Für
18:00 Uhr ist der Auftritt der ersten Band geplant. Die Reihenfolge auf
dem rechts abgebildeten Poster ist natürlich umgekehrt.
Bei uns hat sich eingebürgert, dass wir bis dahin die weiteren
Schauplätze des Festivals in aller Ruhe in Augenschein nehmen.
Dazu gehört natürlich die jährliche
Sonderausstellung im Museum des Klosters und die Entspannung im Dub
Camp, welches inzwischen zum Roots Camp umgetauft worden ist und seit
2024 nicht mehr hinter der Kuhle, sondern hinter dem Bootshafen
errichtet worden ist.
Das Museum im Kloster ist wie in den letzten Jahren leider wieder nur
am Nachmittag geöffnet, was für uns einer
längeren und
zusammenhängenden Entspannung im Roots Camp entgegensteht.
Immerhin wollen wir die Ausstellung natürlich auch mitnehmen,
in die jedes Jahr so viel Energie und Liebe investiert wird und diese
zudem
immer zum Charakter des Festivals passt.
Also beginnen wir unseren Festivaltag etwas später nach dem
Mittagsimbiss und
besuchen zunächst das Roots Camp. Nach den gestrigen
Erfahrungen am Einlass vor dem Sound Wonderland, welches auf dem Weg
zum Roots Camp zu passieren ist, haben wir heute alle Dinge im Quartier
zurückgelassen, die größer als ein
DIN-A4-Blatt sind. Also sind wir mal ohne Fotoausrüstung
unterwegs,
um jegliches Hin und Her zu vermeiden. Immerhin wissen wir nicht, ob
sich an den Einlassformalitäten schon etwas geändert
hat. Ist ja auch mal schön, ganz unbeschwert übers
Gelände zu wandeln und auf nichts aufpassen zu müssen.
Eingang zum
Roots Camp
Was geht ab
und Benimmregeln im Roots Camp
Wir sind gespannt auf Mandlion, der ab 13:30 Uhr zusammen mit dem Zion
Garden Soundsystem seine Künste präsentieren will.
Die Symbiose von Roots und Dub, die uns im Roots Camp immer wieder in
eine Traumwelt versetzt, soll nun von Mandlion auch noch mit einer
Mandoline gewürzt werden. Daher auch der erste Teil seines
Künstlernamens. Zum Lion, der den zweiten Teil seines Namens
ausmacht, muss man ja wohl nichts mehr sagen,
denn der Lion ist in der Szene allgegenwärtig.
Mandlion
& Zion Garden Soundsystem
Als Michele Bolognese, alias Mandlion, seine Mandoline anstimmt,
braucht
es
für uns nicht erst ein paar Tracks, um in die richtige
Stimmung zu kommen. Dieser musikalische Mix ist unglaublich und sorgt
ziemlich schnell für feuchte Augen. Das könnte
stundenlang mit dieser Musik so weitergehen. Schade, dass jetzt noch
kein
größeres Publikum zugegen ist. Mandlion
hätte es mehr als verdient.
Der aus Italien kommende Künstler, der heute mit dem Zion
Garden Soundsystem spielt, hat eigentlich im Murjah Warriors Sound Art
System seine Heimat. Die Murjah Warriors sind in Alta Murgia nahe Bari
(Süditalien) beheimatet. Deshalb auch der Name "Murjah". Neben
der Mandoline bringt
Michele auch die Harmonika zum Einsatz, was in Sachen
Gänsehaut ebenso vielversprechend klingt.
Michele Bolognese wurde am 01.08.1988 in Altamura, Puglia, im
Südosten von Italien geboren. Er spielte schon als Kind in der
Band seiner Eltern Maria Moramarco und Luigi Bolognese, die sich
Uaragniaun nannte und 1978 gegründet wurde. Er hatte so das
Glück umgeben von verschiedenen Instrumenten und musikalischen
Einflüssen aufzuwachsen. Dann begann er am
Konservatorium von Bari das Spielen mit der Mandoline zu lernen und
fing gleichzeitig an autodidaktisch zu malen, inspiriert von
den Landschaften um Murgia.
Nachfolgend entschied er sich nach Trient zu gehen, um dort
Umwelttechnik zu studieren.
