Ein Fotoalbum - Teil 9
01.12.2013 – Axum und Umgebung (22.03.2006 nach dem äthiopischen Kalender)
Das
riesige Gedränge vom Hidar
Zion Fest ist vorüber. So ergibt sich heute die Gelegenheit
eine menschenleere Marienkirche und weitere
Sehenswürdigkeiten von Axum zu besichtigen. Ausserdem
stehen u. A. die Museen des Ortes, sowie die etwas
außerhalb liegenden Grabkammern der axumitischen
Könige Kaleb und Gebre Maskal auf dem Programm.
Erster Tagesordnungspunkt ist
aber der Stelenpark (Mai Hejja), den wir zwar schon die letzten Tage
öfter im Blickfeld, aber noch nicht detailliert besichtigt
hatten. Außer den weithin sichtbaren Stelen sind auf dem
Gelände auch noch einige unterirdische Anlagen sowie das
Archäologische Museum von Axum.
Bild
778 - 782:
Die größte Stele liegt leider zerbrochen am Boden Bild 778:
Eingang zu Grabkammern Bild 782:
Hinten links ist ein Teil der Grabplatte Nafas Mawcha erkennbar, die
mit Abmessungen von 17,3 x 6,7 m ein Gewicht von 360 t erreicht
Nach Passieren des Eingangs zum Stelenpark kann man die
größte und schwerste Stele sehen, die auch als
weltweit größter bearbeiteter Monolith der Antike
gilt. Aufgerichtet würde sie eine Höhe von 33,3 m
erreichen. Aus heutiger Sicht ist kaum nachvollziehbar, wie
dieses 517 t schwere Objekt überhaupt bewegt werden konnte. In
der Literatur wird sie als "Stele Nr. 1" bezeichnet (aus Deutsche
Axum Expedition 1906 unter Enno
Littmann).
Das Gelände mit den Stelen diente einst den axumitischen
Herrschern als Friedhof. Die Tradition der Stelen begann
bereits im 4. Jahrhundert vor Christus mit kleineren und unverzierten
Steinsäulen und wurde über die Jahrhunderte immer
weiter ausgebaut und perfektioniert. Die gewaltigsten und
schön verzierten Stelen werden dem 4. Jahrhundert nach
Christus zugeschrieben. Die hier sichtbaren Stelen stellen aber nur
einen kleinen Teil der in Axum existierenden Gesamtanzahl dar, die
gegenwärtig bei 120 liegt. Bei der Bodenbearbeitung kommt es
auch immer wieder zu Neuentdeckungen von bereits umgefallenen Stelen.
Auch außerhalb von Axum, kann man weit im Lande verstreut,
kleinere und nur grob behauene Verwandte entdecken (z. B. Bild 578 in
Yeha und Bild 832 - 835).
Bild
783:
Unterirdischer Gang mit seitlich liegenden Grabkammern, erreichbar nach
Passieren des Eingangs von Bild 778
In den Grabanlagen befinden sich überall riesige monolithische
Steinplatten, mit denen Durchgänge, Räume und
Gänge abgedeckt worden sind.
Am westlichen Ende des Stelenparks befindet sich das sogenannte "Grab
der falschen Tür". Steigt man die Treppe hinunter, kommt man
in einen leeren Raum und eine daran anschließende Grabkammer
mit einem steinernen Totenbett. Links neben dem Eingang zu der
Grabanlage kann man die alte Befestigungstechnik der
Steinblöcke noch erkennen, die mittels Metallklammern
erfolgte. Gegenwärtig ist dies die einzige noch existierende
Klammer von Axum.
Bild
784:
"Grab der falschen Tür", wegen der darüber
aufgerichteten Steinplatte mit einer im axumitischen Stil angedeuteten
Tür Bild 785:
Historische Metallklammer
Im Mittelpunkt des Geländes steht, die mit 24 m Höhe,
zweitgrößte Stele
von Axum (Bild 778 + 660). Sie
wird als "Stele Nr. 2" bezeichnet. Einst
wurde sie von den
Italienern im Jahr 1937 geraubt und in Rom aufgerichtet. Obwohl nach
der Niederlage der Italiener, schon im Jahr 1947 ein Vertrag
über die Rückführung der Stele unterzeichnet
wurde, erfolgte dies erst im Jahr 2005. Aufgerichtet wurde die einst
zerbrochene Stele aber erst im Jahr 2008. Positiv am
italienischen "Urlaub" der Stele, kann nunmehr der perfekt
restaurierte Zustand angesehen werden.
