ETHIOPIA - THE SOUTH
Ein Reisebericht - Teil 8 07.06.2019 – Von Jinka zu den Banna
und weiter
nach Turmi (30.09.2011 nach dem äthiopischen Kalender)
Heute
ist Unterkunftswechsel angesagt. Diese liegt noch weiter im
Süden, in der Ortschaft Turmi.
Hierfür
müssen wir wieder zurück bis Key Afer und
stoßen dort auf die Straße nach Turmi. Eigentlich
ist der direkte Weg nur zirka 120 km lang, aber unterwegs erreicht uns
die Kunde von einer traditionellen Hochzeit der Banna mit Bullensprung,
die uns veranlasst einen großen Umweg in unwegsames
Gelände zu unternehmen.
Für 9:30
Uhr ist unsere Abfahrt eingeplant. Wir haben also genügend
Zeit
unser Frühstück in aller Ruhe zu genießen
und noch einmal von der Zeltterrasse eine Weile den Blick über
die
Gartenanlage der Lodge schweifen zu lassen. Unser Gepäck haben
wir schon zuvor über das sehr schwierige aber schön
aussehende Flusssteinpflaster transportiert und am Parkplatz deponiert.
So können wir noch jede Minute bis zur Ankunft von Mastu und
Alex entspannt auf unserer Terrasse auskosten.
Bild 654: Eco-Omo Lodge Jinka
Pünktlich verlassen wir die Lodge und fahren in Richtung Turmi
durch Jinka hindurch. Am Ortsausgang besteht die Möglichkeit
ein Ari Village zu besuchen. Die Ari oder Aari stellen den Hauptanteil
der Bewohner von Jinka, wo sie etwas moderner als ihre Verwandten in
den umliegenden traditionellen Dörfern leben. In Jinka haben
sie in der Regel quadratische Häuser mit
Wellblechdächern. Die traditionellen Rundbauten oder mit Stroh
gedeckte Häuser sieht man hier
fast nur noch für Getreidespeicher,
Hühnerställe und ähnliche Nutzungen. Dieser
Dorfspaziergang kostet für uns alle zusammen 1.000 Birr. Am
Rande der Hauptstraße, neben der Siedlung, liegen schon
einige
Guides auf der Lauer, die nach Touristen Ausschau halten. Eigentlich
machen wir ja solche Erkundungen lieber allein und nehmen
dafür einige Geschenke für die Leute mit. Aber wenn
es Mastu schon einmal anbietet, nehmen wir das natürlich mit.
Was von dem Geld am Ende bei den Dorfbewohnern ankommt, nach dem sich
die Guides befriedigt haben, wissen wir natürlich nicht.
Bild 655: Destillation von Alkohol
Erste Station unseres Rundganges ist eine traditionelle
Schnapsbrennerei, die viele Äthiopier betreiben. Lust auf
einen Drink haben wir allerdings nicht so recht und zu dieser Zeit
schon gar nicht. Hier wird gerade Areke oder Areki hergestellt. Dieser
wird aus einem Fermentationsprodukt aus pulverisierten
Gesho-Blättern (Afrikanischer
Faulbaum) und Bikil destilliert. Der Geschmack des klaren
Endergebnisses kann von Familie zu Familie höchst
unterschiedlich sein. Der Alkoholgehalt kann ebenso
verschieden sein und bis zu zirka 50% betragen.
Neben Schnaps trifft man in Äthiopien auch noch auf allerhand
andere selbstgebraute alkoholische Getränke wie Tella (Bier),
Tej (Honigwein), Borde (Basis: Verschiedene Getreidesorten,
Milchsäurebakterien), Shamita (Basis: Geröstetes
Gerstenmehl, gemahlene Leinsamen, Salz, Gewürze), Cheka
(Basis: Verschiedene Getreide- und Gemüsesorten), Keribo
(Basis: Honig, Zucker, Getreide), Korefe (Bais: Gerste und
Gesho-Blätter), Booka (Basis: Honig, Zucker, Rinderblase) und
andere. Tej hatten wir schon kürzlich bei den Dorze
vorgestellt und genießen dürfen. Wer sich mit den
verschiedenen Herstellungsprozessen näher befassen
möchte, kann im International
Journal of Microbiology nachlesen (Nur in Englisch).
