Ein Fotoalbum - Teil 12
04.12.2013 – Gondar (25.03.2006 nach dem äthiopischen Kalender)
Heute
verweilen wir den ganzen Tag in der ehemaligen Kaiserstadt
Gondar, die von Kaiser Fasilidas um das Jahr 1636 gegründet
worden ist. Auf dem Plan stehen unter anderem der "Gemp", ein 7 ha
großes Gelände mit den Palastanlagen verschiedener
äthiopischer Herrscher und Herrscherinnen, sowie die Kirche
Debre Berhan Selassie.
Die zahlreichen Bauwerke des
Gemp wurden im Jahr 1941 durch den Befreiungskrieg gegen die
Italiener stark in Mitleidenschaft gezogen. Die von den Briten
durchgeführten Bombenangriffe galten eigentlich den
Italienern, die sich aber schon längst nicht mehr im Gemp
aufhielten. Als Wiedergutmachung führten die Briten einige
Wiederaufbauarbeiten durch. Der überwiegende Teil der
Palastanlagen war aber schon vor dem Bombardement verfallen.
Das gesamte Gelände ist mit einer Festungsmauer umgeben und
wird durch mehrere Eingangstore unterbrochen. Der offizielle Eingang
mit dem Ticket Office ist am Wember-Tor.
Falls Videoaufnahmen gemacht werden möchten, sind hier neben
dem Eintrittspreis 75 Birr fällig. Diesen lästigen
Videogebühren begegnet man leider bei vielen
Sehenswürdigkeiten in Äthiopien.
Bild
1.039:
Ein ungleiches Paar - Nadel- und Laubbaum bei der Vereinigung in der
Nähe des Wember-Tores Bild 1.040:
Der Palast des Fasilidas - Der quadratische Turm ist 32 m hoch
Bild
1.041:
Links der Beamtenpalast (Archiv) und rechts die Bibliothek,
nordwestlich vom Palast des Fasilidas
Bild
1.042 + 1.043:
Der Beamtenpalast und die Bibliothek aus der Nähe
Der Beamtenpalast und sogenanntes "Archiv des Fasilidas", sowie die
Bibliothek werden jedoch Kaiser Johannes I.
zugeschrieben. Wer sich durch die unzähligen
äthiopischen Kaiser hindurch finden möchte, dem sei
dieser Link
als Überblick empfohlen.
Bevor wir das weitere Gelände erkunden, werfen wir aber noch
einen Blick in den Palast von Kaiser Fasilidas,
der über eine
gewaltige Steintreppe zu erreichen ist.
Bild
1.044 - 1.050:
Im Palast des Fasilidas
Sämtliche Kostbarkeiten des Palastes aus jener Zeit, sind
leider in den Wirren der äthiopischen Geschichte
längst verloren gegangen.
Bild
1.051:
Palast des Fasilidas (Nordostseite)
Bild
1.052:
Gegenüber Bild 1.051 - "Bau des Johannes I."
und "Palast Iyasu
I."
(oder Jesus)
Der zweistöckige Palast von Kaiser Fasilidas´ Enkel
Iyasu I.,
wurde leider 1941 von britischen Bomben stark getroffen. Die
Pracht der
Innenräume mit ihrer Ausstattung ist leider auch nur noch
alten Schilderungen zu entnehmen.
Bild
1.053:
Links Palast von Iyasu I. und rechts der Palast von Fasilidas
Bild
1.054 + 1.055:
Zerstörte und intakte Decke im Palast von Iyasu I.
Wir bewegen uns vom Palast des Iyasu I. weiter in nordwestliche
Richtung. Es geht hinter der Bibliothek und am Beamtenpalast vorbei.
Bild
1.056:
Palast des Fasilidas vom nördlichen Ruinenfeld aus gesehen, an
dessen Ende sich die Bibliothek befindet (folgendes Bild)
Bild
1.057:
Bibliothek und Beamtenpalast
Bild
1.058:
Beamtenpalast
Weiter in nördlicher Richtung befinden sich die alten
Löwenkäfige. Gemäß einer
jahrhundertelangen Tradition der salomonischen Dynastie, wurden immer
einige Löwen in den kaiserlichen Anlagen gehalten.
Selbst noch nach dem Ende der Kaiserzeit, bis Anfang der 1990er Jahre,
waren noch Löwen in diesen Käfigen zu sehen.