Bild
786:
Rätselhafter Stein in Nähe von Stele 1 Bild 787:
Scheintür auf der Rückseite von Stele 2
Weiterhin auffällig ist die drittgrößte
Stele Nr. 3, die nur 50 cm kleiner als Stele 2 ist. Im Laufe
der
Jahrhunderte neigte sich diese Stele immer mehr zur Seite, so dass man
ein Umfallen befürchtete. Um dies zu verhindern hat man im
Jahr 2008 eine Stahlseilkonstruktion installiert, die auch
dafür angelegt ist, eine langsame Wiederaufrichtung zu
ermöglichen (Bild 778).
Bild
788 + 789:
Weitere Stelen im nordöstlichen Betreich des Stelenparks
Mittig der Nordseite des Stelenparks (Standpunkt Bild 789), befindet
sich der Eingangsbereich zum Archäologischen Museum von Axum.
Eine
gute Geländeübersicht ist im Teil 8 mit den Bildern
758, 759
und 761 enthalten. Das Museum liegt auf dem ehemaligen
Grundstück des Gebre Selassie Barya, der die Deutsche
Axum-Expedition von 1906 empfing und Vizegouverneur von Tigray war.
Neben dem Museum steht noch das Haus von Gebre Selassie Barya aus dem
Jahr 1902.
Im Archäologischen
Museum
ist es nicht gestattet Foto- oder Videoaufnahmen zu machen, daher gibt
es nur diesen Link zu ein paar ausgewählten
Ausstellungsstücken.
Video: Das Stelenfeld von Axum
Nächster
Programmpunkt ist die Innen-Besichtigung der neuen Marienkirche, dessen
Errichtung Kaiser Haile Selassie zu verdanken ist. Da zu der alten
Marienkirche nur Männer Zutritt hatten, sollte eine neue
Kirche
errichtet werden, die von Männern und Frauen betreten werden
durfte. Nach einer Bauzeit von 12 Jahren wurde die Kirche ein Jahr
später von Kaiser Haile Selassie und der englischen
Königin
Elisabeth II., am 02.02.1965 eingeweiht.
Bild
790:
Die neue Marienkirche (weitere
Außenansichten zur Marienkirche siehe Bild 763-65 in Teil 8) Bild 791:
Glockenturm und Mausoleum
des Ras Mangesha Johannes
Machen wir erst ein kleinen Rundumblick im Kirchensaal, bevor wir eine
Bildertour durch die Kirchenmalereien unternehmen.
Bild
792 - 797:
Ein Rundblick in der Marienkirche
Nun ein paar Gemälde aus der Nähe betrachtet.
Bild
798:
Himmelfahrt Christus
Bild
799: Die
Dreifaltigkeit / The Trinity
Bild
800:
Bild 801: Der
heilige Gebre Memphis Kiddus mit Löwen und Leoparden Bild 802:
St. Tekla Haimanot mit nur einem Bein und Flügeln
Bild
803:
Bild
804:
Kreuzigung Christus
Soweit eine kleine Auswahl aus der Nähe. Lassen wir
noch ein wenig in einem der heiligen Bücher der Kirche
blättern, bevor es wieder nach draußen geht.
Bild
805: Blick
in eine der heiligen Schriften der Kirche, die in der
altäthiopischen Sprache Ge´ez
verfasst ist - Sollte man sich unbedingt einmal vortragen oder
vorsingen lassen! Auch wenn sie als ausgestorbene Sprache gilt, wird
sie von vielen Priestern noch beherrscht und in den Kirchen praktiziert.
Video: New Church of St. Mary of Zion
Zwischen der neuen und der alten Marienkirche befinden sich das Haus
der Bundeslade, die Ausgrabungsstätte von
Nebengebäuden der ersten axumitischen
Enda-Maryam-Zion-Kirche und das provisorische Kirchenmuseum mit
zahlreichen Kostbarkeiten.
Bild
806: Haus
der Bundeslade hinter dem Ausgrabungsfeld
Bild
807: Das
Ausgrabungsfeld zwischen Haus der Bundeslade und der neuen Marienkirche Bild 808:
Glockenturm und Mausoleum des Ras Mangesha Johannes (Sohn von
Kaiser Johannes IV.)
Bild
809 + 810:
Der Wächter der Bundeslade, der Zeit seines Lebens das
Gelände vom Haus der Bundeslade nicht mehr verlassen darf!
Warum eigentlich? Er soll wohl nix Näheres
ausplaudern?
