Ein Fotoalbum - Teil 14
06.12.2013 – Bahir Dar (27.03.2006 nach dem äthiopischen Kalender)
Heute
werden wir mit drei verschiedenen Verkehrsmitteln unterwegs sein.
Zuerst unternehmen wir eine Bootsfahrt auf dem Tana See. Wir werden
dabei zwei Kirchen von zwei Inselklöstern unter die Lupe
nehmen. Am Abend müssen wir dann leider schon zurück
nach
Addis Ababa fliegen und von unseren gewohnten Bussen Abschied nehmen.
Da hat doch
tatsächlich niemand sein geputztes Schuhwerk vor die
Tür gestellt, mag sich der Nikolaus gesagt haben und sorgt
trotzdem für eine
Frühstücksüberraschung mit
Kerzenschein, Weihnachtsgebäck und kleinen
Schokoladen-Weihnachtsmännern. Die Bedeutung dieses Tages
haben
wir in der Ferne natürlich völlig vergessen, nur
Reisebegleiterin Rosemarie nicht, die quer durch Äthiopien
diese kleine Überraschung mit sich herumgetragen hat. Zwei
Tage vor dem Ende der Reise werden wir damit so langsam wieder an den
heimischen Alltag erinnert.
Bild
1.236:
Die Flaggen aller äthiopischen Regionen, die offizielle
Nationalflagge erhöht, vor dem Lokal der Abay Minch
Lodge Bild 1.237:
Interessante Malerei im Speisesaal der Lodge
Aber zum Glück ist es noch nicht ganz so
weit. Noch sind wir hier und fahren bald bei
schönstem Wetter, auf den ruhigen Tana See
hinaus. Wir verlassen die Lodge gegen 8:45 Uhr.
Bild
1.238:
Überquerung des Blauen Nils in Bahir Dar - Blickrichtung Tana
See (Nilauslauf)
Der Tana
See (Lake Tana, Tana Hayk) hat eine Größe
von 70 x 65 km und ist der größte See
Äthiopiens. Man nimmt allgemein an, dass der See
durch
eine Aufstauung des Blauen Nils
entstanden ist. Der Blaue Nil ist der einzige Abfluss des
Sees. Von den über 40 Zuflüssen wird der
weiter westlich liegende Gilgel Abay, als Quellfluss des
Blauen
Nils angesehen. Dies hat man anhand der
Strömungsverhältnisse im See wohl auch nachweisen
können.
Bild
1.239:
Anlegestelle in Bahir Dar
Bild
1.240:
Papyrus an den Ufern Bild 1.241:
Küste bei Bahir Dar
Bild
1.242 - 1.244: Auf
den Inseln Intons Maryam (links) und Kebran befinden sich
jeweils ein Frauen- und ein
Männerkloster.
Wir sind auf dem Weg zur Halbinsel Zeghie und haben zirka 12 km
Seefahrt vor uns. Auf der halben Strecke passieren wir zwei
kleine Inseln. Auf der ersten und kleineren Insel, befand sich
ursprünglich ein Nonnenkloster. Heute wird es von Nonnen und
Mönchen genutzt. Die größere Insel Kebran,
hat ein reines Männerkloster und darf nur von
Männern betreten werden.
Bild
1.245:
Vereinzelte Pelikane auf dem Tana See
Neben den Pelikanen und uns, gibt es aber noch regen Paddelverkehr auf
dem See. Immer wieder sind kleine Holztransporte anzutreffen, die man
weniger als Boot, sondern mehr als schwimmende Holzhaufen betrachten
muss.
Bild
1.246 + 1.247:
Holztransporte auf dem Tana See
Bild
1.248 + 1.249:
Ankunft an der Zeghie-Halbinsel
Nachdem die Halbinsel Zeghie erreicht ist, geht es auf schmalen Pfaden
zum berühmtesten Kloster der Halbinsel, Ura Kidane Meheret.
Der Weg ist von zahlreichen Händlern und
Kunsthandwerkern gesäumt. Die Waren sind verlockend. Es ist
aber besser, all die schönen Dinge erst auf dem
Rückweg genauer zu mustern. Wem es gelingt, der sollte sich
die besten Stände einprägen, soweit die
Einschätzung beim Vorbeigehen möglich ist. Die
meisten Waren sind eben tatsächlich echte Handarbeit und
deshalb qualitativ auch sehr unterschiedlich. Bei den auf Tierleder
angefertigten Malereien, gelingt die qualitative Unterscheidung noch am
einfachsten.