Später wurde er Gründungsmitglied von drei
erfolgreichen und
unterschiedlichen Musikprojekten wie Fan Chaabi (Ethnic Mediterran
Music), Murjah Warriors Sound Art System (Homemade Roots-Rasta
Soundsystem) und Dubby Conquerors, einer unkonventionellen Tribute-Band
zu Ehren von Bob Marley. Unter seinem Pseudonym Mandlion begann er
weltweit mit verschiedenen Soundsystems zusammenzuarbeiten und nahm
zahlreiche Instrumentalversionen mit Mandoline und Harmonika auf. Neben
seiner musikalischen Laufbahn verfolgt er aber nach wie vor die Kunst
der Malerei.
Live Video:
Ein kleiner Ausschnitt von Mandlion & Zion Garden Soundsystem
Leider können wir nicht länger im Roots Camp
verweilen, wenn wir noch ins Klostermuseum und rechtzeitig zum
Bühnenanpfiff im Klostergarten vor Ort sein wollen.
Am Bootshafen
Im Sound
Wonderland ist aktuell auch noch viel Luft, was sich aber noch
gravierend in Richtung Nacht ändern wird.
Auch am
ehemaligen Platz vom Da Sandwichmaker herrscht noch ungewohnte Leere.
Für uns geht's erst einmal ins Quartier, um die letzten
Vorbereitungen für den weiteren Tagesablauf zu treffen. Wieder
zurück am Festivalgelände, geht es zunächst
ins
Klostermuseum. Wir sind alle Jahre wieder, aufs Neue
überrascht, wie es zu der zum Festival passenden Themenauswahl
kommt. Der freie Eintritt für alle Festivalbesucher ist auch
dieses Mal wieder gesichert.
Gleich
am Eingang steht den Besuchern eine informative und sehr
ausführliche Broschüre zur Ausstellung zur
Verfügung. So kann man viele Kunstwerke im Kleinformat, nebst
Angaben zu den Künstlern, mit nachhause nehmen und noch einmal
in aller Ruhe auf dem Sofa nachvollziehen.
Herausgeber der Broschüre ist der Landkreis
Osnabrück, dem neben allen anderen Beteiligten und
Unterstützern der Ausstellung, besonderer Dank
gebührt.
Kurator der Ausstellung und Verfasser der Broschüre ist
Karl-Olaf Kaiser, der sich auch nicht nehmen lässt, den
interessierten Besucher durch die Ausstellung zu führen und zu
jedem Kunstwerk eine eigene Geschichte zu erzählen
weiß. Da klinken wir uns natürlich gleich mit ein,
und was wir verpasst haben, da geht es eben noch einmal zum Anfang
zurück.
Kurator
Karl-Olaf neben dem Titelgemälde der Ausstellung
Links: Richard Gayle - Young Legend
(Koffee) 2022. Die Malerei ist durchscheinend und bildet bei passendem
Licht und richtigen Abstand zum Hintergrund ein perfektes Schattenbild
ab. Rechts:
Phyll Williams. Das Bild
wurde einem Pressefoto zum Film "Bob Marley. One Love" (2024)
nachempfunden. Es zeigt Bob Marley in seinem Haus in der 56 Hope Road.
Im Hintergrund ist ein Gemälde zu erkennen. Die Vorlage
stammt aus einem Interview aus 1976, welches der amerikanische Fotograf
David Burnett eingefangen hat und im Buch unter dem Bild zu sehen ist.
Für den Film wurde diese Szene nachgestaltet und das neue
Gemälde von Phyll Williams geschaffen.
Gavin Jordan
- Coronation Street - 2022 Für
das dreiteilige Werk dienen Tausende bemalte Schrauben als Grundlage
Links: Sean Henry - Lee "Scratch"
Perry - Aquarell auf Papier Recnts: Richard Nattoo - Red Convenant
- 2025 - Aquarell auf Textil
Taj Francis
- 8 Year Affair - um 2013 - Bleistift und Tusche auf Papier
Die Bilder von Protoje kommen natürlich jedem Reggae Fan
äußerst bekannt vor, da diese als Vorlage seiner
ersten beiden Alben "7 Year Itch" (2011) und "The 8 Year Affair" (2013)
dienten.
Links: Werke von Taj Francis - Protoje Rechts: Plattencover weiterer
Künstler wie Wilfred Lemonious, Robert "Kibo" Thompson und
Kenneth Neville Anthony Garrick C.D.
Soweit nur ein paar ausgewählte Exponate der Ausstellung. Wer
sich am Ende überall durchgelesen und eine Meinung zu den
Kunstwerken gebildet hat, kann diese auch zu Papier bringen, damit nach
Ablauf dieser Sonderausstellung das meist geliebte Objekt ermittelt
werden kann.
