ETHIOPIA - THE SOUTH
Ein Reisebericht - Teil 5 04.06.2019 – Von den Dorze über Arba
Minch zu den
Konso (27.09.2011 nach dem äthiopischen Kalender)
Heute
verlassen wir das Gebiet der Dorze und werden über Arba Minch
weiter in Richtung Süden bis nach Konso vordringen. Dabei
werden wir dem in der Gegend lebenden gleichnamigen Volk, in einem
ihres
unter dem Schutz der UNESCO stehenden Dorfes, einen Besuch abstatten.
Davor werden wir aber noch eine mit "New York" bezeichnete
Sandsteinformation besuchen.
Es hat wieder die ganze Nacht
geregnet. Was für ein Glück, dass uns das nicht
gestern am Tage erwischt hat. Für 8:00 Uhr ist unsere Abfahrt
geplant, aber da haben wir die Rechnung ohne unser verschlafenes
Lodge-Personal gemacht. Die Jungs brauchen etwas länger um in
die Gänge zu kommen und erst recht zur bestellten Zeit ein
Frühstück auf die Beine zu stellen. Aber da sind sie
schließlich ganz erfinderisch und stellen uns die leeren
Marmeladengläser wieder auf's Tablett, die wir gestern extra
zum benutzten Geschirr gestellt hatten, in der Hoffnung diese
nachgefüllt oder neue zu bekommen. Also werden wir wohl oder
übel die vertrockneten Reste abknaupeln müssen,
sofern wir uns an Marmeladengeschmack erinnern wollen. Aber
Spaß beiseite, wir haben ja vielleicht alle genug
Reserven auf den Rippen und etwas Diät schadet also nicht. ;-)
Gegen 8:30 Uhr können wir dann schließlich langsam
an unsere Abfahrt denken und unsere Unterkünfte
räumen. Jetzt sind wieder Alex' Fahrkünste gefragt.
Aber wie sagt man so schön: "Runter kommt man immer." Zum
Glück hat sich der Regen wieder verzogen und die letzten
verbliebenen Rinnsale der nächtlichen Sturzfluten versickern
in
Richtung Abajasee. Dennoch ist die Piste recht schlammig und Vorsicht
ist geboten.
Unsere heutige Fahrstrecke bis Konso wird nur zirka 150 km betragen
und ist im Vergleich zu den Vortagen ein ganzes Stückchen
kürzer.
Bild 326 + 327: Von der Dorze
Lodge nach Arba Minch - Blick auf Lake Abaya
Bevor wir die asphaltierte A7 erreichen, müssen wir
natürlich noch ein paar Mal anhalten und die Aussicht
über das Tal mit dem Lake Abaya bis hin nach Arba Minch
genießen. Die letzten tief hängenden Wolken
lösen sich langsam zwischen den Bergen auf und der weitere Tag
verspricht trockenes Wetter, ... zumindest von oben. Was die
Füße betrifft, wird sich bei unserem Tagesplan wohl
wieder nicht eine Schlammkur vermeiden lassen.
Bild 328 - 331: Blick in Richtung Lake Abaya
und Arba Minch
Im Tal angekommen habe sich die Bäche und Flüsse noch
lange nicht beruhigt und sind noch mächtig damit
beschäftigt die rote Erde der Umgebung in den Abajasee zu
transportieren.
Bild 332 + 333: Einer der Zuläufe des
Lake Abaya nördlich von Arba Minch
In Arba Minch angekommen, wollen wir an der Medhane Alem Church eine
Pause einlegen. Der offizielle Gottesdienst muss gerade
vorüber sein,
denn die meisten Gläubigen sind schon gegangen oder verlassen
gerade das Gelände. Dennoch herrscht noch reger Betrieb und
ein Priester hat noch den einen oder anderen Segen zu vergeben.