Bild
1.250 - 1.254:
Maler und verschiedene Malereien auf der Halbinsel Zeghie Bild 1.253:
Der heílige Georg tötet den Drachen / St. George Bild 1.254:
Der heilige Samuel von Waldebba reitet auf einem Löwen
Für eine Malerei auf Ziegenleder, in der
Größe von 15-20 cm im Quadrat, muss man je nach
Künstler und Motiv, mit 100-150 Birr rechnen. Ohne zu handeln,
natürlich mindestens das Doppelte.
Bild
1.255 - 1.259:
Auf der Halbinsel Zeghie
Nach ungefähr 20 Minuten Fußweg durch den
Händler- und Kunsthandwerkerkorridor, sind wir
schließlich am Ziel.
Die Klosteranlage Ura
Kidane Meheret ließ Kaiser Amde Zion
(oder Amda Seyon) im
14.
Jahrhundert errichten. Der gleichnamige Kirchenbau ist eine typische
äthiopische Rundkirche.
Bild
1.260 + 1.261:
Ura Kidane Meheret mit äußerem Wandelgang
Das ursprüngliche Schilfdach hat inzwischen eine moderne
Sicherung aus Wellblech bekommen, um das wertvolle alte Bauwerk mit
seinen
unzähligen Malereien besser zu schützen.
Bild
1.262:
Bildentwürfe an einer hölzernen Eingangstür Bild
1.263 - 1.265:
Südliche Eingangstür und innerer Umgang mit
zentralem Kubus des Allerheiligsten
Bild
1.266:
Reiterheilige auf der Südseite (Detail zu Bild 1.264)
Bild
1.267:
Maria mit Jesus - rechts neben Bild 1.266 - Südseite Bild 1.268:
weitere Fortsetzung nach rechts - Südseite
Bild
1.269:Erzengel
-
Detail zu Bild 1.268 Bild 1.270:
weitere Fortsetzung nach rechts - Südseite
9 kleine Abbildungen oben: Tötung von 9 der Apostel
Darunter links: Jesus wird von Maria
Magdalena und Joseph
von
Arimathäa vom Kreuz abgenommen
Rechts daneben: Kreuzigung Jesus
4 Abbildungen darunter: Tötungen von ...
Bild
1.271:
Sockelmalerei Südseite rechts - Fortsetzung unterhalb Bild
1.270
Der heilige Jared bei König Gebre
Maskal
Bild
1.272 + 1.273:
Malereien der Ostseite - rechte Hälfte Bild 1.272: Oben
mittig: Kreuzigung; Rechts daneben: Jesus rettet die Seelen Verstorbener
Darunter links: Maria mit Jesus; Rechts daneben: Jesus nach der
Auferstehung bei den Aposteln und Jesus wandelt auf dem Wasser;
Darunter: Liegende Stifterfiguren und Jesus speist 5.000 Menschen Bild 1.273:
Tag des Gerichts; und ganz rechts außen: Der heilige Gebre
Memphis Kiddus
Bild
1.274 + 1.275:
Eingänge in den inneren Kubus des Allerheiligsten Bild 1.274:
Ostseite
Tür links oben: Erzengel Michael;
rechts daneben: Erzengel Raphael
Darunter rechts: Gemeinde am See wird von Seeungeheuer befreit
(Fischkoppf)
Daruter links: Soldaten des Pharao ertrinken; rechts daneben: Moses
teilt das Meer Bild 1.275:
Nordseite
Tür links oben: Maria mahnt für Belai das
jüngste Gericht an
rechts daneben: Erzengel als Richter beim jüngsten Gericht
unterer Türbereich: Geschichte des Kannibalen Belai aus Kemer
Bild
1.276:
Nordseite, links neben Bild 1.275
Darstellung mittig links: Maria am Sterbebett der Elisabeth (Mutter von
Johannes)
rechts daneben: Johannes
wird von einem Tier gesäugt Bild 1.277:
Nordseite, rechts neben Bild 1.275
oben links: Besuch der heiligen 3 Könige
darunter links: Maria und Jesus geben sich Versprechen
rechts daneben: Maria auf der Flucht nach Ägypten
Bild
1.278:
Nordseite rechts - Detail aus Bild 1.277
Bild
1.279 + 1.280: Malereien an der Westseite des
Allerheiligsten
Bild
1.281:
Westseite, rechts neben Bild 1.280 - Einzug Jesus in Jerusalem
Und
damit schließt sich der Kreis eines Rundganges um den inneren
Kubus des Allerheiligsten. Belassen wir es bei dieser Bildauswahl aus
der Fülle des Möglichen, die kaum erfassbar und nicht
in
jedem Detail erklärbar ist. Man müsste schon
Amharisch und mit den Priestern sprechen können, sowie
unendlich viel Zeit mitbringen. Beides steht uns leider nicht zur
Verfügung. Vielleicht schließt sich ja irgendwann
noch die eine oder andere Lücke bei den Bildbeschreibungen.