Bild 656 + 657: Werkzeugschmiede
Weiterhin sehen wir im Dorf eine kleine Schmiede, die unter den
aller einfachsten Bedingungen arbeitet. Alle Arbeitsschutzinspektoren
Deutschlands bitte wegschauen! Noch im Kindesalter und
barfuss dazu, wird hier am Schmiedefeuer gearbeitet, um aus
Eisenschrott die verschiedensten Werkzeuge für den
Marktverkauf herzustellen.
Bild 658 - 660: Im Ari Village von Jinka
Inzwischen haben uns einige Kinder entdeckt, die uns auf dem weiteren
Weg begleiten. Sehr gerne greifen sie nach allen Händen, die
gerade keine Beschäftigung haben. Wer dafür
empfänglich ist, hat ganz schnell eine große
Kindergartengruppe zusammen. Mastu versucht immer wieder den Andrang zu
begrenzen und zieht Grimassen um sie zu verjagen. Aber das
hält nicht lange an.
Zwischen den Häusern der Ari findet man fast alle Nutzpflanzen
auf engen Raum, die sie für ihren Lebensunterhalt brauchen.
Darunter
Kaffee, Maniok, Gemüse, Mangobäume, verschiedene
Bananensorten, Gewürze und vieles
mehr. Dazwischen auch alle möglichen Haustiere vom Huhn bis
zum Rind. Sehr erstaunlich wie das funktioniert, ohne dass die
Nutzpflanzen Schaden nehmen.
Töpfer-
und Holzarbeiten.
Hopse ist
international - Man erinnert sich. :-)
Stricke
drehen aus Kunstoffsackresten.
Vorzucht von
Kulturpflanzen auf dem Hof. Bild 661 - 667: Im Ari Village von Jinka
Der überwiegende Anteil der Ari sind Christen. Dies kann man
auch unschwer an den oft zu sehenden Halskreuzen und an den Malereien
der Häuserfassaden erkennen. Die Kinder der Ari von Jinka
bekommen auch Schulbildung geboten, was in den traditionellen
Dörfern außerhalb der Stadt schwieriger ist. Dennoch
scheinen auch hier nicht alle Kinder dieses Angebot wahrzunehmen.
Immerhin ist heute erst Freitag am frühen Morgen und die
Kinderanzahl im Dorf, die schon in die Schule gehen
könnte, erscheint uns recht groß.
Die traditionelle Lebensweise ist eben nicht so einfach abzulegen und
viele Kinder werden noch in die verschiedensten Arbeiten zur
Familienunterstützung einbezogen.
Bild 668 - 673: Die Kinder posieren gerne vor
der Kamera und freuen sich, wenn sie dann das Ergebnis in der Kamera
gleich ansehen können.
Bild 674 + 675: Mühsames Auslesen von
Getreide.
Im Dorf können wir auch die Zubereitung von Injera verfolgen,
ohne den in Äthiopien gar nichts geht. Wir haben schon oft
über diese Nationalspeise an anderen Stellen berichtet. Heute
sehen wir endlich einmal den Backprozess auf einer großen
Keramikplatte, wo der Teig kreisförmig von außen
nach innen aufgetragen und später bis zur Garung abgedeckt
wird. Äußerst beeindruckend ist die perfekt
hergestellte Keramikplatte, die spiegelglatt und ohne Makel ist. Man
mag es kaum glauben, dass diese manuell hergestellt werden.
Bild 676 - 680: Injera backen.
Bild 681 - 683: Kinder im Ari Village von Jinka Bild 684: Getreidemörser aus
Holz
Soweit ein paar
Szenen aus unserem Dorfspaziergang. Verabschieden wir
uns nun langsam von der Kinderschar und dem Ari Village und
ziehen uns langsam in Richtung Hauptstraße zurück.
Mastu muss jetzt natürlich wieder sein ganzes Spektrum an
Kinderabwehrmaßnahmen ausschöpfen und ist dabei
mehr oder weniger erfolgreich. Die Kinder nehmen das eher als
Spaß auf und sind belustigt.
Am Auto angekommen ist dann aber Ruhe eingekehrt.
Nun fahren wir weiter in Richtung Key Afer, in dessen Nähe uns
die Kunde einer traditionellen Hochzeit mit Bullensprungzeremonie
erreicht. Wir bekommen das
Angebot daran teilzunehmen. Diese Gelegenheit dürfen wir uns
natürlich nicht entgehen lassen. Mit 600 Birr je Person sind
wir dabei und begeben uns später in die Obhut eines
örtlichen Guides.