Wenn man das Glück hat, den Wächter der Bundeslade zu
Gesicht zu bekommen, sollte man lieber eine Kamera mit guten Zoom dabei
haben und in der Ferne bleiben. Denn wenn er einen Fotografen in der
Nähe entdeckt, kann er schon einmal recht böse werden
und einen Stein aufheben.
Im provisorischen Kirchenmusem neben der Ausgrabungsstätte
(auf Seite der neuen Marienkirche), darf man keine Kamera mit
hinein nehmen. Eigentlich gar nichts. Für diesen Zweck sind
vor dem Eingang ein paar Schließfächer installiert,
die nicht sehr Vertrauen erweckend aussehen. Gefahr für das
eingeschlossene Gut besteht aber trotzdem nicht, da hier
ständig Wachpersonal steht. Männer und Frauen werden
gesondert einer optischen und elektronischen Visite unterzogen. Auch
kleinste Kameras oder Handys haben da keine Chance. So bleiben auch
diese Schätze ungezeigt und müssen von euch selbst
entdeckt werden. Besonders sehenswert ist die Sammlung von
verschiedenen Kaiserkronen, unter Anderem die Kronen von Menelik II und
Haile Selassie. Auf der Krone von Haile Selassie sind mittig St. George
und beiseitig daneben, jeweils ein Löwe dargestellt. Weiterhin
zieren die Krone ein Kreuz und viele weiße Edelsteine.
Deutlich prunkvoller sieht aber Meneliks Krone aus, die mit
verschiedenen Edelsteinen besetzt ist.
Hinter der Ausgrabungsstätte und dem Haus der Bundeslade,
befindet sich die alte Marienkirche und ein Männerkloster.
Dieser Bereich ist nur für Männer zugelassen.
Bild
811: Haus
der Bundeslade - Hinter dem Zaun beginnt verbotenes Gelände,
das Reich des Wächters der Bundeslade
Bild
812:
Haus der Bundeslade Bild 813:
Baugerüst mit Auffahrt an der Mauer zur angrenzenden alten
Marienkirche.
Bild 814 - 817: Die
alte Marienkirche Bild 817:
Eines der beiden Schatz- und Wachhäuser der Kirche
Geht man die Stufen hinunter, gelangt man über einen freien
Platz zu einem Durchgangsgebäude, hinter dem sich der
sogenannte "Platz der Hohen Gerichtsbarkeit" befindet, der heute leider
zerstört ist. Das Durchgangsgebäude nenne ich einmal
"Haus der heiligen Asche", weil dort ständig Holz verbrannt
wird, und die Gläubigen die Asche küssen und sich ins
Gesicht reiben.
Bild
818:
Ausgang / Durchgangsgebäude gegenüber der alten
Marienkirche Bild 819: "Tropfsteinhöhle" aus
kristallisierter Holzasche im Durchgangsgebäude
Bild
820: Am
"Platz der Hohen Gerichtsbarkeit" - Im Hintergrund das Tor zum
Daro-Ela-Platz mit dem großen Ficus, wo gestern das
Hidar Zion Fest abgehalten wurde (siehe Bild 734 in Teil 8, von der
anderen Seite)
Bild 821 + 822:
Platz der Hohen Gerichtsbarkeit
Auf dem Platz der Hohen Gerichtsbarkeit wurden in axumitischer Zeit
wichtige Versammlungen abgehalten und Entscheidungen getroffen. Die
heute durcheinander liegenden großen Steine sollen einst eine
Reihe von Thronen gebildet haben. Für die
Zerstörung soll die jüdische Königin Judith
(Gwudit) verantwortlich sein, die im 10. Jahrhundert Axum erobert hatte.
Video: Kapelle der Bundeslade + Old
Church of St. Mary of Zion + Platz der Gerichtsbarkeit
An dieser Stelle ist die Hälfte des Tages schon wieder
vorüber und Zeit für die Mittagspause auf der
Terrasse des Yeha Hotels.
Danach stehen die Grabanlagen von König Kaleb und Gebre Maskal
auf dem Programm.
Um dorthin zu gelangen, muss man die Sandpiste am "Bad der
Königin von Saba" nehmen und den Berg hinauf fahren. Auf
halber Strecke steht ein kleines Häuschen links des Weges, in
dem die Schriftstele des Ezana aufgestellt ist. Der Stein wurde von
drei Bauern bei Feldarbeiten, erst in den 1970er Jahren gefunden. Die
große Besonderheit daran ist, dass die in den Stein gehauene
Gechichte in 3 Sprachen verfasst ist, in Sabäisch, in
Ge´ez und in Altgriechisch. Es wird vom Sieg König
Ezanas berichtet, den er über die Truppen eines anderen Volkes
errang. König Ezana herrschte ab 325 nach Christus im
axumitischen Reich und führte gegen 345 das Christentum als
Staatsreligion ein.
