Ein Reisebericht - Teil 5
19.09.2015 – Hossaina - Senkelle Sanctuary -
Shashemene (08.01.2008 nach dem äthiopischen Kalender)
Heute
werden wir der Straße 51 noch zirka 10 km weiter nach
Süden folgen, bevor wir nach Südosten in Richtung
Shashemene abbiegen. Im letzten Drittel der Fahrstrecke befindet sich
südlich unserer Hauptroute das Senkelle Wildlife Sanctuary.
Dort werden wir dem Swaynes Hartebeest nachstellen, bevor wir
uns mit den Rastafaris in Shashemene näher befassen.
Der Morgen
begrüßt
uns heute mit einer schönen Aussicht vom Hotelfenster
aus, die wir gestern Abend in der Dunkelheit noch nicht erahnen
konnten. Auch das Wetter verspricht bis jetzt einen sonnigen Tag.
Bild
434 + 435:Ausblick vom Lemma International
Hotel
in Hossaina
Unser Frühstück gibt es heute im
Nebengebäude über dem Hof. Man
kann draußen oder drinnen sitzen. Morgens ist es aber recht
frisch hier, so dass wir uns einen Innenplatz vorziehen.
Außer einem
Fernseher will uns heute noch niemand Gesellschaft leisten. Die Zahl
der Gäste hält sich offenbar wieder in Grenzen.
Bild
436 + 437:
Lemma International Hotel Hossaina
Nach unserem Frühsport mit den Koffern durch das Treppenhaus,
nehmen wir den Tagesplan in Angriff und rollen
schließlich gegen 7:30 Uhr vom Hotelhof. Auf unserer heutigen
Strecke durchfahren wir Gebiete der verschiedensten Volksgruppen. Man
kann ganz deutlich an den Rundhütten erkennen, wenn man ein
neues Gebiet erreicht. Viele Hütten sind hier mit den
verschiedensten Malereien versehen, die sich alle paar Kilometer
voneinander unterscheiden. Unmittelbar um Hossaina haben wir die
qualitativ schönsten Malereien festgestellt. Doch ehe unser
besprochener Haltepunkt umgesetzt wird, ist unser "Racing-Team" schon
über´s Ziel hinausgeschossen. Wir erwischen
später leider nur noch ein Einzelexemplar in der "dritten
Wahl" am Randgebiet dieses Stils. ;-)
Bild
438:
Rundhütte bei Hossaina
In der Folge kommen aber noch unzählige andere
Rundhütten, ... schöne und weniger schöne,
aber
mit immer wieder anderen Verzierungen. Nachfolgend eine kleine Auswahl.
Bild
439: ...
mal eine weniger schöne Hütte, die es
natürlich leider auch gibt
Bild
440 - 444:
Bemalte Rundhütten zwischen Hossaina und Shashemene
Am liebsten möchte man ja alle paar Meter anhalten, aber das
kann ganz schön in die Reisekasse oder in die zur Verteilung
vorgesehenen Sachen gehen. Wir müssen bei der Einteilung
aufpassen, denn wir haben noch ganz paar Kilometer und Tage vor uns.
Bild
445: Bei
jedem Halt gibt´s natürlich gleich ein
Begrüßungs- oder Verabschiedungs- komitee, selbst
wenn vorher niemand sichtbar war. Das geht unglaublich schnell. ;-)
Dann erreichen wir auch noch einen Stamm der sich auf Löwen
spezialisiert hat. Da müssen wir natürlich auch
anhalten, egal wie groß der Auflauf werden wird.
Bild
446 - 449:
Rundhütte mit Löwe und quadratische
Gemeinschaftsgebäude
Auch in dieser Siedlung hat jede Hütte seine individuelle
Bemalung in den verschiedensten Farben. Die Leute sind freundlich und
aufgeschlossen, merken sich aber ganz genau welche Rundhütte
auf´s Korn genommen worden ist, wenn es irgendwann die ersten
Geschenke gibt. Man vergisst garantiert niemand. ;-)
Bild
450 - 456:
Dorfrundgang
Bild
457: Ein
Teil des Verabschiedungskomitees
Zirka 40 Minuten später erreichen wir das Senkelle
Wildlife Sanctuary. Wie bei den meisten Tierschutzgebieten oder
Nationalparks muss man sich anmelden und bekommt einen Ranger oder
einheimischen Guide ins Auto gesetzt. Wir warten an ein paar einsamen
mit Wellblech gedeckten Hütten im Busch, bis die
Formalitäten erledigt sind und lassen uns dabei vom Treiben
unzähliger Webervögel unterhalten.
Dann geht es durch das weitläufige mit Schirmakazien
bestandene Grasland, das von einigen
Sandpisten durchzogen wird. Wie wir erfahren darf hier nicht gesiedelt
und auch keine Nutztiere geweidet werden. Offenbar ist das schwierig
tatsächlich umzusetzen, denn wir sehen immer wieder Hirten mit
ihren Tieren, die durch das Gelände ziehen.
Bild
462 - 466:
Senkelle Wildlife Sanctuary
Nach einigen Kilometern Piste und der Entdeckung von verschiedenen
Antilopen und Vögeln, treffen wir schließlich auf
eine große Herde des Swaynes Hartebeest. Die nach dem
britischen Offizier H. G. C. Swayne
(1860–1940) benannte Antilope findet man nur noch hier und im
Maze Nationalpark. Es gibt zwar noch eine Reihe andere Hartebeest´s
in Afrika, aber eben nicht dieses.
Bild
467 - 475:
Swaynes Hartebeest im Senkelle Wildlife Sanctuary
Mit etwas Geduld und Vorsicht kommt man ganz gut heran und kann die
Tiere ausgiebig fotografieren. Nachdem wir die Attraktion des
Parks zur Genüge gesichtet und auf´s Bild gebannt
haben, können wir unseren
Ranger wieder am Ticket-Office abgeben und unsere Tour fortsetzen.