Bild 334: Auszug Google
Map - New
Medhane Alem Curch in Arba Minch - Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Bild 335 - 340: Medhane Alem Church - Arba
Minch
Man ist gerade dabei ein neues Kirchengebäude zu errichten,
welches mit vier Ecktürmen und einer großen Kuppel
in der Mitte ausgestattet ist und darüber hinaus recht
prunkvoll aussieht. Daneben befindet sich eine ältere kleine
und recht unscheinbare Kirche, wo sich aktuell die Gläubigen
zum Gebet einfinden. Wie in der orthodoxen Tewahedo Kirche
Äthiopiens üblich, passiert dies nicht nur in den
Innenräumen, sondern auch vor nahezu allen
Gebäudeteilen im Außenbereich, aber im besonderen
Maße vor Bildern und Türen. Wir haben dies schon an
zahlreichen Orten in verschiedenen Reiseberichten dargestellt.
Bild 341 - 344: Medhane Alem Church Arba Minch
Es lohnt sich die Kirche zu umrunden, denn vom
rückwärtigen Freigelände hat man eine
schöne Aussicht über einen Teil von Arba Minch in
Richtung Haile Resort, Paradise Lodge und andere Bereiche.
Südlich des alten Kirchengebäudes schließt
sich noch ein Friedhof an. Dafür haben wir heute aber keine
Zeit. Wir kommen ja auf dem Rückweg unserer Reiseroute noch
einmal nach Arba Minch. Da wird sich sicher noch einmal die Gelegenheit
ergeben, sich etwas näher umzusehen.
Video: New Medhane Alem - Arba Minch -
Teil 1
Nach dem Kirchenbesuch gilt es noch einen Bekannten unseres Teams
irgendwo in der Stadt einzuladen und mit nach Konso zu nehmen. Es ist
ein Hotelangestellter unserer Lodge in Konso. Natürlich werden
wir vorher gefragt und haben nichts dagegen. Es ist ausreichend Platz
in unserem Minibus.
Bild 345: An der "Brücke
Gottes" - Links davon das letzte Stück vom Lake Abaya ...
Bild 346: ... und rechts davon beginnt
der Lake Chamo
Bild 347: Ein Stück
weiter nach Süden am Lake Chamo entlang
Der weitere Streckenabschnitt wird zu einem Geduldsspiel, aber zu einem
recht interessanten. Wir kommen genau in die Zeit des Viehaustriebs
und dieser ist recht gewaltig. So weit das Auge ein paar Kilometer die
Straße einsehen kann, kommt uns eine Viehherde nach der
anderen entgegen. Die Tiere haben "Vorfahrt" und es gibt selten einen
Treiber der versucht die Straße ein Stückchen
freizuhalten, was wohl auch sehr schwierig sein dürfte. So
heißt es alle paar Meter anhalten und warten bis die
Vierbeiner uns umrundet haben. Die Kraftfahrer sind das hier
gewöhnt, führen aber dennoch hin und wieder
Diskussionen mit den Viehtreibern, wenn es diese gar zu arg treiben und
nicht die geringsten Bemühungen zeigen verschiedene
Draufgänger von den Fahrzeugen fernzuhalten. So sehen
wir Tausende von Kühen, Ziegen und hin und wieder ein
paar Schafe aller
Altersgruppen, wie wir sie noch sie gesehen haben. Wo sind nur die
riesigen Weideflächen für all diese Tiere?
Bild 348 - 353: Viehaustrieb südlich
von Arba Minch auf der A7
Und wenn man schon so viel Milchgetier um sich hat, wundert es nicht,
dass die Treiber kein Wasser sondern
Milch in ihren großen Plastikflaschen mit sich
führen. Gut möglich, dass dies
vielleicht aber auch eine Notration für die vielen
Kälber und anderem Junggetier ist. Jedenfalls dürfte
es hier keine Not an Milch- und
Fleischprodukten geben. Ein weiteres Produkt der Gegend hängt
gleich über unseren Köpfen. Überall in den
Bäumen befinden sich große walzenförmige
Gebilde, die als Bienenkörbe
dienen. Wie wir erfahren, gewinnt man von einem Korb bis zu 12 Kg Honig
und das zweimal im Jahr.