Bild
823 + 824: Hinweise
zur Schriftstele des Ezana Bild 825:
Schriftstele des Ezana - Textauszug - Die Stele ist
schätzungsweise um die 2,5 m hoch und im engen Raum schwer
ohne Publikum aufzunehmen.
Die Grabanlagen von König Kaleb und Gebre Maskal liegen auf
einem kleinen Plateau unterhalb des Mount Libanos. Zum Schutz der
Grabanlagen wurde eine Wellblechdachkonstruktion errichtet. Auf dem
Gelände wird immer noch geforscht, und man ist
gegenwärtig dabei weitere Grabkammern auszugraben. Die
Zuordnung der Könige Kaleb und Gebre Maskal beruht allein auf
mündliche Überlieferungen. Eindeutige Inschriften
wurden bisher nicht gefunden.
Bild
826:
Landschaftsaussicht vom Plateau an den Königsgräbern
Kaleb und Gebre Maskal
Bild
827 + 828:
Mauerwerkskunst und verzierter Stein an den
Königsgräbern
Bild
829 - 831:
Eingang zu - und in den Grabanlagen
Letzter Tagesordnungspunkt ist die Besichtigung des "Dongur-Palastes",
der auch "Palast der Königin von Saba" genannt wird. Nach
Meinung verschiedener Historiker geht man aber davon aus, dass diese
Ruinen aus axumitischer Zeit, nicht zu einem Königspalast
gehören. Man vermutet aber, dass unter den jetzt sichtbaren
Ruinen weitere Anlagen zu finden sind. So wurden vom deutschen
Professor Helmut
Ziegert, im Jahr 2008, unter den Ruinen einige Relikte
gefunden, die stark darauf hindeuten. Letztendlich ist aber in den
Überlieferungen der Bevölkerung fest verankert, dass
an dieser Stelle einst ein Palast
der Königin von Saba gestanden haben soll.
Um zu den Ruinen zu gelangen müssen wir uns auf die ander
Seite von Axum begeben und die Straße in Richtung Shire
nehmen. Gegenüber den Palastruinen befindet sich ein weiteres
Stelenfeld mit zahlreichen unverzierten Stelen, teils stehend und teils
liegend. Das Gelände wird als das "Judith-Stelenfeld"
bezeichnet. Bisher wurden auf den teilweise landwirtschaftlich
genutzten Flächen schon rund 600 Stelen gefunden.
Bild
832 - 835:
Im Judith-Stelenfeld bei Axum
Bild
836 - 839:
In den Ruinen des Dongur-Palastes Bild 839:
Eine der
"Palastsirenen" von Dongur. Kinder schauen über die Mauer und
präsentieren ihre Gesangskünste, um ihr "Taschengeld"
etwas
aufzubessern
Bild
840 + 841:
Majestätische Euphorbie in den Ruinen des Dongur-Palastes
Bild
842:
Straßensperrung auf äthiopisch in Nähe des
Dongur-Palastes
Von hier aus bestünde noch die Möglichkeit das
sogenannte Grab von Menelik I. zu besuchen. Die dort entdeckten
Knochenreste werden als Reliquien im Schatzhaus (Bild 817) der alten
Marienkirche aufbewahrt. Weiterhin in der Nähe befindet sich
der Steinbruch Gobo Dera, in dem man die Fertigung der Stelen
nachvollziehen kann. Darüber hinaus gibt es an einer Felswand
den "Löwen von Gobedra", ein über 3 m langes Relief
zu besichtigen.
Unser Tagesplan endet aber leider schon an dieser Stelle, und es geht
zurück nach Axum.
Nach ein paar Shoperkundungen in Hotelnähe wird der Tag mit
einer guten Tat beschlossen, und die örtliche Schuhputzergilde
mit Arbeit versorgt.
Bild
843:
Schuhputzer in Axum
Für den morgigen Tag steht uns die abenteuerliche Fahrt in den
Simien Nationalpark bevor. Die Strecke dorthin befindet sich
weitestgehend noch im Bau und ist gegenwärtig nur als
Sandpiste zu benutzen. Wie wir mehrmals unsere Straße unter
den Rädern "weggezogen" bekommen und der Zeitdruck unseren
Fahrern im Nacken sitzt, werdet ihr im Teil 10 erleben.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text: Peter Joachim