour im März, war im April und Mai Europa an der
Reihe. Den größten Teil dieser
19-Städte-Tour konnte Frankreich mit 12 Stationen für
sich verbuchen. In die verbleibenden Konzerte teilten sich Belgien (2),
Deutschland (3), Luxemburg (1) und Holland (1).
Hier ein paar
Eindrücke aus dem Berliner C-Club.
Nur knapp verspätet, aber eben nicht pünktlich genug,
treffen wir am C-Club ein. Wie schon öfter bemerkt, kann man
sich beim C-Club kein späteres Ankommen leisten, wenn man denn
das komplette Programm mitnehmen will. Hier geht es noch
pünktlich los. Draußen auf den Stufen vor dem Club,
entspannt sich bei angenehmen Temperaturen, zwar noch ein
großer Teil erkennbarer Reggae Fans, aber drinnen geht es
schon musikalisch zur Sache. The
Magic Touch bringt als Vorband des Abends die
Massive schon einmal in Stimmung.
Sie haben sich dem klassischen
Reggae, Rocksteady, Ska und Soul im Style der 60-er und 70-ger Jahre
verschrieben. Einen Namen haben sie sich in den letzten Jahren auch als
Backingband für Jamaikaner/innen der Rocksteady und
Early-Reggae-Ära gemacht, wie zum Beispiel für
Pat Kelly, Dawn Penn, Susan Cadogan oder Roy Ellis.
Die Band wurde 2006 in Leipzig und Berlin als
Nebenprojekt der Dresdner Band Yellow Umbrella
und der Berliner Band Solitos
gegründet. Magic Alex, Magic Jürgen, Magic Patria und
Magic Sven waren die Akteure der ersten Stunde. In der heutigen
Zusammensetzung spielt die Band seit 2009. Alex Buck als
Leadsänger und Gitarrist, Sven Koop als Sänger und
Drummer „BoomBoom“, Johannes Wehrle a.k.a.
„Johnny Dingo“ am Keyboard, Jonas Hesse a.k.a.
„Hessy James“ am Bass und Roger Nolda a.k.a.
„Don Rockshah“ als Sänger und
Percussionist. Am 17.09.2010 veröffentlichten sie ihr
Debutalbum „Love & Hate &
Politricks“ bei Grover Records.
Im Dezember 2011 brachten sie mit „Shocks Of
Lightning“ bereits ihr zweites Album auf den Markt, wiederum
bei Grover Records.
01
– Dance Pon Di Corner
02 – Everyday Man
03 – Dream About You
04 – Foot Of The Mountain
05 – The Way You Smile
06 – You Give Me Love
07 – Buttered Toast And Tea
08 – How Does It Feel
09 – It Ain´t About Me
10 – Lips And Thrills
11 – Morning Star
12 – Take Care
13 – Khyber Pass
14 – Keep On Searching
Noch ist der Andrang im Saal
nicht allzu groß, obwohl genügend Gäste im
Gelände sind. Warum viele die Zeit bis zum Auftritt von
Groundation im Biergarten oder mit der Kippe auf der Vortreppe
überbrücken, ist eigentlich unbegründet. The
Magic Touch bietet ein sehr gutes und abwechslungsreiches Programm,
welches überwiegend aus Stücken ihrer zwei bisherigen
Alben besteht. Auch Kim Pommel von Groundation steht lange Zeit im Saal
und verfolgt das Programm.
Mit „Sleeping Trees“ und „Give Love
Another Try“ gibt´s dann auch noch eine Gastrolle
von Saraléne.
Sie tritt des Öfteren bei Live-Shows mit The Magic Touch auf.
Ende Mai werden sie auch zu gemeinsamen Aufnahmen ins Studio gehen. Man
darf gespannt sein.
Ihr heutiger Auftritt ist auf alle Fälle vielversprechend und
passt sehr gut zum Sound der Band. Saraléne tritt auch noch
bei anderen Formationen wie z.B. Sounding,
oder auch bei diversen Reggae- und Dub-Soundsystems, als
Reggaesängerin auf.
Zum Abschluss der einstündigen Show gibt es mit drei
Bläsern eine weitere Abwechslung auf der Bühne und
damit, zumindest instrumental, eine gewisse Überleitung in
Richtung Groundation.
