YELLOWMAN
& THE SAGITTARIUS BAND
“DEM A MAD OVER ME” TOUR 2009
17.11.2009
– YAAM Berlin
Legende
Winston Foster aka King Yellowman, befindet sich vom
04.11.-12.12.2009 auf großer Europa Tournee. Sage und
schreibe 38 Stationen hat Revelation
Concerts in dieser Tour untergebracht. Das bedeutet,
dass nur an einem einzigen
Tag
pausiert wird. Es geht kreuz und quer durch Europa.
Großbritannien, Irland,
Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien, Spanien, Schweiz, Tschechei
und
Österreich werden dem King huldigen können. Am
12.Dezember in Dortmund wird
dann mit der Jamdown Party das große Finale
gefeiert. Weitere Partygäste werden
Mono & Nikitaman, sowie Jampara & The Batalion sein.
Schwer zu glauben,
wie das der von schwerer Krankheit und Schicksalsschlägen
gezeichnete King
bewältigt.
Yelloman wurde 1959 in
Kingston von seinen Eltern
ausgesetzt, da er als Albino zur Welt kam. Ursache dafür ist
ein Land, in dem
Andersartige denkbar schlechte Karten haben. Auf meine Frage nach
seinem
Geburtstag gibt Yellowman den 15. Januar an. Erwartet hatte ich
eigentlich,
dass auf Grund der Umstände seiner Geburt, das genaue Datum
nicht bekannt ist.
Er ist aber überzeugt an diesem Tage geboren und nicht
aufgefunden worden zu
sein. Aufgewachsen ist er dann in einem Kingstoner Waisenhaus. Kingston
als
unerschöpfliche Quelle jamaikanischer Musik, ging an Yellowman
nicht spurlos vorbei.
Musik wurde sein Lebensinhalt. Angefangen hat alles mit seinem
besonderen
Interesse für Deejays wie U Roy, I Roy und anderen.
Ausgestattet mit großem
Talent, unerschöpflicher Energie und einer riesigen Portion
Selbstbewusstsein,
eroberte er sich seinen Platz in der aufstrebenden Dancehall Liga. Sein
Durchbruch kam 1979 mit der erfolgreichen Teilnahme am
„Tastee Talent Contest“.
Bereits 1982 kamen seine ersten erfolgreichen Alben auf den Markt. Der
Rest ist
Geschichte. Yellowman wurde der „King of
Dancehall“, der besonders für seine
Slackness Lyrics berühmt wurde. Yellowmans Dancehall-Style ist
aber mit dem
modernen Dancehall kaum vergleichbar. Teilweise geprägt mit
schweren Bässen und
mitreißenden Riddims steht er dem Roots-Reggae oft bedeutend
näher, als die
junge Dancehall-Generation der Gegenwart. Sein oft als Reggae-Rap
bezeichneter
Gesang, sowie eingeflochtene Dubelemente, geben seiner Musik einen
unverwechselbaren Klang. Bis heute hat er über 50 Alben
veröffentlicht, bei
denen man kaum wegen der widersprüchlichen Angaben der
Veröffentlichungsdaten,
den korrekten Überblick behalten kann. Erschwert wird das
Ganze noch durch
Wiederveröffentlichungen auf CD-s, die mehr oder weniger
sorgsam in den
diversen Discographien eingearbeitet worden sind.
Ständiger Begleiter seiner Karriere ist eine
Knochenkrebserkrankung, die schon zu Beginn seiner musikalischen
Laufbahn
festgestellt worden ist. 1986 mussten bereits erste Knochenteile seines
Kiefers
der linken Gesichtshälfte entfernt werden, was sein Aussehen
stark in
Mitleidenschaft zog und leider auch seinen Gesang beeinflusste. Mit
Beginn der
90-er Jahre kam auch noch eine Hautkrebserkrankung hinzu. Yellowman
lässt sich
aber trotz Allem nicht unterkriegen und arbeitet ungebrochen weiterhin
an
seiner Musik. Ein neues Album ist schon wieder in Arbeit. Das
Veröffentlichungsdatum steht aber noch nicht fest. Die
Popularität des King ist
bis heute ungebrochen, auch wenn das Publikum nicht mehr so zahlreich
ist wie
früher.
So kann man wenigstens
heutzutage den King auch im kleinen
Kreis erleben, wie am 17.11.2009 im Berliner YAAM.
Der Beginn der Show ist für 22:00 Uhr geplant.
Erfahrungsgemäß verschiebt sich die Sache aber oft
nach hinten. Da man sich
dessen aber niemals sicher sein kann, kommen wir trotzdem
pünktlich.
Das Risiko ist mir zu groß, eine Ausnahme zu erleben und
womöglich den Anfang zu verpassen.
Als wir das YAAM betreten, sind wir dann aber trotzdem ein
wenig überrascht. Die Anzahl der Gäste ist noch sehr
überschaubar. Bei der zu
erwartenden Legende eines King Yellowman, ist das schon ein wenig
erschütternd.
Nur sehr langsam füllt sich die Location. An einen
pünktlichen Start ist unter
diesen Umständen kaum zu denken, selbst wenn man es wollte.
Gegen 22:30 Uhr rollen
dann Yellowman und die Sagittarius Band, begleitet von Tourmanager
Christoph,
mit einem Minibus aufs YAAM-Gelände.
Yellowman im roten Sportanzug und übergezogener Kapuze
wartet nun im Backstage auf den Beginn der Show. Er erkundigt sich
gerade genauestens
nach den Randbedingungen für den Weg zur Bühne, als
ich die Gelegenheit
bekomme, kurz den King zu begrüßen. Jetzt vergeht
die Zeit wie im Fluge. Es ist
mir eine besondere Ehre, kurz mit Yellowman ein paar Worte wechseln zu
können.