Inzwischen ist der Zeitpunkt herangerückt, an dem sich die
Pforten zum Klostergarten öffnen. Ein
paar Minuten bis zur ersten Show haben wir noch, um
über den Markt zu schlendern
und zu schauen was so im Angebot ist und was es für Neuerungen
gibt.
Für
18:00 Uhr ist der Bühnenstart
angekündigt, der von den Moderatoren Ganjaman und Jabbar auch
pünktlich auf der Main Red Stage eingeläutet wird.
Erste Band der heutigen
Running Order ist Tribal M, eine Band deren Musiker
überwiegend aus Wuppertal kommen. Die als
Roots-Reggae-Vertreter angekündigte Band, spielt schon seit 25
Jahren.
Man lernt nie aus. Wir stehen schon mehr als 25 Jahre vor den
verschiedensten Reggae-Bühnen, aber Tribal M sind uns dabei
noch nie
begegnet.
Die Band spielt zur Einstimmung auf das weitere
Bühnenprogramm, sowohl eigene Songs, als auch Klassiker, die
jeder
kennt. Als
aktuelle Bandbesetzung gibt die Band folgende Musiker an: Mexx
(Vocals),
Rogo (Guitar),
Ed Cook (Keys),
D.B. Lazer (Bass),
Steffen (Drums),
Philipp (Trumpet),
Thilo (Trombone) und
Martina (Altosax).
Wer die Band auf Konserve haben möchte, kann sich nach dem
2017er Sampler "Reggaenerationen" umsehen, auf dem neben Tribal M noch
die Bands Massiv Grün und Antofagasta, jeweils mit 4 Songs
vertreten sind.
Live Video:
Tribal M - We A Rockers (Jacob Miller)
Weiter
geht es mit Vido Jelashe auf der Main Green Stage.
Der aus Südafrika stammende Vuyani Mbutuma, ist im
Jahr 1993 nach Deutschland gekommen und lebt in
Berlin. Anders als bei Tribal M, gibt es wohl niemand auf dem Platz,
der Vido nicht kennt. Er ist eigentlich immer da, ob nun vor oder auf
der Bühne.
Heute tritt er mit österreichischen Band House of Riddim auf.
Mit dabei noch zwei Backgroundsängerinnen und eine weitere
Sängerin als Special Guest.
Mit seiner warmen und an Luciano erinnernden Stimme, ist Vido immer
wieder ein vom Publikum gern gesehener Gast und hat bei reggaestory.de
schon zahlreiche Seiten gefüllt.
Größere Neuigkeiten haben wir deshalb auch nicht zu
berichten und warten weiterhin auf einen Longplayer, zudem sich leider
immer noch nicht die richtigen Bedingungen eingestellt haben.
Special
Guest Jah Dawta
Und damit wir nicht wieder Vidos Hit "Babylon A Take Control" auf dem
Superior Riddim erwischen, haben wir uns extra etwas
zurückgehalten und dafür den von House of Riddim
produzierten neuen Song "The First And The Last" aufgenommen.
Live Video:
Vido Jelashe - The First And The Last + Love Is So Kind
Nächster
Act auf der Main Red Stage sind Marcus Gad und seine Band Tribe. Somit
gibt es gleich im ersten Drittel der heutigen Running Order, einen der
Höhepunkte des Tages, wenn nicht gar den Höhepunkt
des Tages.
Marcus Gad kommt von der zu Frankreich gehörenden und
östlich von Australien liegenden Inselgruppe Neukaledonien.
Der in 2018 zum ersten Mal beim Reggae Jam aufgetretene
Künstler, erinnert mit seinem Musikstil stark an den leider
schon verstorbenen Vaughn Benjamin (Midnite, Akae Beka).
Seit diesem für uns denkwürdigen Auftritt, sind wir
immer total begeistert von Marcus Gad und bewundern neben seiner Musik
die ihm eigene Ruhe, Besonnenheit und freundliche Art. Etwas anderes
würde aber auch gar nicht zu seinem musikalischen Stil passen.
Seit seinem 2017er Longplayer "Chanting" haben sich in seiner
Discography 3 weitere Alben versammelt. Die 2023er Scheibe "Ready For
Battle", ist sein bisher letztes Werk.