Bild 354 + 355: Zahlreiche
Bienenkörbe in den
Bäumen
Irgendwann ist der Viehaustrieb vorüber und wir kommen wieder
deutlich schneller voran. Dafür wird streckenweise die
Straße ein ganzes Stückchen schlechter und es gibt
so einige Baustellen und fehlende Brücken. Wir haben
Glück, dass sich die Folgen des nächtlichen Regens
überwiegend verzogen haben, sonst wären besonders
die Stellen ohne Brücken für uns recht
gefährlich geworden.
Bild 356 + 357: Anders als die Vierbeiner
müssen die Hühner nicht laufen und werden auf's Dach
gebunden. Gefallen wird ihnen das sicher nicht.
Viel schöner sind natürlich die Stellen mit den
großen Brücken, die je nach Jahreszeit entweder
einen Trockenfluss oder einen reißenden Strom
überspannen. Auf der Strecke nach Süden
überqueren wir so einige davon, die uns immer wieder
verführen eine Pause einzulegen. Diese breiten
Flusstäler sind beliebtes Ziel der Holzsammler. Kaum gehen die
Fluten zurück, wird jedes tragbare Stück Holz
eingesammelt und nach Hause geschafft.
Bild 358: Auszug Google
Map - Flusstal
bei Mande - Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Gegen 12:00 Uhr erreichen wir schließlich Konso und unsere
Lodge für die Nacht, die am westlichen Stadtrand liegt. Konso,
auch als Karati oder Pakawle bekannt, hat zirka 5.000
Einwohner und liegt auf einer Höhe bei 1.650 m über
dem Meeresspiegel. Im Jahr 1897 hat Menelik II. den Ort und die Region
im Rahmen seiner Eroberungen für das äthiopische
Kaiserreich eingenommen. Wir erobern jetzt erst einmal unsere Kanta
Lodge, die aus zirka 30 Rundhäusern, einem Restaurant, einem
unfertigen Funktionsgebäude mit künftiger
Aussichtsplattform, sowie einer eigenen Tierhaltung verfügt.
Die Rundhäuser sind in einer geschmackvoll eingerichteten
Gartenanlage eingebettet, in der es viele Pflanzen, Insekten,
Vögel und anderes Getier zu entdecken gibt. Wie bei den Konso
üblich, haben auch die Rundhäuser der Lodge eine
Tontopfbekrönung und an den Wegen wurde viel Totholz
für Begrenzungen und Durchgänge verbaut.
Bild 366: Auszug Google
Map - Kanta
Lodge in Konso - Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Bild 367 - 371: Die Kanta Lodge in Konso
Wir beziehen zuerst unser Häuschen in dem
zunächst alles perfekt erscheint. Doch eine wesentliche Sache
fehlt. Es gibt kein Wasser. Nach mehrmaliger Nachfrage beim Management
bekommen wir die Auskunft, dass erst irgendeine Zuleitung aufgedreht
werden müsse. Aber selbst danach tröpfelt nur ein
dünner Wasserfaden aus den Ventilen von Waschbecken und
Dusche. Damit kann man kaum etwas anfangen. Hoffen wir, dass es bis
abends noch etwas mehr wird.
Bevor wir unseren Nachmittagsausflug in Angriff nehmen, besuchen wir
das schöne Restaurant der Lodge, welches in einem
großen Rundhaus untergebracht ist. Immerhin haben wir in
Sachen Verpflegung etwas nachzuholen.
Bild 372 - 374: Der Restaurantbereich der
Kanta Lodge
Je nach Wetterlage und Wunsch kann man draußen oder drinnen
sitzen. Alles ist geschmackvoll und sauber für die
Gäste ausgestattet. Man traut sich ja kaum hinein, so
glänzt hier alles. Eine wirklich sehr empfehlenswerte
Location. Das wäre für die Jungs der Dorze
Lodge die richtige Lehreinrichtung. Auch hier sind wir gerade eben die
einzigen Gäste.