Die Bläser sind von der befreundeten Dub-Band Brass, Wood and
Wires.
Auch diese werden, laut Angabe der Band, in Zukunft noch öfter
The Magic Touch begleiten. Mathieu, der Trompeter der Drei, ist auch in
der Dub-Szene aktiv und dort als Dubble
Dubble bekannt.
Hier noch ein paar künftige Dates von The Magic Touch:
11.05.2012: Erfurt - Ilvers
17.05.2012: Hamburg - Glockenschlag Festival
27.05.2012: Berlin - Karneval der Kulturen - Eurasia Bühne
09.06.2012: Fürstenwalde
21.06.2012: Berlin - Fete De La Musique - Rote Beete
22.06.2012 mit Roy Ellis:
Rosslau - This Is Ska Festival
07.07.2012: Berlin - Orwohaus Festival
20.07.2012: Burg Herzberg Festival
21.07.2012 mit Dawn Penn:
Garching - Gleis 1 - Nordblock Ska Fest
22.07.2012 mit Dawn Penn:
Brescia - Musical Zoo
18.08.2012 mit Dawn Penn:
Mainz - Reduit
Es folgt eine 30-minütige Umbaupause, um den Auftritt von
Groundation vorzubereiten. 21:30 Uhr fällt der Startschuss.
Groundation beginnt ohne viel Theater oder Vorgeplänkel mit
„Merry-Go-Round“, von ihrem neuen Album
„Building An Ark“.
Live
Video:
Merry-Go-Round
Als Backgroundsinger fungieren
Kim Pommel und Kerry-Ann
Morgan. Man muss schon immer recht genau hinschauen, denn die
Mädels sind recht wandlungsfähig was ihr Aussehen
betrifft.
Auf den Bühnenplanken kleben kleine handgeschriebene
Setlists, die erst am Vortag auf einem Abrissblock des Hamburger
Smartcityhotel verfasst worden sind. Recht kurz erscheint die Liste.
Aber wer Groundation kennt, weiß dass auch wenige Titel eine
stattliche Konzertlänge erreichen können. In diesem
Sinne führt auch Groundation, mit teilweise betont langen
jazzigen Solopassagen, durch den Großteil ihrer Alben. Auch
wenn dem Reggae Fan diese Einlagen manchmal etwas zu viel werden,
entschädigt das Gesamtkunstwerk mehr als genug.
Kim und Kerry-Ann, die sonst besonders mit Tanz und Backgroundgesang
überzeugen, bekommen heute mehr Sologesangeinsätze
als bisher gewohnt. Auch das neue Album ist dafür
kennzeichnend. Keine Gastkünstler aber dafür mehr
Solopassagen von Kerry-Ann und Kim. Wenn man sich Kerry-Ann so ansieht,
wird ihr Tanzkunstwerk in nächster Zeit sowieso ein wenig der
persönlichen Schonung zum Opfer fallen müssen. Wir
werden vielleicht beim Summerjam sehen, ob die Vermutung stimmt.
Nach der etwas zurückhaltenden Anfangsphase die weitestgehend
den letzten beiden Alben gewidmet ist, geht es mit „Something
More“ (Hebron Gate) endlich in die merklich heiße
Phase des Abends. Sofort ist die Stimmung der Massive ein ganzes
Stück nach oben geschnellt, wo sie auch im Laufe des weiteren
Abends bleibt. „Undivided“, ebenfalls von
„Hebron Gate“, wird nachgeschoben.
Live
Video:
Undivided
Die positiven
Energien fließen in Strömen, ganz wie es sich
Harrison Stafford wünscht. Dann „The
Dreamer“ vom neuen Album „Building An
Ark“, eine tief rootsige Nummer, die zu den Spitzentiteln des
Albums gehört.
„Music Is The Most High“ (We Free Again) und
„If I“ (Each One Teach One) bilden dann den
vorläufigen Schlusspunkt der Show. Diesen akzeptiert
natürlich niemand. Groundation wird gefeiert ohne Ende, bis
sie wieder auf der Bühne stehen.