Bild
476 + 475:
Wir verlassen das Tierschutzgebiet in Richtung Shashemene
Bis Shashemene
ist es jetzt nicht mehr weit und gegen 12:30 Uhr erreichen wir die
Stadt. Bevor es an die Fortsetzung unseres Tagesprogramms geht, werden
wir erst einmal unser Gepäck im Hotel deponieren.
Im Zentrum von Shashemene liegt das Haile
Hotel. Bitte nicht verwechseln mit dem Haile Resort
am südwestlich von hier gelegenen Lake Awasa. Es gibt Zimmer
im Haupthaus und in einer Reihenhausanlage. Dazu einen sauberen
Außenpool, eine Konferenzhalle, ein Fitnesscenter und
verschiedene Wellnessbereiche. Wir werden natürlich keine Zeit
für all diese Dinge haben, denn schließlich gibt es
viel
interessantere Dinge zu erkunden. Also stehen wir 15 Minuten
später schon wieder neben dem Auto und sind bereit
für die Ortserkundung.
Shashemene wurde im 19. Jahrhundert als
Militärstützpunkt gegründet und gilt heute
als Zentrum der Rastafari-Bewegung in Äthiopien. Jedes Jahr
werden unter anderem zu Ehren von Haile Selassie und Bob Marley
umfangreiche Festlichkeiten und Festivals durchgeführt.
Der Grundstein dafür wurde bereits während der
italienischen Besatzungszeit gelegt, als sich am 25. August 1937 in New
York die Ethiopian World Federation (EWF) gründete, auch wenn
da
noch niemand an eine Rastafari-Kommune gedacht hat. Mit dieser
Organisation unterstützten Afro-Amerikaner das Land
Äthiopien.
Aus Dankbarkeit dafür schenkte Kaiser Haile Selassie 1948 dem
EWF
2
km² Land in Shashemene aus seinem Privatbesitz. Das Land
sollte für heimkehrwillige Afrikaner und auswanderungswillige
Afro-Amerikaner zur Besiedlung genutzt werden. Unter "heimkehrwillige
Afrikaner" sind keine ausgewanderten Afrikaner sondern die Nachkommen
aus Afrika verschleppter Sklaven zu verstehen, die in aller Welt
verstreut leben. Doch erst 1955 kamen aus Montserrat
Herr James Piper und seine Frau Helen
als erste Siedler nach Shashemene. Im Jahr 1961 schickte die
jamaikanische Regierung eine offizielle Delegation, zu der
auch Vertreter der Rastafari-Bewegung
gehörten, nach Äthiopien, um mit Haile
Selassie die Fragen einer Repatriierung von Afrikanern zu diskutieren.
Zu den Vertretern der Rastafari gehörte auch der auf Kuba
geborene und später von den Rastafaris hoch verehrte Mortimer
St George "Kumi" Planno, der auch der Rasta-Lehrer von Bob
Marley war. Der erste
Rastafari siedelte im Juni 1964 mit Gladstone
Robinson, der auch offizieller Delegierter der EWF war, nach
Shashemene um. Die Einwanderung (bzw. Repatriierung) von Rastafaris aus
Jamaika
erreichte seinen Höhepunkt nach dem Besuch des Kaisers im Jahr
1966 in
Jamaica. Nach Gladstone Robinson und seiner Frau wurde 1967 der aus
Ägypten kommende Rastafari Papa
Noel Dyer vom EWF eingesetzter Verwalter des
Landes. Die Kommune wurde von Kaiser Haile Selassie
großzügig unterstützt und bekam Traktoren
und andere landwirtschaftliche Geräte. Selbst die Produkte der
Siedler fanden teilweise am kaiserlichen Hof ihren Absatz.
Dies führte natürlich auch zu Problemen mit
der umgebenden äthiopischen Gesellschaft, die es auch
noch heute immer wieder einmal gibt. Die Rastafaris in Shashemene und
ganz Äthiopien sind nach wie vor überwiegend
unverstandene Mitglieder der Bevölkerung des Landes.
Nach dem Sturz und Ermordung des Kaisers wurde das Land der EWF, sowie
sämtliche Ausrüstung der Siedler, vom Derg Regime um
Mengistu Haile Mariam beschlagnahmt. Anfangs wurde die Fläche im
Jahr 1975 zwar nur auf 40 ha reduziert aber schon ein Jahr später
konnte man selbst diesen Anspruch nicht mehr durchsetzen oder beweisen.
In den Wirren des Umsturzes wurde die offizielle Zuweisung dieser
verbliebenen Teilfläche offenbar nicht ordentlich dokumentiert,
oder die neuen Machthaber hatten es sich schlicht anders überlegt.
Viele Rastas
verließen aus Angst das Land, während sich andere
mit
den neuen Machthabern an den Verhandlungstisch setzten und später
die
offizielle Rückgabe einer Teilfläche von 11 Hektar
erreichten. Teilweise wird auch von 12 Hektar für 12
Pioniersfamilien berichtet, wobei jeweils 1 Hektar pro Familie
zugeteilt worden sein soll. Wobei festzustellen ist, dass zu jenem
Zeitpunkt die wenigsten davon noch vor Ort waren. Im Land wütete
eine unbeschreibliche Razzia gegen
alle Bevölkerungsteile, die dem Kaiser loyal
gegenüber standen oder stehen. Man suchte krampfhaft nach
Reichtümern die es aber nicht gab und zog dabei jegliche
Geschenke
oder Besitztümer ein, die irgendwie mit dem Kaiser in
Verbindung gebracht werden konnten, egal wie sinnvoll und ehrenhaft sie
auch gewesen sein mögen. Eine schreckliche Verhaftungs- und
Hinrichtungswelle überzog das ehemalige Kaiserreich,
die auch
besonders die Elite von Äthiopien traf, wie es schon einmal zu
Zeiten der italienischen Besetzung geschah. Nach erneutem Machtwechsel
in Äthiopien wurde Mengistu
Haile Mariam in Abwesenheit zuerst im Jahr 2007 zu
lebenslanger Haft und ein Jahr später zum Tode verurteilt.