Nach dem Mittagessen ist noch etwas Zeit für ein Spaziergang
in der Lodge, bevor wir für das Nachmittagsprogramm wieder
abgeholt werden.
Bild 375: Tiergehege der Kanta Lodge
Der eigene Tierbestand der Lodge ist recht groß. Neben
Schafen und Ziegen, gibt es auch einen Stall voller Milchkühe.
Da sollte die Eigenversorgung mit Fleisch und Milchprodukten ganz gut
und unabhängig abgesichert sein. Wie wir erfahren ist dies
kein
Einzelfall. Manche Restaurants sollen sogar am Eingang jenes Tier zur
Werbung anbinden, welches als nächstes auf den Teller kommt,
wenn wir den Ausführungen Mastus Glauben schenken sollen. In
der Kanta Lodge war das aber nicht der Fall.
Bild 378: Zahlreiche Kolibris und
Nektarvögel schwirren im Blütenmeer der Lodge herum. Leider sind sie
meistens schneller als unsere Kamera. Hier ein Gelbbauch-Nektarvogel / Cinnyris venustus in einer Bougainvillea. Bild 379:
Das Mehrzweckgebäude an der Einfahrt zur Lodge ist noch nicht
ganz
fertig. Auch hat man leider die letzte Treppenaussparung mit Durchgang
zur Aussichtsplattform vergessen. Aber man arbeitet daran. ;-) Alle
Bauingenieure und Bauplaner bitte wegsehen!
Bild 380 + 381: Die künftige Aussicht
von der Plattform nach Norden. Hier eine Etage tiefer.
Video: Kanta Lodge Arba Minch
Gegen 14:00 Uhr geht es schließlich weiter. Nächster
Tagesordnungspunkt ist "New York", eine riesige
Lehm-Sandsteinformation,
die Wind und Wasser über viele Jahre in eine Schlucht geformt
haben. Von unserer Lodge aus müssen wir dazu zirka 17 km in
südwestliche Richtung fahren. Ein einheimischer
Führer muss
uns dorthin begleiten. Wenn es lange geregnet hat, soll die Anfahrt
etwas schwierig sein. Wir haben aber Glück und
keinerlei
Probleme auf der Strecke. Als wir das Naturwunder in der Nähe
des
Ortes Gesergio oder auch Gesergiyo
erreichen, erwarten uns schon einige Kinder und Jugendliche, die uns
entweder führen oder etwas verkaufen möchten. Unser
ortskundiger Guide hat so erst einmal etwas zu tun, um die Fronten zu
klären. Was die Kinder zu verkaufen haben, wollen wir uns
dennoch
etwas näher anschauen. Sie haben doch tatsächlich die
Hände voller Halbedelsteine wie Amazonit, verschiedene Quarze
und
Achate. Sie haben die Steine in einem naheliegenden Flussbett gefunden,
wie sie uns erzählen. Leider ist nichts dabei, was unseren
bisherigen Bestand verbessern könnte.
Bild 382 - 391: Die sogenannte New York
Formation bei Gesergiyo
Mehrere Schluchten eröffnen sich vor unseren Augen, die sich
mit unzähligen rotbraunen Lehm- und Sandsteintürmchen
und mit tiefen Furchen kunstvoll profilierten Wänden zeigt. Es
ist eine Märchenwelt, die sich aus jeder Sicht anders
darstellt. Burgen gleich ragen aus dem mit Buschwerk bestandenen Tal
diese Gebilde mehrere Dutzende Meter in die Höhe. Hin und
wieder werden sie von Steinen, Bäumen, verschiedenen Pflanzen
oder Vogelnestern
bekrönt. Häuser der Einheimischen stehen
besorgniserregend an den Kanten der verschiedenen Schluchten.