Bevor das Abenteuer beginnt, nutzen wir die letzte Gelegenheit des
Tages, eine Mahlzeit einzunehmen und besuchen dafür das Zarsi
Hotel von Key Afer.
Bild 685 + 686: Im Zarsi Hotel von Key Afer
Wir sitzen entspannt im Schatten eines großen Mangobaumes und
haben unseren Spaß daran uns mit den Hühnern zu
"unterhalten" und diese zu veralbern. Wir haben noch nie eine solch
betriebsame Hühnerschar gesehen. Man kann es kaum beschreiben,
wie diese laut gackernd aus dem angrenzenden Hof gestürzt
kamen und die Tische der Gäste umzingelt haben. Hier darf man
den Tisch nicht unbeaufsichtigt lassen, so lange noch etwas Essbares
auf den Tellern ist. Da bleibt garantiert nix übrig. Unser
Essen ist reichlich und trifft teilweise leider nicht unseren
Geschmack. Die
Hühner freut das natürlich außerordentlich,
als wir zur Fütterung mit unseren Resten schreiten, und der
"Wirbelsturm" aus sich laut
streitenden Hühnern fegt durchs Gelände.
Bild 687: Kann man das mit unserem
Minibus wagen?
Bild 688: Unterwegs durch unwegsames
Gelände zu den Banna oder / und Hamer
Wo wir nun genau hinfahren, wissen wir nicht. Nachdem wir dem Deal
zugestimmt
haben, steigt ein Guide in unseren Minibus und zeigt Alex
ständig den
weiteren Weg. Dieser wird auf eine harte Probe gestellt, und wir sind
äußerst erstaunt, was unser Minibus so alles
mitmacht. Es geht über Stock und Stein, komplizierte steinige
Hänge hinauf und hinunter, durch einen Fluss
und unkalkulierbare Wasserlöcher hindurch. Unsere anfangs
breite
Sandpiste wird nach jeder Abbiegung
immer schmaler, bis sie schließlich ganz im Gestrüpp
endet. Während es Alex sicher die Schweißperlen auf
die Stirn treibt, ist unser Guide ganz entspannt und zeigt nur immer
wortlos wie Alex einlenken soll. Man kann manchmal gar nicht
hinschauen. Es gibt aber immer einen
Weg, um noch ein Stück weiter voranzukommen. Es ist auch
besser
das
Fenster nicht mehr zu öffnen, wenn man vom Buschwerk nicht
gebürstet werden will. Mit Fotos ist es jetzt
bei dieser Wackelei eh viel zu schwierig.
Bild 689 - 691: Nun geht es zu Fuß
weiter.
Wir fahren zirka 18 km in einer knappen Stunde, bis es nicht mehr
weiter geht. An unserer Parkposition steht schon ein weiteres
Touristenmobil (verdammter Mist :-(), allerdings ist dieses deutlich
besser
für's Gelände geeignet als unser Minibus. Wir haben
aber
keinen Grund uns zu beschweren, denn Alex ist ein
Meisterfahrer
und unser Bus ist deutlich geräumiger und bequemer als ein
Geländewagen. Alex müssen wir nun
zurücklassen, denn
dieser muss aus Sicherheitsgründen den Bus und unser
Gepäck
bewachen. Wir haben jetzt noch einen 30-minütigen
Fußmarsch
vor uns, bevor wir den Ort der Hochzeitszeremonie erreichen, wie unser
Guide informiert. Viel zu schnell stürzen wir durch hoch
interessantes Gelände, aber unser Guide gibt das Tempo vor. Er
wird wissen warum. Wir wollen ja auch nichts vom Ablauf der Zeremonie
verpassen.
Schon einige Minuten bevor wir den Schauplatz erreichen, hören
wir aus der Ferne Gesänge, Schellen und Hörner
erklingen. Man hat also schon mit den Feierlichkeiten begonnen.
Bild 692 - 705: In einem Banna Village
Im Dorf angekommen, wird kaum Notiz von uns genommen. Man ist
solche Gäste wie uns gewohnt. Unser Gastgeschenk in Form eines
uns unbekannten Anteils an unserem Deal den wir mit dem Guide gemacht
haben, ist eine zusätzliche und willkommene Einnahmequelle des
Stammes. Dadurch können wir uns frei und völlig
bedenkenlos bewegen und so viele Fotos machen wie wir möchten.