Während der Show gibt's schließlich am Rande des
Fotograbens ein berechtigtes Gerangel zwischen dem Sicherheitsdienst
und ein paar uneinsichtigen Fans. Es geht wieder einmal um das leidige
Thema "Fahnen". Die Fotografen im Fotograben regen sich schon viele
Jahre
darüber auf, wenn sich sogar manche Fans noch einen
Spaß
damit machen, die Kameras mit ihren Fahnen zu verdecken. Immer wieder
hängen die Flaggen vor dem Gesicht und verdecken die Sicht auf
die Bühne. Die Stangen an den sie befestigt sind,
können auch nicht lang genug sein. Dieses Mal trifft es die
Aufnahmen des Live-Streams. Immer wieder schieben sich die
Flaggen zwischen Kamera und Künstler und verderben die
Aufnahmen. So hoch kann man keine Kamera mehr positionieren, um die
langen Stangen der Fahnen zu übertrumpfen. Manchmal sind die
Fahnen ja ein schönes Element, aber wenn sie bei den Aufnahmen
stören, muss mal irgendwann eine Lösung her.
Vielleicht sollte man einfach nur die Stangen verbieten.
Für das fantastische Klangerlebnis sorgen neben
Marcus
Gad heute folgende Musiker: Jean (Drums), Garcia
(Bass), Raphaël
Baldy und Matthieu (Guitar), Francky (Keyboards) und Tamal am Soundmix,
ohne dem es natürlich auch nicht so funktionieren
würde.
Live Video:
Marcus Gad & Tribe
Soweit ein paar Eindrücke von der Show mit Marcus Gad, die
ruhig
noch etwas länger gehen könnte, was aber leider nicht
geht.
Immerhin befinden wir uns schon wieder im Planungsrückstand
mit
der Zeit.
Also
geht es auf der linken Main Green Stage mit I-Noah und House of Riddim
in die nächste Runde, die sich in Richtung Roots-Reggae
bewegen wird.
I-Noah ist für uns eine neue
Erfahrung. Er stand zwar schon auf der Running Order des am 2.-3. Mai
stattgefundenen "Reggae Jam Awakening", aber daran teilzunehmen war uns
leider nicht vergönnt.
Clayton Heslop, alias I-Noah oder Inoah, kommt aus Jamaica und wurde am
04.11.1981 als jüngstes von fünf Geschwistern in der
Gegend von Orange Hill, in der Gemeinde Old Works geboren. Dort wuchs
er auch auf.
Später zog er mit seinen Eltern Margaret Hallcock und Caswell
Heslop in die Gegend von Watermount im Parish St. Catherine, wo er von
1987-1997 die Point Hill All Age School besuchte. Wie bei den meisten
jamaikanischen Artists begann auch Clayton seine musikalische Laufbahn
in der Kirche. Bereits mit 11 Jahren wurde
er Leadsänger im Jugendchor der Little Bethlehem
Pentecostal Church.
In seiner Jugendzeit begann dann Clayton eigene Musik zu machen und
orientierte sich dabei an Vorbilder wie Bob Marley, Dennis Brown und
Sizzla Kalonji.
Dank seines Freundes Gregory wurde er dem Plattenlabel "House Of Love"
vorgestellt, was in 2007 zur Veröffentlichung seiner ersten
Single "Rise From The Slum" führte. Mit "Gwan So Fah", "One of
A Kind" und "Battle Field", folgten drei weitere Singles, die ihm bald
darauf eine treue Fangemeinde einbrachten. In der Folge trat er bei
Konzerten in Portmore, August Town und in Sizzlas Judgement Yard auf.
Clayton, der sich inzwischen I-Noah nannte, arbeitete konzentriert an
weiteren Singles, die er letztendlich auch weltweit auf iTunes
veröffentlichte.
I-Noah gewann 2010 den Pepsi Rebel Salute Roadshow-Wettbewerb, was ihm
2011 seinen ersten Auftritt beim Rebel Salute einbrachte. Seine
weiteren
musikalischen Aktivitäten führten ihn bis nach New
York und die Niederlande und dieses Jahr zum ersten und zweiten Mal auf
das Reggae
Jam.
Live Video:
I-Noah
Nach der Show von I-Noah soll es mit Iotosh auf der rechten Main Red
Stage weitergehen, aber dort hakt es noch ein wenig mit der Technik.
Uns passt das ganz gut ins Konzept, denn so können wir ein
wenig Zeit dem Geschehen im Backstage zuwenden.
Jah Tung und
Marcus Gad
Wir schauen uns noch ein wenig um, und bekommen die Gelegenheit den
einen oder anderen Künstler des Abends einen kurzen Besuch
abzustatten. Unsere Autogrammsammlung wird dabei natürlich
auch wieder ein wenig umfangreicher.
Zu Besuch
bei den Mystic Revealers. Diese werden das Abschlusskonzert nach der
heutigen Running Order geben.