Bild
1.059 - 1.062:
Die Löwenanlagen der salomonischen Dynastie im Gemp
Unmittelbar östlich der Löwengehege befinden sich die
Ruinen des Bete Zofan ("Haus des Throns"), einstige Festhalle von
Kaiser David
III..
Bild
1.063:
Die Festhalle von Kaiser David III. wurde leider bei Unruhen
während der Herrschaft von Kaiser Iyasu II.
zerstört. Auch hier gingen sämtliche
Kostbarkeiten dabei verloren und fielen plündernden Soldaten
in die
Hände.
Unmittelbar hinter der ehemaligen Festhalle befinden sich
nordöstlich das Elfin-Tor und nordwestlich die Reste des
ehemaligen Bad- und Saunabereichs.
Bild
1.064 - 1.066:
Elfin-Tor und ehemaliger Bad- und Saunabereich Bild 1.065:
Alte Kleiderhaken aus Tierhorn
Dieser Teil des Gemp wurde ebenfalls durch die britische Luftwaffe
stark zerstört.
Bild
1.067 + 1.068:
Eidechsen in den Ruinen des Gemp
Weiter nördlich und nordwestlich vom Saunabereich befinden
sich der Palast des Kaisers Iyasu II.
und Kaiserin Mentawab (auch Mentewab), die Festhalle des Kaisers Bekaffa
(Asma Sagad) und die kaiserlichen Pferdeställe.
Bild
1.069:
Rechts die Festhalle des Kaisers Bekaffa und links die
Pferdeställe
Bild
1.070:
Blick aus dem Festsaalgebäude in Nordrichtung - Wachturm
zwischen Festsaalgebäude und Palast von Kaiserin Mentawab Bild
1.071:
Blick aus dem Festsaalgebäude zum Palast der Kaiserin Mentawab
und Kaiser Iyasu II.
Wo Kaiser Bekaffa einst rauschende Feste feierte, richtete sich in den
1930er Jahren das italienische Militär ein. Während
dieser Zeit wurden erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz vorgenommen
und eine Betondecke eingezogen.
Bild
1.072:
Blick in die kaiserlichen Pferdeställe, südlich der
Festhalle des Bekaffa
Bild
1.073:
Palast der Kaiserin Mentawab und des Kaisers Iyasu II.
Diese Gebäude ist vermutlich die letzte Neuerrichtung eines
Palastes auf dem Gelände des Gemp. Es wurde gegen 1750
fertiggestellt. Man kann einige interessante Fassadenelemente sehen,
die sich von den anderen Gebäuden abheben.
Bild
1.074 + 1.075:
Palast der Kaiserin Mentawab und Kaiser Iyasu II.
Video: Der Gemp von Gondar
Soweit ein paar Eindrücke von der Erkundung des Gemp. Wir
verlassen das Gelände über das Ras-Tor, welches sich
am nördlichsten Punkt des eingefriedeten Palastbezirks
befindet.
Ein paar Fahrminuten östlich des Gemp, am Rande der Stadt,
befindet sich die Kirche Debre Berhan Selassie (auch Birhan) auf einem
Hügel. Es ist die bekannteste Kirche von Gondar und unser
nächstes Ziel. Die Kirche mit dem dazugehörigen
Kloster ist wie der Gemp von einer hohen Mauer mit Wehrtürmen
umgeben. Die nächste Videogebühr in Höhe von
75 Birr wird fällig. Unser Begleiter ist da recht emsig, um
daran zu erinnern.
Bild
1.076:
Torgebäude am Eingang zum Klosterareal der Debre Berhan
Selassie Bild
1.077:
"Glocke" im Innenhof
Bild
1.078:
Debre Berhan Selassie
Die Klosteranlage mit ursprünglicher Rundkirche wurde von
Kaiser Iyasu
I. gestiftet und im Jahr 1694 eingeweiht. Im Jahr 1888 fiel
sie sudanesischen Mahdisten
bei einem Überfall auf Gondar zum Opfer. Ein paar Jahre
später wurde sie in der heutigen Form wieder aufgebaut und
1896 geweiht. Die schönen Malereien der Kirche wurden denen
der ursprünglichen Kirche vom Inhalt und Stil nachgestaltet.
Weltberühmt ist davon besonders die Decke mit den vielen
geflügelten Engelsköpfen.