Eine Gruppe Frauen mit zahlreichen Schellen an den Waden
bestückt, umkreist betont stampfend, singend und springend
einen Baum. Dabei wird mit
kleinen Metallhörnern immer wieder getrötet was das
Zeug hält. Gewehre und Maschinenpistolen dürfen
natürlich auch wieder nicht fehlen. Allerdings sehen wir diese
Bewaffnung heute zum ersten Mal auch bei Frauen.
Es bahnt
sich doch nicht etwa bei Mastu die nächste
Bullensprungzeremonie an?
Bild 706 - 716: Bei den Banna
Für uns hat sich immer noch nicht hinreichend
geklärt, wie wir nun die Banna
von den Hamer
sicher unterscheiden können. Sämtliche Schmuck- und
Kleidungselemente die uns geläufig sind, kann man sowohl bei
den
Banna als auch bei den Hamer finden. Auch die Fertigung der Haartracht
bei den Frauen aus dünnen Zöpfen, die mit
einer Mischung
aus roten Mineralien und Butter gedreht werden, ist bei beiden
Stämmen zu finden. Selbst die sich heute anbahnende
Bullensprungzeremonie
als Reifeprüfung der jungen Männer und Bestandteil
eines
mehrtägigen Hochzeitsrituals, wird von beiden
Stämmen
durchgeführt. Aber wie wir schon früher
angeführt haben,
sollen ja die Hamer aus den Banna hervorgegangen sein.
Bild 717 - 727: Beim Banna Tribe
Auffallend ist, dass sich momentan nur wenige Männer in der
Siedlung aufhalten. Jene die da sind, kochen etwas abseits in
großen Blechtonnen irgendein Gebräu. Andere
wiederum sind damit beschäftigt die Frauen mit einem
alkoholischen Getränk aus großen
Flaschenkürbissen abzufüllen, was diese bei ihren
Tänzen ein wenig in Trance und andere in ausgelassene Stimmung
versetzt. Es wird ständig für Nachschub gesorgt und
überall liegen die geleerten Flaschenkürbisse herum.
Sicherlich hilft das auch ein wenig dabei, die noch bevorstehende
traditionelle Auspeitschung der Frauen besser zu vertragen.
Die Frisuren
der Gäste sind auch von Interesse.
Bild 728 - 738: Bei den Banna und ihren
Gästen
Nach einer Verschnaufpause suchen sich die Frauen eine neue Route
für ihre Tänze, die eher an einen Marsch erinnern. So
geht es stundenlang. Marschieren, Pause, marschieren, ... usw.. Ihre
Ausdauer ist bemerkenswert. Inzwischen treffen auch nach und nach mehr
Männer ein, die sich aber weitestgehend in Grüppchen
etwas abseits zu einem ruhigen Schwätzchen zusammenfinden oder
dem Treiben der Frauen schweigend zuschauen. Andere wiederum befassen
sich in Vorbereitung der Bullensprungzeremonie mit ritueller
Körpermalerei.
Bild 739 - 750: Bei den Banna zu Gast
Mit den Märschen der Frauen durch die Landschaft ist es
schließlich vorläufig vorbei, als die Ankunft des
Peitschenmannes
angekündigt wird. Wer jetzt denkt, die armen Frauen werden
aufgrund irgendwelcher martialischen Traditionen gegen ihren Willen
ausgepeitscht, täuscht sich gewaltig. Die Frauen sind
regelrecht
verrückt danach und streiten sich wer als nächstes an
die
Reihe kommt. Man hat fast den Eindruck, dass sich der Peitschenmann vor
den vielen Auspeitschungsanträgen am liebsten verstecken
möchte. Aber die Frauen lassen nicht locker. Um so mehr Narben
sie
davontragen und je mehr Blut fließt, umso mehr
können sie
jetzt und später Zeugnis von ihrem Mut ablegen. Es
heißt
sogar, dass nach der Auspeitschung noch bestimmte Mittel in die Wunden
gegeben werden, damit diese entzünden und zu stark wulstigen
Narben führen. Je mehr desto schöner.
Der
Peitschenmann
Auch eine
Möglichkeit das Geld unterzubringen.
Bild 751 - 760: Auspeitschung und Streitereien
der Frauen
Der offizielle Peitscher hat ein schwarzes durchsichtiges Tuch auf dem
Kopf, sowie
eine lange stabile und dünne Gerte aus Holz von zirka 2 Meter
Länge. Sie ist äußerst stabil und zerbricht
dennoch hin und wieder. Aber an derartigen Peitschen herrscht hier kein
Mangel.