Momentan lebt er bisher unbehelligt im Exil in Simbabwe. Neben den 211
Anklagepunkten, darunter Völkermord, Totschlag und
Unterschlagung, soll er nach Zeugenaussagen auch den wehrlosen
ehemaligen Kaiser in seiner Arrestunterkunft mit einem Kissen erstickt
haben. Aber die Verehrung von Haile Selassie konnte er damit nicht
ersticken, sie ist ungebrochen und wird besonders bei den Rastafaris
als Bestandteil ihrer Religion gepflegt.
Einige Literaturempfehlungen zur Vertiefung des Themas:
- Der erste Rasta >>> Info
- Rastafari - Von Babylon nach Afrika >>> Info
- Rastafari - Eine universelle Philosophie im 3. Jahrtausend
>>> Info
- Der letzte Kaiser von Afrika - Triumph und Tragödie des
Haile Selassie >>> Info
- Arbeiten und Leben am Hof Haile Selassies I. >>>
Info
- Riddim Magazin Nr. 3 - Shashemene Living - Rastas in
Äthiopien >>> Ausverkauft
Bild
478 - 481:
Covers aus den Literaturempfehlungen der obigen Zusammenstellung
Momentan ist ein umfangreiches über 500 Seiten starkes Buch
mit dem Arbeitstitel "Heimkehr aus Babylon - Rastafari repatriieren
nach Äthiopien" von Carsta Schnabel in Arbeit. Reggaestory.de
bekam bereits die Möglichkeit der Einsicht in das
künftige und sehr beeindruckende Inhaltsverzeichnis. Bis zur
Veröffentlichung dieses Reiseberichtes war der Drucktermin des Buches leider
noch nicht kalkulierbar. Sobald entsprechende Informationen freigegeben
sind, werden wir dies unter den News verkünden, sowie
diesen Bericht ergänzen.
Soweit zur groben Einführung für Shashemene, damit
auch weniger mit der Materie vertraute Leser, einen kleinen Einblick
bekommen und ein Mindestmaß an Verständnis
entwickeln können.
Als nächsten Tagesordnungspunkt haben wir uns den Besuch von
Bandy Payne, alias Ras Hailu a.ka. Hailu Tefari vorgenommen, ein
Rastafari der von der karibischen Insel St. Vincent 1994 nach
Äthiopien kam. Er hat schon im Alter von 10 Jahren eine
besondere Kunst entwickelt, die
weltweit bisher einmalig ist. Er gestaltet Bilder aus
Bananenblättern, allein mit den unterschiedlichen Farben
verschiedener Blattbereiche, die er sorgsam zusammenpuzzelt. Im Laufe
der Zeit hat er sich einen hohen Bekanntheitsgrad erworben und ist
schon zu verschiedenen Ausstellungen eingeladen worden. In seinem Haus
betreibt er eine kleine Banana Art Gallery und bietet seine Kunstwerke
zum Kauf an.
Bild
482: Ras
Hailu vor seinem Haus
Hinter einer hohen Wellblechwand, vor den Blicken der Vorbeigehenden
verborgen, liegt das kleine Paradies von Ras Hailu. Wir klopfen an das
scheppernde Tor und ein Jugendlicher lässt uns auf das
Grundstück. Hinter der Wellblechwand kommt eine
grüne Oase zum Vorschein die einem typischen Bauerngarten
gleicht. Da sind zahlreiche Obst- und Gemüsesorten,
Kräuter und anderes gemischt mit den unterschiedlichsten
Blumen. Bienen und Schmetterlinge durchforsten das bunte Reich und
Vögel zwitschern überall,
während Ras Hailu vor der Tür seiner Werkstatt und
Ausstellung entspannt auf uns wartet. Ein Schachbrett steht neben ihm
und lauert auf interessierte Mitspieler. Links und rechts der
Tür befindet sich ein Sockel mit Schilfmatten belegt, die
für seine Reggae-Boys, den beiden auf Streicheleinheiten
versessenen Hunden, gedacht sind. Nach der Begrüßung
verweist Ras Hailu zuerst auf eine Schautafel, die mit verschiedenen
Informationsblättern, Zeitungsartikeln und Genehmigungen
bestückt ist. Hier kann man über Ras
Hailu´s Leben wie in einem
Buch nachlesen.
Bild
483 - 488:
Ras Hailu und verschiedene Informationen am Hauseingang
Schon ohne viele Worte kann man schnell erkennen, was für
einen
besonders ehrenwerten Mann wir vor uns haben. Ein Punkt seiner
Grundphilosophie spiegelt sich auch im Schild an der
Eingangstür wieder, wo er an Stelle einer
Eintrittsgebühr um 1 USD Unterstützung bittet. "Mit
vielen kleinen Beiträgen kann man mehr erreichen, als mit
überzogenen Forderungen." erklärt er uns ruhig. Er
ist nicht glücklich mit einigen selbst ernannten "Rastas" und
Jugendlichen der Kommune, die nur darauf aus sind verschiedenen Leuten
mit schlechten Geschäften das Geld aus der
Tasche zu ziehen. "Das ist nicht gut für die
Kommune!", sagt er bestimmt und schaut dabei seinen jugendlichen
"Türöffner" erzieherisch an. Wie so oft bekommen wir
auch hier den Eindruck, dass es besonders die Alten sind, die die wahre
Seele von Rastafari in sich tragen und leben.