Bild
1.079 + 1.080:
The Trinity - Die Dreifaltigkeit über den
Türbögen an der inneren Trennwand vor dem
Priesterbereich des Allerheiligsten (Maqdas)
Bild 1.081:
Der Heilige Georg / St. George als Drachentöter und
Beschützer der Jungfau Birutawit Bild 1.082:
Der linke Eingang zum Maqdas
Bild
1.083 + 1.084:
Blick zur Engelsdecke, die auch als beliebtes Postkartenmotiv
landesweit erhältlich ist
Bild
1.085:
Malereien links von Bild 1.081 - Nordseite
Unten von links nach rechts: Die heilige Familie; Mariä
Gnaden; Mariä Auferstehung
Oben von links nach rechts: Maria trinkt Wasser der Wahrheit;
Tötung von Unschuldigen und Flucht nach Ägypten
Bild
1.086:
Der heilige Gebre Memphis Kiddus immer wieder anders dargestellt, aber
stets an den anwesenden Löwen und Leoparden erkennbar
(vergleiche 9/801 und 4/274) Bild 1.087:
Die beiden Eingänge zum Allerheiligen der Kirche
Bild
1.088 - 1.091:
Im Säulengang der Debre Berhan Selassie Bild 1.088:
Haupteingang Bild 1.090 +
1.091: Die wuchtigen Holztüren der Kirchen sind
immer wieder beeindruckend
Bild
1.092 + 1.093:
Kirche Debre Berhan Selassie von Süden und von Osten
Bild
1.094:
Das mittlere und Hauptkreuz der drei Dachbekrönungen - Die aus
der Form herausragenden Stifte symbolisieren die
Kreuzigungsnägel von Jesus Christus Bild 1.095:
Torhaus des Klostergeländes von innen gesehen (Bild 1.076
außen)
Bild
1.096 + 1.097:
Priester im Torhaus
Video: Debre Berhan Selassie Church
Wir verlassen das Klostergelände der Debre Berhan Selassie und
legen unsere Mittagspause ein. Westlich des Klostergeländes
befindet sich auf halben Weg zum Gemp das Restaurant "The Four
Sisters". Ein sehr schönes Lokal
im folkloristischen Stil, in dem man gelegentlich auch
Livemusik genießen kann.
Bild
1.098 + 1.099:
Die "Ziege von Gondar", die natürlich ein
äthiopischer Steinbock ist, steht uns mehrmals am Tag im Wege
und macht einen sehr bemitleidenswerten Eindruck.
Am "The Four Sisters" steht bereits das Empfangskomitee vor der
Tür und begrüsst uns mit viel Weihrauch und Fidelei.
Bild
1.100 + 1.101:
The Four Sisters Restaurant
Der Gastraum ist mit moderner äthiopischer Malerei
ausgestaltet. An der Decke hat man die geflügelten
Engelsköpfe der Debre Berhan Selassie nachempfunden.
Darüber hinaus gibt es noch eine überdachte Terrasse,
auf der kräftig eine Kaffeezeremonie vor sich
hinräuchert.
Bild
1.102 - 1.105:
Im The Four Sisters Bild 1.103:
Sister Senait, eine der 4 Inhaberinnen
Nach der Stärkung geht es zum Wasserschloss des Fasilidas
(auch Basilides oder Fasilides). Es liegt ganz im Westen von Gondar am
Fluss Angereb. Wir müssen dazu den ganzen Ort durchqueren und
besorgen bei dieser Gelegenheit etwas Proviant in einem kleinen
Supermarkt.
Bild
1.106 + 1.107:
Auf den Straßen von Gondar
Kurz danach ist das kleine Wasserschloss erreicht, das auch als Bad des
Fasilidas
bezeichnet wird. Das große Wasserbecken um das Schloss herum,
ist
heute leer. Aus Denkmalschutzgründen wird es nur noch zum Timkat-Fest
gefüllt, das jeweils am 19. Januar des Jahres stattfindet.
Bild 1.108 - 1.112:
Wasserschloss oder Bad des Fasilidas
Das Wasserschloss liegt in einem parkähnlichen Areal mit
riesigen Ficus-Bäumen, die das alte Mauerwerk regelrecht
erwürgen. Auch dieses Bauwerk wird von einer Mauer
eingeschlossen, in der mehrere Türme integriert sind.