Live Video:
Mystic Revealers - Jingle for reggaestory.de
Aber
schauen wir jetzt erst einmal wie weit die Sache mit der Bühne
für Iotosh gediehen ist. Was wir aus der Ferne hören,
scheint sein Set jetzt begonnen zu haben.
Auch Iotosh kommt aus Jamaica und wir müssen gestehen, auch
ihn bisher noch nicht auf der Bühne gesehen zu haben. Iotosh
ist allerdings kein Unbekannter und hat bereits Songs für
Künstler wie Koffee, Protoje, Jorja Smith, Doechii, Lila
Iké, Jesse Royal, Vybz Kartel, Jah9 und viele andere
produziert und geschrieben. Schauen wir uns an, was er heute Abend
für sich selbst auf die Bühne bringt.
Iotosh wurde 1998 als Iotosh Poyser in Kingston, auf Jamaica geboren.
Als Sohn des Künstlers und Songwriters Ragnam Poyser
(Xterminator) und der Musikjournalistin Michele Geister, kam er schon
früh mit den verschiedenen Musikstilen wie Reggae, Dancehall,
Hip-Hop, Funk, Soul und Rock in
Berührung. Mit neun Jahren begann er bereits eigene
musikalische Ideen auf einem Casio-Keyboard zu entwickeln.
Später begann er inspiriert von Künstlern wie Damian
Marley oder Eminem eigene Songtexte zu schreiben. Als er mit 17 Jahren
die High School verließ, begann er intensiver seine
Musikkarriere zu
verfolgen. Seine ersten Tracks produzierte er für den
Künstler Kyraxx, den er schon von der High School her kannte.
Die beiden gründeten das Label "Sound Ting", um ihre Musik
unabhängig veröffentlichen zu können.
Mit der Veröffentlichung von Jah9s 2020er Album "Note To Self"
gelang ihm schließlich der Durchbruch als Produzent. In 2021
erhielt er
für seine Arbeit an Jesse Royal's Album "Royal" sogar seine
erste
Grammy Nominierung. Seine zweite und dritte Nominierung, folgten 2022
für seine Produktionen von Koffee's "Gifted" und Protoje's
"Third Time’s The Charm".
Letztendlich ist er aber eben mehr der erfolgreiche Produzent als der
Künstler auf der Bühne und das Publikum ist schwer zu
begeistern. Mal abgesehen von ein paar Mädels in der ersten
Reihe, die so richtig Party machen. Damit ziehen sie mehr die Blicke
auf sich, als auf die Bühne. Irgendwie wirkts das befremdlich.
Die sind bestimmt gekauft. ;-)
Letztendlich kann er uns auch
nicht überzeugen und wir widmen uns noch vor dem Ende seiner
Show anderen Dingen.
Eine Sammlung eigener Songs von Iotosch, findet man auf seiner 2024er
EP "For The People".
Live Video:
Iotosh
Im Backstage treffen wir I-Noah, der sich inzwischen seiner schicken
roten Lederhülle entledigt hat und nun ganz in schwarz
unterwegs
ist. Da müssen wir gleich noch einmal ein kleines Foto
Shooting
dranhängen.
Foto Session
mit I-Noah im Backstage
Von
Jamaica reisen wir nun mit Jah Tung nach Australien und auf die Main
Green Stage des Reggae Jam in Bersenbrück. Jah Tung ist nach
seinem vorjährigen Auftritt zum zweiten Mal auf dem Reggae Jam
zu Gast. Dabei konnten wir ihn bei drei verschiedenen Auftritten sehen,
einmal bei einer Da Sandwichmaker Session (wir trauern diesem Format
immer noch nach), einmal bei Ganjaman als Special Guest und einmal
zusammen mit der gesamten damals anwesenden Da Sandwichmaker Family und
anderen Artists in einem großartigen
Künstlermix.
Diese Show war allerdings nur ein ungeplanter Ersatz für die
ausgefallenen Rik Jam & Dalwayne. Heute nun bekommt Jah Tung
ein eigenes Set, zusammen mit der House of Riddim Band.
Als Jah Tung beginnt, liegen wir mit der Zeit schon kurz nach 23:00
Uhr. Es fehlen nur noch ein paar Minuten zu anderthalb Stunden
Verspätung gegenüber seinem geplanten Start um 21:45
Uhr. Das wird dann wohl ein sehr langer Freitag werden. Wie wir
gehört haben, ist zwar die geplante Sophia Brown nicht
angereist, womit man die Verspätung wieder ein Stück
reinholen könnte, aber dafür ist längst ein
Ersatz mit unserem Freund Teacha Dee aufgestellt worden.