Bild
489 - 492:
Ras Hailu
Nach Ras Hailu´s "Wandzeitung" gewann er den "Shell Antilles
Art
Competition from the West Indies" in 1986, an dem 101 Kandidaten
teilnahmen. Er stand weiterhin im Finale der Wettbewerbe "Benson and
Hedges" 1988 auf Barbados und des IICA in 1989, wie man weiter
lesen kann. Was sich genau dahinter verbirgt, können wir
leider im Nachhinein nicht mehr ergründen. 1990 wurde er nach
Großbritannien eingeladen um Workshops und Ausstellungen
durchzuführen. Während seines
viereinhalbjährigen Aufenthalts in England erwarb er am Green
Hill College das
Diplom in Kunst und Design. Seine Arbeiten
fanden schon unter anderem den Geschmack ehemaliger
Präsidenten wie Ronald Reagan (USA), Kenneth Kaunda (Zambia)
und Jaime Lusinchi (Venezuela). Eine besondere Erfahrung war
für ihn ein dreimonatiger Unterricht an der "Sandford
International School" (früher Sandford English School) in
Addis Ababa, im Jahr 1995. Nach den Aufzeichnungen der Schule war es
wohl damals das erste Mal, das jemand den Grad "A" beim IGCSE
in Kunst erreicht hat.
Aber gehen wir erst einmal hinein und schauen uns seine beeindruckende
Ausstellung an. "Ihr könnt Millionen von Fotos machen wenn ihr
wollt. Wenn ihr möchtet auch ein Foto mit mir unter der
Dusche.", lacht Ras Hailu und zeigt auf einen Vorhang der einen
Nachbarraum abschirmt.
Bild
493 - 500:
Ras Hailu und Exponate in seiner Banana Art Gallery
Neben seinen Kunstwerken aus Bananenblättern hat er wohl die
umfangreichste Sammlung von Orden, Medaillen und anderen Ehrenzeichen
aus der Kaiserzeit zusammengetragen, die wir jemals außerhalb
der Museen von Addis Ababa gesehen haben. Darüber hinaus hat
er auch einige Bücher, historische Fotos und anderes zu
bieten. Was er auf seinen Sammlerzügen im Laufe der Zeit
doppelt erobert hat, kann man durchaus auch käuflich
erwerben. Bei Ras Hailu kann man sich auch sicher zu sein, einen fairen
Preis zu bekommen. Handeln ist da gar nicht erst notwendig und
wäre auch nicht angemessen.
Bild
501 - 505:
Sammlung Ras Hailu´s von Orden, Ehrenzeichen und anderes.
Auf die Frage, welches Bild sein Lieblingsbild sei, antwortet er
natürlich wie jeder andere Künstler auch
antworten würde: "Ich liebe alle meine Bilder. Sie kommen von
meinem Herzen." Erst danach
fügt er hinzu, dass er besonders die Selassie-Kollektion liebe
und das Bild vom Hurricane
Janet, in dem er seine schrecklichen Erinnerungen daran
verarbeitet. Es war
1955 als sich dieses Erlebnis in sein Bewusstsein eingegraben hat, als
er mit seiner Familie in den Wirbelsturm geriet und ums
Überleben kämpfte. Er liest in dem Bild wie in einem
Buch und erzählt seine Geschichte dazu. Vermutlich wird er
dieses Bild auch niemals verkaufen.
Bild
506 + 507:
Ras Hailu und Hurricane Janet
Zur Präsentation seiner Galerie
gehören natürlich auch die Besichtigung
seines Arbeitsplatzes, seiner aktuell in Arbeit befindlichen Kunstwerke
und die Erklärung seiner Techniken. Es ist schon sehr
erstaunlich wie man nur mit unterschiedlichen Blattschattierungen und
Blattschichten einer einzigen Pflanze solche Bilder schaffen kann.
Bild
508 - 513:
In der Banana Art Gallery von Ras Hailu
Für seine Pinwand neben seinen Arbeitsplatz arrangiert Ras
Hailu schließlich auch noch ein Besucherfoto zur Erinnerung.
Da wird jeder unserer Finger von ihm passend zurechtgelegt, damit auch
alles für ihn perfekt sitzt.
Bild
514: Ras
Hailu - Das soll natürlich nicht an Frau Merkels
ständiger Pose erinnern. ;-)
Ras Hailu erklärt die Symbolik, die auf Haile Selassie
zurückgeht. Haile Selassie bedeutet soviel wie "Kraft der
Dreieinigkeit" oder auch "Heilige Dreifaltigkeit". Der Kaiser hat
dieses Dreieinigkeitszeichen in nahezu allen Situationen mit den
Händen geformt, wobei nach Ras Hailu jeder Finger oder jede
Seite
der Symbolik seine bestimmte Zuordnung im Sinne der Trinität
besitzt. Rastas benutzen es auch gerne um Einheit zu
symbolisieren. Ob diese allgemein angenommene Deutung der Geste von
Haile Selassie zutrifft, wird von einigen Historikern noch bestritten
und anders gedeutet. Da gibt es wohl noch Diskussions- und
Aufklärungsbedarf. Vielleicht sollte man ganz einfach
die
noch lebenden Familienangehörigen des Kaisers befragen, wie
zum
Beispiel Asfa-Wossen
Asserate, der sogar in Deutschland lebt, nur um eine
mögliche Adresse zu nennen. ;-)
Als zwischendurch ein Besucher die
"Wellblechklingel" benutzt und um Einlass bittet, nimmt Ras Hailu zum
Spaß sein Handy und drückt darauf als sei es eine
Fernbedienung für das Tor. Ist es natürlich nicht.
