Wer in Dresden die
Reithalle in der Strasse E sucht wird keinen Erfolg haben. Die richtige
Reithalle ist wo anders und eine Strasse E gibt es schon lange nicht
mehr. Die
STRASSE E ist der Name eines Kulturzentrums und ist seit vielen Jahren
eine der
bekanntesten und beliebtesten Locations der Region. Die STRASSE E
zeichnet sich
durch eine große Vielfalt unterschiedlicher Programme und
Musikrichtungen aus
und hat drei verschiedene Locations unter einem bzw. unter zwei
Dächer. Das ist die REITHALLE
STRASSE E, der Club
BUNKER STRASSE E und die SPINNEREI STRASSE E. Im gesamten Bundesgebiet
finden
sich nur wenige vergleichbare Projekte, was der STRASSE E zunehmend zu
überregionaler Bedeutung verhilft. Die Namen der drei
Einrichtungen sind eng an
die Vorgeschichte der Gebäude geknüpft. Die STRASSE E
war in früheren Zeiten
tatsächlich einmal der Straßenname, eine
Namensgebung die aus der früheren Nutzung
als Industriegelände aus DDR-Zeiten stammt. Ab 1997 kam dann
die Umbenennung in
„Werner-Hartmann-Strasse“. Die Geschichte der
Gebäude reicht aber bedeutend
weiter zurück. So war die REITHALLE tatsächlich
einmal als Reithalle der
Königlich Sächsischen Kavallerie vorgesehen, wurde
aber später als
Rüstungsstandort für den I. Weltkrieg genutzt. Auch
der BUNKER verweist auf
seine frühere Nutzung als Luftschutzkeller im II. Weltkrieg.
Ja und schließlich
bezieht sich der Name der SPINNEREI auf die ehemalige zivile Nutzung
eines
Gebäudeteiles - eben auf die ehemalige „Alte
Spinnerei“. Weitere Informationen
zu diesem Kulturzentrum und seinen Veranstaltungen findet man unter www.tmec.de.
Am 18.11.05
kommt es
schließlich zum ersehnten 2. Auftritt der Skatalites in
Dresden, der den
meisten natürlich schon viel zu lange zurücklag. Ihr
erster viel umjubelter
Auftritt war im Jahr 2002 beim Dresdner „Back To The
Roots-Festival“.
Im
Vorfeld des
Auftrittes galt es noch unser persönliches Treffen mit den
Skatalites zu
arrangieren.
Eine
Absichtserklärung lag zwar schon seit Mitte Oktober vor, aber
festlegen wollte
sich zu diesem Zeitpunkt noch Niemand. Es hieß, der Termin
sei frühestens eine
Woche vor dem Auftritt mit dem Tourmanager abzustimmen. Eine Woche
vorher
stellte sich dann allerdings als noch zu lang heraus. Tourmanagerin
Frau
Laubach wollte sich immer noch nicht festlegen. Bei dem eng
geschnürten
Terminplan der Skatalites wollte sie es der Band nicht zumuten, schon
jetzt
eine Entscheidung zu fällen. Auf dem Weg nach Dresden lagen
immerhin noch
zahlreiche Gigs hin und her quer durch Europa
– mehrere
Auftritte in UK und unmittelbar vor Dresden einmal in der Slowakei und
einmal
in Tschechien. Schließlich gibt es da viele
Unwägbarkeiten und letztlich sei
die Stimmung der Band entscheidend, die man eben erst genau zum Tage
weiß. Also
hieß es weiterhin in Geduld fassen.
Am Tag des
Auftritts
versuche ich also mein Glück erneut. Die Skatalites befinden
sich gerade noch
in Prag und besteigen ihren Bus nach Dresden. Die Tourmanagerin macht
es
spannend – nein noch zu früh, ich solle abends noch
einmal anrufen. Am Abend
versuche ich es mehrfach ohne Erfolg, weil das Handy nun abgeschaltet
ist.
Unabhängig davon müssen wir nun aber los, denn 20:00
Uhr beginnt bereits der
Einlass in Dresden. Kurz nach 20:00 Uhr schließlich ein
weiterer Versuch – das
Handy ist wieder in Betrieb – die Band hat das Handy in
Beschlag genommen und
macht am anderen Ende der Leitung ihre Späße.
Schließlich bekomme ich doch noch
die Managerin zu sprechen. Ja und dann ist alles recht unkompliziert,
die Band
ist offenbar gut gelaunt und sagt dem Treffen spontan zu. Treffpunkt
soll 21:00
Uhr Backstage sein. Showtime ist gegen 22:15 Uhr geplant. Das ist gut
so.
Einerseits mehr als genug Zeit und andererseits kann man so viel
entspannter
den anschließenden Auftritt genießen.
Am Einlass
schließlich eine Überraschung, da hat man doch
tatsächlich vergessen uns auf
die Gästeliste zu setzen und Pressetickets waren auch keine
hinterlegt –
einfach nichts zu finden. Ja was nun – alles geklärt
und nun kommen wir nicht
rein?
Die Kontrolle
vom Dienst ist aber glücklicher Weise kulant und akzeptiert
den vorgelegten Presseausweis des RNM. Er wünscht einen
schönen Abend, den wir ganz
sicher auch haben werden.
Die Zeit ist
inzwischen heran und wir begeben uns zur Bühne. Man
lässt nach der
Tourmanagerin suchen. Frau Laubach begrüßt uns
freundlich und führt uns nach Backstage,
was eigentlich Understage heißen müsste. Wir
steigen die Treppe hinab und kommen
in einen großen Kellerraum unter der Bühne. Ein Duft
vom fernen Jamaica nimmt
uns gefangen. Im Raum befinden sich mehrere Sessel und Sofas auf denen
es sich
die Band bequem gemacht hat – jeder ein Teil für
sich. Noch etwas essen und
Entspannung vor dem Auftritt. Frau Laubach stellt uns der Band vor, die
sich
nicht aus der Ruhe bringen lässt. Sie übergibt uns
Ken Stewart, der über all
unsere Wünsche befinden soll.
Ken ist
freundlich,
ruhig und in der Folge sehr bescheiden. Foto und Film alles kein
Problem. Ken verteilt
den
mitgebrachten Stapel unseres Magazins an die Bandmitglieder, die sich
sogleich
mit großem Interesse darin verlesen. Offenbar eine
willkommene Abwechslung.
Mitgebracht hatte ich die Juni-August Ausgabe von 2005, da dort bereits
ein Kurzbericht
von den Skatalites enthalten ist. Etwas peinlich ist, dass die Band
natürlich
sofort Fehler findet und lautstark vorliest. In erster Linie muss da
das Bild
von David Hinds, dem Sänger von Steel Pulse herhalten, der auf
Seite 33
fälschlicher Weise vom Redakteur als „Steel
Paul“ bezeichnet worden ist. Ob sie
das lustig oder beleidigend finden, ist der Mimik der Band nicht zu
entnehmen.
Hoffentlich kommen solche kritikwürdigen Schnitzer in Zukunft
nicht mehr vor –
da muss unbedingt noch daran gearbeitet werden.