Da sollte man immer alle Sinne beisammen und 0 Promille haben, wenn man
dort lebt. Darüber und dazwischen gibt es sogar noch einige
Pfade, die recht verlockend aussehen. Aber das ist nicht so
sehr empfehlenswert, zumindest was die oberen Wege betrifft.
Bild 392 - 396: Die sogenannte New York
Formation bei Gesergiyo Bild 395: Vermutlich eine Gloriosa lily
Man kann sich kaum lösen von diesem wundersamen Ort und
möchte am liebsten einen der Wanderwege durch das Tal nehmen
und auch noch das Dorf auf den Klippen besuchen. Aber dafür
reicht unsere Zeit nicht, denn wir haben noch einen anderen Punkt im
Plan.
Video: New York Formation bei Gesergiyo
Fahren wir wieder zurück in Richtung Konso und besuchen das
ein Stück westlich von unserer Lodge gelegene Gamole.
Unser ortskundiger Guide muss uns wieder begleiten. Das
Konsodorf soll über 400 Jahre alt sein und ist von drei
Steinmauern umgeben. Es gibt Dörfer mit mehr oder
weniger Ringmauern. Die äußere Mauer von Gamole ist
zirka
1.300 Meter lang. Diese Mauern sind zirka 1 m dick und
können bis zu 3 m hoch sein. Die mit Steinmauern umgebenen
Dörfer der Konso werden auch als Paletas bezeichnet. In das
Innere führen
mehrere Tore, die aus altem knorrigem Holz erbaut sind und den
Dörfern einen prähistorischen Charakter verleihen.
Die
älteste der Mauer ist innen und umschließt den
ursprünglichen Siedlungsbereich. Heute steht der Ort
unter dem Schutz der UNESCO. Gamole ist aber nicht das
einzige interessante Dorf der Gegend. Es gibt noch zahlreiche andere
wie Mechelo, Lower Dokatu, Dara, Olantu, Gocha, nur um einige zu
nennen. Unter Schutz stehen wohl zirka 55 Quadratkilometer des Gebietes
der Konso, eine Kulturlandschaft mit Dörfern,
Terrassenfeldern,
Bewässerungssystemen, Trockenmauern und vieles mehr.
Bild 397: Auszug Google
Map - Gamole
Walled Village -
Einfach Bild
oder Link anklicken und weiter die Lage erkunden.
Bild 398 - 403: Gamole
Leider bekommen wir auf unseren schlammigen Wegen entlang der endlosen
Steinmauern recht wenig Einblicke in die dicht gedrängten
Gehöfte der Konso und dessen Alltag. Unser einheimischer Guide
hat offenbar keinen Plan, wie wir tiefer in das Leben der Konso
eintauchen könnten. Er hat da wohl eher
größere Sorgen um seine schicken Turnschuhe mit
denen er nahezu zum "Mauerläufer" wird, um jeglichen
Schlammkontakt zu vermeiden. Einen Vorteil hat der Schlamm aber auch,
denn darauf gleiten die Zugschlitten der Konso besser dahin, mit denen
sie den Mist ihrer Tiere nach draußen transportieren. Diese
Schlitten bestehen aus einer einfachen Holzkonstruktion mit Zugseilen
und
einem
großen "Teller" aus irgendwelchen Naturmaterialien auf dem
der Mist gestapelt liegt.
Bild 404 - 407: Gamole Walled Village - Konso
Bild 408 - 411: Wagas
Bekannt sind die Konso auch für ihre Gedenkstatuen
für einen Toten, die sogenannten Wagas. Das sind stilisierte
Holzfiguren die in Gruppen angeordnet sind. Der Verstorbene steht dabei
in der Regel symbolisch
in der Mitte und ist von seinen Frauen umgeben. Dazu
sind heldenhafte Ereignisse aus dem Leben des Mannes, wie das
Töten eines
Feindes oder eines Tieres wie ein Löwe, ein Leopard oder ein
Krokodil dargestellt.