Unter Anderem frage ich ihn neugierig nach seinem bevorstehenden
Programmablauf
und einer Tracklist, die ein gutes Souvenir abgeben würde.
„Nein, die brauche
ich nicht. Das habe ich alles in meinem Kopf!“, sagt
Yellowman und tippt mit
seinem Finger an die Stirn. „Erst wird die Band zwei
Stücke spielen, und dann
komme ich hinzu.“, fügt er dann noch an.
„Wann wird das sein?“, will ich
wissen. „In fünf Minuten.“, gibt er ruhig
zurück. Da muss ich mich aber nun
sputen, um vor die Bühne zu kommen.
Mit einem freundlich bestimmten „See u later!“,
verabreden
wir uns bis nach der Show.
Jetzt ist das YAAM schon gut gefüllt, aber längst
noch nicht
ausgelastet. Die Sagittarius Band ist bereits voll in ihrem Element und
stimmt
die Massive auf den King ein.
Kurz darauf erscheint Yellowman nicht in gelb, sondern nach
wie vor völlig in rot, abgesehen von weißen
Turnschuhen und einem blaugrauen
Tuch, welches er im Räuberstil um den Kopf gebunden hat. Er
beginnt seine Show
mit dem gewohnten Bewegungsdrang, der keine Grenzen kennt. Er
hüpft auf und ab,
mal mit beiden Beinen oder auch nur mit links oder rechts, spurtet von
einer
Bühnenseite auf die andere und präsentiert eine
nahezu unerschöpfliche
Bühnenchoreographie. Das führt natürlich
dazu, dass er sich als Nächstes seines
roten Adidas-Pullovers entledigt. Darunter kommt wiederum nur rot zum
Vorschein. Ein rotes Shirt und eine rote Armbinde.
Live Video: ... + Carolina + ...
Live Video: No Woman Tonight
Yellowman heizt der Massive kräftig ein. Mit “Cocky
Did A
Hurt Me”, lässt er die Hüfte kreisen und
stößt sein Becken immer wieder ruckartig
zum Gejohle der Massen nach vorn. Yellowman wird es noch
wärmer und das Shirt
muss auch noch dran glauben. Jetzt kommt ein muskelbepackter
Oberkörper zum
Vorschein, der nur noch von einem Turnhemd bedeckt ist –
wiederum in rot. King
Yello ist heute Abend King Red. Es geht ununterbrochen weiter, unter
Anderem
mit „Oh Carolina“ und „Freedom
Walk“, danach ein deutliches Dankeschön (in
sauberem Deutsch) an das Publikum. Beim Klassiker „Too
Greedy“ folgen die
unterschiedlichsten Tanzeinlagen, bei denen sich Yellowman nahezu bis
auf den
Boden wirft. Topfit der Mann. Wie macht der das nur, trotz seiner
Krankheit?
Live Video: ... + Operation Radication
Live Video: ... + Bam Bam
Weiter geht´s mit „Operation Radication“,
„I´m Getting
Married In The Morning”, “Bam Bam” und
vielen anderen mitreißenden Tracks. Zwischendurch
auch mal eine ruhigere Einlage mit „Blueberry
Hill“, die er aber nicht wirklich
zum Ausruhen braucht. „Zungguzungguguzungguzeng“
darf natürlich auch nicht
fehlen. Yellow mimt den Hampelmann und präsentiert alle
möglichen anderen
Sprung- und Bewegunsgformen. Die Massive jubelt lautstark ohne Ende.
Dazwischen
immer wieder Posen mit verschränken Armen und energischen
Blicken, in denen er
sich bewegungslos zur Schau stellt. Momente für garantiert
verwacklungsfreie
Aufnahmen.
Live Video: Zungguzungguguzungguzeng
Berührungsängste zwischen dem King und der Massive
gibt es
auch nicht. Da werden die Hände entgegen gestreckt und der
Reihe nach von ihm abgeklatscht
und zum späteren Zeitpunkt noch einmal
durchgeschüttelt.
Am Ende dann „Nananana, Nananana, Hey Hey Hey, Good
Bye!“,
und Yellow verschwindet passender Weise kurz von der Bühne, um
gleich darauf
zurück zu kehren. „Yellow Like Cheese“,
„Take Me Home Country Roads“
……, und
dann ist es aber wirklich vorbei. Der King hinterlässt ein
glückseliges und
berauschtes Publikum. Aber nicht nur King Yellow hat seine Sache gut
gemacht,
auch die Sagittarius Band hat einen klasse Sound abgeliefert, der
über weite
Strecken etwas rootsiger präsentiert wurde, als man in den
Originalvorlagen
hören kann.
Wieder im Backstage gibt es für den King noch jede Menge
Arbeit. Da müssen noch Fotos, CD-Covers und viele gute alte
Langspielplatten
signiert werden. Yellowman ist aufgeschlossen und stellt sich ausgiebig
den
Fragen seiner Gäste und den unvermeidlichen Wünschen
nach gemeinsamen
Erinnerungsfotos. Da die Nacht schon recht weit fortgeschritten ist,
verabschieden wir uns bald darauf und wünschen dem King noch
eine erfolgreiche
Tour durch Europa.
Das YAAM ist inzwischen
schon nahezu verlassen. Für eine
Aftershow Party und noch mehr Musik aus der Konserve hat heute offenbar
keiner mehr
so richtig Lust.
Copyright: Text und Fotos
by Reggaestory
Mein
besonderer Dank geht an Lena und dem YAAM Team, Christoph
von Revelation Concerts und natürlich Yellowman und der
Sagittarius Band.