Hier ist der kundige Betrachter gefragt, der gerne mit mir Kontakt
aufnehmen kann.
Gehen wir in den Hof des Klosters und werfen noch einen Blick in die
"Schatzkammer", einer kleinen musealen Ausstellung, die wir nur wie
durch einen aufgeklappten Schrein betrachten können. Hier
lagern unter anderem wertvolle Kronen bekannter Herrscher, wie Tewodros,
Tekle
Haymanot, Yohannis I,
Bakaffa,
Tekle
Giyorgis, Fasilides,
Empress
Zauditu und andere.
Bild
1.283: Die
Kronen von Kaiser Tewodros, König Tekle Haymanot und Kaiser
Yohannis I.
Bild
1.284:
Altes Dachkreuz des Klosters Ura Kidane Meheret Bild
1.285: Im
Kloster Ura Kidane Meheret
Bild
1.286 + 1.287:
Kloster Ura Kidane Meheret und ein "Wurzelgeschöpf"
Nach der Klosterbesichtigung geht es wieder über den
"Marktweg"
zurück zum Bootssteg. Jetzt ist die Zeit besser kalkulierbar,
und das eine oder andere Geschäft kann abgeschlossen werden.
Bild
1.288 - 1.293:
Halbinsel Zeghie - Händler und Leute, am Rückweg
vom Kloster Ura Kidane Meheret zur Bootsanlegestelle
Wir fahren kurz ein paar Bootsminuten weiter und besuchen die
nächste Kirche der Halbinsel. Wieder gibt es allerhand
Händler und Künstler, die den Weg säumen.
Die
Kirche Azoa Maryam ist jedoch bedeutend näher am Bootsanleger,
als die vorangegangene Kirche. Wieder ist es ein traditioneller Rundbau
und entgegen der Ura Kidane Meheret, noch mit Schilf eingedeckt. Hier
wird
gerade eine Messe abgehalten und im inneren Rundgang um das
Allerheiligste, sitzt schweigsam eine Anzahl Frauen. Ab und zu
öffnet sich eine Tür zum inneren Kubus, wenn ein
Diakon der Kirche hindurch geht. Jedoch viel zu kurz, um aus dem
unerlaubten Einblick ein paar Erkenntnisse ziehen zu können.
Bild
1.294 - 1.296:
Kirche Azoa Maryam - geöffnete Tür zum Allerheilgsten
und Malereien
Belassen wir es bei diesen beiden ausgewählten Beispielen der
Kirchenkunstwerke. Es
wurden ja zuvor bereits eine Vielzahl von Malereien gezeigt. Ungeachtet
dessen, möchten wir auch nicht zu lange die Gläubigen
bei ihrer Andacht stören.
Bild
1.297 + 1.298:
Im äußeren Wandelgang der Kirche Azoa Maryam
Bild
1.299 + 1.300:
Priester im Gelände der Kirche Azoa Maryam
Begeben wir uns wieder zurück zum Boot und nehmen unterwegs
noch einmal die Möglichkeit des Handels wahr.
Bild
1.301:
Nur ein weiterer Souvenirstand von vielen
Viel zu wenig Zeit nehmen wir uns für die vielen interessanten
Angebote. Später bereut man dies meistens. Denn die wenigsten
Dinge einer langen Reise, werden sich an anderer Stelle in
ähnlicher Form wiederfinden lassen. Unsere Running Order gibt
jedoch nun die Fahrt über den See nach Bahir Dar zum
Mittagessen vor.
Unterwegs treffen wir wieder jede Menge Holzverkäufer auf dem
See.
Bild
1.302 - 1.304:
Holztransport auf dem Tana See
Video: Ura Kidane Meheret + Azoa Maryam - Lake Tana - Bahir Dar
Unser Ziel ist das Lakeshore Resort in Bahir Dar. Das ist eine
schöne Gaststätte im
Grünen, direkt am Ufer des Tana Sees.
Bild
1.305:
Anlegestelle in der Nähe des Lakeshore Resorts
Bild
1.306:
Visitenkarte vom Lakeshore Resort Bild
1.307:
Die Gaststätte von oben (Quelle: Google)
Wer auf dem Landweg dieses Lokal sucht, folgt in Bahir Dar der
Straße Nr. 3. Gegenüber des Summerland Hotels
(zwischen Giorgis Square und dem Post Office), findet man die Einfahrt
zu dem Resort.
Hier ein paar Eindrücke vom Umfeld der Gaststätte.
Bild
1.308 - 1.312:
Eindrücke und Ausblicke im Umfeld des Lakeshore Resorts Bild
1.311:
Papyrus Bild
1.312:Silberreiher
Auf dem Gelände des Resorts steht eine Vielzahl von Jacaranda
Bäumen. Leider stehen sie gerade nicht in der Blüte.