Bild 1: Ken Steward
(Keyboards)
Bild 2: Lester "Ska"
Sterling (alto Sax) und Doreen Shaffer (Vocal)
Das Interview mit
Ken dauert ca. 20 Minuten. Ken spricht sehr leise und von oben ist
bereits der
volle Bühneneinsatz von Ken Guru & The Highjumpers zu
hören, die als
Vorband auftreten. Nun das wird sichtlich ein Problem geben unsere
Aufnahmen zu
vertexten.
Wir sprechen
unter
Anderen über die gegenwärtige Tour die im April
diesen Jahres auf einem
Festival in Mexiko begann. Es folgt eine Aufzählung von
Stationen aus der
ganzen Welt, die vermuten lassen, dass sie Jamaica gar nicht mehr zu
Gesicht bekommen.
Am Ende schmunzelt jedoch Ken und meint, dass man zwischendurch aber
schon mal
Gelegenheit hätte nach Hause zu kommen. Die World-Tour erfolgt
also nicht in
einem Stück. Während der Tour ist allerdings kaum
Zeit für Sightseeing oder
Entspannung. Fast jeden Tag ist man in einer anderen Stadt zwischen
denen
manchmal erhebliche Entfernungen zu bewältigen sind. Aber zu
viel wird es den
Skatalites noch nicht. Das letzte Album der Skatalites „From
Paris With Love“
erschien im Jahr 2002.
Ein neues
Album ist
in Arbeit und wird in etwa 3 Monaten auf den Markt kommen.
Mitgebracht
haben
sie schon mal eine neue Live CD „In Orbit Vol. 1“,
die es auf dem Saal im
eigens mitreisenden Skatalites-Shop zu kaufen gibt. Für den
Fan gibt es da
außerdem noch T-Shirts, Aufkleber, Buttons und Anderes.

Die
Skatalites haben
in den letzten Jahren einige wichtige Bandmitglieder verloren wie die
Gründungsmitglieder Lloyd Brevett und Johnny
„Dizzy“ Moore. Cedric I..m Brooks
ist auch nicht mehr dabei. Auch Posaunist Vin Gordon, der eigentlich in
der
Bandzusammenstellung für 2005 auf der Homepage der Skatalites
noch aufgeführt
ist, fehlt. Lloyd Brevett arbeitet seit Dezember 2004 an seinem eigenen
Projekt. Dizzy John kann man bei den Jamaican Allstars sehen und Cedric
stand
dieses Jahr auf dem Line-up der Bob Marley Feierlichkeiten in
Äthiopien.
All dies ist aber
für die Skatalites kein Problem. Es gab in Vergangenheit schon
viele Verluste
von hervorragenden Musikern in der Band wie Don Drummond, Jackie
Mittoo, Tommy
Mc Cook, Rolando Alphonso und Andere. Die Skatalites sind aber so gut
wie
früher, oder sogar noch besser, wie sie während des
Abends noch beweisen
werden. Neuer Mann am Bass ist Val Douglas, allerdings mit Bassgitarre,
der die
Band hervorragend ergänzt.