Seine Fernbedienung ist heute sein jugendlicher
"Türöffner", der sich sofort auf den Weg macht. Als
der neue Gast nach seiner
Besichtigung wieder von dannen gezogen ist, setzen wir uns noch eine
Weile vor das Haus und plaudern mit Ras Hailu über die
verschiedensten Dinge. Inzwischen beginnt auch als Begleitmusik von Ras
Hailu´s Erzählungen, der Regen auf´s Dach
zu trommeln, dessen Ende wir so noch ganz gemütlich abwarten
können.
Bild
515 - 523:
Mit Ras Hailu im Gespräch vor seinem Haus. Bild
518 - 520:
Ras Hailu zitiert aus seinen Haile Selassie Büchern Bild
523: Ras
Hailu, Henok und seine Reggae Boys.
Ras Hailu erzählt von seinem Alltag, spricht zur
äthiopischen Gesellschaft, den Umständen in
Shashemene, über die frühere und heutige Stellung von
Haile Selassie, Bob Marley und vieles mehr. Man könnte ihm
stundenlang zuhören. Ras Hailu strahlt Frieden, Ruhe und
Ausgeglichenheit aus, was auf seine Umgebung und Besucher einen
positiven Einfluss ausübt.
Ras Hailu geht selten aus dem Haus. Er ist ständig mit seiner
Kunst und dem Garten beschäftigt und kocht gerne seine
täglichen Mahlzeiten. Dazwischen fordern seine beiden Hunde
und eine Katze immer wieder ihre Streicheleinheiten von ihm ein. Aber
auch die Hunde kümmern sich hin und wieder um die Katze, so
lange es ihr nicht zu viel wird. Besonders wenn die "Reggae Boys" mit
diesen Worten angesprochen werden, sind sie ganz verrückt auf
die Katze. Aber alles nur aus Spaß. Die drei
Spielgefährten vertragen sich vortrefflich (siehe Video).
Bevor er nach Shashemene gekommen ist, hat er viel Gitarre gespielt,
nun
spielt er nur noch Schach, sofern sich die Gelegenheit dazu bietet. Was
seinen musikalischen Geschmack betrifft, möchte er sich nicht
festlegen. "Eine Musikrichtung wäre dafür einfach zu
wenig. Ich höre viele Richtungen, auch Klassik. Was Reggae
betrifft steht natürlich Bob Marley an oberster Stelle.", sagt
er dazu. Aus unserem für Geschenke mitgeführten
CD-Fundus wählt er das Doppelalbum von "Wingless
Angels" für sich aus.
Hier noch ein Video mit Ras Hailu und Ausschnitten unseres Besuches in
seiner Banana Art Gallery.
Live
Video: Im
Gespräch mit Ras Hailu - Banana Art Gallery
Shashemene
Verabschieden wir uns von Ras Hailu und schauen uns noch ein paar
andere Dinge in Shashemene an. Ras Hailu gibt uns seinen
"Türöffner" zur Begleitung mit und legt schon jetzt
das angemessene Trinkgeld für ihn fest, damit sich
dieser erst gar keine unangemessenen Forderungen zum Ende
unserer Tour überlegen kann.
Unser nächster Haltepunkt ist gegenüber vom Black
Lion Museum und dem Stützpunkt der Twelve Tribes. Die
Jugendlichen die in dieser Gegend auf Geschäfte lauern, sind
nicht bei jederman beliebt. Auch Ras Hailu hat keine gute Meinung zu
deren Verhalten. Henok möchte erst gar nicht über
die Straße gehen und meint wir sollen von hier fotografieren
und dann schnell weiter fahren. Das machen wir natürlich
nicht, da
habe ich gar keine Berührungsängste. Erst einmal mit
den Leuten ins Gespräch kommen und dann werden wir sehen. Das
ist immer besser als wild drauf los knipsen. Kaum bin ich über
die Straße, habe ich eine Menschentraube selbst ernannter
junger
"Rastas" an der Backe. Am besten erst einmal nach dem Chef fragen, den
es natürlich auch in dieser Straßengang gibt. Der
bekommt zur Begrüßung erst einmal ein Geschenk aus
unserem CD-Fundus. Das wirkt. Eine Broschüre, die sich
"Rastafari Lighthouse" nennt, kaufe ich ihm auch noch ab und schon
stehe ich unter dem Schutz der Truppe und kann unbehelligt
fotografieren was ich möchte. Henok traut dem Braten trotzdem
nicht und bleibt lieber auf der anderen Straßenseite. Die
Leute sind ihm einfach nicht geheuer. Das ist aber nicht neu
für das Verhalten der übrigen äthiopischen
Bevölkerung gegenüber Rastas oder Leuten die sich so
geben.
Bild
524 - 532:
Am Black Lion Museum und angrenzende Gebäude
Das Museum selbst besichtigen wir aber nicht. Nach den
Ausführungen von Ras Hailu sollen wir uns lieber auf das
Tabernakel von Shashemene konzentrieren, zumal unsere Zeit begrenzt
ist,
und der Eintritt kräftig überzogen sein soll,
zumindest im Verhältnis zu dem was man geboten bekommt. Man
spricht von ständig wechselnden Eintrittspreisen, die wohl 30
USD pro Person und mehr erreichen können. Offenbar ist das
abhängig von der Tageslaune der Entscheidungsträger.
Wir könnten es jetzt selbst ergründen, hatten uns
aber schon vorab zum weiteren Ablauf entschieden und zeigen kein
Interesse. Wir wollen gar nicht erst eine Verhandlung provozieren,
dessen Ausgang wir sowieso nicht in Anspruch nehmen wollen. Das
wäre nicht gut.
Bild
533: Black
Lion Museum Shashemene
Links neben dem Black Lion Museum beginnt das Grundstück der
Twelve Tribes of Israel von Shashemene. Das Objekt kann auch gegen eine
Eintrittsgebühr besichtigt werden. Film und Foto ist aber
verboten. Wir beschränken uns auf das unübersehbare
Eingangstor.