„One More Day“ (Each One Teach One) heißt
die erste Zugabe, mit der die Massen beglückt werden.
Unbestritten mit eine der besten Nummern von Groundation.
Live
Video: One
More Day
Dann ist wieder das Publikum an der Reihe, welches mit
unbeschreiblichem Lärm einen weiteren Nachschlag fordert.
Immerhin fehlt noch der Oberknaller der Band.
Und dann ist es so weit. Die Scheinwerfer sind auf Kerry-Ann gerichtet.
Sie übernimmt den Part von Cedric „Congo“
Myton und stimmt das Intro von „Freedom Taking
Over“ (Hebron Gate) an. Die Stimme passt perfekt. Eine
Version, die ich gerne als neue Studioaufnahme hätte. Dann
bricht mit voller Kraft der gesamte Sound der Band über uns
herein. Ein Beginn, den man selten bei anderen Stücken so
intensiv erleben kann. Gänsehaut pur ist angesagt.
Live Video: Freedom
Taking Over
Obwohl jetzt nichts mehr die Show toppen könnte, ist das
Publikum nun so richtig aufgestachelt.
Erst scheint es, als ob man nach zwei Zugaben aufgibt, aber dann geht
der Krawall erst so richtig los.
Vor der Bühne tobt ein unbeschreiblicher Lärm, der
die Lautstärke des Bühnenprogramms bei weitem
übertrifft. Donnerndes Trampeln erfüllt
zusätzlich den Saal, als würde eine
Büffelherde übers Parkett jagen. Es gibt kein Halten
mehr. Aufgeben ist vergessen. Groundation kommt sichtlich
gerührt und dankbar wieder auf die Bühne. Die
Techniker wuseln zwischen den Künstlern herum, müssen
hastig den einen oder anderen Stecker wieder an die richtige Stelle
setzen, und die dritte Zugabe nimmt ihren Lauf.
„Get Up Stand Up“ (A Tribute To Bob Marley), zu
Ehren von Bob Marley, bildet dann wirklich den unwiderruflichen
Abschluss des Abends.
Die Massive ist schließlich zufrieden, und der Eine oder
Andere wischt sich eine Träne aus den Augen. Mehr kann man
jetzt wirklich nicht verlangen.
Jedes Jahr wird von Groundation traditionell eine Bob Marley Tour
durchgeführt. Vergangenen Februar war das inzwischen die 12.
Tour in den USA. Die 13. ist schon für das kommende Jahr
versprochen.
Bild 1: Tourposter 2012
Bild 2: A Tribute To Bob Marley -
Doppelalbum
Leider ist das Doppelalbum, welches um das Jahr 2004
aufgenommen worden ist, nirgends mehr verfügbar. Aber man soll
ja niemals nie sagen, vielleicht gibt´s ja irgendwann eine
offizielle Neuauflage, wenn es genügend Nachfragen gibt.
Stoßen wir die Sache an!
Nachsatz:
Den geplanten Backstagetermin konnten wir leider nicht mehr umsetzen.
Ein besonders ehrgeiziger Mann vom Sicherheitsdienst ließ
sich nicht erweichen. Auch meine Visitenkarte zur Anmeldung beim
Management wollte er absolut nicht weiterleiten. „Einer der
Künstler muss dich abholen und nichts Anderes!“, so
die Ansage. Als es dann so weit war, reichte das plötzlich
auch nicht mehr. Eine noch ehrgeizigere Dame vom Sicherheitsteam, kam
plötzlich hinzu und wollte auch das nicht mehr gelten lassen.
„Nur der Manager, darf dich abholen!“, war die neue
Ansage. Leider kannte sie das Management nicht einmal, um Bescheid
sagen zu können. Wir wollten noch warten, da die
Künstler mit unserer Visitenkarte inzwischen auf der Suche
nach dem Manager gegangen sind, der uns dann abholen sollte.
Vergeblich. Alle paar Minuten drängte man uns ein
Stück weiter in Richtung Ausgang und ließ uns nicht
weiter warten.
Copyright: Text und Fotos by Reggaestory
Mein besonderer Dank geht an Trinity Music, Soulbeats Records,
Music´Action Prod und natürlich an die Artists des
Abends.