Traditionell wurde ein Waga nur über dem Grab wichtiger
Konso-Männer wie Helden oder Clan-Häuptlingen
errichtet.
Bild 412 + 413: Gamole
Walled Village - Konso
Die Rundhäuser und Vorratsspeicher der Konso haben vielfach
ein zweigeteiltes Dach, welches mit einem Tongefäß
bekrönt ist. Hin und wieder wird darüber auch noch
ein Straußenei befestigt.
Bild 414: Ausblick von Gamole
Bild 415 - 418: Gamole - Ein Pafta -
Dorfgemeinschaftshaus
Bild 419 - 421: Gamole - Ein Generationsbaum
auf einem Mora (Zeremonieplatz)
In Gamole gibt es sechs Zeremonieplätze
(Moras), die zu den unterschiedlichsten Anlässen genutzt
werden.
Dort befinden sich auch die mit einem überdimensionalen runden
Strohdach abgedeckten offenen Gemeinschaftsräume
(Paftas), die wohl nur von Männern genutzt werden. Darin
werden Versammlungen, Verhandlungen aber auch Spiele,
Junggesellenabschiede und vieles mehr abgehalten. Auf den
Plätzen stehen sogenannte Generationsbäume, die aus
trockenem Wacholderholz errichtet werden. An diesen Bäumen
und deren Anzahl soll man das Alter der Dörfer bestimmen
können, wobei für eine Generation 18 Jahre stehen
sollen. Wie genau das funktioniert oder zu ermitteln ist, wissen wir
aber nicht.
Bild 422 + 423: Der Ehestein und über
die Jahrhunderte glatt polierte Trittsteine
Ebenfalls auf dem Gelände der Mora befindet sich der
sogenannte Ehestein. Will ein
junger Konso heiraten, muss er zuvor seine Männlichkeit und
Kraft beweisen. Er muss diesen Stein anheben und über den Kopf
nach hinten werfen. Der Stein hat über die Jahrhunderte schon
eine perfekte Form und eine spiegelglatte Oberfläche bekommen.
Nur von dem Ritual kann das sicher nicht gekommen sein.
Bild 424 - 426: Gamole Walled Village
Video: Gamole Walled Village
Nach zirka einer Stunde verlassen wir Gamole wieder, nachdem unsere
Schuhe durchgeweicht und deutlich schwerer geworden sind. Da haben wir
nachher in unserer Lodge wieder etwas zu putzen. Wenigstens scheint
heute schön die Sonne, die die nachfolgende Trocknung etwas
beschleunigen dürfte.
Bild 427 - 429: Dorfplatz in einem Vorort
von Konso zwischen Gamole und Kanta Lodge und eine Reifenverwertung ein
paar Meter weiter
Gegen 17:00 Uhr sind wir schließlich wieder in unserer
schönen Lodge
und haben aber leider wieder kein Wasser. Es kommt nach wie vor nur ein
dünner Bindfaden aus der Leitung, mit dem man kaum etwas
anfangen kann. Das sind natürlich erschwerte
Umstände für die Wäsche unserer Schuhe und
Hosenbeine.
Also heißt es noch einmal das Management der Lodge aufsuchen
und
um Wasser bitten. Und siehe da, nach geraumer Wartezeit reicht es sogar
kurz für eine warme Dusche. Jetzt heißt es noch
schnell den im Bad befindlichen Eimer zu füllen. Man
weiß ja nie, ob das Wasser in der Nacht auch noch zu uns
findet.
Wir sehen uns morgen an dieser Stelle wieder, wenn wir uns nach Jinka
begeben und dort in der ECO Omo Lodge zwei Nächte verbringen
werden. Jinka liegt nordwestlich von Konso. Das ist mit zirka 300 km
eine der längsten Etappen unserer Reise. Lassen wir uns
überraschen, was es auf der Strecke so alles zu sehen
gibt.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text und Videos: Peter Joachim