Als Bob Marley Ende 1978 Shashemene besucht hat, soll er bei den Twelve
Tribes übernachtet haben. Danach ist er zu dem zirka 17 km
südlicher gelegenen Wondo Genet
weiter gereist, um die heißen Quellen des Ortes zu besuchen
und im ehemaligen Schlafzimmer von Haile Selassie, des 1964 von ihm
gegründeten Wondo Genet Hotel (heute Wabe Shebelle Hotel) zu
übernachten. Die ehemalige Residenz des Kaisers liegt
in einem großen Landschaftspark mit unzähligen
Pflanzen- und Tierarten. Nach der Kaiserzeit soll sich aber der Zustand
des Hotels immer weiter verschlechtert haben und musste in
zurückliegender Zeit zahlreiche Kritiken einstecken. Im
Schlafzimmer von Haile Selassie, umgeben mit seinen originalen
Möbeln, soll man aber immer noch übernachten
können. Wir würden ja gerne diese Spur weiter
verfolgen, aber unsere Reisepläne sehen für die
diesjährige Tour etwas anders aus.
Fahren wir ein Stück weiter und besuchen das Nyabinghi
Tebernakel Centre von Shashemene (Spitzname "Binghi" a.k.a. "Teferean
Church"). Unterwegs machen wir
noch einen Fotostopp am
Bolt House und der Erinnerungstafel zur Landschenkung von Haile
Selassie an den EWF. Die aktuelle Tafel hat Ras Hailu gestaltet und
gemalt, wie er
uns kurz vorher erzählt hat.
Bild
537 + 538:
Das Bolt House in Shashemene, benant nach dem jamaikanischen
Läufer Usain Bolt - Ein von Des-I und Sister Joan
betriebenes Restaurant.
Bild
539 + 540:
Von Ras Hailu gestaltete Tafel zur Schenkung des Land Grant von
Shashemene durch Haile Selassie - Vorsicht mit der Jahreszahl! Das
Datum bezieht sich offenbar auf das offizielle Schreiben über
die Landschenkung von 1948, welches dem EWF erst 1955 vorgelegt worden
ist. Eine andere Möglichkeit wäre die Umrechnung von
unserem zum äthiopischen Kalender was auch passen
könnte, wenn man noch Tag und Monat zur
Überprüfung heranziehen könnte.
Bild
541 + 542:
Die Ziegen in der Zaunrolle.
Am Tabernakel von Shashemene angekommen, erwartet uns schon Ras Mweya.
Wir hatten ihn bereits kurz vor dem Haus von Ras Hailu gesprochen, als
wir dort abfuhren. Ras Mweya ist vor 21 Jahren von England nach
Shashemene gekommen. Amharisch zu lernen hat er aber bis heute noch
nicht
geschafft, weil man sich in der Kommune überwiegend auf
Englisch verständigt. Das kommt uns doch irgendwie bekannt
vor. ;-)
Vor dem Tabernakel hat man oft mit illegalen
Geschäftemachern zu kämpfen. Es gibt anscheinend
immer
wieder "Führer" und "Kassierer", die für den Besuch
des Tabernakels Eintritt kassieren. Dem vorzubeugen hat man bereits
überall am Eingangsbereich Hinweise an die Mauern und
Säulen geschrieben, dass man nicht
bezahlen soll und der Eintritt frei sei. Zur Vertreibung dieser
ungeliebten und aufdringlichen Typen, muss man sich hin und wieder auch
mal mit einem
Knüppel oder einer Dachlatte bewaffnen. Nicht wir, aber die
Leute aus dem Tabernakel. ;-)
Bild
543:
Eingangstor zum Tabernakel von Shashemene.
Gleich hinter dem Tor steht eine große Tafel, auf der einige
Verhaltensregeln für die Besucher festgehalten sind. Was die
Sache mit dem "Rauchen" betrifft, beschränkt sich das Verbot
wohl tatsächlich nur auf Zigaretten, denn im Inneren des
Tabernakels ist schon manchmal die Sicht vor lauter Qualm
getrübt, der natürlich nicht von ordinären
Zigaretten kommt. ;-)
Bild
544 + 545:
Eingangsgebäude und Tafel mit Verhaltensregeln - Tabernakel
Shashemene
Danach folgt eine Wiese mit lichtem Baumbestand. Das noch recht
unfertig wirkende und grau ausschauende runde Tabernakel erhebt sich
nach wenigen Metern vor uns.
Bild
546 - 550: Das
Nyabinghi Tabernakel von Shashemene und Tafeln mit weiteren Regeln
Ein Stück rechts davon steht eine
halb verfallene
bzw. unfertige und von Unkraut überwucherte Bühne,
von dessen Sockel zwei schön gemalte
kaiserlicher Löwen und ein "One Love"
grüßen. Dieser Platz
hat sicher auch schon bessere Zeiten und hoffentlich auch die richtige
Musik erlebt. Die bisherigen
Baumaßnahmen im Tabernacle Centre sollen weitestgehend von
gut situierten Rastas
aus dem Ausland finanziert worden sein. Touris wie wir, tragen
natürlich auch immer wieder einen kleinen Beitrag bei. Daran
ist natürlich trotz freiem Eintritt kein Vorbeikommen, oder
gerade besonders deswegen.
Bild
551 - 554:
Die Konzertbühne neben dem Tabernakel
Der Vollständigkeit halber muss noch angeführt
werden, dass wir sämtliche hier gezeigte Fotos vom
Grundstück des Tabernakels, erst nach der Predigt von Ras
Mweya schießen durften. Das war die erste Regel, die wir beim
Betreten des Geländes mit auf dem Weg bekommen haben. Die
Bilder an dieser Stelle zeigen aber besser den tatsächlichen
Ablauf unseres Besuchs.