Live Video:
Jah Tung
Nach
Jah Tung geht es wieder nach Jamaica und auf die Main Red
Stage zurück. Wir kommen nun zum nächsten Newcomer
des Abends. Ackime Nathaniel Nephew, alias Eesah, wurde am 17. April
1991 in
Kingston geboren und erlangte erstmals 2012 musikalische
Aufmerksamkeit, als er unter dem Namen Jahkime seine Debut-EP
"Cannabis"
veröffentlichte. Im Jahr 2014 folgte seine zweite EP mit dem
Titel
"Believe In Love". Seine Zusammenarbeit mit Chronixx im selben Jahr,
führte ihn auf eine Karibik-Tour, die ihn zu
größerer
regionaler Bekanntheit verhalf.
In dieser Zeit änderte er auch seinen Künstlernamen
von Jahkime zu Eesah. Es folgten weitere Songs und Zusammenarbeiten mit
Evidence Music, Little Lion Sound und anderen, die ihn zu immer mehr
Bekanntheit verhalfen. 2022 folgte seine nächste EP mit dem
Titel "Timeless" und 2024 sein erster Longplayer "Deep Medz" als
Digital Release bei King I-Vier Music / Loud City. Im selben Jahr
schaffte er es auch auf das Cover des Riddim Magazins, zusammen mit Jah
Lil und Ras-I. Für Ende dieses Jahres ist die
Veröffentlichung seines zweiten Albums mit dem Titel "Success"
geplant. Eine Namenswahl die nicht treffender sein könnte.
Sein heutiger Auftritt mit der Jahvolution Band reißt uns
allerdings nicht so richtig mit, wie man das beim Lesen seiner
vollständigen Biography vermuten könnte, die wir
nur als kleinen Auszug hier wiedergegeben haben.
Live Video:
Eesah
Wir nehmen uns wieder etwas Zeit, um uns im Backstage ein Treffen mit
Jesse Royal zu organisieren. Dieser steht mit ganz oben auf unser
To-Do-List, da wir bisher noch nicht die Gelegenheit hatten ihn zu
treffen. Da bis zu seinem Auftritt noch Teacha Dee vor ihm dran ist,
gibt er uns gerne die Gelegenheit, ihn in seinem Zelt zu besuchen.
Jesse Royal ist die Freundlichkeit in Person und zu
Späßen aufgelegt. Letztendlich nimmt er uns sogar
die
Kamera aus der Hand und möchte auch einmal Paparazzo sein.
Und wir müssen sagen, er hat es gut gemacht.
Jesse Royal
und Karl-Olaf Kaiser
Jesse Royal
und Karl-Olaf Kaiser mit der Broschüre zu seiner
diesjährigen Sonderausstellung
Live Video:
Jesse Royal - Jingle for reggaestory.de
Wir hatten lange nicht so einen unterhaltsamen und lustigen
Backstagetermin, wie heute mit Jesse Royal. Aber nun müssen
wir uns wirklich sputen, wenn wir noch ein Stück des Auftritts
von Teacha Dee mitbekommen wollen.
Aber
es ist nicht ganz so schlimm,
wenn wir etwas verpassen, denn immerhin hatten wir Teach erst
kürzlich auf unserer eigenen Veranstaltung zu Gast.
Zu Teacha Dee haben wir deshalb auch längst alles gesagt, was
es momentan zu sagen gibt. Zumindest fällt uns gerade nichts
ein, .... nur Eines: Teacha Dee wird immer besser, je öfter
wir ihn sehen. Teach würde dazu sicher nur wieder sagen: "So
muss das auch sein." Normaler Weise schon, aber leider trifft das nicht
auf jeden Artist zu.
Als Backingband gibt's wieder einmal House of Riddim, die
zu seiner musikalischen Entwicklung viel beigetragen hat.
Und hier auch noch ein Video zum Abschluss der Show, mit seinem Hit
"Smoke & Fly".
Live Video:
Teacha Dee - Long Day Short Night + Smoke And Fly
Nun
kommen wir zurück auf den ursprünglichen Verlauf der
Running Order, und das bedeutet, die Main Red Stage gehört nun
Jesse Royal. Es ist unglaublich wie schnell die Jahre
verfliegen, denn es ist schon wieder 11 Jahre her, als wir Jesse Royal
hier auf dem Reggae gesehen haben. In dieser Zeit war er
natürlich nicht untätig und hat zahlreiche neue
Veröffentlichungen an den Start gebracht. 2015 seine EP "Hope
& Love", 2017 sein Debutalbum "Liliy Of Da Valley", 2012 sein
Album "Royal" und noch in diesem Monat soll mit "No Place Like Home"
das nächste Werk präsentiert werden.