Bild
1.113 - 1.115:
Wurzeln der Ficus-Bäume überwuchern das Mauerwerk
Bild
1.116:
Wasserschloss des Fasilidas
Bild
1.117:
"Grab des Pferdes" - Der Legende nach für das Pferd von Kaiser
Fasilidas
Bild
1.118:
Tribüne für das Timkat-Fest
Video: Bad des Fasilidas / Fasiledas
Bath
Fahren wir weiter zum nächsten Tagesordnungspunkt. Wir
überqueren dabei den Angereb-Fluss und fahren weiter in
Westrichtung zum Hügel Debre Sahay. Große Teile des
Hügels sind wiederum mit einer Wehrmauer und Türmen
umgeben. Es ist das sogenannte Kusquam-Areal. Darin befinden sich ein
Kloster mit der Kirche Debre Sahay Maryam und der leider schon
verfallene Palastbezirk der Kaiserin Mentawab.
Außerhalb der Klostermauern befindet sich eine kleine
Siedlung, bestehend aus winzigen Rundhütten, die zu einer
Mönchsschule gehören. Die Ansammlung von kleinen
Hütten erinnert eher an eine Filmkulisse für ein
Märchenfilm, als an echte
Unterkünfte.
Bild
1.119 - 1.126: "Wohnheim"
einer Mönchsschule an der Mauer des Kusquam-Areals
Video: Möchschule / Monk
School
Die künftigen Mönche gehen durch eine echt harte
Schule und sind größtenteils auf Spenden aus der
Bevölkerung angewisen.
Bild
1.127:
Torhaus in der Wehrmauer des Kusquam-Areals von innen
Bild
1.128:
Klosterkirche Debre Sahay Maryam im Kusquam-Areal
Man muss durch den Klosterbereich hindurch und an der Kirche vorbei
gehen, wenn man zu den Palastruinen der Kaiserin Mentawab
möchte.
In der Gruft unter der Kirche sollen sich die Gebeine von Kaiserin
Mentawab, ihrem Sohn Iyasu II. sowie ihrem Enkel Iyoas I.
befinden. Der Palastbereich ist vom Klosterbereich durch eine Mauer
getrennt.
Bild
1.129 + 1.130:
Palastruinen der Kaiserin Mentawab im Kusquam-Areal
Bild 1.131 - 1.135:
Die Ruine der Festhalle von Kaiserin Mentawab
Bild
1.136: Auf dem
Rückweg durch das Klosterareal
Video: Kuskuam Church + Palace of Empress Mentewab
Unser Tagesplan ist damit abgearbeitet. Es ist aber noch früh
am Nachmittag. So bleibt noch ein wenig Zeit, das Zentrum von
Gondar zu erkunden. Viel gibt es da aber nicht mehr zu sehen. Eine
schwer bewachte Post gibt es noch, in die man nichts mit hineinnehmen
darf und schon gar keinen Fotoapparat. Das macht neugierig. Aber
außer ein paar schwerfällige Postbeamte, eine Reihe
trostlose Abfertigungsschalter, sowie eine lange
Postschließfachwand, gibt es nichts weiter zu sehen.
Vor der Post befindet sich ein Kreisverkehr mit einem Denkmal von
Kaiser Theodor
II. (Thewodros, Tewodros).
Oberhalb des Kreisverkehrs gibt es einige Sitzplätze unter ein
paar Bäumen, von wo man etwas entspannen und dem Treiben auf
dem Platz zusehen kann.
Bild
1.137 - 1.140:
Der Kreisverkehr im Zentrum von Gondar mit dem Denkmal von Thewodros
II. (Theodor)
Bild
1.141 + 1.142:
Straßenverkäufer von ... ?
Heute sind wir bereits gegen 16:00 Uhr im Hotel. Zeit für die
Kartenschreiberei bei schöner Aussicht von der Hotelterrasse
und
einem kühlen St. George. Im Goha Hotel von Gondar, bzw. in
dessen
Kiosk vor dem Hotel, ergibt sich zum ersten Mal während der
Reise
die Gelegenheit, eine ordentliche Postkartenauswahl zu bekommen. Passt
doch wieder!
Morgen geht es dann schon in Richtung Tana See. Wir werden dabei bis an
dessen südliches Ende nach Bahir Dar fahren. Dort warten unter
anderem die Fälle des Blauen Nils auf uns, oder was davon noch
übrig ist.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Bild 1.048, 1.106, 1.110: Uschi Pöllath
Bild 1.102, 1.103, 1.126: Barbara Neuhoff
Text: Peter Joachim