Wir gehen nun rechts um das Tebernakel herum und erreichen ein mit
vielen Bildern bemaltes Funktionsgebäude.
Bild
555 - 557:
Das Funktionsgebäude hinter dem Tabernakel
Da gibt es natürlich wieder den Lion of Judah, Haile Selassie
in verschiedenen Posen, Marcus Garvey, Bob Marley und sogar Menelik II.
Reiterpose von Addis Ababa (vergleiche Bild 49-51 in Teil 1).
Bild
558 - 565:
Bilder am Funktionsgebäude hinter dem Tabernakel.
Im Inneren befindet sich ein großer Aufenthaltsraum mit
unzähligen Bildern und Fotos mit allen üblichen
Motiven aus der Welt der Rastafari. Dem angeschlossen ist eine
Küche und andere Räume, die wir aber nicht betreten.
Ras Mweya bittet uns Platz zu nehmen und will natürlich als
erstes wissen woher wir kommen und was uns hier interessiert. Die erste
Frage ist natürlich schnell geklärt und zu zweitens
interessiert uns natürlich alles. Konkrete Fragen haben wir
momentan nicht und lassen uns von Ras Mweya´s unendlicher
Predigt gefangen nehmen. Die Predigt hat es in sich und beleuchtet fast
die ganze Geschichte von Rastafari, Marcus Garvey über Haile
Selassie bis nach Shashemene. Ras Mweya braucht natürlich
nicht wirklich irgendwelche Fragen für seinen Vortrag.
Bild
566 - 571:
Im Funktionsgebäude hinter dem Tabernakel mit seinen
zahlreichen Bildern.
Ras Mweya ist Verfasser des Magazins "Rastafari
Lighthouse", das uns
bereits am Black Lion Museum in die Hände geraten ist. Neben
der Arbeit an diesem Magazin malt Ras Mweya auch Bilder, von denen
eines als "Spendenquittung" für Zuschüsse von
Besuchern für ein neues Dach des Tabernakels, verkauft wird.
Zur Vorstellung von Ras Mweya und des "Rastafari Lighthouse" hier ein
paar Auszüge.
Bild
572 - 575:
Auszüge aus "Rastafari Lighthouse - Shashemene , Vol. 1" mit
Inhaltsverzeichnis und dem Lebenslauf von Ras Mweya.
Ob es inzwischen zu weiteren Ausgaben des Magazins gekommen ist, hat
uns Ras Mweya trotz Anfrage bisher leider nicht mitgeteilt.
Bild
576:
Die auf stabilen Karton professionell gedruckte "Spendenquittung" im
DIN A4 Format. Ein Nachdruck ist ausgeschlossen, da jedes
Poster
einen deutlich ausgeprägten Reliefstempel als
Echtheitszertifikat
besitzt. Das Bild dafür wurde von Ras Mweya gemalt.
Letztendlich kommt Ras Mweya sogar auf die
Flüchtlingssituation
und entsprechende Nachrichten über Deutschland zu sprechen,
zumindest soweit es Afrikaner betrifft. Er regt sich mächtig
über die Aussagen verschiedener Emigranten auf, die in Europa
sagen
"Afrika hat nichts zu bieten und es gibt keine Zukunft dort." "Wir
haben in Afrika alles was man braucht. Man muss nur etwas tun
dafür und kann nicht einfach wegrennen und wo anders nur die
Hand
aufhalten.", erregt er sich und schüttelt nachdenklich mit dem
Kopf. Die
ganze Problematik erfüllt ihn
mit
Unverständnis und ist ihm nahezu peinlich. Seine simple
Schlussfolgerung: Es wird nicht aufhören. Es werden immer mehr
Leute Afrika verlassen und somit in ihren eigenen Ländern nichts
bewirken, so lange in Europa das Geld auf der Straße liegt
oder für Nichts zu haben ist. Es ist immer wieder erstaunlich
wie andere
Afrikaner darüber denken, die im eigenen Land versuchen etwas
zu
erreichen. Dort wäre die Unterstützung bedeutend
sinnvoller angebracht, zumal ein Euro in Afrika erheblich mehr bewirkt
als ein Euro in Europa. Aussagen und Erkenntnisse wie diese sind kein
Einzelfall sondern die
landläufige Meinung. Wer Afrika wirklich
bevölkerungsnah bereist und sich nicht nur vom deutschen
Fernsehsessel aus oder nach medienwirksamen gegenseitigen
"Parteibeharkungen" eine Meinung bildet, wird das ganz schnell
erkennen. Mit manchen Afrikanern kann man sich vernünftiger
zu
diesem Thema unterhalten als hierzulande, egal von welchem
Gesichtspunkt aus die Sache betrachtet wird. Aber solche
Gespräche sind anstrengend und
wir
sind froh als Ras Mweya zum Thema Musik und Reggae wechselt, dabei
die verschiedenen Trommeln vorführt und deren
unterschiedliche
Töne erklärt. Als wir irgendwann auf Bob Marley
& The
Wailers zu sprechen kommen und ich zufällig noch
sämtliche
Aufnahmen des letzten Berliner Bunny Wailers Konzert auf der
Videokamera
zeigen kann, beendet Ras Mweya seinen Vortrag und ist für
lange
Zeit beschäftigt und begeistert. Jetzt bekommen wir endlich
die
Fotogenehmigung
und können uns "austoben".
Bild
577 - 581:
Ras Mweya schaut Videos an und weitere Deteils im Aufenthaltsraum. Bild
581:
Mortimer Planno links unten neben Haile Selassie.