Jesse Royal liefert eine ausgewogene Show von mitreißenden,
bis besinnlichen Songs mit einem Lichtermeer aus Feuerzeugen und
Smartphones. Das legendäre "Roots And Culture" sorgt
für Erinnerungen an den legendären Mikey Dread und
seinen
eigenen Hit "Modern Day Judas", hebt er sich natürlich bis zum
Ende seiner Show auf. Auch für uns ist dieser Titel nach wie
vor sein beeindruckendster und mitreißendster Song, durch
den wir überhaupt erst auf Jesse Royal in 2012 aufmerksam
geworden sind. Zu finden ist das Stück auf seinem 2017er
Debutalbum "Lily Of Da Valley", oder eben auf YouTube, wo der Song
mittlerweile über 36 Millionen Aufrufe zu verzeichnen hat.
Mehr muss man dazu eigentlich nicht mehr sagen.
Live Video:
Jesse Royal - u.A. mit "Roots & Culture" und "Modern
Day Judas"
Mit
diesem Song ist, zumindest für unseren Geschmack, ein weiterer
Höhepunkt des Abends überschritten, den der
nachfolgende Kirk Davis oder Little Kirk sicherlich nicht mehr toppen
kann. Allerdings gehen wir mit Little Kirk weg von Roots und Culture
mehr in
Richtung Dancehall. In der Regel kann man das aber kaum vergleichen.
Jeder
Fan setzt seine Höhepunkte eben an einer anderen Stelle.
Auch Little Kirk stand genau wie Jesse Royal am 01.08.2014 zum letzten
Mal beim Reggae Jam auf der Bühne. Auch wenn bei Little Kirk
genau so viel Zeit vergangen ist wie bei Jesse Royal, gibt's bei ihm
nur seine "Truly Great Showcase" von 2018 als Neuigkeit zu
verkünden
Der "Kleine Kirk", der auch als älterer Bruder von Beenie Man
bekannt ist, wird von der House of Riddim Band unterstützt,
die nahezu jeden Artist als Backingband begleiten kann.
Anders als Beenie Man hat Kirk allerdings nie dessen Status in der
Dancehall Szene erringen können. Aber was nicht ist, kann ja
vielleicht noch werden.
Sein 2007er "God A Di Man" auf dem 1996er "Lalabella Riddim", der von
Tony Rebel und Jah Wayne produziert wurde und besonders durch Tony
Rebel's Version "If Jah" bekannt wurde, ist unserer Meinung nach, der
beste Song seines Sets. Der Song sorgt auch zur deutlichen Anhebung der
Stimmung im Publikum, welches in den Gesang von Little Kirk mit
einstimmt. Neben Kirk Davis tummeln sich allerdings zahlreiche weitere
Artists auf diesem Riddim. Gute Riddims haben das eben so an sich, dass
jeder Artist diese zur Anhebung seiner Bekanntheit nutzt. Das ist
allerdings nur eine Chance und keine Garantie. Everton Blender gelang
dies eindeutig mit seinem "Ghetto People Song". Weiterhin hervorzuheben
wäre unter anderen noch Ras Shiloh mit seiner Version "Are You
Satisfied".
Live Video:
Little Kirk - God A Di Man
Nach
2:00 Uhr geht es mit den Mystic Revealers aus Jamaica in die letzte
Runde. Die Band ist schon
seit den 1970er Jahren aktiv. Obwohl sie damit
länger auf der Bühne steht als wir davor, ist das
heute für uns eine Premiere diese Band live zu sehen.
Trotz der schlechten Wetterprognosen für den heutigen Tag
konnten wir die gesamte Running Order bis hierher überwiegend
trocken überstehen. Nun fängt es aber doch wieder an
zu tröpfeln und dies ausgerechnet beim letzten Programmpunkt
des Tages.
Offenbar hat der Wettergott kein Verständnis oder Kenntnis von
der Programmverspätung. Als der Regen beginnt,
wäre nämlich schon das offizielle Ende des letzten
Konzerts eingetreten.
Die Mystic Revealers haben sich 1977 in Bull Bay, ein Ort
östlich von Kingston, ursprünglich als The Revealers
zusammengefunden. Später haben sie das Wort "Mystic"
hinzugefügt, als eine Band mit dem gleichen Namen auftauchte.