In dieser Zeit wäre es hier besonders beeindruckend.
Wir finden momentan leider nur die Samenkapseln der Bäume.
Bild
1.313:
Die Samenkapseln der Jacaranda-Bäume
Nach einer ausgedehnten Mittagspause, an der auch das Personal des
Resorts ursächlich beteiligt ist, haben wir die letzte
Möglichkeit, in angenehmer Runde unsere Fahrer
gebührend zu verabschieden. Es liegen nur noch zwei
Haltepunkte für den heutigen Tag vor uns, bevor wir uns auf
den Luftweg nach Addis Ababa begeben. Unsere Fahrer werden den
langwierigen Landweg bis Addis nehmen. Sehr gerne hätten wir
das auch getan, aber unser Reiseplan sieht das eben anders vor.
Letzter Besichtigungspunkt des Tages ist der Bezawit-Palast, eine
Sommerresidenz von Kaiser
Haile Selassie. Bis dorthin sind es
ungefähr 5 km. Die Straße
führt uns auch am Märtyrer-Denkmal der
Amharen von Bahir Dar vorbei. Die sogenannte "Kaiser-Allee" (Kings
Road), die zum Palast führt, war einst ordentlich asphaltiert,
verfällt aber immer
mehr. Die Allee ist beidseitig mit Flammen-
und Jacaranda-Bäumen bepflanzt. Zur Blütezeit (die
wir leider gerade nicht haben) explodiert hier ein
unbeschreibliches Farbenspiel in Lila und Rot. Unsere "Besichtigung"
fällt leider ganz gewaltig ins Wasser. Vor dem
Grundstückszaun des Palastes sitzt ein einzelner Wachposten,
der uns nicht einmal aussteigen lässt. Wir müssen
sofort weiterfahren, da helfen alle Überredungskünste
unseres einheimischen Führers nichts. Momentan ist der aus den
1950er Jahren stammende Palast ungenutzt und wird nur gelegentlich als
Gästehaus für die gegenwärtige Regierung
genutzt. Eine Unsitte, die man leider in ganz Äthiopien
antrifft. Es macht keinen guten Eindruck, wenn ehemalige kaiserliche
Paläste als Wohnstatt, Feriendomizile, oder für
andere Zwecke der
neuen Regierungsmitglieder genutzt werden. "Irgendwann" sollen all
diese Bauwerke zwar einmal Museen werden, aber gegenwärtig
sieht das leider völlig anders aus.
Bild
1.314 + 1.315:
Bahir Dar - Bezawit-Palast - Sommerresidenz von Kaiser Haile Selassie
In unmittelbarer Nähe befindet sich noch ein schöner
Aussichtspunkt, an dem man über Bahir Dar und den Tana See
blicken kann. Die Stelle liegt etwas tiefer, ein Stück
nordwestlich der ehemaligen Kaiserresidenz und auf einer Höhe
von 1.858 m.
Bild
1.316 - 1.320:
Ausblicke auf den Blauen Nil, Bahir Dar und den Tana See, von einem
Hügel südlich der Stadt - Nordwestlich des
Bezawit-Palastes
Bild:
1.320.1:
Märtyrer-Denkmal der Amharen
Inzwischen steht die Uhr auf 16:00 Uhr. Langsam müssen wir uns
in Richtung Flughafen begeben. Der Abflug ist für 19:00 Uhr
vorgesehen und mindestens 2 Stunden vorher müssen wir beim
Check-in sein. Ein letztes Mal fahren wir durch Bahir Dar.
Bild
1.321 + 1.322:
Das prunkvolle Eingangstor zum Grundstück der Georgiys-Kirche
(St George Church) am Georgiys Square von Bahir Dar
Gegen 17:00 Uhr erreichen wir das Flughafengelände,
müssen aber schon vor dem eigentlichen Flughafen kurz den Bus
verlassen. Das Militär möchte vor der Einfahrt die
Busse und unsere Pässe kontrollieren. Am Flughafen selbst,
gibt
es leider ein paar intensive Kofferkontrollen und ein Mitreisender
verliert seine einfachen steinernen Souvenire der Rundreise. Nicht zu
erklären, aber was soll man machen? Für mich
heißt das nur, wieder einmal Glück oder
einen Schutzengel gehabt. Steine aus der Natur mitnehmen verboten - na
so etwas!?
Morgen werden wir in Addis Ababa unter anderem die
Krönungskirche von Haile Selassie und den Leul Genet
Palast besichtigen.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Bild 1.285: Uschi Pöllath Text: Peter Joachim