Gehen wir wieder nach draußen und schauen uns nun auch das
Tabernakel von innen an. Der große Innenraum ist
auch hier mit zahlreichen Bildern und bemalten Transparenten
ausgestattet. Zu gerne würden wir den Raum mit Menschen
ausgefüllt sehen und einer richtigen Rasta Versammlung
beiwohnen. Leider steht für heute nichts dergleichen auf dem
Programm. Da sind wir leider zum falschen Tag in Shashemene.
Bild
582 - 588:
Ausschmückungen im Nyabinghi Tabernakel von Shashemene
Ähnlich wie bei den alten äthiopischen Rundkirchen,
hat man beim Tabernakel von Shashemene ebenfalls einen
äußeren Rundgang um den eigentlichen
Versammlungsraum errichtet. Hier gibt es allerdings im Innenraum kein
verschlossenes Allerheiligstes, das nur für die Priester
zugänglich ist. Zentraler Punkt ist hier ein runder
rot-gelb-grüner Altar mit dem Lion of Judah und Haile
Selassie´s Trinitätszeichen. Verschiedene
Darstellungen von Haile Selassie, Empress Menen, dem Lion of Judah und
der Trinität sind in einer Rasta Kirche natürlich das
zentrale Thema.
Der äußere Rundgang ist bisher noch nicht
überdacht und befindet sich weitestgehend im Rohbau.
Bisher hat man nur den großen Versammlungsraum provisorisch
überdachen können. Noch sammelt man an Mitteln, um
das Tabernakel nebst der besonders wichtigen Dachkonstruktion endlich
fertigstellen zu können. Da gibt es noch viel zu tun
für die Kommune.
Bild
589 - 593:
Ausschmückungen im Nyabhinghi Tabernakel von Shashemene.
Inzwischen mahnt uns Henok zur Eile und drängt auf einen
baldigen Abschluss der Tabernakelbesichtigung. Wegen dem aus
Zeitgründen ausgefallenen Lunch hängt ihm der Magen
schon in den Kniekehlen, und das schlägt sich leider auf seine
Stimmung nieder. ;-)
Uns macht das weniger aus. Bei derartigen Reisen verzichten wir nahezu
regelmäßig auf das Mittagessen. Da tut uns ganz
einfach die Zeit leid, die man besser verwenden kann.
Zum Abschluss zeigt uns Ras Mweya noch einen äthiopischen
Wandkalender, den die Empress Menen Foundation finanziert hat. Wer sich
mit den äthiopischen Daten, den Monatsnamen usw.
auseinandersetzen möchte, ist das eine gute Grundlage.
Darüber hinaus gibt es viele historische Fotos und Zitate aus
dem Kebra
Negast, von Haile Selassie und vieles andere mehr.
In
Äthiopien beginnt das neue Jahr übrigens am 11.
September (im Schaltjahr am
12. September). Das äthiopische Neujahrsfest heißt Enkutatash
und steht für die Rückkehr der Königin von
Saba von ihrem Besuch bei König Salomon. Bei ihrer
Rückkehr überreichten die Landesältesten der
Königin ein "Enkutatash", ein Kästchen mit Schmuck
und Edelsteinen. Dementsprechend beginnt dieser Kalender in 2015 und
endet in 2016. Der Kalender kann bei der Empress
Menen Foundation erworben werden, sofern man nicht gerade
zufällig im Tabernakel von Shashemene das letzte Exemplar
ergattert. ;-)
Bild
594 - 596:
Auszug vom Jahreskalender der Empress Menen Foundation Bild
594:
Deckblatt Bild
595 + 596:
Unser Monat November mit den Überschneidungen zu Tikimt und
Hidar.
Aber bereiten wir nun unsere Verabschiedung vor. Ras Mweya bringt ein
Gästebuch in dem auch sorgsam alle geleisteten Spenden
eingetragen werden. Hoffen wir, dass sich auch dieses Buch schnell
füllt, und die Kommune ihr Tabernakel bald fertigstellen kann.
Erstaunt stelle ich fest: "Was hier war sieben Jahre lang niemand
mehr!?" Alles lacht. Ach ja, wieder einmal habe ich die
äthiopische Zeit vergessen und vor kurzem war auch noch
Neujahr. Es ist gut, nun den äthiopischen Kalender in der
Tasche zu haben. Nach dieser letzten Amtshandlung bringen uns Ras Mweya
und sein
"Sicherheitsteam" noch zu unserem Auto, da wie schon eingangs
erwähnt, sich vor dem Tabernakel oft recht unliebsame Typen
herumtreiben. Aber weit und breit ist alles ruhig und keine
Menschenseele zu sehen.
Bild
597 - 599:
Ras Mweya, Henok und ein Salut zum Abschied
Live
Video:
Nyabinghi Tabernacle Centre - Shashemene - Ein kurzer Rundgang
Fahren wir nun zurück zum Hotel, dass wir für unsere
Begriffe schon viel zu früh und zwar gegen 17:00 Uhr
erreichen. Henok und Tagan sind jetzt unsere Gäste und
können endlich ihren Traum vom alltäglichen
Nationalgericht Injera und
allen weiteren landestypischen Leckereien in die Tat umsetzen.
Morgen werden wir zuerst die Zion Train Lodge von Shashemene besuchen
und uns danach zirka 200 km in östliche Richtung begeben. Am
Abend
werden wir Goba, am Rande des Bale
Mountains Nationalpark, erreichen und dort für zwei
Nächte bleiben. Davor werden wir noch das Gaysay Grassland
durchqueren und danach eine Wanderung in einem kleinen Teil des Bale
Mountains Nationalpark unternehmen. Dort werden uns hoffentlich weitere
endemische Tierarten wie das Mountain Nyala und der Menelik Bushbuck,
sowie ein Stück ursprünglicher Wald von
Äthiopien mit vielen Kosobäumen begegnen. Bis bald!
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text + Videos: Peter Joachim