Das
passte auch besser zur Vermittlung ihrer vom Rastafari-Glauben
inspirierten
Botschaft von Wahrheit, Gerechtigkeit, Ehre und Einheit. Von den drei
Gründungsmitgliedern stehen heute mit Anthony "Billy Mystic"
Wilmot (Vocal, Guitar) und Leroy "Lion" Edwards (Bass), noch zwei
Originale auf der Bühne. Drummer Nicholas "Drummie" Henry, ist
erst etwas später hinzugestoßen, gehört
aber zu den drei am längsten mitwirkenden Bandmitgliedern. Auf
der
Bühne stehen noch drei weitere Musiker, mit deren Namen wir
momentan leider nicht dienen können.
Die erste Aufnahme der Mystic Revealers erschien 1982 mit dem Song
"Winner", auf ihrem eigenen Label "Negus Beat". Es sollte aber noch bis
1985 dauern, bevor sie mit dem von Jimmy Cliff produzierten "Mash Down
Apartheid" ihren ersten Hit landeten. Die gesamten Einnahmen aus diesem
Hit spendete die Band an den Afrikanischen Nationalkongress (ANC),
obwohl sie als Newcomer dieses Geld hätten gut gebrauchen
können.
Die Band folgte in den Zeiten ihres weiteren Aufstiegs dem Beispiel von
Bob Marley & The Wailers, Third World und anderen, die
Roots-Reggae mit den Prinzipien von Rastafari, Rock, Folk und Pop
verbanden.
Ihr
Auftritt beim 1988er Reggae Sunsplash in Jamaica, hatte
maßgeblichen Anteil am Durchbruch der Mystic Revealers und
führte zu Tourneen in Japan, Großbritannien und
Europa.
Es sollte aber noch bis 1992 dauern, bevor die Band ihr Debutalbum
"Young
Revolutionaries" zunächst beim jamaikanischen Label "Sonic
Sounds" und danach "Gong Sounds" in den USA
veröffentlichte. Weitere US-Labels folgten und ihre
damit verbundene Präsenz führte zur ersten Tour durch
die Vereinigten Staaten.
1993 erschien ihr zweites Album "Jah Works". 1995 wurden sie eingeladen
zu Ehren von Bob Marleys 50. Geburtstag, zusammen mit den Wailers, Rita
und Ziggy Marley, Toots Hibbert, Wailing Souls und anderen aufzutreten.
Mit ihrer Version von Bob Marley's "Natural Mystic" und "We And Them"
und dem eigenen "Religion", sah man sie vom Billboard Magazin
als "überzeugendste
und gelungenste Performance des Abends" an.
Weitere Alben folgten und bis Ende der 90er Jahre hatte die Band ihre
produktivste Zeit.
Joel Kush
Brown von KushArt
hat sich unter die Fans gemischt, um sich die Mystic
Revealers anzuschauen.
In den 2000er Jahren legte die Band schließlich eine Pause
ein und Sänger Anthony "Billy Mystic" Wilmot widmete sich
nunmehr der
Förderung der Sportart Surfen auf Jamaica.
Es sollte letztendlich noch bis 2012 dauern, bevor es zur Reunion der
Band kam und in 2015 mit "Crucial Cuts" ein neues Album mit
älteren Aufnahmen veröffentlich wurde. Mit dem Cover
konnte sich Wilmot allerdings immer noch nicht ganz vom Surfsport
lösen und zeigt sich selbst mit einem Surfbrett darauf.
2019 dann die
Katastrophe, als das Haus von Anthony Wilmot mit sämtlichen
Erinnerungsstücken und Musikkatalogen der Band
abbrannte.
Trotz des schweren Verlustes begann Billy Mystic mit der Arbeit an
einem neuen Album, welches am 10.10.2020 unter dem Titel "Jah Jah
People" veröffentlicht wurde.
Ja und heute sind sie nun auf dem Reggae Jam zu Gast und sorgen mit
ihrer Musik für Begeisterung. Hoffen wir noch auf viele
weitere kreative Jahre von Billy Mystic und seiner Band.
Live Video:
Mystic Revealers - Border Line + more
In Begleitung des stärker werdenden Regens, treten wir
für heute Nacht erst einmal den Rückzug an. Ein
schöner Festivaltag geht wieder einmal zu Ende, ... zumindest
für
uns.
Wer noch weiter der jamaikanischen Kultur frönen
möchte, kann natürlich auch noch ins Sound Wonderland
abwandern. Dort geht es noch bis 5:00 Uhr ein "wenig" länger.
Wir sehen uns dann im Teil 3 an dieser Stelle wieder.
Copyright:
www.reggaestory.de
Text und Videos: Peter Joachim
Fotos: Marion und Peter Joachim
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