Irgendwann haben sich sogar die Frauen einiger bemächtigt, die
sie offenbar im Streit untereinander um die Reihenfolge bei der
Auspeitschung auch einsetzen würden. Andere wiederum greifen
sogar zu
Knüppeln. Da möchte man nicht dazwischen geraten.
Warum das so ist, erschließt sich uns nicht. Eigentlich ist
genug Zeit und wer möchte kommt auch dran. Zumal auch noch
andere Männer inzwischen das Amt des Peitschers ergriffen
haben.
Während der Peitschenschläge steht die
Frau dem Peitscher mit dem Gesicht gegenüber und dennoch wird
von der äußerst biegsamen Gerte der Rücken
erreicht. Immer wieder surrt die Peitsche durch die Luft und klatscht
auf die
Rücken der Frauen, bis diese endlich alle befriedigt sind und
Ruhe geben.
Bild 761 - 769: Bei den Banna zu Gast.
Die Banna (auch Benna, Bena oder Banya) zählen zwischen 45.000
bis 50.000 Stammesmitglieder und haben noch ihren eigenen
König. Die meisten von ihnen sollen Muslime sein. Es sind aber
auch einige Tausend Christen unter ihnen. Aufgrund ihrer Lebensweise
besitzen sie aber keine festen Moscheen und Kirchen in der Wildnis.
Weit verbreitet
sind aber auch noch "Naturreligionen" und der Glaube an verschiedene
Geister. Sie leben hauptsächlich im unteren Tal des Omo. Wie
alle anderen Volksgruppen Äthiopiens, haben die Banna ihre
eigene Sprache, die als Hamar-Banna oder Hamer-Banna bezeichnet wird.
Die Banna beschäftigen sich hauptsächlich mit Land-
und Weidewirtschaft. Sie besitzen zahlreiche Ziegen, Rinder und Kamele
und sind besonders für ihre Honigproduktion bekannt.
Dafür hängen sie Bienenkörbe in den
Akazienbäumen auf, wie dies auch andere Volksgruppen
Äthiopiens tun (Siehe Teil
5, Bild 354 + 355).
Banna mit
hölzerner
Kopfstütze die beim Schlaf verwendet wird.
Bild 770 - 772: Warten auf den Sonnenuntergang
und die
Bullensprungzeremonie
Langsam werden die Schatten immer länger und die Zahl der
bewaffneten Männer steigt immer weiter an. Ebenso kommen immer
mehr Rinder von ihren Weiden zurück ins Dorf. Alle warten
jetzt nur noch auf die Bullensprungzeremonie, die erst nach
Sonnenuntergang erfolgen soll. Der heutige Kandidat ist 18 Jahre alt
und wird erst eine Woche später seine eigentliche Hochzeit
feiern, wie wir erfahren. Das heutige Gelingen des Bullensprunges ist
dafür natürlich die Voraussetzung. Dafür
werden mindestens 10 Bullen nebeneinander aufgereiht, die von den Banna
an Hörnern und Schwänzen in die richtige Position
gezogen und gehalten werden. Das dauert natürlich eine ganze
Weile.
Hin und wieder muss auch ein zu unruhiger Bulle ausgetauscht werden,
weil er ausbüxt oder sich einfach nicht in Position bringen
lässt. Wenn alle Bullen schließlich beruhigt sind,
muss der stets völlig nackte Jüngling aus dem Stand
auf den Rücken des ersten Bullen springen und dann
über alle nebeneinander aufgereihten Rinder laufen ohne
abzustürzen. Das muss ihm viermal fehlerfrei gelingen. Hierbei
wird er von den Frauen unterstützt, die wieder mit viel
Spektakel
und lautstark singend, mit ihren Schellen und Hörnern den
Zeremonieplatz
umkreisen.
Bild 773 - 779: Der Bullensprung wird
vorbereitet.
Bevor es zum eigentlichen Bullensprung kommt, werden noch ein paar
Rituale und Zauber unter Anwesenheit des
Bullensprungkandidaten durchgeführt. Es werden Armreifen
auf einem zwischen mehreren Peitschen hindurch gesteckten
Klöppel übereinander gestapelt und von zwei bunt
bemalten sitzenden Banna nach einem bestimmten Schema umgeworfen (siehe
Video). Was daraus abzulesen oder welcher Zauber das ist,
wissen wir leider nicht. Danach wird eine
weiße klebrige Flüssigkeit verspritzt, die nicht
unbedingt irgendjemand abbekommen möchte.