Bild 1: Lloyd Knibb (Drums)
Bild 2: Val Douglas (Bass)
Die
Skatalites hoffen
und wünschen sich, dass weiterhin jedermann die Musik der Band
genießen wird.
Sie sind der Meinung, dass jeder der die Band kürzlich gesehen
hat, zu der
Überzeugung kommt, dass die Band besser als je zuvor ist.
Zum Abschluss
gibt’s
noch einen handgeschriebenen Gruß der Skatalites. Ken
bereitet das Blatt vor
und unterschreibt bescheiden am unteren Ende des noch leeren Blattes.
Allerdings zwängt sich Karl später noch darunter, der
erst gar nicht so recht unterschreiben
wollte. Devon James ist nicht dabei, auch auf dem nachfolgenden
Gruppenbild
nicht. Er hat leider schon anfangs den Raum verlassen und sieht sich
offenbar
den Auftritt von Ken Guru an. Kevin ist inzwischen eingenickt und hat
seine
Schirmmütze in den Farben der UNIA*)
tief ins Gesicht gezogen und muss
geweckt werden. Aber auch dies macht seiner guten Laune keinen Abbruch.
Ken
macht beim letzten Gruppenbild seine Späße und
hält Lloyd die Werbeeinlage aus
dem Magazin mit einem aufgedruckten Hanfblatt über den
Kopf.

Bild 1: Kevin
Batchelor
(Trumpet) und Gruppenbild
Bild 2: Skatalites und
Peter
Nun ist es
aber an
der Zeit Abschied zu nehmen, damit sich die Band auf ihren Auftritt
vorbereiten
kann. Es war uns eine Freude, dass sich die Skatalites so viel Zeit
für uns
genommen und uns so freundlich empfangen haben.
Ja und im
Saal geht
derweil der Auftritt von Ken Guru dem Ende entgegen.
Gegen 22:25
Uhr
werden dann schließlich die Skatalites jubelnd auf der
Bühne begrüßt.
Die
nachfolgende
Bühnenshow bestätigt alle Voraussagen – die
Skatalites sind so gut wie nie
zuvor. Im Vergleich zum letzten Summerjam-Auftritt im vorigen Jahr, hat
sich
der Klangkörper der Band sehr gewandelt und verbessert. Die
Show ist
vielseitiger und erfrischender. Auch der Reggaefan kommt voll auf seine
Kosten.
Der Band fehlt zwar mit Lloyd Brevett ein allen bekanntes
Markenzeichen, aber
die Show lässt keinen Raum lange darüber
nachzusinnen. Die Bandmitglieder
kommen mehr aus sich heraus und sind sogar zu Späßen
aufgelegt. Lester hat den
Part der Ansage übernommen und strahlt während seiner
Spielpausen
gedankenverloren in das ausgelassen tanzende
Publikum
– ganz als
könne er es nicht fassen wie gut die Band ankommt.

Aber die
Bewunderung ist auf
beiden Seiten. Nach einigen Stücken betritt Doreen Shaffer die
Bühne, die von
den Dresdnern begeistert empfangen wird – „Doreen
wir lieben dich!“, ruft es
mehrfach aus der Menge.
Sie beginnt
mit
„Sugar, Sugar“ und andere Hits wie „When
I falling love“ und „Simmer down“,
folgen. Kevin und Doreen singen im Duett den
Hit „By the rivers of Babylon“. Karl
hat inzwischen seine Schirmmütze zur
Seite gedreht, macht witzige Gesten und überrascht mit
Tanzeinlagen.

Bild
1:
Doreen Shaffer
Bild 2:
Karl
"Cannonball" Bryan
Zum Ende hin
hüpft
und singt Kevin zur Animation des Publikums „Loo
Lolololololoo ........“, winkt
mit seiner Trompete und alle singen mit. Nach knapp zwei
schönen Stunden ist es
dann leider wie immer viel zu schnell vorbei.


Also lasst
Euch den nächsten
Skatalites-Auftritt nicht entgehen, Ihr werdet es nicht bereuen.
Ausführliche
Informationen zu den Skatalites gibt es unter www.skatalites.com.
*)
UNIA
– Die Farben
der UNIA sind Rot-Schwarz-Grün und sind die Farben der Black
Power-Bewegung in
allen Teilen der Welt geworden. Rot für das in der
Vergangenheit vergossene
Blut, schwarz für den Stolz der schwarzen Rasse und
grün für den afrikanischen
Kontinent, seine Fruchtbarkeit und die Hoffnung auf Freiheit. Die UNIA
(Universal Negro Improvement Association) wurde 1914 von Marcus Garvey
in
Jamaica gegründet, die sich den Zusammenschluss aller
schwarzen Völker der Welt
in einer großen Körperschaft zum Programm machte,
mit dem Ziel, ein Land und
eine Regierung zu schaffen, die voll und ganz den Schwarzen
gehört.
Copyright: Text
& Fotos by
Reggaestory
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