Während die Banna noch mit den Bullen um ihre Position
kämpfen, steht schon der heutige Bullensprungkandidat bereit
und hat sich aller Kleidungsstücke entledigt. Es scheint ihm
sichtlich unangenehm zu sein, als einziger nackter Jüngling
und zukünftiger Mann auf seinen Einsatz zwischen all den
anderen Angezogenen warten zu müssen. So sucht er noch etwas
Deckung hinter einem Freund, bis es endlich so weit ist.
Bild 780 - 783: Jetzt kann es losgehen.
Schließlich sind es 12 Bullen die nebeneinander
aufgereiht wurden, die der heutige Springer bewältigen muss.
Alles ist bereit. Der junge Banna springt auf den ersten Bullen und
versucht sein Glück. Dann stürzt er ab und
fällt zwischen die Tiere. Aber das ist kein Problem. Die
Zeremonie geht weiter. Als er zweimal in jede Richtung fehlerfrei die
Bullen überquert hat, ist seine Probe bestanden. Nun ist er in
den Kreis der Erwachsenen aufgenommen und darf nächste Woche
seine Hochzeit antreten.
Bild 784 - 788: Der Bullensprung
Der junge Mann ist glücklich, die Zeremonie bestanden zu haben
und wird gefeiert. Jetzt geht es vermutlich in den gemütlichen
Teil der folgenden Nacht über, den wir nicht mehr miterleben.
Mastu und unser örtlicher Guide mahnen zur Eile. Nahezu
fluchtartig verlassen wir den Schauplatz und laufen mit der beginnenden
Dunkelheit um die Wette. Jetzt ist jede Minute kostbar. Immerhin haben
wir noch einen längeren Fußweg und eine noch viel
längere Fahrt durch unwegsames Gelände vor uns. Das
kann sehr schwierig werden, wenn es richtig finster ist.
Bild 789 + 790: Auf dem Weg zurück
zur Parkposition.
Und hier noch ein paar bewegte Bilder, wer in die Atmosphäre
der Bullenspringzeremonie eintauchen möchte.
Video: Ein paar Eindrücke vom
Besuch der Banna inkl. ein paar Ausschnitte von der Anfahrt
Am Minibus ist noch alles in Ordnung und unser Gepäck ist noch
anwesend. Es gab keine besonderen
Vorkommnisse. Für Alex beginnt nun der anstrengendste Teil des
Tages, aber er hatte ja genug Zeit sich zu erholen. ;-) Herzu war es
schon kompliziert genug, aber der Rückweg ist wegen der immer
stärker werdenden Finsternis noch schwieriger. Zum
Glück wird es alle paar hundert Meter etwas besser, bis wir
irgendwann wieder die breite Sandpiste in Richtung Key Afer
erreicht haben.
Jetzt müssen wir nur noch unseren Guide in Key Afer absetzen
und dann weiter in Richtung Turmi zu unserer Lodge fahren. Wir haben
uns hierfür die Buska Lodge ausgesucht, die an einem breiten
Flusstal liegt. Dort werden wir drei Nächte bleiben, bevor
unsere Route wieder in die umgekehrte Richtung geht.
Gegen 21:00 Uhr sind wir am Ziel, nachdem wir uns kurz zuvor noch fast
im Sand eines anderen Flussbettes festgefahren hätten. Das
hätte gerade noch gefehlt. Zum Glück konnten wir aber
mit
vereinter Muskelkraft unseren Minibus aus seiner misslichen Lage
befeien.
Es ist für die Lodge höchste Zeit, dass wir
eintreffen, denn die Küche möchte so langsam
schließen. Deshalb ist schon vor dem Zimmerbezug die
Essenbestellung angesagt. Jetzt können wir in Ruhe ankommen
und unser Quartier in Besitz nehmen. Nach der Rückkehr ins
Restaurant, müssen wir nun nicht mehr warten und es kann
sofort
serviert werden.
Ein erlebnisreicher Tag geht nun entspannt zu Ende.
Morgen werden wir nach Dimeka fahren und zwei farbenfrohe
Märkte erkunden und am Abend ein Dorf der Hamer besuchen.
Dazwischen ist etwas Zeit zur Entspannung. Wir werden sehen, was wir
damit anstellen werden.
Copyright: www.reggaestory.de
Fotos: Marion & Peter Joachim
Text und Videos: Peter Joachim